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Flüchtlingskrise zum Spielen… Klingt erst mal komisch und nicht gerade nach etwas, was man auf seiner PS4 erleben möchte, oder? Wir sind ein Flüchtling aus einem entfernten Land, der in der Hoffnung auf ein besseres Leben seine Heimat verlassen hat und in den Norden geflüchtet ist. Hier angekommen findet er sich in einer ihm fremden Welt wieder. Er lebt in einer kleinen Wohnung, die er sich mit ein paar anderen Menschen teilt, hat einen Job in dem er zwar eine Aufgabe hat, aber nichts über die Hintergründe, warum er etwas machen soll weiß und sowohl die Sprache, wie auch die Funktionsweise dieser Gesellschaft ist ihm fremd. Da er sich zusätzlich unter ständiger Beobachtung von Kameras befindet muss er sich wirklich fragen, ob das die beschwerliche Reise wirklich wert war. Was auf den ersten Blick zutiefst bedrückend klingt, ist leider bittere Realität in unserer Welt und die Entwickler vom kleinen Studio Outlands haben sich diese schwierigen Thema angenommen und präsentieren in Zusammenarbeit mit Publisher Sometimes You ihre Interpretation als überzeichnete futuristische Distopie. Denn das Setting wird in eine Cyberpunk-Welt à la Blade Runner und Konsorten verlagert, untermalt von hypnotischem und sphärischem Synthpop-Klängen, die stellenweise John Carpenter-Flashbacks aufkommen lassen. Ähnlich, wie es für viele Menschen Alltag ist, müssen wir uns in dieser Fremden Welt ohne weitere Erklärungen oder Hilfen zurecht finden und unseren Alltag bestreiten. An jeder Ecke werden wir von Kameras beobachtet, wir treffen auf Alien-ähnliche Gestalten, die diese fremde Welt wohl beherrschen und sich in einer Sprache unterhalten, die wir nicht verstehen.

Wir steuern unsere Spielfigur aus der Ego-Perspektive und finden uns in einer unfreundlichen Welt wieder. Da uns das Spiel nicht wirklich an die Hand nimmt, müssen wir irgendwie selbst zurechtkommen und finden nur über eine gewisse Freude am Erkunden, oder auch Trial & Error unseren Weg und etwas an Hintergrundgeschichte und Einsicht in die Gefühlswelt unserer Figur, die in Form von Briefen nach Hause und Memos erzählt wird. So lernen wir auch, dass diese Gesellschaft unseren Charakter zwar wie einen Sklaven behandelt und wir eine niedere Arbeit in einer Mine zu erledigen haben, die so heiß ist, dass wir sterben, wenn wir uns zu lange darin aufhalten, sprich unsere Arbeit zu langsam machen. Auch wenn das anhand der Briefe immer noch ein besseres Leben ist, als das das wir zurückgelassen haben, müssen wir alles daransetzen unsere Position zu verbessern und dauerhaftes Asyl beantragen, für das wir allerdings einige Rätzel bestehen müssen, um nicht als Terrorist abgestempelt zu werden.

Haben wir das erfolgreich geschafft, dass man uns glaubt, dass wir also kein Terrorist sind, so müssen die nächsten Hürden in Form von medizinischen Untersuchungen und einer Konvertierung zu einer neuen Religion. Anscheinend gibt es in dieser Welt keine Religionsfreiheit und wir sind gezwungen das als notwendiges Übel hinzunehmen, wenn wir dauerhaft bleiben und im Norden irgendwann als freier Mensch leben wollen, was das Hauptziel des Spiels darstellt…

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Da unser Weg aber nicht linear und zur sehr viel Ausprobieren geprägt ist, muss man sich darauf gefasst machen, dass man das Spiel mitunter mehrmals spielen muss, worauf man sogar am Anfang des Spiels mittels einer Texttafel hingewiesen wird. Die Spielzeit kann dabei sehr stark von unseren Entscheidungen und dem Willen nach Erkunden zwischen 15 Minuten und mehreren Stunden variieren. Trophäenmäßig ist das Spiel fast ein Traum für Trophäenjäger, denn auch wenn es keine Platin-Trophäe zu verdienen gibt sind die 10 Trophäen (4 x Bronze, 5 x Silber, 1 x Gold und 0 x Platin), die man für 100% braucht in unter 20 Minuten erspielt, wenn man eine Lösung verwendet. Allerdings muss einem dabei bewusst sein, dass man sich beim Verwenden einer Lösung sehr viel des Inhaltes beraubt, da man nur sehr wenig Einsicht in die fremde Welt bekommt und die Gefühle, Beweg- und Hintergründe zu unserem Charakter größtenteils an einem vorbeigehen.

Auch wenn das Spiel von seiner technischen Seite als eher unspektakulär einzustufen ist, so ist die reduzierte Grafik in Kombination mit dunklen Farben ein Stilmittel, was in uns als Spieler ein Gefühl es Unwohlseins hervorrufen soll und so wiederum zur allgemeinen Prämisse und dem Thema des Spiels passt, wenn man sich darauf einlässt. Der elektronische Soundtrack, wie schon eingangs erwähnt, aber auch der Verzicht auf eine Untermalung in anderen Szenen tut sein Übriges für die recht bedrückende Stimmung des Spiels. Viele mögen wahrscheinlich die recht geringe Spielzeit kritisieren, aber der Wiederspielwert ist sehr hoch, denn auch bei einem dritten und vierten Anlauf entdeckt man immer noch Kleinigkeiten, die man vorher irgendwie nicht wahrgenommen hat, zumal das Spiel entsprechend der Spielzeit zu einem recht günstigen Preis angeboten wird. Regulär kostet das Spiel im deutschen PSN 3,59€, schnelle haben bis morgen sogar noch Glück und können es im Rahmen eines Sales 58% günstiger für schlappe 1,49€ bekommen, ein Preis bei dem man meiner Meinung nach nicht wirklich was falsch machen kann. Hier findet ihr einen direkten Link in den Store.

Zwar handelt es sich bei “North” keinesfalls um ein Must-Play, aber wer sich von der recht bedrückenden Gesamtstimmung und des allgemeinen Themas nicht abschrecken lässt, hat die Chance ein wirklich interessantes Spiel zu erleben, was bisher immer noch sehr tief unter dem Radar vieler fliegt. Zwar liefert das Spiel keine definitiven Antworten auf die Fragen, die es aufwirft, aber lässt dafür umso mehr Spielraum für einige Interpretationen. Ein Zustand den man in Videospielen eher selten antrifft…

NB@18.01.2019

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