Endlich ist es soweit! Nach über dreißig Jahren kehrt einer der bekanntesten Zauberlehrlinge der Spielegeschichte zurück – Simon the Sorcerer – nicht in einem Remake, nicht in einem nostalgischen Aufguss, sondern in einem echten Prequel, das die Vorgeschichte des legendären sarkastischen Teenagers erzählt. Das Spiel ist auf nahezu allen Plattformen erhältlich und versteht sich als moderner Liebesbrief an die goldene Ära der Point-and-Click-Adventures. Wer also einst nächtelang mit Monkey Island, Day of the Tentacleoder Simon the Sorcerer selbst verbracht hat, wird sofort spüren, dass hier Menschen am Werk waren, die das Genre lieben.

(c) Smallthing Studios, ININ Games

Im Kern erzählt das Spiel die Geschichte eines Jungen, der nie so richtig in seine Welt passte. Simon, ein zynischer, aber liebenswerter Teenager, findet eines Tages ein geheimnisvolles Buch und stolpert damit buchstäblich in eine andere Dimension – eine Welt, in der Magie, sprechende Tiere und absurde Logik den Alltag bestimmen. Das Spiel setzt lange vor den Ereignissen des ersten Teils an und zeigt, wie Simon zu dem Zauberer wurde, den man aus den 90ern kennt. Dabei steht weniger die epische Heldenreise im Vordergrund, sondern die Suche nach Identität, gepaart mit trockenem britischem Humor, auch wenn mir damals, auf Grund der tollen deutschen Lokalisierung, nie bewusst war, dass es sich um ein britisches Spiel handelte.

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Diese Welt ist eine bunte, aber auch leicht melancholische Mischung aus Märchen, Fantasy-Parodie und Slapstick-Komödie. Überall wimmelt es von exzentrischen Gestalten: ein ständig philosophierender Troll, ein selbstverliebter Hexenmeister, ein sprechender Rabe, der seine eigene Memoiren schreibt, und natürlich Calypso, der alte Zauberer, der Simon auf seinen ersten magischen Fehlversuchen begleitet. Diese Figuren sind so herrlich überzeichnet, dass man sich unweigerlich an die Dialoge eines Douglas Adams erinnert – schräg, bissig, aber mit Herz. Die Macher verstehen, dass Nostalgie nicht heißt, alles zu wiederholen, sondern den Ton der Vergangenheit in eine neue Form zu bringen.

(c) Smallthing Studios, ININ Games

Das Gameplay bleibt den Wurzeln treu, ohne altbacken zu wirken. Origins ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure, in dem man Schauplätze erkundet, Gegenstände einsammelt, kombiniert und Gespräche führt. Doch die Steuerung wurde modernisiert: Auf PC spielt sich das Abenteuer mit Maus und Tastatur gewohnt intuitiv, während auf Konsole eine direkte Steuerung via Analogstick als Alternative zur Steuerung mit Curser möglich ist – Simon läuft also tatsächlich über den Bildschirm, statt dass man ihn wie eine Figur aus einem alten LucasArts-Titel herumklickt. Das sorgt für ein flüssigeres Spielgefühl, ohne die Wurzeln zu verraten.

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Auch die sonstige Steuerung wurde überarbeitet: bestand bei den alten Teilen das untere Bildschirmdrittel aus einer Wand unterschiedlicher Verben, wird die Aktion nun kontextsensitiv ausgeführt, wenn wir einen Gegenstand oder Person anklicken. So muss man weniger Zeit darauf verwenden die richtigen Verben zusammen zu klicken und kann sich stattdessen auf Handlung und Rätsel konzentrieren. Denn gerade Rätsel sind das Herz des Spiels, und hier zeigt sich, dass die Entwickler verstanden haben, was alte Adventures so besonders machte. Die Aufgaben sind logisch, aber kreativ – oft mit einem Augenzwinkern. Wer denkt, dass man eine Tür einfach mit einem Schlüssel öffnet, wird schnell eines Besseren belehrt: In Simons Welt kann auch ein schlecht gelaunter Zaubertrank oder ein beleidigter Kobold der Weg zum Ziel sein. Es ist diese Mischung aus klassischer Rätsellogik und absurder Fantasie, die das Spiel trägt.

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Zugleich haben die Entwickler an Komfortfunktionen gedacht: Eine Hotspot-Anzeige, ein Tagebuch und eine Schnellreisefunktion sorgen dafür, dass Frustmomenten der 90er elegant vorgebeugt wird. Der Schwierigkeitsgrad ist angenehm ausgewogen. Veteranen werden genug Denkarbeit finden, während Einsteiger dank optionaler Hinweise nie völlig steckenbleiben. Der Spielfluss bleibt angenehm, weil jedes Rätsel organisch aus der Geschichte hervorgeht. Wer aufmerksam liest, zuhört und sich in die Logik dieser Welt hineinversetzt, findet immer eine Lösung – und das fühlt sich unglaublich befriedigend an. Das Tempo ist gemächlich, wie es sich für ein klassisches Adventure gehört, aber das passt: Hier geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um das Erleben einer Geschichte, um das Eintauchen in eine Welt, die sich wie ein handgemaltes Märchenbuch anfühlt.

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Visuell ist das Spiel ein kleines Kunstwerk. Anstatt den heute beliebten Retro-Pixelstil zu wählen, entschieden sich die Entwickler für vollständig handgezeichnete 2D-Kulissen mit sanften 2,5D-Effekten. Jede Szene wirkt wie ein liebevoll animiertes Gemälde, von den leuchtenden Zauberwäldern über düstere Bibliotheken bis hin zu verfallenen Türmen, in denen magische Apparate vor sich hin surren. Die Farbpalette ist warm, märchenhaft, mit einem Hauch Melancholie – ein Stil, der sich irgendwo zwischen modernen Zeichentrickfilmen und klassischen Adventure-Hintergründen bewegt.

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Auf technischer Ebene macht das Spiel einen sehr stabilen Eindruck, selbst als ich es ohne Day One Patch gespielt habe. Auf der Xbox Series X, auf der dieser Test basiert, läuft alles flüssig, Ladezeiten sind kurz, und die Steuerung reagiert präzise. Auf PC erreicht die Grafik eine gestochen scharfe Auflösung, während die Switch-Version zwar etwas weniger Details bietet, dafür aber die gleiche Atmosphäre einfängt. Das Spiel nutzt keine bombastische Engine, aber das ist auch gar nicht nötig – hier zählt der Stil, nicht der technische Gigantismus. Der Soundtrack verdient besondere Erwähnung. Die Musik bewegt sich zwischen klassischer Fantasy-Orchestrierung und leichtem Jazz-Touch, was hervorragend zur humorvollen Tonalität passt. Streicher, Flöten und dezente Synth-Elemente wechseln sich mit

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Wer das Original von 1993 kennt, wird unweigerlich vergleichen. Und das ist auch völlig in Ordnung, bzw. sogar gewollt, denn „Simon the Sorcerer Origins“ versteht sich als Hommage, nicht als Ersatz. Das Original war pixelig, langsam und voller Humor, der teilweise seiner Zeit voraus war. Das Prequel hingegen greift diesen Ton auf, modernisiert aber die Präsentation und die Spielmechanik zu einem stimmigen Gesamtpaket. Es gibt keine überladenen Menüs, keine altmodische Symbolleiste, stattdessen ein intuitives Interface und eine angenehm aufgeräumte Oberfläche. Die Macher haben verstanden, dass Nostalgie nicht in der Technik liegt, sondern im Gefühl, das ein Spiel auslöst. Und dieses Gefühl haben sie nahezu perfekt rekonstruiert.

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Auch inhaltlich ist Origins kein bloßer Fanservice. Die Story ist eigenständig und funktioniert für sich – selbst wer nie rin Spiel der Reihe angerührt hat, wird die Handlung verstehen. Trotzdem finden Kenner der Reihe unzählige kleine Verweise, Anspielungen und Insider-Witze. Es ist diese subtile Balance aus Zugänglichkeit und Nostalgie, die das Spiel so besonders macht.

(c) Smallthing Studios, ININ Games

Entwickelt wurde das Spiel von Smallthing Studios, einem italienischen Team, das sich seit Jahren auf narrative Spiele spezialisiert. Unter der Leitung von Massy Calamai entstand über fünf Jahre hinweg ein Projekt, das spürbar von Leidenschaft getragen ist. Die ursprünglichen Macher der Serie, Adventure Soft, waren beratend beteiligt – und das merkt man. Der Publisher ININ Games steuerte Erfahrung im Bereich klassischer Neuauflagen bei und ermöglichte eine Veröffentlichung auf allen großen Plattformen. Im hauseigenen Strictly Limited Games kann man darüber hinaus auch schicke Sammlerausgaben bestellen. Smallthing Studios hatte zuvor kleinere Titel produziert, aber mit Origins wagen sie sich erstmals an eine bekannte Marke – und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

(c) Smallthing Studios, ININ Games

Insgesamt gelingt „Simon the Sorcerer Origins“ das Kunststück, sowohl nostalgisch als auch modern zu wirken. Es ist ein liebevoll erzähltes, charmant inszeniertes Adventure mit einer Prise Magie und einer großen Portion Humor. Die Geschichte hat Herz, die Figuren sind lebendig, und das Gameplay ist präzise genug, um sowohl Einsteiger als auch Veteranen zufriedenzustellen. Kleine Schwächen gibt es – etwa, dass manche Dialoge etwas zu lang geraten oder einzelne Rätsel minimal unklar formuliert sind –, doch das sind Nebensächlichkeiten in einem ansonsten stimmigen Gesamtbild.

(c) Smallthing Studios, ININ Games

Wer also schon lange kein klassisches Adventure mehr gespielt hat, wird hier genau das finden, was man vermisst hat: Atmosphäre, Witz und kluges Spieldesign. Wer sich für narrative Spiele interessiert, bekommt eine wunderschöne Einführung in ein Genre, das nie wirklich verschwunden war – nur still im Hintergrund geschlummert hat, bis Simon zurückkehrte. „Simon the Sorcerer Origins“ ist kein lautes Spiel, aber eines, das mit seiner Ruhe und seinem Charme überzeugt. Und manchmal ist das die stärkste Magie von allen!

Entwickler: Smallthing Studios

Publisher: ININ Games

Erhältlich auf: PC, PS5, PS4, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch

Getestet auf: Xbox Series X

NB@29.10.2025

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst auf der Review-Plattform erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt.

2 Antworten zu „Review: „Simon the Sorcerer Origins“ #SimonTheSorcererOrigins #Adventure“

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