Die Spieleentwicklung kann manchmal sehr merkwürdig, wenn nicht gar schon unfreiwillig komisch sein. So ist es zwar keine Seltenheit, dass während der Entwicklung der Entwickler gewechselt, oder der Name geändert wird, doch was mit der Fortsetzung zum 2014er Spiel „Lords of the Fallen“, dem Soulslike vom deutschen Entwickler Deck 13, alles passiert ist, ist schon merkwürdig. So hat sich Publisher CI Games wegen „mangelhafter Ausführung“ von Deck 13 getrennt, auch wenn ich mit dem ersten Spiel echt eine Menge Spaß hatte und nichts wirklich negatives über das Spiel sagen kann, doch dann hat man die ursprünglich als Fortsetzung angelegte Entwicklung in ein Reboot umgemodelt und zu guter Letzt hat das nun von Hexworks entwickelte Spiel den exakt selben Titel, wie das 2014er Spiel, auch wenn es sonst im Grunde keine Gemeinsamkeiten mehr gibt.

Trotz der problematischen Entwicklung sahen die Ankündigungen aber sehr vielversprechend aus, weswegen ich mich sehr auf das fertige Spiel gefreut habe, das nun vor ein paar knapp zwei Wochen erschienen ist. Ich habe mich seitdem viele Stunden in das Dark Fantasy-Spektakel gewagt, um herauszufinden, ob man sich mit anderen Soulslikes, wie „Demon’s Souls„, „Dark Souls“, „Bloodborne“, oder dem jüngst erschienenen Pinocchio Souls, „Lies of P“ messen kann.

Charakteristisch für das Genre gibt das Spiel uns anfänglich nur wenig Kontext: Im Intro sind wir Zeuge, wie ein dunkler Ritter mit einer mysteriösen blauen Laterne gegen eine Übermacht von Dämonen und Drachen als Gefolge des fiesen Adyr kämpft und letztendlich… verliert. Denn wir sind nicht dieser mächtige Ritter, sondern starten im Grunde bei Null mit einer vor sich hin modernden Leiche, die von der weggeworfenen Laterne des Ritters zum neuen Leben erweckt wird…

Wir können danach aus ganzen neun unterschiedlichen Charakterklassen und mit Hilfe eines recht soliden Editors „unseren“ Helden erschaffen, wobei die Optik reine Nebensache ist und es eher auf die Klasse ankommt. Nicht nur sind einige Klassen anspruchsvoller als andere, doch sie variieren auch in Charakterwerten, Fähigkeiten und Ausrüstung, weswegen es sich empfiehlt die Möglichkeiten genau zu studieren, bevor man sich festlegt. Haben wir unseren Charakter erstellt nehmen wir unser Schild, Schwert, oder die jeweilige Alternative, neben der mysteriösen Laterne und ziehen nach Mournstedt, die düstere Welt in der „Lords of the Fallen“ angesiedelt ist.

Genretypisch, also wenn man mal kurz von „Elden Ring“ absieht, ist Mournstedt keine komplett offene Spielwelt, sondern unterteilt sich in mehrere eher linear angelegte Gebiete, die es zu meistern gilt, um alle Geheimnisse zu lüften. Wobei „Lords of the Fallen“ jeweils zwei Versionen der gleichen Welt bereithält, zwischen denen wir mit Hilfe der magischen Laterne hin- und verwechseln müssen. Die Welt besteht dabei aus Axiom, der Welt der Lebenden und Umbral, der Welt der Toten und wir überwinden durch den Wechsel von einer zur anderen Sphäre Hindernisse, da die Welten nicht einfach gespiegelt sind, sondern topographische, wie architektonische Unterschiede aufweisen.

Da Spiel erlaubt uns zwar jederzeit per Tastendruck einen Blick in die andere Welt, aber der Wechsel ist nur an vordefinierten Punkten möglich, was etwas nervig sein kann, wenn man zwar weiß was zu tun ist, man aber erst nach einem Übergangspunkt suchen muss. Die Spielwelt ist zwar nicht übermäßig groß, man kann sich aber trotzdem verlaufen und läuft dann auch gleichzeitig Gefahr auf dem Weg das zeitliche zu segnen. Als lebende Leiche respawnen wir zwar wieder, aber entsprechend anderer Soulslikes müssen wir dann unsere Habseligkeiten am Ort des Todes wieder einsammeln, wenn wir uns nicht dauerhaft davon verabschieden möchten. Die zwei Welten fungieren dabei auch als zweite Chance, denn sterben wir im Axiom, können wir es im Umbral direkt nochmal versuchen, ohne Game Over und Respawnen, ein insgesamt wirklich netter Twist.

Die Gegner sind anfangs noch recht leicht zu besiegen, doch bereits nach kurzer Eingewöhnung zieht der Schwierigkeitsgrad ziemlich an und wird auch Veteranen des Genres fordern. Zwar folgt das Spiel dem klassischen Kampfsystem aus leichter Schlag, schwerer Schlag und Ausweichrolle, führt aber gerade durch die zwei Welten-Mechanik eine anspruchsvolle Neuerung mit ein: Einige Gegner ziehen ihre Kraft aus der anderen Welt und um ihnen überhaupt Schaden zufügen zu können, müssen wir zunächst diese Verbindung kappen. Und all das während wir den eingehenden Angriffen ausweichen, versteht sich. Zusätzlich erregen wir immer mehr Aufmerksamkeit, je länger wir in der Spielwelt herumlaufen, angezeigt durch einen Indikator am Bildschirmrand, und je mehr dieser sich füllt, je mehr Dämonen schickt uns das Spiel auf den Hals. – Eine richtig fiese Sache, obwohl es das Spiel damit auch abwechslungsreicher gestaltet, da man sich nie richtig sicher sein kann, auch wenn man vermeintlich alle Gegnerpositionen kennt.

Insgesamt hatte ich wirklich Spaß mit dem Soulslike. Wo andere Spiele uninspiriert kopieren drückt es dem Genre mit frischen Ideen dennoch eine eigene Identität auf, ohne sich dabei auch zu sehr zu entfernen. Das Kampfsystem und die Vielfalt an Klassen und Waffen motivieren obendrein auch unterschiedliche Möglichkeiten auszuprobieren. Mit einer Spielzeit irgendwo zwischen 50 und 60 Stunden ist auch der Umfang wirklich beachtlich, wenn nicht sogar für meinen Geschmack fast etwas zu lang, was aber eine eher persönliche Vorliebe ist, da das Spiel an sich ohne spürbare Längen auskommt. Die zwei Welten-Mechanik motiviert obendrein die Ecken der teilweise ekligen Spielwelt in Axiom und Umbral zu untersuchen, um auch verstecktes Geld, Waffen oder sonstige Elemente zu finden. Das Spiel macht den Einstieg auf für Neulinge im Genre leicht schraubt erst danach an der Stellschraube für den Schwierigkeitsgrad, wo andere Spiele, wie beispielsweise „Nioh 2“ direkt zum Beginn eine steile Lernkurve mit sich bringen. Einzig die Spielwelt wirkt stellenweise etwas karg und matschig, was aber in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um ein kleineres Studio und eine Entwicklung mit geringerem Budget handelt, nachvollziehbar ist. Ich habe mit sowas generell eher weniger Probleme, wenn der Rest passt und das Gesamtpaket in sich stimmig ist. Das ist bei „Lords of the Fallen“ auf jeden Fall zutreffend, auch wenn ein Teil von mir sich dennoch fragt wie eine „echte“ Fortsetzung ausgesehen hätte und welche Elemente in dieses Reboot geflossen sind. Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren…

Entwickler: Hexworks

Publisher: CI Games

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S

NB@26.10.2023

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2 Antworten zu „Xbox Review: „Lords of the Fallen“ #LordsOfTheFallen #Hexworks“

  1. […] bereits mehrfach auf der Seite berichtet haben. Das Souls-Like von Hexworks/CI Games: 1 x „Lords of the Fallen (2023)“ als STEAM-Key! Da wir das Spiel bereits intensiv gestestet haben ist unser Review […]

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