Es gibt Spiele, die überzeugen durch eine dichte und mitreißende Geschichte, andere bieten dafür einen Fokus auf abwechslungsreiches Gameplay und dann gibt es eine Nische, in der auch „Heave Ho“ reingepackt werden kann. Denn in dem Spiel von Le Cartel, herausgebracht von Devolver auf der Nintendo Switch gibt es im Grunde keine Story und auch das Gameplay ist zugegebenermaßen überaus repetetiv. Klingt erst einmal vernichtend und dennoch ist das Spiel wahrscheinlich eins der besten Geschicklichkeits- und vor allem Partyspiele, die ich je gespielt habe, was man ausführlicher erklären muss. Das Spiel wurde mir dazu als kostenfreie Review-Copy von Cosmocover, der PR-Agentur, die unter anderem Devolver betreut, zur Verfügung gestellt, was aber keinen Einfluss auf mein Review hat.

Das Spielprinzip ist dabei denkbar simpel: Wir steuern einen Avatar, der nur aus Kopf und zwei Armen besteht und müssen vom Start eines Levels das Ende erreichen. Jedes Level besteht dabei aus mindestens einem Screen, der in späteren Levels auch scrollt und bietet die Herausforderung, dass uns unser Avatar lediglich mit der Hilfe seiner Arme fortbewegen kann. Wir steuern jeden Arm separat und können per Tastendruck auf die linke oder rechte Schultertaste die korrespondierende Hand zugreifen lassen. So müssen wir uns greifend und kletternd den Weg bis zum Ende des Levels bahnen. Das ist leichter gesagt, als getan, denn der Weg führt uns nicht selten über Abgründe und unwegsames Terrain, bei dem jeder Fehler den sicheren Tod bedeuten kann. Besonders fordernd ist dabei, die Koordination beider Arme und beides Hände zur Fortbewegung, was sich zwar sehr gut steuert, aber dadurch nicht weniger diffizil ist.

Damit das Auge auch „mitspielt“ können wir unseren Avatar komplett selbst zusammenstellen. Können seine Farbe wählen, ihn mit lustigen hüten, Frisuren, Bärten und sogar Schmuck und Accessoires ausstatten und ihn so verrückt wie möglich aussehen lassen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit farblich unterschiedliche Handschuhe für die Hände auszustatten, die sozusagen wie ein easy-Mode fungieren, da man dadurch besser zwischen den Händen differenzieren kann. Zusätzlich können wir unsere ohne bereits herrlich lächerlich aussehenden Figuren dann auch noch mit unterschiedlichen Stimmen ausstatten, die man auf Knopfdruck von „A“ fürs Grunzen, bzw. „X“ fürs Jubeln verwenden kann. Das hat zwar im Gegensatz zur optischen Abgrenzung an sich überhaupt keinen Mehrwert, aber macht alles noch lustiger, als es ohnehin schon ist. Und die optische Differenzierung hat neben der zugegebenermaßen lustigen Optik sogar noch einen tieferen Sinn, denn man soll seine Figur von den Figuren anderer Mitspieler besser unterscheiden können, denn zwar macht das Spiel alleine Spaß, doch es glänzt im Multiplayer, den man auch lokal an einer Konsole mit bis zu 4 Spielern spielen kann. So verwandelt sich der auf den ersten Blick recht simple Puzzler in einen abgedrehten Spaß aus komischen Gesichter und einer zuckenden Masse von Gliedmaßen und Händen, die alle versuchen zum Ende zu kommen. Dabei durchläuft man zwar die gleichen Levels wie im Singleplayer, doch zusammen mit Freunden werden sie zwar theoretisch, obgleich auch nicht wirklich leichter, aber um einiges lustiger. Das hängt damit zusammen, dass die Spieler sich gegenseitig an den Händen packen können. So kann man wenn ein Freund einen sicheren Halt hat mit seiner Hilfe weitergelangen. Praktisch endet es aber meist auf Grund der (bewusst etwas konfusen) Steuerung in einem heillosen Durcheinander, das aber gleichzeitig so viel Spaß mit sich bringt, was ich persönlich auf der Switch noch nicht erlebt habe. Ich fühlte mich an Wii-Zeiten erinnert, als jeder die Multiplayer-Spiele mit Bewegungssteuerung gespielt hat zurückerinnert und sowas hat meiner Meinung nach auf der Konsole bisher noch gefehlt. Klar gibt es einige Multiplayerspiele, doch so wie die Switch damals beworben wurde, dass man sie einfach irgendwohin mitnimmt, aufstellt und die Leute gemeinsam spielen, ist mir bislang noch nicht vorgekommen. Zumindest bis jetzt, denn „Heave Ho“ ist geradezu für diese kurzen Einlagen prädestiniert. Es ist leicht zu erlernen, dass sich jeder einfach hinsetzen und mitspielen kann und bietet gerade durch die Interaktion mit den anderen Spielern und den überaus abgedrehten Kostümen für den Avatar so viel Spaß, dass das der Fortschritt fast zu Nebensache wird und es nur noch um den Spaß im Hier und Jetzt geht.

Neben den normalen Levels, die vom Prinzip zwar immer gleich ablaufen, aber mit fortschreitendem Spielfortschritt umfangreicher und schwerer werden, sodass wir beispielsweise in der dritten Welt Levels vorfinden, die sich im Dunkeln abspielen und lediglich ein kleiner Bereich um unseren Avatar sichtbar bleibt, gibt es zusätzlich auch noch versteckte Gelegenheiten in den Levels, um Bonusstages freizuschalten, die spaßige Minispiele bereithalten. Hier kann man sich aktiv mit den anderen Mitspielern messen, denn wer am Ende gewinnt erhält die meisten Punkte, die man wiederrum in neue abgedrehte Kostüme und Accessoires investieren kann, wodurch sich der Kreis wieder schließt.

Ich hatte mit dem Spiel überaus viel Spaß und es steht für mich außer Frage, dass es ein Spiel sein wird, was ich immer wieder mit Freunden spielen werde. Allein ist nach einiger Zeit leider etwas die Luft raus, da die Levels dazu zu weniger Abwechslung bieten und es im Grunde pro Welt lediglich ein Alleinstellungsmerkmal, wie die bereits angesprochene Dunkelheit gibt, an der man sich relativ schnell totgesehen hat. Dennoch ist das Spiel gerade mit Freunden auch nach wiederholtem Spielen der gleichen Levels immer noch spaßig und frisch, was durch eine interessante Gruppendynamik hervorgerufen wird. Es könnte alles sehr einfach sein, wenn man sich gut abspricht und alle buchstäblich Hand in Hand arbeiten, doch irgendwas geht immer schief, Chaos bricht aus und das Ergebnis ist dann meist, dass alle irgendwann lachend am Boden liegen. Und ist das nicht eigentlich die Hauptaufgabe eines guten Spiels? – Es will uns unterhalten und wenn man diese Freude noch mit anderen teilen kann ist das sogar noch eine Spur besser!

NB@10.09.2019

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