PS4 Review: „Mega Man Zero/ZX Legacy Collection“ #MegaMan

Bei einer Spielereihe, wie Mega Man ist mit ihren etlichen Fortsetzungen und Spin-offs sind die Möglichkeiten für Wiederveröffentlichungen ziemlich umfangreich, zumal damals wie heute die Rechte an der Marke immer noch bei Capcom liegen. Nachdem man uns bisher mit jeweils zwei Sammlungen zu den klassischen Mega Man– und Mega Man X-Reihen bedacht hat, geht die „Legacy Collection“ nun in die 5. Runde und betritt damit erstmals fast obskures Territorium in Form der Mega Man Zero– und Mega Man ZX-Reihen, die bisher ausschließlich auf Handhelds erhältlich waren und somit ihr Debüt auf großen Bildschirmen geben. Ob die Rechnung auf geht, erfährt ihr in meinem Bericht!

In der Sammlung sind insgesamt sechs komplette Spiele nebst einem zusätzlichen Remix- und Boss-Rush-Modus enthalten von denen alle sich von Anfang an auswählen lassen. Wir sind also nicht gezwungen irgendetwas erst freizuschalten, wobei man dennoch die Reihenfolge der Spiele berücksichtigen sollte, da diese aufeinander aufsetzen. Folgende Spiele sind enthalten:

• Mega Man Zero
• Mega Man Zero 2
• Mega Man Zero 3
• Mega Man Zero 4
• Mega Man ZX
• Mega Man ZX Advent
• Z-Chaser (exklusiv in der Collection)

Doch um was geht es eigentlich? – Das ist bei insgesamt 6 Spielen gar nicht so einfach zu beantworten und da die Spiele auch noch in einander übergehen fällt das noch doppelt schwer, wo man die Abgrenzung schafft. Ich versuche es dennoch und versuche mich dabei auf das wesentlichste zu beschränken, um Spoiler zu vermeiden. Chronologisch ist die Zero-Reihe knapp 100 Jahre nach den Ereignissen der X-Reihe angesiedelt und hat mit dem Titelgebenden Roboterkrieger Zero einen neuen (spielbaren) Protagonisten. Als Nebencharakter kennt man ihn bereits aus der X-Reihe. Er unterstützt die Wissenschaftlerin Ciel und den Rest des Wiederstands im Kampf gegen das totalitäre System von Neo Arcadia, das von niemandem geringeren als X angeführt wird… – Die Geschichte ist dabei nicht nur gut geschrieben und überaus spannend, sondern halt auch einigen interessante Wendungen bereit, die man nicht kommen sieht. Dabei sind die Teile zwar in sich abgeschlossen, doch mit jedem neuen Teil wird die Geschichte mit den gleichen Figuren fortgesetzt und erweitert.

Die ZX-Storyline setzt wiederum zwei Jahrhunderte nach der Zero-Reihe, im Jahr 25XX an. Der Krieg zwischen Menschen und Robotern gehören längst der Vergangenheit an und es herrscht ein harmonisches Miteinander, bis sich plötzlich Übergriffe durch wildgewordene Roboter häufen, die Teile der Welt erneut ins Chaos stürzen. In dieser unsicheren Welt wachsen zwei neue Protagonisten zwischen denen wir zu Spielbeginn auswählen können. Zur Auswahl stehen Vent und Aile, die sich zwar vom Aussehen her, jedoch aber nicht spielerisch, unterscheiden. Sie gelangen durch Zufall in den Besitz von einem Stück Biometall aus dem Kampfanzug von Mega Man X, mit dem sie „megamergen“ können, d.h. sie können also zwischen ihrer menschlichen Form und der Mega Man X-Form hin- und verschalten. Doch da die Bedrohung in Form der Organisation Guardians größer ist, als gedacht wird der Kampfanzug durch ein weiteres Stück Biometall aus einem Z-Kampfanzug erweitert, was damit zum Titel-gebenden Mega Man ZX führt…

Die Geschichten sind dabei durchweg interessant und auch wenn sie stellenweise durch jede Menge Querverweise etwas überladen sein kann, Unterhält sie doch ungemein. Und obwohl sie voll mit Pathos sind, wie man ihn aus vielen japanischen Spielen kennt, wirkt das durch gut geschriebene Charaktere, einige interessante Wendungen und den Einsatz unterschiedlicher Erzählformen (Cutscenes, Funksprüche, etc.) nicht so aufdringlich, wie bei anderen Spielen. Und zu guter Letzt unterhält sie auch noch in allen Spielen der Sammlung gut. Spielerisch unterscheiden sich die Spiele insgesamt kaum von den anderen teilen und sind ebenfalls in 2D gehaltene Sidescroller mit Plattformer-Elementen. Jedoch haben sowohl Zero, wie ich ZX gegenüber ihren blauen Vorgängern dazugelernt. Zwar sind sie auch mit dem ikonischen Blaster ausgestattet und haben mit dem Dash und dem Wandsprung ähnliche Fähigkeiten im Repertoire, doch verlassen sich nicht ausschließlich darauf.

So hat Zero zum Beispiel auch den Z-Saber, eine Art Laserschwert im Gepäck und kann aber zusätzlich viele Erweiterungen, genannt Elfs ausrüsten, die stark an die Metroid-Reihe erinnern. Das stellt größtenteils eine willkommene Abwechslung dar, nur an ein paar Stellen merkt man, dass es sich dabei um ein Experiment handelte, was noch nicht vollkommen durchdacht war. So kam es in beiden Reihen immer wieder zu stellen, wo ich einfach nicht wusste, wo es weitergehen soll, was zu Folge hatte, dass ich die umliegenden Bereiche abgelaufen bin, bis ich durch Zufall einen neuen Weg oder eine mittlerweile unverschlossene Tür entdeckt hatte. Eine Karte hätte in solchen Fällen durchaus geholfen, doch erst in der ZX-Reihe kommt eine Karte dazu, die aber auch mehr Segen als Fluch ist, da man nicht wirklich erkennen kann wo man sich befindet und wo man hin soll. In diesen Fällen habe ich irgendwann das Internet zu Rate gezogen, wo es teilweise bessere Karten, als im Spiel gibt. Abseits davon habe ich aber an der Sammlung und den enthaltenen Spielen nichts auszusetzen und hatte bei meinem Durchspielen auch eine Menge Spaß mit der Sammlung.

Auch von der technischen Seite ist diese Veröffentlichung interessant, nicht nur weil die Spiele ursprünglich alle für einen kleinen Bildschirm konzipiert wurden, sondern auch weil die ZX-Ableger für den DS erschienen sind und somit auf zwei Screens ausgelegt würden. Bei beiden Reihen fällt das hauptsächlich durch die auf dem großen Bildschirm zu groß wirkende Schrift auf. Lediglich bei den DS-Ablegern sticht gleich zu Beginn ein etwas abweichendes Bildschirmlayout ins Auge: Denn der zweite Bildschirm wird auf in der Umsetzung als kleiner Screen an der Seite repliziert und lässt sich über den rechten Stick bewegen, bzw. darauf navigieren. Abseits davon unterscheiden sich die Spiele jedoch kaum, denn alle Spiele der Sammlung sehen auch auf einem großen Bildschirm gut aus und es könnte sich im Grunde auch um Veröffentlichungen, die auch auf dem SNES oder einer vergleichbaren Konsole erschienen sein können, handeln. Sie laufen flüssig und ohne erkennbare Probleme, die Umsetzung der Eingaben ist direkt und ohne erkennbare Verzögerungen und selbstverständlich stehen auch unterschiedliche Bildschirmfunktionieren (Ausschnitt, Filter, Seitenränder) zur Verfügung, die man heutzutage bei fast jeder Veröffentlichung von Retrospielen findet. 

Die einzigen wirklichen Anpassungen sind ein neuer Spielmodus, der in allen Spielen zur Verfügung steht, um dem immensen Schwierigkeitsgrad der Spiele etwas Herr zu werden. Dabei galt die Mega Man-Reihe per se schon immer als ziemlich schwierig, aber die Spiele in dieser Sammlung stellen selbst eingefleischte Fans vor eine harte Prüfung. Das hat auch Capcom eingesehen und bietet optional einen Modus mit Speicherpunkten innerhalb der Levels an, den man jederzeit ein- und ausschalten kann. Stirbt man nach einem Speicherpunkt muss man das Level nicht wieder vor vorne beginnen, sondern kann vom vorherigen Speicherpunkt weitermachen, was den Frustfaktor immens zurückschraubt. Und dann ist da noch der Z-Chaser-Modus, ein Remix aus Versatzstücken aus Levels und Bosskämpfen aus den Spielen, die durch die neue Anordnung und ein Zeitlimit zu einer ganz neuen Herausforderung katapultiert. Man kann diesen Modus sowohl gegen Freunde im lokalen Match oder gegen die ganze Welt spielen, wenn man einen Platz in den Online-Leaderboards anstrebt. Doch dazu sollte man auf jeden Fall die einzelnen Spiele jeweils einmal durchgespielt haben, damit man sich zum einen nicht spoilert und zum anderen am besten schon weiß, wie man mit dem ein oder anderen Boss umgehen muss.

Insgesamt hatte ich eine Menge Spaß mit der Sammlung. Ich habe zwar schon einige Mega Man-Spiele gespielt, doch muss zugeben, dass ich zwar mit der Zero– nicht aber der ZX-Reihe vertraut war und diese Sammlung hilft diese Wissenslücke zu schließen. Die Spiele sind durch die Implementierung eines leichteren Schwierigkeitsgrades mit Speicherpunkten einsteigerfreundlicher, als ihre Erstveröffentlichungen und weniger frustrierend, ohne dabei zu leicht zu werden. Auch wenn durch das Levellayout stellenweise nicht ganz klar wo man eigentlich hin muss überwiegt in Gänze das tolle Leveldesign mit anspruchsvollen Plattformer-Abschnitten und kreativen Bosskämpfen. Fans der Reihe allgemein, oder Mega Man X im speziellen, die bislang keine Berührungspunkte mit den Reihen hatten, können das in dieser tollen Veröffentlichung bedenkenlos nachholen und bekommen die wahrscheinlich beste Umsetzung. Da könnten sich andere Publisher durchaus eine Scheibe abschneiden, denn auch von anderen Spielereihen, wie z.B. bei Konami mit Castlevania, gibt es Teile, die bislang nur auf Handhelds erhältlich waren und durchaus mit einer Wiederveröffentlichung eine breitere Masse aufs neue begeistern könnten,

Entwickler:     Capcom

Publisher:        Capcom

Erhältlich auf: PS4, Xbox One, Nintendo Switch

NB@09.03.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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