Switch Review: „MindSeize“ #MindSeize #Metroidvania

Eins muss man über das Metroidvania-Genre wirklich sagen, denn es fehlt keineswegs an Nachschub, denn es vergeht kaum ein Monat ohne neue Spiele, die dem Genre zuzuordnen sind. Allerdings bringt dieses Überangebot auch erhebliche Qualitätsunterschiede mit sich und neben wirklich gelungenen Spielen, wie dem überraschenden „The Mummy Demastered“ gibt es leider auch Spiele, wie das uninspirierte „Escape from Tethys„. In der letzten Zeit sind wieder zwei neue Vertreter des Genres erschienen, einer von Ratalaika Games und einer von First Press Games, einen Anbieter, der wirklich schicke, stark limitierte, physischen Edition von kleineren Spielen herausbringt. Und da ich ein Fan des Genres bin habe ich mir beide Spiele für euch angesehen, um darüber zu berichten. Den Anfang macht dabei „MindSeize“, für das mir vom Publisher dankenswerterweise ein Review-Code zur Verfügung gestellt wurde, was aber selbstverständlich keinen Einfluss auf meine Bewertung hat.

Die Präsentation beginnt schon einmal sehr hochwertig mit Comichaften Animationen, die uns die Hintergrundgeschichte näher bringen, die zwar nicht besonders originell, aber überraschend ernst und ausgearbeitet ist: Der hartgesottene Cop M.C. kämpft sich ohne mit der Wimper zu zucken mit übermäßiger Brutalität durch Gegner, um die Männer zu finden, die seine Tochter in ihrem Gewahrsam haben. Doch dort angekommen findet er sich allein einer Übermacht gegenüber, die den Geist seiner Tochter stehlen und lediglich ihre leibliche Hülle zurücklassen. Zu allem. Überfluss will man sichergehen, dass M.C. sich zukünftig aus ihren Angelegenheiten heraus hält und brechen ihm die Wirbelsäule, was ihn an einen Rollstuhl gefesselt zurücklässt. Er stürzt sich in Alkohol und Depressionen, bevor er auf ein höchst experimentelles Projekt aufmerksam wird, dass seinen Geist in einen Kampfanzug transferieren lässt, was zwangsläufig stark an „Avatar“ erinnert. Mit seinem neuen „Körper“ schwingt sich er sich in den Kampf gegen die böse Organisation, die nicht nur den Geist seiner Tochter, sondern auch viele andere gestohlen hat…

Soviel zur Story, die gerade zum Beginn recht ausführlich aufgebaut wird, aber danach eher eine untergeordnete Rolle einnimmt, denn im Verlauf des eigentlichen Spiels gibt es nur noch wenige Weiterentwicklungen der Narrative, während wir uns in bester Metroidvania-Manier durch eine zusammenhängende Welt aus unterschiedlichen Dschungel-, Höhlen-, Industrie- und letztendlich Urbanen-Arealen kämpft, die sich vom Prinzip her gleich zu Beginn frei erforschen lassen würden, wenn da nicht „natürlich Begrenzungen“ in Form von fehlenden Fähigkeiten wären, die uns immer wieder ausbremsen, bzw. in unserem Weg umlenken. Erst später gelangen wir durch die natürliche Progression in den Besitz einer Fähigkeit, oder Upgrade, die es uns erlaubt in der vermeintlichen Sackgasse von vorher einen neuen Weg offenzulegen. Dabei erfindet „MindSeize“ das Rad zwar keinesfalls neu und beschränkt sich größtenteils auf die Standards, die schon „Metroid“ definiert hat, macht aber seine Sache durchaus gut.

Insgesamt erinnert das Spiel auch optisch stark an die Vorlage, was das allgemeine Sci-Fi-Setting,  das Aussehen unseres Spielcharakters, die Arten von Gegnern und den Spielfortschritt angeht, was aber keinesfalls negativ auszulegen ist. Denn wenn man sich schon inspirieren lässt, sollte man sich schon am Klassen-Primus orientieren. Und so findet man neben den bereits erwähnten Punkten selbstverständlich auch manuelle Speicherpunkte, eine selbst-aktualisierende Karte in Quadranten-Ansicht und eine Schnell Reise, wie es spätere Metroid-Teile eingeführt haben. Ein Komfort, den man heute nicht mehr müssen möchte, weswegen ich persönlich auch das Remake „Metroid: Zero Mission“, dem Original vorziehe, da dort eben diese Komfort-Funktionen noch gefehlt haben.

Wo andere Metroidvanias aber gerade zu Beginn den Spieler etwas mehr an die Hand nehmen, um ihn gemäßigt in das Spiel einzuführen, verzichtet „MindSeize“ konsequent darauf und vertraut auf den Spieler. So gibt es zwar ein kurzes Tutorial, das uns in Form von ein paar Textboxen in grundlegende Bedienung einweist, aber danach ist man auf sich alleine gestellt: Es gibt keine Missionsmarker, keine formulierten Ziele und keinerlei sonstige Hilfe, was gerade zu Beginn schon dazu führen kann, dass man verwirrt durch unterschiedliche Areale stolpert, immer wieder in Sackgassen landet, bis man durch Zufall irgendwann die Stelle entdeckt, wo uns das Spiel haben möchte. Gerade wenn sich das Spiel nach dem ersten Boss etwas weiter öffnet gab es dadurch Situationen, wo ich Minutenlang die Karte studierte, um einen Platz auszumachen, wo es eventuell weiter gehen könnte. Das legt sich zwar etwas, sobald wir den Wand-Sprung und das Rutschen in der Hocke freigeschaltet haben, kann aber für ungeübte Spieler durchaus zur Geduldsprobe werden, besonders wenn man berücksichtigt, dass selbst die meisten anfänglichen Gegner eine durchaus ernstzunehmende Gefahr darstellen und respawnen, wenn wir einen Raum erneut betreten.

Das ist zwar nichts Neues, wenn es um das Genre geht, doch gefühlt war in anderen Spielen das Balancing und die Frequenz der Speicherpunkte etwas ausgewogener. Es muss ja nicht zu leicht, wie stellenweise in „Shantae and the Seven Sirens“ sein, wo gefühlt an jeder Ecke ein neuer Speicherpunkt war, doch wenn man mehrere Minuten backtracken muss, um zu speichern, ist die Distanz vielleicht etwas zu lang.  Und gleiches trifft dann natürlich auch auf das Ableben zu, denn dann muss man nicht nur den Weg erneut zurücklegen, sondern auch der Spielfortschritt, den man in der Zwischenzeit erledigt hat, ist natürlich auch nichtig.

Spielerisch ist „MindSeize“ aber durchaus interessant, da es neben dem im Genre vorherrschenden Fernkampf, auch auf Nahkampf setzt, der um einiges stärker, aber durch die geringere Distanz natürlich auch ungemein gefährlicher ist. M.C. ist anfangs mit einem Gewehr und einem Schwert ausgestattet und auch wenn das schießen, dass sich entweder stufenlos au richten, oder durch zur Hilfenahme der Schultertaste auch feststellen lässt, gut von der Hand geht, so ist der Kampf mit dem Schwert nicht nur stärker, sondern auch um Längen cooler. Im weiteren Spielverlauf schalten wir auch eine Handvoll weiterer Waffen frei, von denen sich aber immer nur zwei gleichzeitig ausrüsten lassen, was ebenfalls wie die Schnellreise, an den Speicherpunkten geschieht. So muss man im Voraus planen, welche Waffen für die kommenden Herausforderungen am besten sein könnten, oder zur Not muss man mittendrin umdrehen, zurückgehen und das Loadout anpassen.

Von der technischen Seite ist das Spiel wirklich gelungen und reproduziert sowohl Look und Feel der klassischen 16- und 32-Bit Metroidvanias und dabei allen voran natürlich, wie bereits erwähnt, „Metroid“. Die schicke Pixelgrafik wartet aber dennoch mit vielen kleinen Details, leuchtenden Farben und einiges an Abwechslung auf, auch wenn es schade ist, dass die besonders schicken Areale erst sehr viel später im Spiel auftauchen. Die Steuerung ist trotz der unterschiedlichen Fähigkeiten und der teilweise fordernden Kämpfe und Plattformer-Abschnitte leichtgängig und steuert sich sowohl mit dem Pro-Controller, wie auch den Joycons gut, was wahrhaftig keine Selbstverständlichkeit ist, da gerade die Joycons meiner Meinung nach für die meisten schnellen Spiele nur minder geeignet und zu schwammig sind. Hier hatte ich aber keine Probleme und das Spiel ist so auch im Handheld-Modus gut spielbar.

Auch wenn ich einige Kritikpunkte erwähnen musste, hatte ich dennoch eine Menge Spaß mit dem Spiel und es hat mich in seinen knapp 12 Stunden Spielzeit wirklich gut unterhalten. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass sich der Einstieg, durch die fehlenden Missionsmarker und die auch zu Anfang recht anspruchsvollen Gegner, etwas schwieriger gestaltet, als bei anderen Spielen. Wenn man sich aber etwas reinfuchst entlohnt das Spiel mit einigen interessanten Ideen, fordernden Bossen und einer abwechslungsreichen Spielwelt. Wer also auf der Suche nach einem besseren Vertreter des Genres ist, sollte „MindSeize“ durchaus eine Chance geben.

Entwickler: Kamina Dimension

Publisher: First Press Games

Erhältlich auf: PC, Nintendo Switch

NB@19.10.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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