PS5 Review: „Vampire: The Masquerade – Swansong“ #VampireTheMasquerade

Vampire: The Masquerade ist eine Reihe von Computer- und Videospielen, die auf dem gleichnamigen Pen & Paper-Rollenspiel von White Wolf basiert. Da ich früher gerne Mal klassische Rollenspiele gespielt habe, hat mich die Umsetzung für PC und Konsolen schon immer interessiert, es hat sich bisher aber nie ergeben eins der Spiele auszuprobieren. Doch das hat sich nun endlich, mit dem Release von „Vampire: The Masquerade – Swansong“, geändert hat, das ich mir in der PS5-Version genauer angesehen habe. Die Frage ist nur, ob sich das Warten gelohnt hat…

The Prämisse von „Vampire: The Masquerade“ ist schon mal spannend, denn neben unserer normalen Welt gibt es eine zweite, für die meisten verborgene Welt der Vampire, die mitten unter uns existiert. Vampire haben sich angepasst, führen den Menschen eine Maskerade vor, um unbeschadet weiterleben zu können. Aufgeteilt in Clans unter der Herrschaft des sogenannten Prinzen, der die Clans eint. Und wir übernehmen in einem verwobenen narrativen Abenteuer die Rollen von gleich drei Vampiren unterschiedlicher Clans, die jeweils über unterschiedliche Ziele verfügen.

Entgegen anderer Rollenspiele wird hier gänzlich auf jegliche Form des Kampfes verzichtet und der Fortschritt wird zum einen durch die Eigenschaften des Charakters, aber auch unsere persönlichen Entscheidungen als Spieler bestimmt, die neben der Antwort, bzw. Entscheidung auch eine Gefühlsebene und tiefere Intention beinhaltet. So ähnlich wie bei Fallout, hingegen aber noch differenzierter, wenn ähnliche Antworten durch weitere Adjektive spezifiziert werden, um das System von den eher oberflächlichen Spielen, sie zum Beispiel von Telltale abzuheben.

Die Geschichte ist dabei losgelöst von den anderen Spielen der Reihe, sondern ist lediglich im gleichen Universum angesiedelt. Also selbst wenn man bisher keinerlei Berührungspunkte mit der Reihe hatte, kann man durchaus auch mit Swansong einsteigen, ohne etwas wichtiges zu verpassen. Das bringt allerdings auch ein kleines Problem mit sich, das besonders am Anfang eine ziemliche Hürde darstellen kann. Denn am Anfang wird man eine gefühlte Ewigkeit mit Wellen über Wellen von Exposition überschüttet. Die Entwickler haben zwar versucht das mit unterschiedlichen Mitteln, wie beispielsweise Zwischensequenzen, Gespräche, Tutorials und Notizen etwas aufzulockern, doch man sollte sich dessen auf jeden Fall bewusst sein.

Wir spielen drei Vampire: Emem, Galeb und Leysha, die jeweils in ihren eigenen Kapiteln gespielt werden, wobei die Geschichten untereinander aber verwoben sind. Es gibt eine Krise im Vampir-Hauptquartier von Boston, da eine Party in einem ungeplanten Blutbad geendet ist und es nun daran liegt herauszufinden, was genau passiert ist, wer beteiligt war und ob immer noch eine Gefahr für den Prinzen besteht, der zur Zeit ebenfalls in Boston ist. Die drei Charaktere haben dabei ihre eigenen Herangehensweisen. Emem, eine Voodoo-Priesterin kennt die Unterwelt wie ihre Westentasche, Galeb ist ein Detektiv, der die Gabe besitzt auch die kleinsten Ungereimtheiten zu identifizieren und Leysha, die von ihrer jungen Tochter, die ebenfalls ein mächtiger Vampir ist und sich sogar unsichtbar machen kann, setzt eher auf Stealth. In der ersten Spielhälfte können wir dabei meist aus mehreren unterschiedlichen Quests wählen und wenn wir genug davon abgeschlossen haben, oder die richtigen Hinweise gefunden haben, geht sie Hauptstory weiter. In der zweiten Spielhälfte geht diese Freiheit allerdings etwas verloren und das Spiel nimmt eine linearere Ausrichtung an, wovon die Handlung überraschenderweise aber profitiert, da man damit fokussierter fortschreitet und man sich nicht in Nebensächlichkeiten verrennt.

Denn die Geschichte hat wirklich Probleme wichtige und unwichtige Elemente zu differenzieren und wird damit, gerade für Neulinge über die gesamte erste Hälfte, massiv überladen, bis stellenweise unlogisch. Zusätzlich nimmt sich das Spiel dabei selbst einfach zu ernst und versucht, besonders in den ausufernden Dialogen, tough und bedeutungsschwanger zu sein, wirkt aber damit eher unnötig kompliziert. Bei den Dialogen hat das noch den Beigeschmack, dass die Emotionen von Satz zu Satz um 180 Grad wechseln können und jegliche Beziehung der Charaktere untereinander, man muss bedenken, dass sich einige der Charaktere angeblich schon mehrere hundert Jahre kennen, dabei auf der Strecke bleibt. Dialoge zu schreiben ist schwer, besonders wenn sie den Spagat zwischen Emotion und Informationsweitergabe meisten müssen, doch die hölzerne Inszenierung hat mich mit voranschreitendem Spiel immer mehr angefangen zu Nerven. Weiter haben die Entwickler versucht mit dem Core-Skill-System, indem wir unsere Charaktere entweder in Rhetorik, Einschüchtern, Überzeugen, oder Psychologie stärken können, mehr Interaktivität zu geben, doch ehrlich gesagt ließen sich für mich keine wirklichen Unterschiede feststellen. Ich habe die Charaktere jeweils anders geskillt, aber andere Herangehensweisen ließen sich dadurch nicht erkennen, zumal die Skills auch sehr ähnlich sind und die Grenzen oft marginal verlaufen können.

In Sachen Gameplay ist „Vampire: The Masquerade – Swansong“ ein Abenteuer in der dritten Person. Wir steuern unsere Charaktere frei durch weitläufige Areale, führen Gespräche, finden Hinweise und lösen dabei auch das ein oder andere Rätsel. Am unterhaltsamsten waren für mich dabei die Missionen von Leysha, da sie immer wieder in abgesperrte Bereiche eindringen muss, indem sie sich fremder Identitäten und Outfits bemächtigt und genaue Recherche, Beobachtung und präzise Durchführung erfordert. Der Lowpoint hingegen ist leider Galeb, der mir anfangs fast am sympathischsten war, denn hier ist das Ziel meist nur eine Schlüssel, eine ID-Karte, oder ein sonstiges Item zu finden, um die „Mission“ zu beenden. So kann es zwar interessant sein, wenn wir statt dem klassischen Schlüssel auch mal ein Passwort suchen, das aus unterschiedlichen Quellen zusammengereimt werden muss, oder wenn wir einen Drucker reparieren müssen, weil der gesuchte Beweis noch in der Druckwarteschlange feststeckt, doch wenn das gesamte Spiel mehr einer langgezogenen Schnitzeljagd gleicht, macht das nur bedingt Spaß.

Was leider ebenfalls den Spaß trübt ist die Technik. Und auch wenn das wie Hohn aus dem Mund einer Person klingen muss, die auch liebend gern Retrospiele spielt, doch Swansong ist keinesfalls auf der Höhe der Zeit. Doch man muss Spiele immer in Relation zu ihrem erscheinen und von der Intention her betrachten. Die meisten Retrospiele haben mit ihren begrenzten Mittel unglaubliches geschaffen und auch moderne Spiele, die an bestimmte Spieler appellieren wollen, schlagen in diese Kerbe. Doch Swansong ist eben weder noch… – Die Animationen und die Details bewegen sich, selbst auf der PS5, eher auf frühem PS4-, wenn nicht gar PS3-Niveau und sind nicht wirklich natürlich. Besonders deutlich wird das auch in den Closeups, denn die Charaktere wirken eher wie aus einem Wachsfigurenkabinett und weniger aus einem Videospiel aus dem Jahr 2022.

Insgesamt hatte ich zwar Spaß mit dem Spiel, doch leider hinterlässt es dabei auf Grund der Technik und der Unzulänglichkeiten im Gameplay einen leicht bitteren Nachgeschmack. Es ist zwar zugegebenermaßen nichts neues, dass Spiele, die für unterschiedliche Konsolengenerationen erscheinen hinter ihrem Potential etwas zurückbleiben, um allen gerecht werden zu können, doch hier muss man sich eingestehen, dass eine separate Veröffentlichung für die PS5 eindeutig ein reines Marketinginstrument darstellt, da das Spiel selbst in keiner Version besser, oder schlechter läuft und unabhängig davon veraltet ist. Schade ist weiter, dass die Fähigkeiten der Charaktere und unsere Fokussierung in Skills keinen erkennbaren Effekt haben zu scheinen, wo hingegen andere Spiele, wie beispielsweise die Fallout-Reihe, deutlich zeigt, dass kleine Abweichungen komplett unterschiedliche Wege bieten können. Gerade weil das Spiel zu einer langlebigen Reihe stammt hatte ich diesbezüglich etwas mehr erwartet. Die Geschichte an sich ist dabei spannend, wird aber stellenweise zu sehr in die Länge gezogen und mit (leider oft notwendiger) Exposition überfrachtet, was es zusätzlich schwer macht aufmerksam zu bleiben. Ich kann das Spiel daher nur hartgesottenen Vampir- und konkreter Fans des Universums empfehlen und alle anderen machen besser einen großen Bogen herum…

Entwickler: Big Bad Wolf Studio

Publisher: Focus Home Interactive

Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S

NB@25.07.2022

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