Ich habe erst kürzlich ein mittlerweile sehr seltenes Spiel meiner NES-Sammlung hinzugefügt, über das man in Berichten immer wieder leicht widersprüchliche Dinge hört und war deswegen sehr aufgeregt, als ich es endlich in den Händen hielt. Es handelt sich um nichts geringeres als das Spiel zu einem der besten Actionfilme aller Zeiten, der gleichzeitig die Karriere von Bruce Willis ins Rollen gebracht hat, es geht um „Die Hard“ (= „Stirb Langsam“) aus dem Jahr 1988, wobei das Spiel erst im Fahrwasser des zweiten Teils im Jahr 1990 erschien. Entgegen viele Lizenzgurken der Vergangenheit, die meist immer von den üblichen Verdächtigen in Form von LJN und THQ kamen, kommt „Die Hard“ für das NES von keinem geringeren als Activision herausgebracht und von dem eher unbekannten Studio, Pack-in-Video, die unter anderem auch für die Spiele „Rambo“, „Predator“ und „Knight Rider“ auf dem NES verantwortlich sind.

 

Bevor wir uns mit dem eigentlichen Spiel beschäftigen mal eine kleine Randnotiz: Denn zuerst sticht das Cover des Spiels ins Auge, das angelehnt an das ursprüngliche Kinoposter ausschließlich das Bild des explodierenden Hochhauses zeigt und das Konterfei von Bruce Willis vermissen lässt. Selbst, wenn man davon absieht, dass seit dem 11. September niemand mehr ein Bild von einem explodierenden Hochhaus auf ein Spiel packen würde, handelt es sich um eine recht interessante Entscheidung das ursprüngliche Cover und nicht das Cover des Re-Releases mit dem Gesicht von Bruce Willis für das Spiel zu verwenden. Natürlich hat das keinerlei inhaltliche Auswirkungen auf das Spiel, aber ich fand es dennoch interessant genug, um mal kurz darauf einzugehen.

 

Wahrscheinlich muss man niemandem mehr wirklich die Story von „Stirb Langsam“ erklären, aber der Vollständigkeit-halber reiße ich sie kurz an: John McClain, ein New Yorker-Polizist ist am Weihnachtsabend auf eine Weihnachtsfeier der Firma seiner, momentan von ihm getrennt-lebenden Frau in Los Angeles eingeladen. Das Wiedersehen der beiden läuft zwar in Ordnung, aber nicht so gut, wie sich John es ausgemalt hatte und zu allem Überfluss gibt es auch noch eine Gruppe von militanten (deutschen) Terroristen, die die Party crashen und alle als Geiseln nehmen. Alle, bis auf John der sich gerade im Waschraum frischgemacht hatte und sich vor den Angreifern verstecken kann. Von dort an ist er der einzige, der den Angreifern Einhalt gebieten… Der Rest ist Geschichte. Der Film etablierte ein neues Bild des Actionhelden, der kein Übermensch à la Arnold Schwarzenegger oder Sylvester Stallone, sondern ein Normale wie wir alle ist und es schafft sich mit Witz und Verstand aus einer schier aussichtslosen Situation zu befreien. Das Konzept fand in kürzester Zeit etliche Nachahmer, die das Konzept auf ähnliche Situationen übertrugen. „Alarmstufe: Rot“, „Passagier 57“ oder selbst mittlerweile 4 (!!!) direkte Fortsetzungen von „Stirb Langsam“ haben seither versucht den Meilenstein des Actionkinos zu reproduzieren, aber meiner Meinung nach ist keiner bisher an den ersten Teil der Reihe drangekommen, umso interessanter wird es wahrscheinlich zu sehen, wie es sich mit dem gleichnamigen Spiel verhält…

 

Entgegen anderer Actionspiele mit Filmlizenz, besonders der 8- und 16bit-Zeit ist das Spiel sehr nah am Film, macht spieltechnisch einiges etwas anders und ist sogar überraschend komplex. Wir spielen John McClain und können im mehrere Etagen des Hochhauses im Film, dem Nakatomi Plaza, frei erkunden. Es gibt dabei alle Hauptereignisse des Filmes, doch diese sind im Spiel größtenteils als optionale Ziele implementiert, deren Erfüllungsgrad unser Ende des Spiels beeinflusst. Denn es gibt ausgehend von unseren abgeschlossenen Zielen unterschiedliche Enden im Spiel. Das Hauptziel ist dabei lediglich unsere Frau vor dem Oberbösewicht Hans Gruber zu retten, was wir allerdings erst machen können, wenn eine gewisse Zeit im Spiel abgelaufen ist. Denn der Boss und mit ihm die 30. Etage werden erst freigeschaltet, wenn Hacker Theo den Safe geknackt hat, was durch eine durch eine zeitliche Einblendung allgegenwertig ist. Die Zeit bis dahin können wir vollkommen frei nutzen und Gegner ausschalten und Nebenaufgaben erledigen, wie zum Beispiel die Polizei vom Dach aus rufen, die Detonator des Sprengstoffes stehlen oder einfach abwarten. Allerdings ermutigt uns das Spiel ungemein so viele Gegner, wie möglich auszuschalten, denn davon gibt es im Spiel eine fixe Anzahl und jeden, den wir nicht ausgeschaltet haben, müssen wir sonst auf dem Weg zum Endgegner besiegen. Wenn wir also fleißig waren und jeden bösen Buben, der uns vor die Flinte kam, aus dem Weg geräumt haben, haben wir ein leichteres Spiel, wenn wir Hans gegenübertreten. Aber insgesamt ist das ein wirklich schickes Konzept, denn rein theoretisch können wir uns so nah am Film orientieren, oder so weit entfernen, wie wir wollen und den Film auf diese Weise „neu“ ablaufen lassen.

 

Wir erleben das Spiel dabei aus einer Top-Down-Perspektive und können John frei über mehrere Etagen des Hochhauses, plus Dach steuern. Allein von der Ansicht, aber auch von der Bedienung erinnert das Spiel an das erste Metal Gear oder auch moderne Klassiker, wie „Hotline Miami“, wobei letzteres natürlich um einiges polierter ist. Die Steuerung ist gut, wenn auch in Momenten etwas harkelig, was durch unterschiedliche Steuerungsschemata zu tun hat: So können wir John nur in die vier Himmelsrichtungen steuern, zum Feuern stehen uns aber auch die Halb-Richtungen (also insgesamt 8 Direktionen) zur Verfügung, was etwas an Eingewöhnung braucht. Und diese ist durchaus angebracht, denn die Gegner-KI agiert sehr aggressiv und verschießt Salven von kreisrunden Projektilen in alle Richtungen. John hat zwar einen Lebensbalken, entgegen anderer Spieler der damaligen Zeit kann er also ein paar Treffer wegstecken, dennoch ist Munition rar und wir müssen demnach eher Taktisch vorgehen, damit wir nicht vorzeitig das zeitliche segnen, was zwangsläufig früher oder später passieren wird, denn das Spiel ist alles andere als leicht, denn selbst in scheinbar sichere Bereiche, wie ein Lüftungsschacht wird nach einiger Zeit von den Gegnern zerschossen, wenn sie uns darin vermuten…

 

Die Grafik ist zwar nicht wirklich herausragend und die unterschiedlichen Stockwerke bestehen im Grunde aus einer Aneinanderreihung der immer gleichen Assets, aber liefern doch einige schicke Details. Gerade zerstörbare Elemente, wie unter anderem die Fenster des Gebäudes sind ein netter Touch und Zwischensequenzen in Form von Standbildern aus dem Film sind auch ganz schick und sind größtenteils gut erkennbar. Man sieht dem Spiel zwar sein Alter mittlerweile wirklich an, denn es sind immerhin über 28 Jahre seit der Veröffentlichung vergangen, aber dennoch hatte ich mit dem Spiel meinen Spaß, den es ist mal etwas komplett anderes, als andere Spiele der damaligen Zeit, oder Lizenzspiele generell. Man muss hier und da über ein paar wirklich raue Ecken, wie die harkelige Steuerung und den brachialen Schwierigkeitsgrad hinwegsehen, aber unter der Schale befindet sich ein sehr ambitioniertes Spiel. Wer noch ein NES zu Hause hat und es schafft das Spiel für einen schmalen Taler zu bekommen kann durchaus einen Blick riskieren, sofern man es schafft ein günstiges Angebot zu finden, denn in den letzten Jahren ist das Spiel leider ziemlich rar geworden, was auch der Grund ist, warum ich es jetzt in meine Sammlung aufnehmen konnte…

NB@08.02.2019

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