Die 90er Jahre. – Das war in vielen Belangen eine simplere Zeit, bevor wir ständig erreichbar waren, als Bill Cosby noch abseits von Vergewaltigungsvorwürfen im TV zu sehen war, als Michael Jackson unser aller Held war und als wir in unserer Freizeit, zumindest in meinem Fall, am liebsten am Sega Mega Drive klebten. Da auch Michael Jackson ein großer Videospiel-Fan war, erscheint es nur auch logisch, dass es auch ein Videospiel mit dem King of Pop gab. Als Vorlage stand der Kinofilm „Michael Jackson’s Moonwalker“ aus dem Jahr Pate, das Sega 1990 zuerst für die Arcade umsetzte.

 

Gleichzeitig mit der Arbeit an der Arcade-Umsetzung, bei der es sich um einen isometrische-ausgerichteten Brawler à la Streets of Rage handelte, den es leider bisher nicht in irgendeiner Form für Heimkonsolen gibt, entwickelte Sega auch ein zweites Spiel basierend auf der gleichen Vorlage und brachte das Ergebnis 1991 für den Sega Mega Drive heraus. Da der Mega Drive im Vergleich zu den damaligen Möglichkeiten der Arcade-Automaten sehr viel schwächer auf der Brust war, wurde ein im direkten Vergleich reduzierteres Spiel abgeliefert. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass es auch schlechter ist…

 

Für die Heimversion hat sich nicht nur die Ansicht des Spiels, bei der die isometrische einer 2D-Seitenansicht gewichen ist, geändert, sondern auch das Spielprinzip wurde ziemlich angepasst. Haben wir in der Arcade-Version noch als einziges Ziel gehabt alle Gegner auszuschalten, ist in der Mega Drive-Version unsere Hauptaufgabe entführte Kinder zu befreien. Denn der Bösewicht des Films und analog dazu des Spiels, der böse Mr. Big, hat unzählige Kinder entführt, um sie zu versklaven. Aber nicht solange Michael da ist, denn dieser zieht aus die entführten Kinder zu retten. Die unterschiedlichen Level sind dabei, ebenso wie ziemlich schicke Chiptune-Versionen der Lieder von Michael Jackson, aus dem Film entliehen und bilden somit ein grobes Gerüst für das Spiel. Michael ist dabei in seinem ikonischen Outfit, aus dem Smooth Criminal-Abschnitt aus dem Film, mit weißem Anzug und obercoolen Fedora unterwegs. Ein wirkliches Intro gibt es nicht, außer dass Michael den ersten Bildschirm (= die Bar) betritt und eine Münze in die Jukebox flickt, was die Musik und gleichzeitig das Spiel startet. Nun geht es daran die entführten und im Level versteckten Kinder zu finden, wobei sich uns unzählige Gegner in den Weg stellen, die wir mit einem stylischen Kick oder diversen Spezialattacken abwehren können. In jedem Level ist eine bestimmt Anzahl Kinder, die alle die kleine Katie aus dem Film sind, versteckt, die sich in Türen, Schränken, oder in späteren Leveln auch in Büschen, Kofferräumen von Autos bis hin zu hinter Grabsteinen versteckt sein können. Da es zwar einen Indikator gibt, wie viele Kindern noch im Level versteckt sind, aber keine Möglichkeit zu sehen, wo wir schon gesucht haben, hat man im Grunde keine andere Wahl, als jede Möglichkeit des Levels abzuklappern, wo allerdings auch Vorsicht geboten ist, denn hinter Türen können auch Gegner und in Kofferräumen können sogar Bomben auf uns warten.

 

Zum Abwehr der Gegner hat Michael neben seinem Kick, der sich auch mit dem Sprung kombinieren lässt, auch diverse Specialmoves, wie das Werfen seines Hutes im Gepäck oder das ikonische Tanzen im Gepäck. Besonders das Tanzen ist dabei schick, da es alle Gegner auf dem Bildschirm hypnotisiert, die dann zusammen mit Michael tanzen müssen und im Anschluss das zeitliche segnen. Wie die Songs im Spiel, die sich bei jedem neuen Level ändern, ändern sich die Tänze auch von Level zu Level, um sich der aktuellen Musik anzupassen. Leider haben diese Specialmoves einen gravierenden Nachteil, denn sie verbrauchen auch unsere eigene Lebensenergie. Man sollte sie daher nur im Notfall einsetzen. Zusätzlich gibt es noch einen Super-Move im Spiel, der in jedem Level getriggert wird, wenn wir ein bestimmtes Kind als erstes einsammeln fällt eine Sternschnuppe vom Himmel, die wir einfangen können. Schaffen wir das transformiert Michael in einen riesigen Roboter, der Laser und Bomben verschießt, unverwundbar ist und sogar die versteckten Kinder in ihren Verstecken sehen kann. Leider hält dieser Modus nicht besonders lange und Kinder kann man auch in der Transformation nicht retten, was es leider schon fast sinnlos werden lässt.

 

Der Ablauf eines Levels ist dabei immer identisch: Wir müssen alle Kinder aufspüren und uns währenddessen den Horden von Gegnern abwehren. Haben wir alle Kinder gefunden erscheint Michael’s Affe Bubbles und führt ihn per Fingerzeig zum Bosskampf im Level, der immer aus einem kurzen Gastauftritt von Mr. Big, ein paar warmen Worten und gefolgt von einer Horde Gegner, die wir besiegen müssen, besteht. Das ist zwar, ebenso wie die Levels an sich, im Grunde nicht besonders abwechslungsreich, aber da sowohl die Spielmechaniken und die Gegnertypen sich von Level zu Level leicht verändern, wird es dennoch nicht langweilig. Mr. Big selbst wird erst am Ende des Spiels bekämpft.

 

Grafisch sieht das Spiel wirklich schick aus und sowohl die Sprites, wie auch die Stages sind schön animiert und liefern ein wirklich solides Gesamtbild ab. Lediglich im Friedhof und Höhlenlevel gibt es ein paar unschöne Grafikeffekte, wo versucht wurde Nebel und Transparenz einzubauen, womit der Mega Drive schlichtweg überfordert ist und das nicht wirklich darstellen kann. Aber da der Rest wirklich schön aussieht, kann man über solch kleine Schnitzer durchaus hinweg sehen. Wo das Spiel allerdings richtig auftrumpft ist der Soundtrack, denn hier bekommen wir schönsten Chiptune in Reinkultur von Michael Jackson’s Songs, die zwar nur in Teilen und in Schleifen laufen, aber dennoch nicht nur super umgesetzt, sondern auch in dieser Form wahre Ohrwürmer sind.

 

Leider muss ich zugeben, auch wenn das Spiel immer noch Spaß macht, hat sich der Zauber bis heute nicht komplett gehalten. Zu sehr fallen einem dabei die repetitive Natur des Spiels, das im Grunde nur aus Trial & Error, bei der Suche nach dem (immer gleichen) Kind und einer schier endlosen Horde von Gegnern besteht, ins Auge. Es ist zwar schön, dass in jeder Stage unterschiedliche Gegnertypen angewandt werden, aber gerade in Bezug auf das Kind und die Gegner innerhalb einer Stage hätte ein wenig mehr Abwechslung bestimmt nicht weh getan und selbst wenn man es nur durch Verwendung einer anderen Farbe versucht hätte. Und auch wenn die Musik immer noch top ist, muss ich hier leider noch einen Punkt ansprechen, der mich schon immer gestört hat: Eins der besten Lieder von Michael Jackson, also  „Thriller“ ist zwar als Level und auch als Tanz enthalten, aber nicht als Song. Gerüchten zu Folge gibt es Auflagen, wo der Song enthalten ist, was bei meiner Version aber nicht der Fall ist. Und ich kenne auch niemanden, der diese ominöse Version je gesehen hat. Es soll wohl irgendwelche rechtlichen Probleme bei der Implementierung des Songs im Spiel gegeben haben, was überaus blöd ist, wenn man das Level spielt und den Tanz sieht, ohne den Song zu hören. Eingefleischte Michael Jackson– und Sega-Fans werden bestimmt dennoch ihren Spaß mit dem Titel haben, aber da er heutzutage nicht mehr so günstig zu bekommen ist, sollte man sich lieber zwei Ma überlegen, ob man das Geld dafür wirklich in die Hand nehmen möchte. Alle anderen warten vielleicht besser auf eine längst überfällige Umsetzung der Arcade-Version, die zwar auch repetitiv, aber dennoch sehr viel besser gealtert ist.

Michael Jackson's Moonwalker (World) (Rev A)-30

NB@18.12.2018

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