Seit dem Release des NES Mini und auch dem SNES Mini habe ich immer auch mit den alternativen Auflagen geliebäugelt. Denn in Japan hatte das NES ein anderes Design und in USA hatte das SNES ein anderes Design. Doch da ist hierzulande einfach schwer dran zu kommen und wenn man bedenkt, dass fast die gleichen Spiele auf den Mini-Konsolen enthalten sind rechtfertigt eine andere Hülle wohl kaum einen Import. Doch das sollte sich nun ändern: In Japan ist vor Kurzem eine exklusive Sonderauflage des NES Mini, bzw. da wir uns in Japan befinden, des Famicom Mini in schickem Gold erschienen, die neben einem abweichenden Äußeren auch eine komplett neue Spieleauswahl mit sich bringt. Mir hat ein Kollege dankeswerterweise ein Exemplar aus Japan mitgebracht, sodass ich es nun auch ausführlich vorstellen.

Diese Sonderauflage ist zum 50. Jubiläum und in Zusammenarbeit mit dem wöchentlich erscheinenden Shonen Jump Comic erschienen und so ist die komplette Verpackung von Design und Abmessung auch 1:1 den Comic-Büchern nachempfunden. Da es sich um eine Sonderauflage handelt, die sich auch optisch abheben soll wurde das Weiß/Grau der Konsole komplett in Gold eingefärbt und ich muss zugeben, dass sie echt toll aussieht. Die Kombination des goldenen Grunds mit roten Details wirkt sehr edel und macht sich allein schon gut als Deko-Artikel, den hierzulande kaum jemand sein eigen nennen dürfte.

Im Karton befindet sich neben der Konsole an sich, einer Anleitung, noch ein HDMI- und ein USB-Kabel. Vom Umfang soweit also kein Unterschied zum europäischen Release. Doch entgegen der europäischen Konsole kommt das Famicom bereits von Haus aus mit zwei Controllern. Dafür gibt es aber einen ganz simplen Grund, denn diese sind, wie bei der Vorlage, kabelgebundenen und fest an der Hinterseite der Konsole verbaut. Das führt leider dazu, dass die Kabel, die auch nicht länger sind, als bei der europäischen Version, gefühlt sogar noch kürzer wirken, da sie erst an der Konsole vorbei reichen müssen. Zusätzlich sind die Controller nicht in Originalgröße, sondern wurden ebenso wie die Konsole an sich herunterskaliert, damit sie sich seitlich an der Konsole zum Verstauen einstecken lassen. Im direkten Vergleich sind die Controller wirklich winzig und fühlen sich auf Grund der „Größe“ sehr ungewohnt in der Hand an, da diese sogar noch kleiner sind, als die die Joycons der Switch. Und wer die Joycons kennt, der weiß wahrscheinlich wie winzig die in der Hand liegen. Für Kinderhände geht die Größe wahrscheinlich noch in Ordnung, aber für Erwachsene, die eindeutig die Hauptzielgruppe dieser Retro-Konsolen sind, ist die Steuerung leider echt fummelig.

Wie erwähnt befindet sich auf der Konsole ein neues Line-Up von vorinstallierten Spielen. Dabei sind es 20 Stück und es sind alles lizensierte Spiele, die Charaktere beinhalten, die über die Jahre auch in den Comics aufgetreten sind.

Zugegeben kennt man hierzulande die wenigstens davon und mir hat vom Titel her bis auf Dragonball, wo gleich drei Spiele enthalten sind und Dragon Quest, wo ich lediglich die neueren Spiele kenne, nichts etwas gesagt. Damit bin ich bestimmt hierzulande nicht alleine, denn wir im Westen sind eindeutig nicht die Zielgruppe dieser Veröffentlichung, was sich auch in einem anderen Punkt dramatisch äußert: Der Sprachbarriere – Denn sowohl die Anleitung, das UI der Konsole und die Spiele sind ausschließlich in japanischer Sprache enthalten. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass man das UI zumindest auf Englisch umstellen kann, da wahrscheinlich weltweit nur ein UI für alle Auflagen verwendet wird, aber das ist leider nicht der Fall. Zwar findet man sich hier auch mit ein wenig Trial&Error so zurecht, aber in den Spielen ist die Sprache ein wirkliches Problem, denn bei fast allen Spielen handelt es sich um Text-lastige RPGs. Sogar bei Spielen, die vom Bild her wie ein Sportspiel aussehen, kommt man ohne die Sprache zu beherrschen zu keinem Punkt, an dem man wirklich etwas machen kann.

Zusätzlich sind die Spiele, die man dann irgendwann spielen kann, wie unter anderem die japanische Version von „Tag Team Match: M.U.S.C.L.E.“ oder der Vorgänger zu „Fist of the North Star“ leider auch nicht besonders gut, da es sich um sehr frühe Spiele für die Konsole handelte, was dann das Gesamtbild weiter trübt. Insgesamt sind von den 20 enthaltenen Spielen sogar nur 3 im Westen erschienen und diese wurden teilweise auch noch, wie am Beispiel von „Dragon Ball: Shenlong no Nazo“, das in USA als „Dragon Power“ veröffentlicht wurde, so stark an den Westen angepasst, dass es im Grunde nicht mehr mit dem Grundspiel vergleichbar ist.

Hier ist eine Liste der Spiele:

# Originaltitel Englischer Titel
1 Kinnikuman: Muscle Tag Match Tag Team Match: M.U.S.C.L.E.
2 Dragon Quest Dragon Quest
3 Hokuto no Ken
4 Hokuto no Ken 3: Shin Seiki Sōzō: Seiken Retsuden
5 Dragon Ball: Shenlong no Nazo Dragon Power
6 Dragon Ball 3: Goku Den
7 Dragon Ball Z: Kyōshū! Saiyajin
8 Kinnikuman: Kinniku-sei Ōi Sōdatsusen
9 Saint Seiya: Ōgon Densetsu
10 Saint Seiya: Ōgon Densetsu Kanketsu-hen
11 Captain Tsubasa
12 Captain Tsubasa Vol. II: Super Striker
13 Sekiryūō
14 Famicom Jump: Hero Retsuden
15 Famicom Jump II: Saikyō no Shichinin
16 Sakigake!! Otokojuku Shippū Ichi Gō Sei
17 Ankoku Shinwa: Yamato Takeru Densetsu
18 Tenchi o Kurau
19 Magical Taluluto-kun: Fantastic World!
20 Rokudenashi Blues

Das UI der Konsole ist, wenn man von der Sprache absieht, nahezu identisch zur europäischen Version, verfügt aber über eine einen alternativen Bildschirmschoner und benutzt zur musikalischen Untermalung des Menüs zufallsgenerierte Musik-Schnipsel aus den enthaltenen Spielen. Davon abgesehen stehen die gleichen Einstellungsmöglichkeiten (Filter, etc.) und Features (Save States, etc.) zur Verfügung.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Konsole zwar optisch toll aussieht, aber sowohl die Kritikpunkte, der kurzen Kabel und der winzigen Controller trüben das Gesamtbildungemein. Zusätzlich ist das Line-Up insgesamt mehr als enttäuschend. Selbst wenn man Fan der referenzierten Animes ist muss man zugeben, dass sich die Spieleauswahl keinesfalls mit der des normalen NES Mini vergleichen lässt, denn Highlights, wie “The Legend of Zelda”, “Super Mario Bros.“ oder “Castlevania” sucht man hier leider vergebens. Hätte man hingegen noch ein paar Klassiker dazu gepackt, was von Sachen Speicherplatz bestimmt ohne Probleme möglich gewesen wäre, hätte die Konsole mehr Daseinsberechtigung. Machen wir uns nichts vor, die Konsole ist ein schickes Sammlerstück, die sich verdammt gut auf dem Regal macht, aber mehr leider nicht. Und das ist wirklich schade, denn so eine tolle Edition der Konsole hat eindeutig mehr verdient als nur als Deko-Artikel zu verstauben…

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NB@09.11.2018