Mit „Scott Pilgrim EX“ meldet sich das Universum rund um den sympathisch-chaotischen Bassisten Scott Pilgrim einmal mehr auf den Bildschirmen zurück. Die von Tribute Games entwickelte Neuinterpretation knüpft lose an die Tradition klassischer Side-Scrolling-Beat-’em-ups an und erscheint – nach aktuellem Stand – für PC sowie moderne Konsolenplattformen. Die auf Steam verfügbare Demo vermittelt bereits einen soliden Eindruck davon, in welche Richtung sich das Projekt entwickelt. Die zentrale Frage dabei: Kann dieses neue Abenteuer den Kultstatus des Scott-Pilgrim-Franchise spielerisch rechtfertigen und gleichzeitig genug Eigenständigkeit entfalten, um sich im dicht besetzten Genre der Retro-Brawler zu behaupten?

(c) Tribute Games

Die Geschichte bleibt bewusst nah an der Vorlage, ohne sich vollständig an bereits bekannte Erzählungen zu klammern. Im Mittelpunkt steht natürlich Scott Pilgrim, der sich in einer stilisierten Version von Toronto mit den typischen Problemen seines Lebens herumschlägt: Beziehungen, Selbstzweifel und – ganz genretypisch – überlebensgroße Konfrontationen mit den berüchtigten Ex-Partnern seiner aktuellen Liebe. Die Demo lässt durchblicken, dass auch Figuren wie Ramona Flowers, Kim Pine und Wallace Wells wieder eine Rolle spielen, wobei die Erzählweise bewusst episodisch angelegt ist. Das Spiel setzt dabei stark auf die Mischung aus Alltagssituationen und surrealen Kämpfen, die schon die Comics und Filmadaption ausgezeichnet haben. Der Ton schwankt zwischen ironischem Humor, nostalgischer Melancholie und überzeichneter Action. Gerade diese Mischung verleiht der Welt eine charmante Eigenständigkeit, die sich irgendwo zwischen Arcade-Klassiker und Indie-Comic bewegt.

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Die Handlung bleibt in der Demo bewusst oberflächlich angedeutet, doch schon hier wird klar, dass es weniger um eine tiefgreifende Dramaturgie als vielmehr um ein Gefühl von Bewegung und Begegnung geht. Die Charaktere wirken lebendig, ihre Dialoge sind pointiert und transportieren den typischen Scott Pilgrim-Humor, der gleichermaßen selbstironisch und popkulturell aufgeladen ist. Wer mit der Vorlage vertraut ist, erkennt zahlreiche Anspielungen und wiederkehrende Motive, während Neueinsteiger trotzdem schnell Zugang zur Welt finden. Das Spiel verzichtet dabei bewusst auf übermäßige Exposition und setzt stattdessen auf kleine, charmante Szenen, die das Gesamtbild formen.

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Spielerisch präsentiert sich „Scott Pilgrim EX“ als klassischer 2D-Brawler mit klaren Genre-Wurzeln. Die Perspektive ist seitlich ausgerichtet, die Figuren bewegen sich auf mehreren Ebenen innerhalb der Level, wie man es unter anderem von Streets of Rage kennt, und das Ziel ist es, sich durch Wellen von Gegnern zu kämpfen. Die Steuerung in der Demo wirkt präzise und zugänglich. Leichte Angriffe, schwere Schläge, Sprünge und Spezialfähigkeiten greifen gut ineinander, wobei sich bereits früh ein Gefühl für Rhythmus und Timing entwickelt. Besonders auffällig ist, wie flüssig die Übergänge zwischen den einzelnen Aktionen gestaltet sind. Kombos lassen sich intuitiv aneinanderreihen, und auch defensive Manöver wie Ausweichbewegungen oder Blocks fügen sich sinnvoll ins Gesamtbild ein.

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Die Levelstruktur folgt einem vertrauten Muster: lineare Abschnitte wechseln sich mit kleinen Arena-Situationen ab, in denen Gegnergruppen besiegt werden müssen, bevor es weitergeht. Die Demo zeigt dabei verschiedene Schauplätze, die stilistisch stark an urbane Orte angelehnt sind – von Straßen über Clubs bis hin zu abstrakteren, fast traumartigen Abschnitten. Besonders gelungen ist, wie das Spieltempo und Intensität variiert. Ruhigere Passagen, in denen man sich orientiert oder kleinere Gegnergruppen bekämpft, werden von hektischen Sequenzen abgelöst, in denen das Bildschirmgeschehen nahezu explodiert.

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Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich in der Demo auf einem angenehmen Niveau. Einsteiger werden nicht überfordert, während erfahrene Spieler dennoch genug Raum finden, um ihre Fähigkeiten zu optimieren. Die Gegner verfügen über unterschiedliche Angriffsmuster, die ein wenig Anpassung erfordern, ohne dabei unfair zu wirken. Besonders interessant ist die Andeutung von Progressionssystemen: Bereits in der Demo lassen sich Verbesserungen und neue Fähigkeiten freischalten, die den eigenen Spielstil beeinflussen. Dadurch entsteht ein leichter Rollenspiel-Einschlag, der dem Genre zusätzliche Tiefe verleiht. Koop-Elemente sind ebenfalls angedeutet und dürften im fertigen Spiel eine zentrale Rolle spielen. Schon in der Demo wird deutlich, wie gut sich das Kampfsystem für gemeinsames Spielen eignet. Die Mechaniken sind so gestaltet, dass sich mehrere Figuren gleichzeitig auf dem Bildschirm bewegen können, ohne dass das Geschehen unübersichtlich wird. Gerade hier zeigt sich die Erfahrung des Studios im Umgang mit klassischen Beat-’em-up-Strukturen.

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Audiovisuell orientiert sich „Scott Pilgrim EX“ stark an einem stilisierten Pixel-Look, der bewusst nostalgisch wirkt, ohne altbacken zu erscheinen. Die Figuren sind detailreich animiert, die Hintergründe lebendig gestaltet und voller kleiner Details, die das urbane Setting glaubwürdig wirken lassen. Farblich setzt das Spiel auf kräftige Kontraste und klare Linien, die an Comics und Arcade-Spiele gleichermaßen erinnern. Die Demo läuft auf dem PC flüssig und stabil, mit hoher Bildrate und sauberer Darstellung, selbst in hektischen Kampfsituationen.

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Der Soundtrack unterstützt diese Atmosphäre hervorragend. Die Musikstücke bewegen sich zwischen chiptune-inspirierten Tracks und modernen Indie-Rock-Klängen, die thematisch perfekt zur Welt passen. Die Soundeffekte sind knackig und geben den Angriffen das nötige Gewicht, während kleine akustische Details – etwa in Zwischensequenzen oder beim Sammeln von Items – dem Spiel zusätzliche Persönlichkeit verleihen. Auch hier wird deutlich, dass das Projekt großen Wert auf eine stimmige Gesamtpräsentation legt.

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Im Vergleich zu früheren Scott Pilgrim-Spielen – insbesondere dem bekannten Arcade-Titel von Ubisoft aus der Ära von PS3 und Xbox360 – wirkt „Scott Pilgrim EX“ wie eine Weiterentwicklung der etablierten Formel. Die grundlegenden Mechaniken bleiben vertraut, werden jedoch durch modernere Komfortfunktionen, flüssigere Animationen und ein stärker ausgearbeitetes Progressionssystem ergänzt. Gleichzeitig scheint das Spiel stärker auf narrative Elemente und Charakterinteraktion zu setzen, was der Vorlage aus den Comics näherkommt. Die Demo vermittelt so den Eindruck eines Titels, der sowohl Veteranen als auch Neueinsteiger ansprechen möchte.

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Hinter dem Projekt steht mit Tribute Games ein Studio, das sich in den vergangenen Jahren einen Namen im Bereich hochwertiger Retro-inspirierter Spiele gemacht hat. Titel wie „Panzer Paladin“ oder „Teenage Mutant Ninja Turtles: Shredder’s Revenge“ haben gezeigt, dass das Team ein gutes Gespür für klassische Spielmechaniken und deren moderne Interpretation besitzt. Der Fokus liegt dabei häufig auf klaren, präzisen Spielsystemen und einer Präsentation, die Nostalgie mit zeitgemäßer Technik verbindet. Dass sich das Studio nun erneut dem Scott Pilgrim-Universum widmet, wirkt daher wie ein logischer Schritt.

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Als Publisher tritt ebenfalls Tribute Games auf, was darauf hindeutet, dass das Studio bei diesem Projekt vergleichsweise große kreative Kontrolle besitzt. Das merkt man der Demo an: Das Spiel wirkt in sich geschlossen, stilistisch konsequent und frei von übermäßigen Kompromissen. Gleichzeitig deutet die Produktionsqualität darauf hin, dass ausreichend Ressourcen vorhanden sind, um das Projekt auf ein hohes Niveau zu heben.

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Insgesamt hinterlässt die Demo von „Scott Pilgrim EX“ einen sehr positiven Eindruck. Das Spiel versteht es, den Charme seiner Vorlage einzufangen und gleichzeitig spielerisch auf eigenen Beinen zu stehen. Besonders gelungen ist die Balance zwischen klassischem Beat-’em-up-Gameplay und moderner Präsentation. Die Kämpfe fühlen sich dynamisch an, die Welt ist liebevoll gestaltet, und die Figuren besitzen genug Persönlichkeit, um das Geschehen auch jenseits der Action interessant zu halten. Die Demo macht neugierig auf das fertige Produkt und lässt erahnen, dass hier ein Titel entsteht, der die Lücke zwischen nostalgischem Arcade-Gefühl und moderner Indie-Produktion überzeugend schließen könnte. Wer sich für das Genre interessiert oder einfach ein stilistisch eigenständiges Actionspiel erleben möchte, sollte „Scott Pilgrim EX“ im Auge behalten. Die Demo ist ab sofort auf Steam verfügbar und kann kostenlos heruntergeladen werden.

Entwickler: Tribute Games

Publisher: Tribute Games

Erhältlich auf: PC, PlayStation, Xbox, Nintendo Switch

Getestet auf: PC

NB@24.02.2026

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt.

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