Switch Review: „Ring Fit Adventure“ #ring fit adventure

Eins muss man Nintendo wirklich lassen, denn sie geizen nicht mit Innovationen, was die Add-Ons für ihre Konsolen angeht. Zwar muss man da die früh für gescheitert-erklärte WiiU etwas raus nehmen, aber ihre erfolgreichen Konsolen, angefangen beim NES wurden immer mit jeder Menge an Perfiferie bedacht. Und um an den Erfolg von „WiiFit“ und dem „Balance Board“ anzuknüpfen und gleichzeitig noch mehr „Spiel“ zu liefern, gibt es nun ein Spiel, das auf den Namen „Ring Fit Adventure“ hört. Dahinter verbirgt sich eine interessante Mischung aus Fitness-Software und RPG, das wahrscheinlich viele Spieler anspricht, die mehr Zeit vor der Konsole verbringen und dabei etwas die Fitness vernachlässigen. Ich muss mir selbst diesen Schuh natürlich auch anziehen, da ich neben dem Job zu wenig Zeit finde. Daher war ich sehr interessiert daran, was die Software bietet, wie effektiv das Training ist und natürlich, was es unter Strich überhaupt bringt. Aus diesem Grund habe ich mir das Paket zugelegt, bei dem zuerst die schiere Größe auffällt. Denn das Spiel wird in einem großformatigen Hartkarton vertrieben in dessen Innerem sich neben der eigentlichen Software noch der Titelgebende „Ring“ und eine Beinschlaufe befinden.

Ein Zusammenbau ist nicht notwendig, der Ring ist bereits fertig montiert und die Beinschlaufe ist auch direkt einsatzbereit. Lediglich die Software muss auf der Konsole installiert und ggf. mit dem aktuellsten Update versehen werden, wobei der Schritt mit dem Update optional ist, da die Software komplett auf dem Modul vorhanden ist. Es ist also nicht, wie bei „Starlink: A Battle for Atlas“, wo man das eigentliche Spiel nach dem Einlegen des Moduls erst einmal komplett aus dem Store herunterladen muss. Eine Anleitung liegt zwar nicht im Paket, aber das wird nach dem Start der Software durch Erklärende Videos nachgeholt. Dabei wird ein Joycon in der Beinschlaufe, die mittig auf dem Oberschenkel platziert angebracht wird, verstaut und der zweite Joycon wird in eine Führung im Ring eingerastet. Nach ein paar Einstellungsmöglichkeiten nach persönlichen Präferenzen, Zielen, Alter und Gewicht kann es auch schon losgehen. Wir starten wahlweise in den Abenteuer-Modus oder in freie Modi und Minispiele, wobei ich jedem auf jeden Fall den Abenteuermodus empfehlen würde, da darin das Training am besten auf die Bedürfnisse angepasst ist und man den besten Mix aus Spiel und Training bekommt, zumal seitens Nintendo betont wird, dass der Fokus bei der Entwicklung in erster Linie auf der Seite des Spiels und erst in einem Folgeschritt auf dem Trainingsaspekt lag. Das soll aber nicht bedeuten, dass der Trainingsaspekt zu vernachlässigen ist, denn schon bei meiner ersten Trainingseinheit war ich danach komplett durchgeschwitzt, körperlich fertig und hatte am Folgetag einen gehörigen Muskelkater, was mich selbst ziemlich überrascht hat, da ich zwar nicht so oft Sport mache. wie ich eigentlich müsste, aber es dennoch auf meine zwei bis drei Mal Joggen pro Woche schaffe.

Die Geschichte ist Nintendo-typisch zwar nicht besonders spektakulär, bettet die Spielmechaniken aber in ein sinnvolles und vor allem skalierbares Gewand von kleineren Einheiten und unterschiedlichen Übungen. Der Aufhänger ist dabei, dass unser Avatar, den wir vor Spielbeginn personalisieren können aus Versehen Drako, einen Bodybuilding-Drachen aus seinem Verlies befreit und diese Aktion die Welt droht in Dunkelheit zu stürzen. Das Wechselspiel von Licht und Schatten ist ja nicht nur seit „Super Smash Bros. Ultimate“ ein beliebtes Motiv in Nintendo-Spielen und findet hier auch wieder seine Anwendung. Das bedingt, dass wir unseren Fehler durch den Einsatz des Fitness-Rings, der im Spiel als Ringu ein Gesicht und eine Stimme, die uns leitet, bekommt, wiedergutmachen müssen. Und das geschieht durch körperliches Training, das dem Ring seine Kraft verleiht. Von dort an kämpfen wir uns durch unterschiedliche Stages, die jeweils in kleinere Abschnitte in einer Oberwelt eingeteilt sind, was von ihrem Design her an die Oberwelt von „Super Mario Bros. 3“ erinnert.

In den einzelnen Levels ist das Ziel zum einen das Ende zu erreichen, was durch Laufen auf der Stelle geschieht. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Einstellungsmöglichkeiten, damit die Funktion auch von Leuten genutzt werden kann, die in einer Mietwohnung wohnen und ihren Nachbarn nicht übermäßig auf dem Kopf „rumtrampeln“ möchten. Zusätzlich gilt es Hindernisse zu überwinden, was von verschlossenen Türen, über halbhohe Hindernisse, Treppen bis hin zu Abgründen reicht. Hier kommt der Ring-Controller ins Spiel, denn diesen können wir sowohl in alle Richtungen halten und sowohl auseinander ziehen oder zusammendrücken. Je nach Haltung und Aktion können wir so eine Druckwelle verschießen, Münzen in der Nähe einsaugen oder auch springen und gleiten. Das ist ziemlich gut in das Spiel implementiert und geht wirklich leicht von der Hand. Jede Aktion wird dabei analog im Spiel umgesetzt. Halten wir den Controller nach links, tut das uns der Avatar im Spiel gleich, drücken und halten wir den Controller beim Sprung fester und länger zusammen springen wir höher und gleiten länger. Das ist jedoch nur die halbe Miete, denn dazu kommen noch Kämpfe gegen Gegner, von denen es sowohl Zwischen-, wie auch Bossgegner gibt, die sich durch unterschiedliche große Lebensbalken und Varianz der Angriffe unterscheiden. Die bekämpfen wir nämlich auch nicht konventionell mit Waffen, sondern mit dem durch körperliche Ertüchtigung aufgeladenen Ring-Controller. Der Kampf findet dabei Zug um Zug statt, wobei wir pro Zug eine Form der Übung auswählen können. Zu Beginn ist die Auswahl dabei mit Squads, Stuhlübung und Ringpressen recht übersichtlich, doch mit der Zeit schalten wir weitere Übungen frei. Die Übungen werden dabei in der linken Bildschirmhälfte als Videoanleitung vorgemacht und wir führen diese dann danach aus. Je nach gewählter Intensität des Trainings und der körperlichen Verfassung bekommen wir eine variierende Anzahl von Wiederholungen vorgegeben. Und wenn wir die Übung gut machen, was über eine Bewegungserkennung durch die Joycons geschieht, verdienen wir Angriffspunkte, die dann in einem Angriff umgesetzt werden. Haben wir alle Übungen absolviert ist der Gegner dran und wir müssen kontern, bis wir wieder am Zug sind. Das wiederholt sich bis die Lebensenergie des Gegners Null erreicht hat und sorgt für die Auswahlmöglichkeit aus unterschiedlichen Übungen und einem Cooldown nach jeder Übung, was uns davon abhält die gleiche Übung mehrfach hintereinander zu machen, dass wir unser Training mit genug Wiederholungen und Pausen ausstatten und dadurch effektiver gestalten. Je nach Schwierigkeitsgrad unter Gegnertyp kann sich das ganz schön in die Länge ziehen und trainiert auch entsprechend. Wem ein Training zu hart ist kann aber jederzeit über die Oberwelt auch den Schwierigkeitsgrad und die persönlichen Angaben verändern.

Nach jeder Trainingseinheit bekommen wir eine Statistik über die absolvierten Übungen, gelaufenen Meter, verbrannten Kalorien und sogar über unseren Herzschlag erstellt, was über die IR-Schnittstelle im Joycon funktioniert und überraschend genau ausfällt. Zwar haben die statistischen Werte keinerlei Einfluss auf das Spiel an sich, doch unsere Leistungen und unser Fortschritt wird in Form von Punkten aufgewertet. Die Belohnung ist dabei gestaffelt, also, wenn wir besonders gute Trainingsleistungen erzielen verdienen wir mehr Punkte, als bei schlechteren Leistungen. Und dabei kommen die RPG-Elemente des Spiels zum Tragen, denn wir können unsere Punkte für alternative Übungen, wie auch Skills ausgeben, die es uns beispielsweise erlauben weiter zu springen oder fester zuzuschlagen. Diese Elemente haben allerdings nur wenig Auswirkungen auf die Trainingskomponente, denn dann schalten wir unter Umständen alternative Wege durch die Level frei, oder müssen geringfügig weniger Trainingseinheiten absolvieren, bis ein Gegner besiegt ist. Die Übungen machen allerdings einen Unterschied und bringen gleichzeitig Abwechslung ins Spiel, denn die insgesamt 40 unterschiedlichen Übungen stammen aus den Bereichen Ausdauer, Krafttraining und sogar Yoga. So ist für jede Vorliebe etwas dabei.

Das neue Accessoire und wahrscheinlich auch der größte Kostenpunkt des Spiels. Die Verarbeitung ist gut, die Materialien fühlen sich wertig an und man hat sogar daran gedacht links und rechts am Ring verstärkte Griffe zu verwenden. In Kombination mit der Joycon werden sowohl die Bewegungen, wie auch die Aktionen mit dem Ring zuverlässig verfolgt. Leider ist die Beinschlaufe weniger wertig. Sie lässt sich zwar angenehm tragen und der eingeschobene Joycon macht auch beim Tragen keine Probleme, aber ich habe gerade beim längeren Spielen das Problem, dass die Beinschlaufe sich lockert und verrutscht. Macht man sie hingehen zu eng ist sie allerdings unbequem zu tragen und irgendwie scheint es schwierig zu sein den perfekten Mittelweg zu finden. Das funktioniert bei kurzen Hosen etwas leichter, da der Gummi der Schlaufe in Verbindung mit Körperwärme und Schweiß die Schlaufe besser fixiert, aber im Winter ist es auch zu Hause etwas zu kalt, um in kurzer Hose zu trainieren. Zusätzlich ist es natürlich hygienischer mit einer längeren Trainingshose. Bislang ist „Ring Fit Adventure“ zwar das einzige Spiel, das das Accessoire unterstützt, aber es ist durchaus denkbar, dass Nintendo je nach Erfolg weitere Spiele nachreicht, die man damit spielen kann, denn die Möglichkeiten sind logischerweise gegeben.

Und das ist leider auch die Frage, die sich zwangsläufig aufdrängt: Wird es eine einmalige Angelegenheit oder bekommen wir zukünftig entweder weitere Spiele oder sonstige Möglichkeiten das Spielerlebnis zu verlängern? – Denn gerade bei einem etwas höheren Preis, der eindeutig durch die Accessoires hervorgerufen wird, fehlt ein wenig die richtige Perspektive und gleichzeitig die Langzeitmotivation. Das Spiel macht zwar wirklich Spaß und hilft auch dabei etwas fitter zu werden, wird aber kein Fitnessstudio oder sonstige sportliche Betätigung ersetzen können, zumal man bereits nach kurzer Zeit im Spiel sämtliche Variation gesehen hat. Zwar kann man den Spielspass durch neue Übungen verlängern, aber das ändert nichts am grundlegenden Spielprinzip, das immer gleich abläuft: Laufen, Hindernisse, Kämpfen mit Übungen, viel mehr gibt es eben leider nicht. Und wer bisher für ein Fitness Studio zahlt ohne hinzugehen wird wahrscheinlich auch in kürzester Zeit sein Training mit der Software einstellen, wie es mir persönlich auch schon mit ähnlichen Sportspielen, wie zum Beispiel „EA Sports Active 2“ auf der PS3 passiert ist, auch wenn man jedes Mal Besserung gelobt. Erst die Zeit wird zeigen, wie es damit weitergeht…

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Entwickler:         Nintendo

Publisher:           Nintendo

Erhältlich auf:    Nintendo Switch

NB@13.12.2019

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

 

 

2 Gedanken zu “Switch Review: „Ring Fit Adventure“ #ring fit adventure

  1. Ring Fit Adventure ist eines der Spiele, die ich mir wahrscheinlich erst später holen kann, weil mir der Platz dafür fehlt und die wenigen Zentimeter für die Übungen nicht ausreichen. Bei der Bedienung des Accessoires sind mir jedoch zwei Fragen in den Sinn gekommen, daher erlaube ich es mir, sie dir zu stellen: gibt es Übungen, die eine bestimmte Händigkeit erfordern können oder kann man das einstellen? Ich als Linkshänder habe ja schon öfters Probleme mit Nintendos Bewegungs- und Touchsteuerung bekommen, bei der sie ausschließlich Rechtshänder zu berücksichtigen scheinen und es nützt wenig, mir wieder ein Spiel von Nintendo zu holen, bei dem ich mich verkrampfen muss.

    Was ist mit der Reinigung der Accessoires? Schweiß ist ja nicht angenehm und speziell die Beinschlaufe könnte ja davon profitieren, wenn man sie – natürlich ohne Joy-Cons – abwischen oder gar waschen kann. Gerade dieser Punkt wäre mir ja wichtig.

    Gefällt 1 Person

    1. Hi, mir sind zwar keine speziellen Einstellungen für Links- oder Rechtshänder aufgefallen, aber da die Übungen sollten davon nicht beeinflusst werden. Zum einen stehen immer mehrere unterschiedliche Übungen zur Verfügung und zum anderen wird damit eher Ganzkörpertraining in Form von Crunshes, Situps, etc. angestrebt und beim Einsatz der arme abgewechselt. Einzig die (optionale) Pulsmessung nach den Einheiten ist für Rechtshänder ausgelegt, was an der Position des IR-Sensors am Joycon liegt. Dabei wird die rechte Hand verwendet und der Puls am Daumen gemessen.

      Die Reinigung funktioniert ganz gut. Die Beinschlaufe und die Handstücke am Ring sind aus gummiertem Textil, wie viele Fitsness-Accessoires und auch wenn eine Waschanleitung seitens Nintendo leider fehlt, habe ich beides schon mehrfach ohne Probleme per Handwäsche gereinigt. Und da die Handstücke durch einen Klettverschluss einfach abnehmen lassen kann man die Teile, die mit Schweiß in Berührung kommen alle leicht reinigen.

      Gruß

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