PS5 Review: „The Callisto Protocol“ #TheCallistoProtocol #SurvivalHorror

Es kommt immer anders, als man denkt. So, oder so ähnlich kann man die Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität bei besonders gehypeten Videospielen bezeichnen. Das wahrscheinlich berühmteste Beispiel in der jüngsten Vergangenheit dazu ist „Cyberpunk 2077„, doch „The Callisto Protocol“ steht dem kaum nach. Immerhin war das Spiel als die Hoffnung am Survival Horror-Himmel angepriesen und hat dann zum Release, sowohl von Fachpresse und den Spielern, unterdurchschnittliche Bewertung und viel Kritik einstecken müssen. Und auch wenn wir leider kein Rezensionsexemplar für das Spiel bekommen haben, haben wir uns das Spiel zugelegt, um herauszufinden, ob all die Kritik wirklich zutrifft…

Entwickelt von Striking Distance Studios, einem Studio, das aus ehemaligen Mitgliedern von Visceral Games besteht, die an den Dead Space-Spielen mitgearbeitet haben. Aus diesem Grund und der Tatsache, dass es sich ebenfalls um ein Survival Horror-Spiel im Weltraum handelt, war das Spiel schon bei seiner ersten Ankündigung als spiritueller Nachfolger verschrien, was aber nur bedingt zutrifft. Zugegebenermaßen gibt es vom Design her einige Parallelen, aber eben auch signifikante Unterschiede. Ebendiese Faktoren sind wahrscheinlich für die Bewertungen verantwortlich.

Im Zentrum der Geschichte ist Jacob Lee, ein Pilot und Schmuggler, der dabei ist eine mysteriöse Fracht zum Jupitermond Callisto zu transportieren. Als Unbekannte sein Schiff angreifen ist er gezwungen ist auf not zu landen, wofür er überraschenderweise direkt verhaftet und in Hochsicherheitsgefängnis auf Callisto gebracht wird. Und als ob das noch nicht genug wäre bricht kurz nach seinem Eintreffen buchstäblich die Hölle im Gefängnis aus, als sich Insassen und Wärter beginnen in blutrünstige Monster zu verwandeln, was mich direkt an „The Suffering“ erinnert hat, eine Horrorperle, die auch dringend ein Remake vertragen könnte.

Jacob weiß, dass seine einzige Chance zu überleben die Flucht ist und beginnt sich mit Hilfe eines weiteren Insassen namens Elias durch die Haftanstalt zu kämpfen. Doch auf dem Weg muss er erkennen, dass sowohl seine Inhaftierung, aber auch der Zombie-Ausbruch keineswegs ein Zufall sind… – Viel mehr Geschichte gibt es zwar nicht, aber sie wird dennoch spannend erzählt und wartet mit ein paar überraschenden Wendungen auf, auch wenn das Ende leider etwas zu wünschen übrig lässt und vermutlich erst durch einen fürs kommende Jahr angekündigten DLC abgeschlossen wird. Das ist zwar noch nicht bestätigt, aber wäre natürlich ein starkes Stück, wenn man für das „echte“ Ende nochmal zu Kasse gebeten wird.

Spielerisch handelt es sich um ein Horrorspiel aus der dritten Person, doch wo Dead Space eher Metroidvania-Ansätze bot, indem man immer wieder in bereits besuchte Bereiche zurückkehrt und mit neuen Fähigkeiten im Gepäck neue Bereiche freischaltet, ist „The Callisto Protocol“ eine rein lineare Angelegenheit. In den seltensten Fällen gibt es Möglichkeiten zur Erkundung, dort gibt es auch nichts außer Ressourcen zu entdecken und in zuvor besuchte Areale kann man meist gar nicht mehr zurück. Die Gebiete sind dabei zwar ziemlich abwechslungsreich und die Inszenierung ist überaus cineastisch, doch etwas mehr Abwechslung in Sachen Gameplay hätten dem Spiel durchaus gut getan.

Denn diese lineare Ausrichtung beraubt das Spiel einiger Möglichkeiten, denn jeder Durchgang ist dabei wie der letzte. Ich persönlich habe damit aber gar kein Problem, denn in Zeiten wo immer mehr zum Gigantismus neigen, es auf biegen und brechen immer eine offene Welt und unzählige Haupt- und Nebenmissionen geben muss, genieße ich diese Konzentration auf das Wesentliche. Und wenn wir mal ehrlich sind war das Backtracking in „Dead Space“ stellenweise auch nervig. Es wäre allerdings schön, wenn es ein paar mehr Rätsel und Bosse im Spiel gäbe, denn das höchste der Gefühle in Sachen Rätsel besteht aus dem finden von Sicherungen, um Türen mit Strom zu versorgen und im Grunde gibt es nur zwei Bosse im Spiel, von denen einer gleich mehrmals recycelt wird. Und zu guter Letzt gibt es kein New Game Plus, wir können also nicht mit unserem bestehenden Charakter einen neuen Run starten, sondern fangen immer bei Null an. Das soll aber voraussichtlich im Januar per Update nachgereicht werden.

Technisch kann sich das Spiel allerdings mehr als sehen lassen, was es sich eindeutig durch die lineare Ausrichtung erkauft. Aber nichts desto trotz muss man würdigen wie schick das Spiel aussieht, absolute Referenz. Die Charakteranimationen, allen voran Jacob, der von Hollywood-Schauspieler Josh Duhamel gespielt wird, sind beeindruckend. Man kann förmlich jede Schweißperle sehen und einzelne Poren zählen. Ähnlich detailliert sind die Areale, die mit allerlei ekligen Details und Partikeleffekten aufwarten. Zwar gab es zum Launch auf dem PC Probleme mit der Framerate und Tearing, wurde aber mittlerweile per Patch behoben. Auf der PS5, auf der ich gespielt habe, gab es keine derartigen Probleme. Und es stehen ein Performance-Modus, mit variabler Auflösung und 60fps, oder ein Grafik-Modus mit 4K und 30fps zur Verfügung. Ich würde dabei den Performance-Modus empfehlen, da die Action von der höheren Framerate profitiert und die Auflösung. Am tollsten ist allerdings die Beleuchtung und das Untermalung, wodurch eine cineastische Stimmung erzeugt wird. Nahezu jede Einstellung ist eignet sich für eindrucksvolle Fotos.

Woran sich die meisten Geister scheiden ist das Kampfsystem, das entgegen üblicher Genre-Konventionen nicht auf Fern-, sondern auf Nahkampf ausgelegt ist. Unsere Hauptwaffe ist ein elektrischer Schlagstock und Schusswaffen sind eher nur als letzte Option vorhanden. Weiter verfügt das Spiel über ein anfänglich etwas gewöhnungsbedürftiges Ausweichsystem. Denn das ausweichen nimmt Anleihen beim Boxen und funktioniert über das Festhalten des linken Sticks nach links oder rechts. Wichtig ist dabei, dass der Stick gehalten und die Richtung immer abwechselnd gewählt wird, was mit vielen Konventionen bricht, da das Timing dabei vollkommen unerheblich ist. Man muss sich zwar erst einmal dran gewöhnen, aber dann funktioniert das Kampfsystem richtig gut. Einzige Ausnahme sind die Fälle, wenn Gegner in Gruppen auftreten, dann geht das Kampfsystem mit seinem taktischen Vorgehen leider etwas in die Knie. Zwar gibt es durch die Unterstützung von Schusswaffen, einer Telekinese-Fähigkeit und jeder Menge Gefahren in den Levels Möglichkeiten dagegen zu wirken, man steckt aber zwangsläufig mehr Treffer ein, als es eigentlich sein müsste…

Insgesamt hatte ich wirklich Spaß mit dem Spiel, mehr als ich ursprünglich erwartet hatte, wenn man zuvor ein paar Rezensionen gelesen hat. Doch es handelt sich mit Sicherheit um eine falsche Erwartungshaltung, denn es handelt sich eben nicht um eine Kopie von „Dead Space“, sondern ein Spiel mit eigenständiger Identität und eigenen Ideen. Es gibt zwar sehr viele Parallelen, aber eben auch Unterschiede und die haben Kritiker, wie Spieler anscheinend etwas zu sehr überrascht. Insofern war es eindeutig falsch das Spiel nur in diese Richtung zu vermarkten. Weiter hätte es dem Spiel gut getan etwas mehr Playtesting durchführen, um ein paar frustrierende Spitzen auszumerzen und eventuell das Kampfsystem in Hinsicht auf Gegnergruppen zu optimieren, entweder in Richtung der Arkham-Spiele, oder zumindest mit einem freien Lock-on-Feature, oder Hinweisen woher ein Angriff kommt, auch wenn letzteres etwas mit der filmischen Inszenierung gebrochen hätte. Jedoch hätte man dann das Weihnachtsgeschäft verpasst und wäre immer näher, oder gar nach dem Release des Remakes von „Dead Space“ erschienen, was man anscheinend auf jeden Fall vermeiden wollte, obwohl die Spiele genau betrachtet in keiner echten Konkurrenz zueinander stehen müssten. Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich dem Spiel dennoch eine Chance gegeben habe, denn es war eine wirklich positive Überraschung für mich. Wer Survival Horror, oder generell Spiele mag, die sich etwas von der Masse abheben, sollte „The Callisto Protocol“ auf jeden Fall eine Chance geben und sich ein eigenes Bild davon machen.

Entwickler: Striking Distance Studios

Publisher: Krafton

Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S

NB@23.12.2022

—Hinweise & Disclaimer—

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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