Da mich bereits mehrere Anfragen zu dem Thema erreicht haben widme ich ihm nun doch einen kleinen Artikel, denn am vergangenen Freitag, dem 20.09.2019 ist die erste wirkliche Revision der sehr erfolgreichen Nintendo Switch erschienen. Zwar gab es bereits eine kleinere Revision, die unter anderem die Akkulaufzeit verlängern sollte und demnach die momentan erhältliche „normale“ Switch darstellt, doch die neu-erschienene „Switch Lite“ stellt gleich in mehreren Punkten eine Veränderung dar. Und da viele Leute sich nun fragen, ob sich das für Switch-Besitzer das Upgrade lohnt oder für welche Version der Konsole man sich entscheiden soll, wenn man noch keine besitzt und mit dem Kauf liebäugelt, möchte ich gerne etwas Licht ins Dunkel bringen. Zwar besitze ich die Revision nicht persönlich, hatte aber am Wochenende bei einem Freund die Gelegenheit für ein intensives Hands-On und einen Vergleich mit meiner Switch.

Die Konsole soll laut Nintendo eine preisbewusste Käuferschicht ansprechen und knapp 100 Euro weniger kosten, als der große Bruder, was de Facto aber momentan gar nicht der Fall ist. So ist die Differenz am Einführungstag 84 Euro, was auf den ersten Blick schon etwas merkwürdig anmutet, wenn man sich die Unterschiede mal genauer ansieht. Fangen daher zuerst mal mit dem offenkundigsten, sprich der Größe der Konsole an sich und dem allgemeinen Lieferumfang an, bevor wir uns in einem zweiten Schritt mit den „inneren Werten“ der Neuauflage beschäftigen.

Denn selbst wenn man keine andere Version der Konsole als Referenz vor sich liegen hat fallen diverse Unterschiede auf. So liegt der neuen Switch, die momentan in den Farben Grau, Türkis und Gelb erhältlich ist neben der Konsole, einem Handbuch und einem Netzteil kein weiteres Zubehör bei. Man findet also weder Dock, noch HDMI-Kabel und auch keine Controllerschiene für die Joycons in der Packung. Das Fehlen von Dock und HDMI-Kabel ist dadurch begründet, dass die Konsole rein auf den Handheld-Modus ausgelegt ist und keine Möglichkeit zum stationären Betrieb am TV bietet. Man könnte also sagen eine Switch ohne Switch-Funktion. Und da die Konsole auch insgesamt kleiner ist passt sie auch nicht in das vorhandene Dock. Zusätzlich scheint auch die technische Möglichkeit generell beschnitten zu sein, denn auch mit einem 3rd Party-Dock, wo die neue Switch per se reinpasst, lässt sich kein Bild am TV wiedergeben. Besonders die Größe ist dabei eklatant, denn hat die normale Switch eine Display-Diagonale von 6,2 Zoll (15,7cm), so hat die Lite lediglich eine Display-Diagonale von 5,5 Zoll (14 cm), was unter anderem dem Bildschirm des Apple iPhone 8 Plus oder dem Huawei P10 Plus entspricht. Beide Modelle der Konsole haben einen LCD-Bildschirm mit einer Maximalauflösung von 1280 x 720 Pixel und verfügen über Multi-Touch-Funktionalität. So ist der Bildschirm der Lite im Direktvergleich sogar einen Tick schärfer, da die gleiche Auflösung auf weniger Fläche dargestellt wird.

Die Joycons, die bei der normalen Switch seitlich drangesetzt werden können, sind bei der Lite fest mit der Konsole verbaut. Es gibt also keine Möglichkeit mehr die Konsole einfach hinzustellen und nur mit den Joycons zu spielen, weswegen auch der Kickstand auf der Rückseite wegrationalisiert wurde. Zwar lassen sich dennoch zusätzliche Joycons oder auch der Pro-Controller mit der Konsole paaren, doch die fest-verbauten stehen für Multiplayer-Sessions wohl eher nicht zur Verfügung, denn sonst sehen die Mitspieler den Bildschirm nicht. Dennoch hat diese neue Bauart den charmanten Mehrwert, dass die Konsole leichter ist (275g vs. 398g) und auf Grund ihrer reduzierten Größe (9,1cm x 20,8cm x 1,3cm vs. 10,2cm x 23,9cm 1,3cm) besser in der Hand liegt. Und da die verbauten Joycons nun nicht mehr optional für mehrere Spiele zur Verfügung stehen zu müssen ist am linken Joycon nun ein komplettes Steuerkreuz, entgegen der einzelnen Richtungstasten, verbaut, was die Bedienung etwas leichtgängiger und präziser macht. Jedoch hat sich auch im Inneren der Joycons etwas geändert, denn das integrierte HD-Rumble ist leider gestrichen worden. Gleiches gilt für die Bewegungssteuerung der Joycons, was durch ein Kamera-Tracking funktioniert hat, denn die Konsole verfügt nun nicht mehr über die Kamera um diese Bewegungen zu registrieren. Also selbst wenn man die Joycons abnehmen könnte, würden sie sich nicht tracken lassen.

Diese Optimierungen sollen wohl neben der günstigeren Herstellung auch Auswirkungen auf die Batterielaufzeit haben, was allerdings nur im Vergleich auf das erste Modell der Switch passt, denn die Revision der klassischen Switch hält im Vergleich sogar länger durch, als die Lite. Denn eine volle Akkuladung bei der alten Switch (HAC-Modell) hält laut Herstellerangaben zwischen 2,5 und 6,5 Stunden, wobei sich die Laufzeit beim Spielen eher am unteren Ende der Skala befindet. Bei der Revision der klassischen Switch (HAD-Modell) hält eine volle Ladung aber zwischen 4,5 und 9 Stunden und aus unerklärlichem Grund bei der Lite lediglich zwischen 3 und 7. Ich habe zwar keine Langzeiterfahrungen zum Betrieb, doch rein Faktisch ist das ein Rückschritt im Vergleich zum „großen“ aktuellen Modell. Abgesehen davon sind die Konsolen allerdings in Sachen Funktionalität identisch und so haben es sogar die Gyroskop-Sensoren aus der alten Konsole in die Lite-Version geschafft, was ich persönlich nicht gedacht hätte. So lässt sich bei in „The Legend of Zelda – Breath of the Wild“ alternativ zum Zielen mit den Analogsticks auch mit der Bewegungssteuerung der Konsole zielen. Von den Anschlüssen sieht es wie folgt aus: Beide verfügen über einen Slot für die Speicherkarte (Micro-SD), Klinkenanschluss für 3,5mm Kopfhöreranschlüsse, USB-Anschluss, integrierte Lautsprecher und bis auf das bereits erwähnte Steuerkreuz identische Bedienungstasten, die farblich vom Rest der Konsole abgehoben sind. Die Verarbeitung ist gut, die Materialien fühlen sich wertig an und machen insgesamt einen hochwertigen Gesamteindruck, was man von Nintendo allerdings gewohnt ist. Die Tasten haben angenehme Druckpunkte, lassen sich gut bedienen und fühlen sich fast identisch zu den Buttons der normalen Switch an.

Trotz der Sparmaßnahmen ist aber von der Spiele-Seite alles beim alten, oder? – Leider nein, denn einige Spiele aus der Switch-Bibliothek nicht ohne weiteres mit der Lite-Version kompatibel sind, wenn diese beispielsweise auf HD-Rumble, Bewegungssteuerung mit Tracking der Joycons setzen. So sind beispielsweise „Super Mario Party“, „Labo“, „Just Dance“ oder auch der Launch-Titel der ursprünglichen Switch, „1,2 Switch“ raus. Diese Spiele lassen sich aber größtenteils verwenden, wenn man separate Joycons dazukauft und das Tracking in den Optionen ausstellt, was ab zugegebenermaßen auch nicht so richtig schön ist, da man die Konsole auf Grund des fehlenden Kickstands nicht einfach irgendwo aufstellen kann, sondern anlehnen muss. Abseits von dieser Art von Spielen sollte aber alles 1:1 kompatibel sein und sofern man den gleichen Account verwendet kann man auch alle vorherigen Käufe auf der neuen Switch erneut herunterladen. Das Umziehen eines Kontos mit Speicherstände braucht allerdings eine Switch-Online-Mitgliedschaft, da sonst die Speicherstände nicht übertragen werden können, wenn das für jemanden in Frage kommt.

Insgesamt handelt es sich zwar von seiner Haptik und seinem Aussehen her um ein schönes Gerät, das allerdings in seiner Umsetzung einiges zu wünschen übrig lässt. Zumal die Preisdifferenz noch momentan weit weniger als die angepriesenen 100 Euro sind und man die Switch durchaus auch mal im Angebot mit einem Spiel bekommen kann, stellt die kleine Version in Relation zum gebotenen keine wirkliche Alternative dar. Selbst wenn man rein auf das Handheld-Spiel aus ist, so lohnt sich auf Grund der vielen kleinen Unterschiede dennoch der Griff zur größeren Konsole, zumal es dort im Vergleich zur Lite auch schon viele Accessoires, wie Taschen, Display-Schutzfolien, etc. von Drittherstellern gibt, die für die Lite erst noch herauskommen müssen und erfahrungsgemäß gerade zu Beginn eher überteuert ausfallen. Zwar liegt sie auf Grund der reduzierten Größe und des niedrigeren Gewichts etwas besser in der Hand und lässt sich wahrscheinlich auch bei längeren Sessions besser halten, zumal das Steuerkreuz gerade für Retrospiele ein nettes Bonbon darstellt, doch geht man dafür die ganzen halbgaren Kompromisse ein? Wenn die Konsole statt ihrer momentanen 215 Euro im Vergleich zu den 299 Euro der großen Switch nur die Hälfte kosten würde, wäre es eine Alternative für Leute, die viel unterwegs spielen oder vielleicht eine handlichere Zweitkonsole suchen, doch nur wegen einer schicken Farbe würde ich persönlich nicht ein solches Downgrade in Kauf nehmen, die darüber hinaus im Grunde nicht mehr als Switch bezeichnet werden kann, da sie sich nicht „switchen“ lässt, was ja das Alleinstellungsmerkmal der Konsole war. Aber wie seht ihr das? Legt ihr euch eine Switch zu und wenn ja für welcher Ausführung tendiert ihr? Oder habt ihr bereits eine „alte“ Switch und plant den Umstieg? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!

NB@24.09.2019

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