PS4 Review: „Football Game“ – Was bietet das Adventure von Ratalaika Games?

Was verbirgt sich hinter einem Spiel, das „Football Game“ betitelt ist? – Natürlich, ein Point and Click-Adventure im frühen Pixellook der 80er Jahre, was denn sonst?!? – Zumindest ist das bei dem aktuellen Spiel aus dem Katalog von Ratalaika Games der Fall, das ich mir für euch mal genauer angesehen habe, um herauszufinden, ob das Spiel auch in Sachen Qualität wieder etwas mehr überzeugen kann, denn darin ließen einige Spiele des Publishers meiner Meinung nach etwas zu wünschen übrig. Das Spiel wurde dabei von Cloak and Dagger Games entwickelt und Ratalaika Games hat die Portierung und das Publishing für PS4, PS Vita, Xbox One und Nintendo Switch übernommen. Dabei ist das Spiel in gewohnter Weise auf den Sony-Plattformen im Cross-Buy erhältlich und wartet selbstverständlich auch wieder mit einer überaus leichten Trophäenliste auf.

Das Spiel besticht durch zwei Besonderheiten. Zum einen versucht es mit klassischen Elementen in Anlehnung an die Point and Click-Adventures von Lucas Arts und Sierra, Freunde des Genres anzusprechen und gleichzeitig bedient es sich einer abgedrehten Geschichte mit surrealen Elementen à la Silent Hill oder den Filmen von David Lynch. Und da ich gleich mehrere dieser Elemente mag war das Spiel für mich ein Pflichtkauf. Die Geschichte startet dabei ohne größere Umschweife und auch ein großes Intro sollte man besser nicht erwarten, was aber sogar dadurch thematisiert wird, dass unser Hauptcharakter nach einer offensichtlich Alkoholträchtigen Nacht ohne Erinnerung in seinem Zimmer aufwacht und tappt daher genauso im dunkel, wie wir als Spieler. Der Name unserer Spielfigur ist Tommy und sein Ziel ist es seine Freundin Sally zu finden, um ihr ein Geschenk zu überreichen. Was zugegebenermaßen recht unspektakulär klingt ist allerdings von jeder Menge an Widrigkeiten unterbunden. Tommy’s Mutter hat das Geschenk für Sally weggesperrt, wir finden unsere Autoschlüssel nicht und auch im späteren Verlauf der Geschichte erweist sich die Aufgabe als sehr viel schwieriger, als gedacht. Niemand hat Sally seit längerem gesehen und zusätzlich wird Tommy von merkwürdigen Flashbacks heimgesucht, die ihn aus unerfindlichem Grund wieder kurzzeitig in Szenen aus der Vergangenheit versetzen…

Technisch ist das Spiel dabei ein recht simples Point and Click-Abenteuer. Wir steuern über einen Curser sowohl die Laufrichtung, wie auch die Aktionen unseres Charakters. Viele Gegenstände lassen sich aufheben und werden übersichtlich in einem Inventar verstaut, das sich in der oberen Bildschirmhälfte befindet und eingeblendet wird, wenn wir den Curser dorthin bewegen. Entgegen klassischer Adventures wird aber auf jegliche Form der Auswahl von unterschiedlichen Aktionen, sei es in Form eines Textparsers oder durch das Zusammenklicken von Verben à la SCUMM, verzichtet und es gibt keine Variation in den Aktionen, denn die Handlung wird kontextsensitiv ausgeführt. Wenn wir beispielsweise auf einen Schrank klicken, wird der Schrank geöffnet, klicken wir auf einen Gegenstand im Schrank wird dieser entweder aufgenommen, sofern es sich generell um einen Gegenstand handelt, den man aufnehmen kann, oder man bekommt einen Kommentar präsentiert. Dabei steht das Spiel in unterschiedlichen Sprachen (Deutsch, Englisch, etc.) zur Verfügung, was sich allerdings ausschließlich auf den Text bezieht, denn eine Vertonung gibt es im Spiel leider nicht, was wahrscheinlich auf der einen Seite aus Kostengründen und auf der anderen Seite um noch mehr, wie die Adventures an die es eine Hommage sein soll, gemacht wurde. Allerdings muss man realistischerweise erwähnen, dass die Spiel, auch wenn es in sich stimmig ist und einige wirklich interessante Pixelart-Modelle beinhaltet, keinesfalls an die Adventures von Lucas Arts oder Sierra, zumindest wenn man bei letzteren die VGA-Spiele als Vorlage nimmt, herankommt. Die Grafik ist minimalistisch und ist mit einem Filter überzogen, der das Bild wie aus einem alten Röhrenfernseher aussehen lässt und leider nicht abgeschaltet werden kann. Mir ist zwar klar, dass sich die Entwickler bewusst für dieses Stilmittel entschlossen haben, um einen noch authentischeren Look der 80er Jahre zu erzeugen, doch ich bin persönlich kein Fan dieser Filter, zumal ein Fernseher, den der Filter emuliert nicht mit einem PC-Monitor gleichzusetzen ist, auf dem man solch ein Spiel damals eher gespielt hätte.

Wo das Spiel allerdings wirklich punkten kann ist die düstere Stimmung, die viele Anleihen bei den Filmen von David Lynch zieht. Hier wurde zum Beispiel die Fahrszene 1:1 aus dem grandiosen Suspense-Thriller übernommen, was ich als einen echt tollen Touch ansehen, zumal die Prämisse der Geschichte auch in ähnliche Gefilde eindringt. Natürlich ist die Story am Ende nicht so verworren, wie der Film, aber dennoch gibt es ein paar Twists, die man wahrscheinlich nicht kommen sieht und die am Ende für das ein oder andere Aha-Erlebnis sorgen. Ebenso muss man die Musik lobend erwähnen, die mal sphärisch stimmungsvoll und mal brachial und hämmernd ausfällt und in allen Fällen sowohl die Stimmung des Spiels und von Tommy perfekt untermalt. Und obwohl es sich um ein kleines Indie-Game handelt könnte ich mir durchaus vorstellen den Soundtrack auf den IPod zu packen, wenn ich ihn mal irgendwo bekomme. Auch als Trophäenjäger kommt man mit dem Spiel auf seine Kosten, denn obwohl ein paar Trophäen zumindest theoretisch verpassbar sein könnten, so sind alle recht schnell verdient. Wenn man mit einem Guide arbeitet dürfte es nicht länger als 30 Minuten dauern, ohne natürlich entsprechend länger, was ich aber auf jeden Fall empfehle, da man sonst mitunter ein paar Interessante Handlungsstränge nicht richtig mitbekommt, wenn man nur durch das Spiel rennt. Insgesamt gibt es im Spiel 16 Trophäen (0 x Bronze, 5 x Silber, 10 x Gold, 1 x Platin), was auf der Xbox One 1000GS entspricht. Auf den Sony-Plattformen steht das Spiel auf PS4 und PS Vita in zwei inhaltlich identischen, aber separaten Trophäenlisten zur Verfügung.

Insgesamt hatte ich mit dem Spiel wirklich Spaß und es war sogar mal erfrischend ein Adventure zu spielen, das ohne moderne Hilfesysteme auskommt. Allerdings ist die Grafik am Anfang schon eine Hürde, denn was auf den Screenshots noch ganz ansprechend aussah, sieht auf einem großen Fernseher eine ganze Ecke schlechter aus und gerade die Closeups von den Gesichtern fand ich stellenweise leider ziemlich gruselig. Hier hätte meiner Meinung nach etwas mehr Detailarbeit, wenn man von einzelnen Closeups absieht, die im Direktvergleich 1000 Mal besser aussehen absieht, einfließen können, denn selbst „Maniac Mansion“ aus dem Jahr 1987 bot mehr Details und eine schickere Grafik. Nach einiger Zeit legt sich diese Hürde zwar etwas und man freundet sich auf Grund der mysteriösen Geschichte notgedrungen auch mehr mit der optischen Präsentation an, doch selbst einige Fan-Adventures, die mit dem Freeware-Tool Adventure Game Studio erstellt wurden sehen schöner aus. Grafisch-anspruchsvollere Spieler sollten also besser Abstand halten. Doch zugegebenermaßen reißt der Soundtrack und David Lynch-esque Erzählung einiges dabei raus und unterhält gut und die Geschichte hält einige interessante Wendungen parat, die sogar eine Antwort darauf gibt, warum das Spiel „Football Game“ betitelt ist, auch wenn ich denke, dass ein anderer Titel dem Spiel besser getan hätte, um keine potentiellen Käufer abzuschrecken.

NB@12.11.2019

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