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Auch abseits der Spiele von Telltale oder Quantic Dream, wie jüngst „Detroit: Become Human“ gibt es weitre Spiele, bei denen das Gameplay zu Gunsten einer filmischen Inszenierung reduziert wurde, wie die leider zu Unrecht verkannte Alternative in Form von „Hidden Agenda„. Allgemein werden diese Spiele gerne als Quicktime-Orgien verschrien, doch ich mag zur Abwechslung auch mal dieses recht reduzierte Spielprizip, was den Fokus dafür mehr auf die Story und unterschiedliche Entscheidungen legt.

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Ein recht untergegangenes Beispiel dazu ist ein Ableger aus dem Universum der aktuellen Planet der Affen-Reboot-Serie unter dem Titel „Planet of the Apes: Final Frontier“. Dabei wird eine Geschichte geboten, die zwar im gleichen Universum, wie die Filmvorlagen spielt, aber losgelöst von diesen zu sehen ist, Man muss also nicht alle drei Filme gesehen haben, sondern es reicht zu wissen, worum es geht, was allerdings am Anfang im Einstieg der Geschichte noch kurz erklärt wird. Jedoch hat die Entwicklung einiges an Unterstützung in Sachen Performance Capture erhalten, denn sogar Andy Serkis, den man neben seiner ikonischen Rolle des Gollum aus der Der Herr der Ringe-Reihe kennt, war bei der Erstellung des Spieles involviert. Das Spiel wurde von Imaginati Studios entwickelt und von FoxNext Games auf PS4 und Xbox One herausgebracht. Meines Wissens nach sind beide Versionen inhaltlich identisch, obwohl die PS4-Version zur Steuerung noch die Möglichkeit mit PlayLink erweitert hat, wie man es bereits aus „Hidden Agenda“ kennt. Hier kann man mit insgesamt bis zu 4 Spielern das Spiel wahlweise über das Gamepad oder das Smartphone steuern.

Der Fokus im Spiel liegt auf zwei unterschiedlichen Gruppen, die mehr durch Zufall aufeinandertreffen: Eine Gruppe von Affen, die bisher zurückgezogen in verlassenen Berghöhlen lebte und eine Gruppe von Siedlern, die eine kleine verlassene Stadt zu ihrem zu Hause gemacht haben. Dabei verfolgt jede Seite unterschiedliche Motive, was uns als Spieler auch vor einige interessante Entscheidungen stellt, da wir sowohl die eine, wie aber auch die andere Seite steuern.

Der Stamm der Affen ist ausgehungert und im Inneren zerrissen von Rivalität. Wir steuern dabei Bryn, den Sohn des Anführers, der mit seinen beiden Brüdern auf die Jagd geht und dabei auf Menschen trifft. Es ist dabei an uns zu entscheiden, wie wir uns entscheiden, auch wenn das natürlich nicht den grundsätzlichen Fortlauf der Geschichte, sondern mehr kleinere Abzweigungen nach links oder rechts beeinflusst, wie man es auch von den Telltale-Spielen kennt. Im Gegenzug zu Telltale sind die Eingabemethoden allerdings noch restriktiver, worauf ich gleich gesondert eingehen werde und unsere Konsequenzen werden erst im weiteren Verlauf der Geschichte deutlich, da es keine Informationen dazu gibt, in wieweit sich die Beziehungen zwischen den Personen verändert haben.

Unsere Entscheidungen innerhalb des Spieles beeinflussen, wer am Ende die Oberhand behält, ob man sich irgendwie friedlich einigt und gegen einen gemeinsamen Feind verbündet, worauf ich aus Spoilergründen nicht weiter ins Detail gehen werde, wer lebt, wer stirbt und wie sich die Personen von ihrem Charakter entwickeln. So gibt es gerade was das Ende angeht unterschiedliche Ausgänge der knapp 6-stündigen Kampagne. Doch dann kommt leider wieder das reduzierte Spielprinzip zum Tragen… – Nun mag sich bestimmt jemand die Frage stellen, in wieweit unser Einfluss noch weiter zurückgefahren werden kann, oder? – Nun ja, bei Quantic Dream und Telltale gibt es neben den Muliple-Choice-Auswahldialogen auch freie Passagen in Adventure-Manier. Sowas sucht man hier vergebens. Wir haben im Grunde keine Steuerungsmöglichkeiten von irgendwelchen Figuren. Wir sehen mehr einen Film ablaufen und bekommen alle paar Szenen eine Auswahlmöglichkeit präsentiert, die immer aus zwei unterschiedlichen Alternativen besteht. Hierbei muss man zwar positiv erwähnen, dass bei diesen Entscheidungen auch sogar noch die implizierte Emotion zum besseren Verständnis angegeben ist, aber dennoch sind die Auswahlen damit sehr rudimentär und beschränken sie meist auf absolute Gegensätze, eine Grauzone gibt es meist nicht. Darüber hinaus gibt es in den anderen Spielen auch immer Quick-Time-Events in Form von Actionszenen, die sich damit einfach besser abbilden lassen. Hier gibt es zwar auch ein paar Szenen, aber auch hier wurde unser Einfluss massiv zurückgenommen, denn so bekommen wir in Actionszenen lediglich eine Option präsentiert, die mittels einer Einblendung der Action und der Taste (die auf der PS4 immer „X“ ist) eingeleitet werden. Verlieren können wir dabei nicht, wenn wir müssen lediglich entscheiden, ob wir die Aktion ausführen, oder nicht. Danach läuft die Geschichte eben mit dieser „Entscheidung“ weiter, was im Grunde schon schade ist, da unser Einfluss damit gefühlt geschmälert wird.

Von der technischen Seite kann sich das Spiel durchaus sehen lassen und besticht durch einige wirklich gelungene Charakteranimationen, was auf die angewandte Performance CaptureTechnik zurückgeht, die auch im Film angewandt wird. Interessanterweise ist das aber mehr bei den Affen der Fall und die Animationen der Menschen wirken im Vergleich zeitweise recht hölzern. Ich kann mir das persönlich nicht wirklich erklären, aber hier hätte meiner Meinung nach etwas mehr Arbeit einfließen müssen. Dabei ist zwar nichts wirklich total schlimmes, aber gerade wenn die menschlichen Akteure Emotionen zeigen sieht es eher nach Fratzenbildung, anstatt echter Emotion aus. Abseits davon gibt es sehr detaillierte Setpieces, die allerdings immer wieder Performance-Probleme hervorrufen, obwohl das Spiel bei mir bereits auf der PS4 Pro läuft. Hier haben wir es mit einem meiner liebsten Steckenpferde zu tun: Nachladende Texturen. Im Grunde nach jedem Szenenwechsel wird erst lediglich die Grobtextur geladen und es dauert dann noch eine gewisse Zeit bis die feinere Textur plötzlich dazupoppt, was die filmische Inszenierung ungemein stört. Hier hätte es wirklich etwas mehr Polishing vertragen können…

Besonders unter diesem technischen Gesichtspunkt in der Verbindung mit des reduzierten Einflusses kann ich das Spiel nur bedingt für hartgesottene Fans von entweder Planet der Affen oder sehr (sehr, sehr) filmnahen Spielen à la Telltale oder Quantic Dream empfehlen. Alle anderen wird wahrscheinlich abstoßen, dass zu wenig „Spiel“ im Spiel steckt, zumal das Spiel mit seinem regulären Preis von 19,99€ dafür zu teuer ist. Für den gleichen Preis kann man Sale immer mal wieder komplette Bundles von Telltale-Spielen mitnehmen, die einfach eine rundere Sache in Sachen Entscheidungsfreiheit, Adventure-Wurzeln und Storytelling liefern. Ich wurde in meinem Durchspielen des Spiels zwar gut unterhalten, hatte aber beispielsweise danach keinerlei Ambitionen nochmal einen Durchgang zu starten, um die alternativen Ausgänge der Geschichte tiefer zu ergründen, oder die restlichen Trophäen, die meist an bestimmte Entscheidungen gekoppelt sind, freizuschalten. Wahrscheinlich werde ich das irgendwann nochmal nachholen, aber momentan zieht mich zu diesem Planet der Affen erst mal nichts mehr zurück…

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NB@22.04.2019

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