Es gibt wirklich wenige Spiele mit Weihnachtsthematik, aber aus dem Anlass habe ich mal eins ausgegraben, was heute sehr in Vergessenheit geraten ist. Dabei ist „Daze before Christmas“ ein in vielerlei merkwürdiges Beispiel, denn das Spiel erschein erst 1994 für den Sega Mega Drive und war somit eins der letzten Spiele, die (regulär) für die 16bit Konsole herausgekommen sind. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits der Sega Saturn und die PlayStation im Anmarsch, die gegen Jahresende, bzw. Anfang des Folgejahres herausgebracht wurden. Aber es wird noch merkwürdiger, die das Spiel unter Sammlern sehr begehrt machen, denn das vom schwedischen Entwickler Funcom entwickelte und von Sunsoft herausgebracht Spiel wurde aus unerfindlichem Grund ausschließlich in Australien herausgebracht. – Warum nur in Australien? Soll das am Ende etwas über die Qualität des Spiels aussagen?

Das Spiel ist ein für die damalige Zeit sehr kindlicher Plattformer, der thematisch in der Zeit vor Weihnachten angesiedelt ist. Wir spielen dabei Santa Claus, der sich im Kampf gegen einen bösen Schneemann befindet, der es gewagt hat das Weihnachtsfest zu gefährden. Denn der Schneemann hat sowohl die helfenden Elfen, wie auch die Rentiere entführt und ohne diese kann Santa seinen Job nicht ausüben. Da das allerdings noch nicht genug ist hat der Schneemann auch seine magischen Kräfte benutzt um jede Menge Gegner in den Weg von Santa zu stellen, die den bärtigen Geschenkelieferanten angreifen. – Gut ist allerdings, dass Santa auch ein paar Tricks im Ärmel hat und so kann er die Gegner einfach in harmlose Geschenke zu verwandeln, was er durch Verschießen seine magischen Projektile macht.

Soweit so gut. Das Spielt sich zwar gut, ist aber im Grunde identische Kost zu jedem anderen x-beliebigen Plattformer, nur das dieser ein Weihnachtsthema hat. Doch es gibt noch eine weitere Mechanik, die ihn von der Standardkost abhebt, denn neben unserem altbekannten Santa gibt es auch Powerups in Form von Kaffee in den Levels mit denen wir Santa’s böse Seite herauslassen können und verwandeln uns in einen bösen, fast dämonischen Santa, also quasi Satan Claus, wenn man so möchte. Ähnlich wie im Spiel „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ für das NES verändert sich dabei das Gameplay ungemein: In diesem Modus verschießen wir keine Magie mehr und sammeln auch keine Geschenke ein, denn hier sind wir etwas brutaler drauf und können den Gegnern mit unserem Geschenkesack einen über die Birne hauen und sind unverwundbar…

Das Spiel besticht durch einige nette Details, wie zum Beispiel den Map-Screen zwischen den Levels, der aussieht wie ein Schokoladen-Adventskalender. Die Levels sind zwar nichts außergewöhnliches, aber auch hier wurde das Weihnachtsthema durchgezogen, denn so beginnen wir offensichtlich in Santa’s Workshop und kämpfen uns nach und nach durch allerlei thematisch-passende unterschiedliche Areale. Aufgelockert wird das Ganze auch noch durch kurze Flugpassagen, wo wir sogar Santa’s Schlitten steuern dürfen, was eine spaßige Abwechslung darstellt. Allerdings muss ich wirklich anmerken, dass man in Bezug auf die Bosse wirklich hätte mehr Weihnachtsbezug hätte einfließen lassen können: Schneemänner und auch Schneewolken lasse ich ja durchgehen, aber wir bekämpfen auch eine Ratte, die doppelt so groß ist wie Santa und eine wildgewordene mannsgroße Taschenuhr… Es gibt anscheinend Sachen, die muss man nicht verstehen.

Von der technischen Seite zeigt sich aber, dass hier wahrscheinlich nicht so viel Arbeit reingesteckt wurde, denn auch wenn die Charaktere noch recht schön animiert sind, sind die Levels an sich gerade zu leer und diese Leere wird nur durch x-fache Abziehbild-Kopien der immer gleichen Gegner gefüllt und selbst davon stellen die meisten keine wirkliche Herausforderung dar. Man hat zwar versucht durch minimal scrollende Hintergründe etwas Dynamik in die Levels einzubringen, aber das wirkt leider nur so, als ob sich alles vor einer großen Bildtapete abspielt. Santa steuert sich in beiden Varianten flüssig, wenn auch für meinen Geschmack bei Sprüngen und an Kanten etwas zu ungenau, was schade ist, denn abseits davon spielt sich das Spiel wirklich gut.

Die Zielgruppe waren eindeutig jüngere Kinder, denn bis auf 2 oder 3 etwas kompliziertet Sprungpassagen, die auch nur auf Grund der etwas schwammigen Sprungmechanik erschwert wurden, stellt keins der Level eine wirkliche Herausforderung dar und ist ohne größeren Aufwand innerhalb von 30-50 Minuten zu beenden, was gerade in Hinsicht auf den Preis, der heutzutage für das Spiel zu Buche schlägt, in keiner Relation steht.

Für Komplettionisten ist das Spiel natürlich Pflicht, aber für jeden anderen Retro-Spieler gibt es unzählige bessere und günstige Spiele, um sich auch heute noch eine respektable Mega Drive-Sammlung aufzubauen, denn „Daze before Christmas“ bietet da einfach nicht genug. Das Spiel macht zwar Spaß, ist aber viel eintönig, viel zu leicht und letztendlich auch viel zu kurz. Zweifelsfrei wurde aus diesen offenkundigen Mängeln nicht weltweit veröffentlicht und würde heute wahrscheinlich auch nur in digitaler Form bei Steam und Konsorten zum Kauf angeboten werden. Das erklärt zwar in keine Weise, warum es dennoch in Australien herausgebracht wurde… Aber so hatte ich wenigstens ein thematisch passendes Spiel, um euch das Weihnachtsfest etwas zu versüßen. Ich wünsche euch und euren Familien frohe Weihnachten und schöne Feiertage!

NB@24.12.2018