Fromsoftware hat mit „Demon’s Souls“ und der Dark Souls-Reihe nicht nur die Spielelandschaft revolutioniert, sondern quasi nebenbei ein komplett neues Genre geschaffen. Ein Genre, das mittlerweile eines der populärsten überhaupt darstellt und dennoch bin ich ihm keineswegs müde. Ein besonderes Augenmerk habe ich dabei auf Indie- und AA-Spiele, da man dort oftmals die frischeren Ideen findet, wie in der Vergangenheit zum Beispiel „Mortal Shell„, „Lords of the Fallen„, oder „Code Vein“ bewiesen haben, die sich alle zu eigenen Reihen gemausert haben, oder dies aktuell noch tun.

(c) Dark Reaper Studios, Meridiem Games

Und eines dieser potentiellen Geheimtipps könnte  auch „The Bearer & The Last Flame“, ein düsteres Action-Adventure mit klarer Soulslike-DNA, darstellen. Entwickelt wurde das Spiel von Dark Reaper Studios, veröffentlicht von Meridiem Games. Schon die Grundanlage macht deutlich, wohin die Reise geht: eine verfallene Fantasy-Welt, ein einsamer Auserwählter, strategische Kämpfe und eine Atmosphäre, die sich bewusst an den melancholischen Reiz früher Genrevertreter anlehnt. Wer dabei sofort an „Demon’s Souls“ denkt, liegt nicht daneben, denn genau diese klassische, etwas sprödere Form des Soulslike schwingt hier deutlich mit.

(c) Dark Reaper Studios, Meridiem Games

Die Ausgangslage ist bewusst archaisch gehalten. In einem Reich, das vom Tod und von Dunkelheit verschlungen wurde, trägt eine letzte lebende Seele die Aufgabe, die letzte Flamme durch die Finsternis zu bringen und das Land wieder dem Licht anzunähern. Die Welt wirkt dabei wie ein Ort, der seinen Untergang längst akzeptiert hat: Burgen sind zu Ruinen geworden, die Reiche der Menschen liegen brach, und zwischen Dämonen, Untoten und anderen Kreaturen bleibt nur ein schmaler Rest Hoffnung. Gerade darin liegt ein Teil des Reizes. Das Spiel setzt nicht auf laute Wendungen, sondern auf das vertraute Gefühl, sich Schritt für Schritt durch eine sterbende Welt zu bewegen, deren Geschichte eher in Orten, Gegnern und Begegnungen steckt als in langen Zwischensequenzen.

(c) Dark Reaper Studios, Meridiem Games

Inhaltlich erinnert das tatsächlich eher an „Demon’s Souls“ als an viele modernere Soulslikes. Nicht, weil hier bloß kopiert würde, sondern weil bewusst dieser ältere Tonfall gesucht wird: eine Reise durch zerfallene Gebiete, eine Handlung, die eher getragen als erklärt wird, und ein Held, der weniger als klassische Figur denn als Träger einer Aufgabe verstanden wird. Gleichzeitig wirkt die Erzählweise etwas zugänglicher als bei manchen offensichtlichen Vorbildern. Dadurch entsteht eine Mischung aus bekannter Schwermut und etwas direkterer Vermittlung, die dem Spiel eine eigene Note verleiht.

(c) Dark Reaper Studios, Meridiem Games

Spielerisch präsentiert sich das Abenteuer als Third-Person-Erfahrung mit Fokus auf methodischen Gefechten. Mehrere spielbare Figuren, unterschiedliche Waffen, Magie sowie Nah- und Fernkampfoptionen bilden die Grundlage. Der Schwerpunkt liegt dabei klar auf Timing, Positionierung und dem vorsichtigen Abtasten von Situationen. Genau hier ist die Nähe zur Vorlage am meisten spürbar, da auch dieses Vorbild weniger auf Geschwindigkeit als auf kontrollierte Spannung setzt. Das Spiel verlangt Aufmerksamkeit und Geduld, statt reflexartiger Aggression zu belohnen.

(c) Dark Reaper Studios, Meridiem Games

Ebenso wichtig ist die Struktur der Welt. Verschiedene Regionen wie Burgen, Dungeons oder Höhlen sind klar voneinander abgegrenzt und wirken eher wie eigenständige Herausforderungen als Teil eines vollständig nahtlosen Ganzen. Dieses Design erinnert stärker an die episodische Progression früher Soulslikes als an die verzweigten Welten späterer Genrevertreter. Wer genau diese klar umrissenen Etappen schätzt, dürfte sich schnell zurechtfinden und die bewusste Gliederung als Stärke empfinden.

(c) Dark Reaper Studios, Meridiem Games

Gleichzeitig zeigt sich, dass Anspruch und Umsetzung nicht in jedem Punkt vollständig harmonieren. Gerade im Kampfsystem fehlt es stellenweise an der Präzision, die dieses Genre eigentlich auszeichnet. Trefferfeedback, Bewegungsgefühl und Reaktionsverhalten wirken nicht immer so sauber abgestimmt, wie man es sich wünschen würde. In einem Spiel, das stark auf Timing und Kontrolle baut, fällt das naturgemäß stärker ins Gewicht als in anderen Genres. Die Grundidee funktioniert, doch im Detail fehlt gelegentlich die letzte Feinjustierung.

(c) Dark Reaper Studios, Meridiem Games

Das macht die Einordnung interessant. Vieles wirkt wie eine sehr persönliche Rückbesinnung auf die Wurzeln des Genres. Die langsamere, melancholischere und fast altmodische Soulslike-Form steht klar im Vordergrund. Wer klassisches Souls vor allem wegen seiner Stimmung, seiner klaren Bedrohlichkeit und seines eigenwilligen Tempos schätzt, wird diese Ausrichtung sofort erkennen. Wer hingegen moderne Politur und höchste mechanische Präzision erwartet, wird die Grenzen des Projekts schneller bemerken.

(c) Dark Reaper Studios, Meridiem Games

Visuell setzt das Spiel auf klassische Dark-Fantasy-Bilder: zerfallene Architektur, düstere Landschaften und groteske Kreaturen bestimmen das Gesamtbild. Statt mit stilistischen Experimenten zu arbeiten, bleibt die Darstellung konsequent in ihrem Ton. Das erzeugt eine dichte, wenn auch vertraute Atmosphäre. Gleichzeitig wird deutlich, dass die technische Umsetzung nicht durchgehend mit großen Produktionen mithalten kann. Vor allem im Detailgrad und in der Inszenierung zeigen sich Unterschiede, die den Indie-Charakter unterstreichen.

(c) Dark Reaper Studios, Meridiem Games

Besonders bemerkenswert ist der Entstehungskontext. Hinter Dark Reaper Studios steht im Kern ein Einzelentwickler, und genau das prägt die Wahrnehmung stark. Über mehrere Jahre hinweg wurde an Systemen, Gegnern, Umgebungen und der Welt gearbeitet. Das erklärt nicht automatisch jede Schwäche, verleiht dem Projekt aber eine klare Identität. Statt eines großen Studio-Titels entsteht hier der Eindruck eines persönlichen Herzensprojekts, das mit begrenzten Mitteln versucht, eine klare Vision umzusetzen.

(c) Dark Reaper Studios, Meridiem Games

Insgesamt wirkt „The Bearer & The Last Flame“ wie ein Spiel für all jene, die im Soulslike-Genre weniger nach Perfektion als nach Atmosphäre und Charakter suchen. Die Nähe zu „Demon’s Souls“ ist dabei kein Zufall, sondern ein bewusstes Stilmittel. Die Mischung aus düsterer Welt, methodischem Kampf und erzählerischer Zurückhaltung trifft einen bestimmten Nerv, auch wenn die Umsetzung nicht in allen Bereichen die gleiche Stärke erreicht. Wer bereit ist, kleinere Unsauberkeiten zu akzeptieren, entdeckt hier ein eigenständiges, spürbar persönliches Abenteuer. Wer dagegen vor allem technische Perfektion erwartet, dürfte sich schwerer tun. Gerade in dieser Unvollkommenheit liegt jedoch auch ein Teil des Charmes, der das Spiel von vielen glatteren Genrevertretern unterscheidet.

Entwickler: Dark Reaper Studios

Publisher: Meridiem Games

Erhältlich auf: PC, PS5

Getestet auf: PS5

NB@21.04.2026

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

Wenn euch der Beitrag gefallen hat würde ich mich natürlich über eure Likes, Retweets, Abos oder auch Feedback freuen. Gleiches trifft aber auch zu, wenn ich eurer Meinung nach etwas hätte besser machen können. Konstruktive Kritik hilft bekanntlich nur, wenn man sie auch bekommt, also lasst es mich einfach wissen.

Die verwendeten Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst auf der Review-Plattform erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..