Mit „Marvel Cosmic Invasion“ haben Tribute Games und Dotemu einen Titel veröffentlicht, der sich ganz bewusst an der goldenen Ära klassischer Arcade-Beat-’em-ups orientiert. Das Spiel wurde im Grunde für alle alten und neuen Plattformen veröffentlicht und versteht sich als Liebeserklärung an die Marvel-Comics der frühen 90er-Jahre. Schon die ersten Minuten machen deutlich, dass hier nicht der Versuch unternommen wird, das Genre neu zu definieren. Stattdessen konzentriert sich das Spiel darauf, das Gefühl klassischer Koop-Automaten möglichst authentisch einzufangen – inklusive farbenfroher Pixelgrafik, chaotischer Bildschirmgefechte und einer Besetzung, die direkt aus alten Comic-Heften stammen könnte.

(c) Tribute Games, dotemu

Die spannende Frage dabei lautet allerdings, ob ein modernes Publikum mit dieser bewusst nostalgischen Herangehensweise langfristig abgeholt werden kann. Gerade Beat-’em-ups bewegen sich seit Jahren in einem schwierigen Spannungsfeld zwischen Retro-Charme und spielerischer Monotonie. Umso interessanter ist es zu sehen, wie konsequent sich dieses Projekt seiner Vorlage verschreibt und gleichzeitig versucht, moderne Komfortfunktionen und Koop-Mechaniken einzubauen.

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Die Handlung bleibt dabei angenehm unkompliziert, ohne völlig belanglos zu wirken. Im Zentrum steht der intergalaktische Schurke Annihilus, der mit seiner sogenannten „Annihilation Wave“ verschiedenste Welten bedroht und dabei quer durch das Marvel-Universum eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Die Helden müssen sich zusammenschließen, um die Invasion aufzuhalten und die Kontrolle über die kosmischen Gebiete zurückzuerlangen.

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Die Geschichte dient zwar primär als Rahmen für die zahlreichen Prügeleien, schafft es aber dennoch, ein Gefühl für die enorme Größe des Marvel-Kosmos zu vermitteln. Besonders Fans klassischer Comics werden sich schnell zuhause fühlen. Die Inszenierung erinnert stellenweise bewusst an alte Saturday-Morning-Cartoons oder die bunten Marvel-Crossover vergangener Jahrzehnte. Charaktere wie Spider-Man, Captain America, Wolverine, Storm oder Nova treten nicht nur als spielbare Figuren auf, sondern bringen auch ihre typischen Persönlichkeiten und Eigenheiten mit.

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Gerade die Dialoge zwischen den Figuren sorgen immer wieder für charmante Momente. Vieles bleibt leicht und humorvoll, ohne die Bedrohung komplett ins Lächerliche zu ziehen. Das Spiel versucht nicht, eine düstere oder besonders komplexe Erzählung aufzubauen. Stattdessen steht das Gefühl im Vordergrund, Teil eines großen Comic-Abenteuers zu sein. Wer mit den klassischen Marvel-Serien der 90er aufgewachsen ist, dürfte sich dabei erstaunlich oft an diese Zeit erinnert fühlen.

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Spielerisch präsentiert sich das Abenteuer als klassischer Side-Scrolling-Brawler. Die Perspektive bleibt weitgehend zweidimensional, während die Figuren sich auf mehreren Ebenen innerhalb der Kampfareale bewegen können. Die Steuerung reagiert angenehm direkt und orientiert sich stark an jüngeren Genregrößen wie „Streets of Rage 4„, „Teenage Mutant Ninja Turtles: Shredder’s Revenge“ oder den alten Klassikern wie „Final Fight“ oder eben auch den ikonischen „X-Men“-Arcade-Spielen.

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Normale Angriffe, Spezialattacken, Luftkombinationen und Teamaktionen bilden die Grundlage des Kampfsystems. Bereits nach kurzer Zeit wird deutlich, dass die verschiedenen Figuren spürbar unterschiedlich ausfallen. Wolverine agiert aggressiv und schnell, während Captain America stärker auf Defensive und Distanzkontrolle ausgelegt ist. Storm wiederum nutzt großflächige Spezialfähigkeiten, die Gegnergruppen effektiv auseinanderreißen. Diese Unterschiede sorgen dafür, dass Koop-Runden erstaunlich abwechslungsreich bleiben. Besonders im lokalen Mehrspielermodus entfaltet das Spiel seine größte Stärke. Gemeinsam mit mehreren Spielern entsteht genau jenes kontrollierte Chaos, das klassische Arcade-Prügler über Jahrzehnte ausgezeichnet hat. Gegnerwellen, Spezialeffekte und Superfähigkeiten überfluten regelmäßig den Bildschirm, ohne dabei vollkommen unübersichtlich zu werden.

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Das Leveldesign bleibt bewusst traditionell. Die einzelnen Abschnitte führen durch zerstörte Städte, Alienwelten, Raumstationen und verschiedene bekannte Marvel-Schauplätze. Dabei setzt das Spiel weniger auf Erkundung und mehr auf ein stetiges Vorwärtsdrängen. Neue Gegnertypen und Bosskämpfe sorgen regelmäßig für Abwechslung, auch wenn sich einige Kampfsequenzen im späteren Verlauf leicht wiederholen.

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Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich insgesamt auf einem fairen Niveau. Solo-Spieler müssen zwar deutlich konzentrierter agieren, doch das Balancing bleibt weitgehend gelungen. Im Koop-Modus wird vieles naturgemäß einfacher, wobei gerade höhere Schwierigkeitsstufen genügend Gegenwehr bieten. Positiv fällt außerdem auf, dass das Spiel moderne Komfortfunktionen integriert, ohne seine Arcade-Wurzeln zu verlieren. Checkpoints, freischaltbare Inhalte und flexible Schwierigkeitsoptionen machen das Abenteuer zugänglicher als viele ältere Genrevertreter.

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Besonders interessant wird das Gesamtbild durch den ersten größeren DLC, der Cyclops und Thing als neue spielbare Charaktere ergänzt. Beide Figuren bringen nicht nur zusätzliche Fanservice-Momente mit, sondern erweitern das Kampfsystem sinnvoll.

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Cyclops spielt sich deutlich distanzorientierter als viele andere Figuren im Kader. Seine Energiestrahlen erlauben diagonale Angriffe, wodurch sich insbesondere fliegende Gegner wesentlich kontrollierter bekämpfen lassen. Dadurch entsteht ein Spielstil, der sich angenehm von den eher nahkampforientierten Charakteren unterscheidet. Gerade in hektischen Koop-Partien entwickelt sich Cyclops schnell zu einer wertvollen Unterstützungsfigur.

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Thing dagegen setzt auf rohe Gewalt und Grappling-Elemente. Seine Angriffe wirken schwerer, langsamer und besitzen eine enorme Wucht. Überraschend ist dabei seine Mobilität. Trotz seiner massiven Erscheinung bewegt er sich erstaunlich dynamisch durch die Levels und kann Gegnergruppen effektiv kontrollieren. Besonders Fans der Fantastic Four dürften sich über die gelungene Umsetzung freuen.

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Der DLC wirkt dabei nicht wie eine halbherzige Ergänzung, sondern fügt sich erstaunlich organisch in das Hauptspiel ein. Die beiden neuen Helden bringen genug spielerische Eigenheiten mit, um erneut Motivation für weitere Koop-Sessions zu schaffen. Gleichzeitig bleibt das Balancing stabil, was gerade bei zusätzlichen Charakteren keineswegs selbstverständlich ist.

(c) Tribute Games, dotemu

Audiovisuell überzeugt das Spiel vor allem durch seine klare stilistische Ausrichtung. Die Pixelgrafik orientiert sich sichtbar an klassischen Marvel-Arcade-Spielen, erreicht dabei aber ein deutlich moderneres Qualitätsniveau. Animationen wirken flüssig, Hintergründe erstaunlich detailliert und die Charaktermodelle transportieren die ikonischen Comic-Designs sehr authentisch.

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Besonders gelungen ist die Farbgestaltung. Das Spiel nutzt kräftige Farben, überzeichnete Explosionen und bewusst übertriebene Spezialeffekte, um die Comic-Vorlage einzufangen. Gleichzeitig bleibt das Bild selbst in hektischen Kämpfen meist angenehm lesbar. Gerade auf dem PC zeigt sich die technische Umsetzung stabil. Während des Tests lief das Spiel konstant flüssig, größere Performance-Probleme oder technische Aussetzer traten nicht auf.

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Auch die Soundkulisse trägt erheblich zur Atmosphäre bei. Der Soundtrack kombiniert rockige Stücke mit klassischen Arcade-Einflüssen und passt hervorragend zum schnellen Spielfluss. Viele Tracks erinnern bewusst an alte Automatenspiele, ohne dabei altbacken zu wirken. Dazu kommen kräftige Soundeffekte, knackige Treffergeräusche und gelungene Sprachsamples, die den Comic-Charakter zusätzlich verstärken.

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Die englischen Sprecher leisten solide Arbeit, auch wenn die Vertonung insgesamt eher sparsam eingesetzt wird. Viel wichtiger ist ohnehin das Zusammenspiel aus Musik, visueller Präsentation und Gameplay-Rhythmus. Genau dort entfaltet das Abenteuer seine größte Stärke. Es fühlt sich an wie ein spielbares Comic-Panel voller Energie und Bewegung.

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Interessant ist außerdem, wie konsequent Tribute Games an die eigene Designphilosophie anknüpft. Bereits mit „Teenage Mutant Ninja Turtles: Shredder’s Revenge“ bewies das Studio, dass klassische Beat-’em-ups auch heute noch ein großes Publikum erreichen können. Statt komplizierte Progressionssysteme oder unnötig überladene Mechaniken einzubauen, konzentriert sich das Team erneut auf unmittelbaren Spielspaß.

(c) Tribute Games, dotemu

Gemeinsam mit Dotemu entstand dadurch ein Titel, der seine Inspirationsquellen offen zeigt, sich dabei aber nicht wie eine bloße Kopie anfühlt. Vielmehr wirkt das Spiel wie eine moderne Weiterentwicklung jener Arcade-Ära, in der Koop-Brawler vor allem durch ihre Zugänglichkeit und ihre unmittelbare Dynamik funktionierten.

(c) Tribute Games, dotemu

Dass gerade Marvel als Lizenz gewählt wurde, erscheint dabei fast selbstverständlich. Die Mischung aus unterschiedlichsten Helden, überzeichneten Bösewichten und kosmischen Schauplätzen passt hervorragend zum Genre. Gleichzeitig profitiert das Spiel enorm davon, dass die Entwickler sichtbar Verständnis für die Vorlage besitzen. Viele Animationen, Dialoge und Charakterfähigkeiten wirken wie direkte Hommagen an bekannte Comic-Momente.

(c) Tribute Games, dotemu

Natürlich bleibt das Konzept nicht völlig frei von Schwächen. Wer grundsätzlich wenig mit klassischen Beat-’em-ups anfangen kann, wird auch hier kaum plötzlich zum Fan des Genres werden. Trotz abwechslungsreicher Figuren bleibt der grundlegende Spielablauf bewusst simpel. Gegnerwellen, Bosskämpfe und lineare Levelstruktur dominieren das gesamte Abenteuer. Gerade in längeren Solo-Sessions können sich einzelne Passagen deshalb etwas repetitiv anfühlen.

(c) Tribute Games, dotemu

Dennoch schafft es das Spiel erstaunlich gut, seine eigene Begeisterung auf den Spieler zu übertragen. Die Kombination aus nostalgischer Präsentation, kooperativem Chaos und authentischem Marvel-Flair funktioniert über weite Strecken hervorragend. Besonders gemeinsam mit Freunden entfaltet sich ein Spielfluss, der stark an klassische Arcade-Abende erinnert.

(c) Tribute Games, dotemu

Unterm Strich ist „Marvel Cosmic Invasion“ genau jene Art von Spiel, die ihre Zielgruppe sehr präzise kennt. Wer schnelle Koop-Action, klassische Beat-’em-ups und die farbenfrohe Marvel-Welt schätzt, bekommt hier ein ausgesprochen rundes Gesamtpaket. Der DLC mit Cyclops und Thing erweitert dieses Fundament sinnvoll und liefert zusätzliche Motivation für weitere Durchgänge. Das Spiel versucht nicht, das Genre radikal zu verändern oder cineastische Superhelden-Inszenierungen nach aktuellem Blockbuster-Vorbild zu liefern. Stattdessen setzt es auf unmittelbaren Spielspaß, charmante Comic-Nostalgie und hervorragend funktionierenden Koop-Fokus. Gerade deshalb bleibt das Abenteuer angenehm ehrlich und erinnert daran, warum klassische Arcade-Brawler bis heute ihren festen Platz innerhalb der Spielelandschaft besitzen.

Entwickler: Tribute Games

Publisher: Dotemu

Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch, Nintendo Switch 2

Getestet auf: PC

NB@04.06.2026

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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