PS5 Review: „Demon’s Souls“ #DemonsSouls #Soulslike

Kaum zu fassen, aber „Demon’s Souls“, der Urvater des heute sehr populären Soulslike-Genres, ist nun schon 11 Jahre alt. Damals noch auf der PS3 erschienen ist die Reihe spätestens seit „Dark Souls“ in aller Munde. Zum Launch der PS5 hat Sony dem Spiel eine umfassende Frischzellenkur spendiert und bringt ihn als einzigen richtigen Launchtitel, also als einziges Game, das ausschließlich auf der neuen Plattform erhältlich ist, neu raus. Etwas skeptisch hat mich als langjährigen Fan des Spiels allerdings der Sachverhalt gestimmt, dass nicht der ursprüngliche Entwickler From Software das Spiel überarbeitet hat. Genaugenommen hat From Software mit dem Remake gar nichts zu tun und stattdessen wurde das Spiel von Bluepoint, die bereits das Remake von „Shadow of the Collossus“ geschaffen haben, entwickelt. Um herauszufinden, ob das Remake genauso überzeugen kann, wie es das Original getan hat, wurde mir dankenswerter Weise von Sony eine kostenfreie Review-Version zur Verfügung gestellt, was aber selbstverständlich keinen Einfluss auf meine Bewertung hat.

Das heutige Kultspiel, das den Grundstein für das Soulslike-Genre legte, hatte es anfangs gar nicht einfach. Sony war das Spiel insgesamt zu sperrig und zu schwer, um es überhaupt im Westen zu veröffentlichen. So erschien das Spiel ursprünglich ausschließlich in Asien und niemand erhoffte sich überhaupt etwas davon. Allerdings avancierte sich das Spiel in kürzester Zeit durch Mundpropaganda auch im Westen zu einem Geheimtipp und gleichermaßen einem der meist importieren Spiele, was der Tatsache geschuldet war, dass das Spiel in weiten Teilen von Asien mit englischen Texten erschienen ist. Knapp anderthalb Jahre nach dem ursprünglichen Release veröffentlichte man das Spiel dann doch im Westen und der Kult nahm seinen Lauf…

Anfänglich wirft die Geschichte zugegebenermaßen mehr Fragen als Antworten auf, denn wir wissen im Grunde erst mal kaum etwas. Das Land Boletaria ist urplötzlich in Dunkelheit gehüllt und wird von Monstern überrannt und es ist an uns den Monstern Einhalt zu gebieten. So zumindest die Theorie, denn schon innerhalb des kurzen Tutorials zeigt sich, dass mit den Gegnern nicht gut Kirchenessen ist und der erste dicke Boss haucht uns mit zwei Schlägen direkt das Leben aus. Alles in allem hätte das wirklich besser laufen können, doch es ist noch nicht alles verloren, denn unsere unsterbliche Seele wird weder zu Himmel oder Hölle transportiert, sondern landet im Nexus, einer Zwischenwelt, die es uns erlaubt in Seelenform unsere Mission fortzusetzen. So wandeln wir als schemenhafte Hülle, mit lediglich 50% unserer vorherigen Lebensenergie und ziehen aus den bösen Buben Einhalt zu gebieten, was uns allerdings einiges abverlangen soll…

Denn in bester Tradition des Genres ist das Spiel natürlich alles andere als leicht, wobei das in meinem Fall auf den Beginn in doppelter Hinsicht zutraf. Denn bereits zum Beginn hat es mir das Spiel dabei wirklich nicht leicht gemacht, denn auch wenn die Introsequenz des Spiels eine der beeindruckensden Introsequenzen ist, die ich bisher je gesehen habe, da sie mit so vielen tollen Details und Effekten aufwartet, so ist das Spiel gleich zu Beginn im kurzen Tutorial gleich komplett eingefroren und hat sogar meine PS5 kurzzeitig komplett außer Gefecht gesetzt, da man noch nicht mal mehr zum Home-Menü zurückkehren konnte und lediglich ein Ziehen des Netzsteckers das Problem behob. Danach trat das Problem allerdings nicht mehr auf und sogar mein zuvor erstellter Charakter war noch da. Man kann sich mit einem überraschend umfangreichen Charaktereditor einen komplett personalisierten Charakter erstellen, aus einer vordefinierten Klasse und einen Loudout wählen und sich so einen komplett einzigartigen Kämpfer basteln. Dabei ist nicht jede Klasse gleich gut und vor allem auch nicht gleich gut für Anfänger geeignet, da sich die Klassen besonders durch ihre Fähigkeiten unterscheiden, die im Vergleich zu Dark Souls noch etwas differenzierter ausfallen. Wer bisher keine Berührungspunkte mit „Demon’s Souls“ hatte, oder gar einem Souls-Spiel an sich hatte, sollte am besten zur Klasse „Royalty“ greifen, die ziemlich gut ausbalanciert ist und, auch wenn die Rüstung stark zu wünschen übrig lässt, von Haus aus einen ziemlich starken Zauber als Fernwaffe im Gepäck hat. 

Nachdem uns der Tutorial-Boss das Leben ausgehaucht hat und wir uns im Nexus wiederfinden haben zeigt sich der Unterschied zu Dark Souls, denn es gibt keine zusammenhängende Welt, sondern den Nexus als zentrale Hub, wo wir auch unsere Fähigkeiten aufleveln können und insgesamt 5 unterschiedliche Runensteine, über die wir Gebiete bereisen können. Hier muss ich leider Fans enttäuschen, denn der sechste Runenstein, der schon im Original nicht zur Verfügung stand, ist auch im Remake nicht verfügbar. Aber vielleicht bekommen wir ihn ja irgendwann als DLC nachgereicht. Anfangs stehen uns von den fünf Runensteinen aber lediglich einer zur Verfügung, denn wir müssen erst unser Können unter Beweis stellen und ziehen daher zum Botetarianischen Palast los, wo sich neben einem feuerspeienden Drachen auch noch ein paar dicke Bosse breit gemacht haben.

Allerdings ist es anfangs schon schwer diese überhaupt zu erreichen, denn alles und jeder will uns an den Kragen. So kämpfen wir uns mit lediglich 50% unsere Lebensenergie, da wir in Seelenform unterwegs sind, durch das mittelalterliche Gemäuer und werden wahrscheinlich unzählige Male den schnellen Bildschirmtod erleben, bevor wir dem ersten Boss gegenüberstehen. Doch das ist durchaus gewollt, denn nicht ohne Grund wird das Spielprinzip oftmals als „Learning by Dying“ beschrieben: Wir kämpfen uns Stück für Stück vor und lernen so nicht nur die Tücken der Spielwelt, sondern auch die Gegnerpositionen immer mehr kennen, bis wir irgendwann durchrennen, ohne getroffen zu werden. Hier haben From Software bereits vor 11 Jahre ein super Gespür beschrieben und das Spielprinzip zwar anspruchsvoll, aber dennoch belohnend genug gestaltet, dass es nicht (zu sehr) frustriet und Bluepoint haben das 1:1 übernommen. Veteranen des Originals haben hier dadurch einen Vorteil, denn auch wenn kleine Anpassungen vorgenommen wurden, so ist der Großteil unberührt geblieben und hat nur ein grafisches Update bekommen. 

Haben wir uns dann weit genug vorgekämpft, auf unserem Weg diverse Shortcuts geöffnet, die übrigens auch nach dem Tod offenbleiben, finden wir uns dem Boss, dem sogenannten Phalanx Dämon, gegenüber, der relativ leicht zu besiegen ist, wenn man in Bewegung bleibt und die Schwäche des Dämonen (Feuer) ausnutzt. Haben wir ihn besiegt bekommen wir nicht nur unseren Körper und damit 100% unserer Energieleiste zurück, schalten auch die Charakterupgrades über die Frau in Schwarz im Nexus, sowie ein paar andere NPCs frei und können auch nach Belieben die anderen Welten bereisen, oder in der begonnenen Weitermachen, denn es gibt immer mehrere Bereiche in einer Welt zu erkunden. So öffnen sich die Spielwelten immer weiter und warten mit immer neuen Herausforderungen, Fallen und Bossen auf, es kommt nicht von ungefähr, dass immer behauptet wird, dass erst nach dem ersten Boss das richtige „Demon’s Souls“ beginnt…

In bester Tradition anderer hochkarätiger Remakes, wie „Resident Evil 2“, „Final Fantasy VII Remake“, oder auch unter anderem der Spyro-Reihe, auch wenn diese thematisch natürlich vollkommen anders gelagert ist, beweist auch „Demon’s Souls“, dass ein Remake mehr ist, als das Spiel auf einer anderen Plattform zu Laufen zu bekommen. Hier hat Bluepoint einiges geleistet, denn sie haben das Spiel komplett neu erschaffen, ohne dabei das Original aus den Augen zu verlieren, oder sich zu weit davon zu entfernen. Wer die 2009er Version kennt, wird daher einen sehr hohen Wiedererkennungswert haben, auch wenn es sich technisch um ein komplett neues Spiel handelt. Und so ist das Spiel ein absolut würdiger Einstand auf der neuen Konsolengeneration, denn wo andere Spiele noch Generationen-übergreifend erscheinen und dadurch nur marginal besser aussehen, wenn man sie auf der Nextgen spielt, so geht „Demon’s Souls“ in dieser Beziehung überhaupt keine Kompromisse ein. Es sieht einfach nur phänomenal aus und wäre in dieser Form keinesfalls auf der vorherigen Generation lauffähig. Wir haben die Wahl zwischen zwei unterschiedliche Modi, einen „Cinematic-Mode“, der das Bild in 4K bei 30fps ausgibt und einen „Performance-Mode“, der das Bild nahe 4K mit einer variablen Auflösung mit geschmeidigen 60fps ausgibt. Ich würde jedem die letzte Einstellung ans Herz legen, da das Spielgeschehen enorm von den 60fps profitiert und alles etwas runder und stellenweise sogar leichter macht, da man durch die flüssigeren Bewegungen besser agieren und reagieren kann.

Abgerundet wird das Erlebnis durch die Vorzüge der neuen Hardware, denn waren die Ladezeiten auf der PS3 nach jedem Ableben gefühlt ewig, so respawnen wir hier fast unmittelbar. Und das trifft auf alle Ladepausen im Spiel zu, selten müssen wir länger als wenige Sekunden warten und die längste Wartezeit ist zweifelsfrei das initiale Starten des Spiels, das durch die Entwicklerlogos und die ausufernde Cutscene, die man allerdings auch überspringen kann, verlängert wird. Weiter verwendet man bei “Demon’s Souls” auch das haptische Feedback des DualSense-Controllers, nebst auch dem verbauten Lautsprecher, wobei letztes auch schon auf der PS4 begeistert hat, wenn ein Spiel von diesem Feature Gebrauch gemacht hat. Bei der PS5 wird dieser Wow-Effekt um ein vielfaches verstärkt, wenn man über den Controller nicht nur Geräusche hört, sondern durch das Feedback der Trigger zum Beispiel den Wind spürt, den ein riesiger Drache mit seinen Flügelschlägen erzeugt…

Insgesamt ist das Spiel, genau wie das Original, nichts geringeres als ein Meisterwerk. Doch wo das Original zwar zu seinem Release nicht unbedingt hässlich, aber auch nicht die Creme de la Creme war, zeigt das Remake eindeutig, was die neue Konsolengeneration zu bieten hasst und lässt eindrucksvoll die Muskeln spielen. Wenn selbst ein Launchtitel bereits so toll aussieht wage ich mir kaum auszumalen, was in den kommenden Jahren noch auf der PS5 möglich sein wird. Veteranen wird freuen, dass das Spiel überaus nah am Original ist und neben einigen neune Waffen und Ausrüstungsgegenständen kaum Veränderungen aufweist. Sogar die Positionierung der Gegner, wie auch der Items ist größtenteils identisch und bietet so fast ein Gefühl von langjähriger Vertrautheit. Allerdings hat die Steuerung ein massives Update erfahren und steuert sich besser denn je, auch wenn die Schläge je nach gewählter Waffe immer noch eine gewisse Behäbigkeit ausstrahlen. – Wäre es jedoch anders gewesen, hätten Fans des Original wahrscheinlich protestiert. Bluepoint haben tolle Arbeit geleistet und machen der Vorarbeit von From Software alle Ehre. Kein Wunder, dass momentan als Gerücht kursiert, dass Sony das „Remaster-Studio“ aufkaufen möchte. Denn wo Microsoft leider oft hinterher hinkt, sichert sich Sony vielversprechende Studios rechtzeitig, damit auch in Zukunft solch hochkarätige Spiele exklusiv auf der japanischen Konsole erscheinen, wie es eben nun auch mit „Demon’s Souls“ der Fall ist. – Wer bisher noch keine Berühungspunkte mit dem ersten Souls-Spiel hatte, kann das nun in zeitgemäßer Optik mit dem meiner Meinung nach besten Launchtitel der PS5 nachholen und auch Kenner des Originals werden keinesfalls enttäuscht werden, denn bisher war das Sterben nie schöner…

Entwickler: Bluepoint

Publisher: Sony Interactive Entertainment

Erhältlich auf: PS5

NB@25.11.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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