Pixel Ripped ist seit Jahren ein Geheimtipp für Retrospieler und Virtual Reality-Enthusiasten, die gerade auf PSVR2 in die dritte Runde gegangen ist. Nach „Pixel Ripped 1989“, das den Fokus auf Spiele des 8-Bit-Zeitalters und „Pixel Ripped 1995“, das den Fokus auf 16-Bit legte, kommt nun „Pixel Ripped 1978“. Darin widmet man sich der Geburtsstunde der modernen Videospiele, die maßgeblich von Atari geprägt wurde.

Umso passender ist es, dass Atari sogar das Publishing des Spiels übernimmt, was dazu führt, dass man die Originaltechnik des Konzerns nutzen kann, wo die beiden Vorgänger, noch im Eigenvertrieb des brasilianischen Entwicklers Arvore, auf Grund fehlender Lizenzen auf Fantasienamen und Konsolendesigns von NES, SNES, Gameboy und Co. zurückgreifen. Jedoch merkt man nicht nur in diesem Punkt, dass ein großer Publisher im Rücken mehr Spielraum bietet und das kann durchaus sinnvoll sein, da 1978 gleichzeitig der erste Teil der Reihe, der auf modernen VR-Plattformen erscheint, die etwas anspruchsvoller ist, als noch die erste PSVR…

Auch wenn es sich um den dritten Teil der Reihe handelt, so sind alle drei Teile in sich abgeschlossen und greifen lediglich auf ähnliche Konzepte und wiederkehrende Charaktere zurück, Vorkenntnisse sind allerdings nicht zwingend von Nöten, auch wenn es natürlich einige Anspielungen zu den anderen Teilen gibt. Wir verkörpern zwei Charaktere, zum einen die junge Programmiererin Bug, die gerade bei Atari angefangen hat und zum anderen Dot, das quasi Maskottchen der Reihe, die unser Avatar in der Spielwelt ist. Denn Bug hat eine gäbe, sie kann sich in die Spiele teleportieren und begibt sich gemeinsam mit Dot auf ein spannendes Abenteuer, das Raum und Zeit sprengt…

Denn der böse Cyblin Lord, der Antagonist der vorherigen Teile, ist zurückgekehrt und erkennt für sich, dass er im hier und jetzt nicht gegen Dot gewinnen kann. In der Vergangenheit könnte das allerdings anders aussehen, indem er neuralgische Punkte in der Entstehung von Dot zu seinen Gunsten verändert. Dot ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Holdin, die sie einmal sein wird und daher muss Bug ihr helfen dazu zu werden, bevor es zu spät ist. Wir schwingen uns in die Arbeit bei Atari, interagieren mit Kollegen, spielen klassische Atari-Spiele, testen Prototypen neuer Spiele und schalten nach und nach neue Fähigkeiten für Dot frei, die sie in ihrem Kampf unterstützen…

Das Gameplay teilt sich dabei in unterschiedliche Elemente: Die „reale“ Welt, die Spielwelt und die Spiele, wobei die Grenzen in Schlüsselszenen fließend sind, oder gar miteinander verschwimmen, was meist bei Bosskämpfen genutzt wird. In der realen Welt sind wir Bug in unterschiedlichen Stufen ihres Lebens. Größtenteils als Entwicklerin bei Atari, aber auch mal als kleines Mädchen, die sich mit einer Pong-Konsole beschäftigt, bevor der Cyblin Lord sie angreift. Dann gibt es die Spielwelt, die Welt von Dot, die sich im Spielverlauf von groben Pixeln in monochrom konstant weiterentwickelt, je mehr wir vorankommen. Die Spiele im Spiel sind Klassikern der Videospielgeschichte nachempfunden und dienen entweder der Verbesserung von Dot, oder werden für besondere Setpieces verwendet.

Im Vergleich zu den Vorgängern hat man besonders die Welt von Dot umfassend erweitert, wo wir uns nun fast komplett frei bewegen können, kleinere Rätsel lösen, die wiederum Auswirkungen auf die anderen Spielbereiche haben und auch aktiv gegen Gegner in den Kampf gehen. Wer jemals davon geträumt hat ein Metroid oder Megaman durch die eigenen Augen in VR zu erleben, der kommt hier auf seine Kosten, denn Dot ist ebenfalls mit einem Blaster ausgestattet, der ganz klar an die berühmten Vorbilder erinnert. Wahlweise können wir uns komplett frei bewegen, oder teleportieren, was etwas einfacher für schwache Mägen ist, denn Motion Sickness kann hier durch ein gehobenes Spieltempo durchaus ein Thema sein.

Der größte Clou ist allerdings wenn die Welten miteinander verschwimmen und wir unsere Fähigkeiten zum Multitasking unter Beweis stellen, wenn wir beispielsweise Pong über Bewegungssteuerung in 3D spielen und gleichzeitig den Gegner mit zerknülltem Papier bewerfen müssen, um seine Verteidigung zu können. Das mag zwar merkwürdig klingen, macht aber spielerisch Sinn und sorgt für starke Immersion. Und gerade in dieser Beziehung beweisen die Entwickler sehr viel Fingerspitzengefühl und Liebe zum Detail, denn man kann mit fast allem in der Spielwelt interagieren, auch wenn es gar keinen spielerischen Nutzen gibt.

Insgesamt hatte ich wirklich eine Menge Spaß mit Dot’s drittem Abenteuer, auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich in 8- und 16-Bit etwas mehr zu Hause fühlte, da ich damit aktiv aufgewachsen bin. Allerdings muss man eingestehen, dass die Interaktion mit echten Konsolen und Spielen aus der Goldenen Zeit der Videospiele nicht nur technisch, sondern auch spielerisch umfangreicher und authentischer ist. Plagten die Vorgänger oftmals Probleme mit dem Tracking und unsaubere Texturen, so ist auf PSVR2 nichts davon zu merken. Zwar gibt es bessere VR-Erfahrungen, doch das gleicht man mit Hingabe mehr als aus. Man muss zwar kein Retrospieler sein, um mit 1978 Spaß zu haben, aber es transformiert ein unterhaltsames Spiel zu einem der besten VR-Spiele, die sogar komplett deutsch lokalisiert ist, denn seit heute stehen sowohl deutsche Texte und eine komplette Synchronisation zur Verfügung.
Entwickler: Arvore
Publisher: Atari
Erhältlich auf: PC (Steam VR, Meta Quest 2), PS5 (PSVR2)
NB@21.07.2023
——— Hinweise & Disclaimer: ———
Wenn euch der Beitrag gefallen hat würde ich mich natürlich über eure Likes, Retweets, Abos oder auch Feedback freuen. Gleiches trifft aber auch zu, wenn ich eurer Meinung nach etwas hätte besser machen können. Konstruktive Kritik hilft bekanntlich nur, wenn man sie auch bekommt, also lasst es mich einfach wissen.
Die verwendeten Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.


Hinterlasse eine Antwort zu News: „Pixel Ripped 1995“ erscheint kommende Woche für PSVR2! #PixelRipped – NerdicReviews – Games Testberichte Antwort abbrechen