2019 war ein besonderes Jahr, denn das kleine französiche Entwicklerstudio Asobo Studio, das zu PS2– und PS3-Zeiten hauptsächlich familienfreundliche Spiele mit Disneylizenz entwickelt hat, hat „A Plague Tale: Innocence“ auf die Welt losgelassen. Ein Spiel, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat und das ich damals als „The Last of Us“ im Mittelalter bezeichnet habe. Es war ein tolles Spiel, das dann 2022 mit „A Plague Tale: Requiem“ fortgesetzt wurde und nun mit „Resonance: A Plague Tale Legacy“ seinen nunmehr dritten Teil spendiert bekommen hat. Mit dem Spiel öffnet Asobo Studio nicht nur ein neues Kapitel seiner „A Plague Tale“-Reihe, sondern führt das Abenteuer weit zurück in die Vergangenheit und rückt mit Sophia eine Figur ins Zentrum, die Fans bereits aus Requiem kennen, anstatt die Geschichte von Amicia und Hugo einfach nur fortzuführen. Die spannende Frage ist dabei weniger, ob das neue Abenteuer wie seine Vorgänger funktioniert, sondern vielmehr, ob es die bekannte DNA der Reihe bewahren kann, obwohl sich das Spielprinzip an einigen Stellen deutlich verändert.

(c) Asobo Studio, Focus Entertainment

Zeitlich ist die Geschichte 15 Jahre vor Requiem angesiedelt. Im Mittelpunkt steht die 22-jährige Sophia, eine erfahrene Plünderin, deren Vergangenheit nun ausführlicher erzählt wird. Ihr Weg führt sie auf eine geheimnisvolle Insel, die mit ihrer eigenen Familiengeschichte verbunden ist. Dort stößt sie auf die Überreste einer längst vergangenen minoischen Kultur, alte Legenden und eine Bedrohung, die sich nicht allein mit menschlichen Gegnern erklären lässt. Begleitet wird sie unter anderem von Leni, während sich nach und nach die Geheimnisse um den ungewöhnlichen Ort und Sophias eigene Vergangenheit entfalten.

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Wer Requiem gespielt hat, besitzt dabei einen kleinen Wissensvorsprung. Sophia ist keine völlig neue Figur, sondern jemand, dessen Geschichte nun nachträglich mit mehr Tiefe versehen wird. Auch die Macula, die bereits in den beiden vorherigen Spielen eine zentrale Rolle spielte, verbindet die neue Geschichte mit den Ereignissen der Hauptreihe. Gleichzeitig erzählt Asobo Studio bewusst keine weitere Episode aus dem Leben von Amicia und Hugo. Deren Geschichte wurde mit Requiem abgeschlossen. Das neue Abenteuer ist deshalb eher eine Erweiterung der Welt als eine klassische Fortsetzung.

(c) Asobo Studio, Focus Entertainment

Gerade diese Entscheidung funktioniert erstaunlich gut. Die Welt fühlt sich vertraut an, obwohl sich der Schauplatz deutlich verändert. Statt des mittelalterlichen Frankreichs geht es diesmal in mediterrane Landschaften, zu alten Ruinen und in die Überreste einer längst vergangenen Kultur. Historische Elemente treffen erneut auf Mythologie und Übernatürliches. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die stellenweise an klassische Abenteuerfilme erinnert, ohne dass der Titel seine eigene Identität verliert.

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Auch spielerisch geht das Studio einen etwas anderen Weg. Amicia war in den Vorgängern vor allem eine Überlebende. Ihre Möglichkeiten waren begrenzt, weshalb Schleichen, Ablenkung und die geschickte Nutzung der Umgebung häufig wichtiger waren als ein direkter Kampf. Sophia bringt dagegen eine ganz andere Voraussetzung mit. Sie ist erfahren, körperlich deutlich wehrhafter und geht Konflikte wesentlich offensiver an.

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Das macht sich bereits nach kurzer Zeit bemerkbar. Gekämpft wird unter anderem mit Schwert und Dolch, während Ausweichen, Blocken und Parieren eine wesentlich größere Rolle spielen. Gute Reaktionen auf gegnerische Angriffe werden belohnt und verleihen den Auseinandersetzungen einen angenehm dynamischen Rhythmus. Während die Vorgänger häufig das Gefühl vermittelten, einer Bedrohung möglichst nicht begegnen zu wollen, kann man sich hier wesentlich selbstbewusster auf einen Kampf einlassen.

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Trotzdem hat Asobo Studio die Wurzeln der Reihe nicht vergessen. Schleichen bleibt ein wichtiger Bestandteil, und auch die Umgebung muss regelmäßig aufmerksam untersucht werden. Licht spielt erneut eine besondere Rolle und wird für Rätsel und die Orientierung innerhalb der Spielwelt eingesetzt. Dazu kommen Fallen, verschiedene Umweltmechaniken und Situationen, in denen es sinnvoller ist, einen Gegner zu umgehen, anstatt ihn direkt anzugreifen.

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Auch die Bewegungsfreiheit wurde erweitert. Sophia kann wesentlich freier springen und klettern, wodurch die Erkundung stärker in den Vordergrund rückt. Ein Greifhaken erweitert die Möglichkeiten zusätzlich und sorgt dafür, dass sich manche Bereiche deutlich vertikaler spielen als in den vorherigen Abenteuern. Dadurch erinnert das Spiel stellenweise stärker an klassische Action-Adventures wie „Tomb Raider“ oder „Uncharted“, ohne seine erzählerische Ausrichtung aufzugeben.

(c) Asobo Studio, Focus Entertainment

Die Rätsel fallen insgesamt zugänglich aus und fügen sich meist organisch in die Umgebung ein. Statt den Spielfluss durch komplizierte Denksportaufgaben auszubremsen, dienen sie vor allem dazu, die Umgebung bewusster wahrzunehmen. Lichtquellen müssen verändert, Wege geöffnet oder bestimmte Elemente der Umgebung miteinander kombiniert werden. Gerade diese ruhigeren Passagen sorgen dafür, dass die zahlreichen Kämpfe nicht überhandnehmen.

(c) Asobo Studio, Focus Entertainment

Das Leveldesign bewegt sich dabei zwischen Linearität und Erkundung. Die Geschichte gibt die Richtung vor, lässt aber immer wieder Raum, um Nebenwege zu entdecken oder die Umgebung genauer unter die Lupe zu nehmen. Wer sich Zeit nimmt, wird mit zusätzlichen Details zur Welt und ihren Bewohnern belohnt. Dadurch entsteht ein angenehmer Wechsel zwischen erzählerisch stark geführten Abschnitten und Momenten, in denen man einfach ein wenig auf Entdeckungstour gehen kann.

(c) Asobo Studio, Focus Entertainment

Technisch präsentiert sich das Abenteuer auf der Xbox Series X von seiner starken Seite. Besonders die Landschaften und Ruinen profitieren von der aufwendigen Beleuchtung. Zwischen sonnigen Außenbereichen, verwitterten Tempelanlagen und dunklen unterirdischen Schauplätzen entsteht eine abwechslungsreiche Kulisse. Gerade das Spiel mit Licht und Schatten trägt viel zur Atmosphäre bei und gehört zu den Bereichen, in denen die Herkunft aus der „A Plague Tale“-Reihe besonders deutlich wird.

(c) Asobo Studio, Focus Entertainment

Auf der Xbox Series X stehen unterschiedliche Darstellungsoptionen zur Verfügung. Wer möglichst viele Details bevorzugt, kann den Qualitätsmodus nutzen, während der Performance-Modus eine flüssigere Darstellung mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde ermöglicht. Gerade während der schnelleren Kämpfe macht sich die höhere Bildrate positiv bemerkbar. Die technische Umsetzung ist insgesamt gelungen, auch wenn einzelne Animationen und kleinere Details nicht immer das gleiche Niveau erreichen wie die besonders gelungenen Umgebungen und Charaktermodelle.

(c) Asobo Studio, Focus Entertainment

Auch beim Sound bleibt die Verbindung zur bisherigen Reihe bestehen. Für die Musik zeichnet erneut Olivier Derivière verantwortlich, der bereits die Soundtracks von „A Plague Tale: Innocence“ und „A Plague Tale: Requiem“ komponierte. Ruhige, melancholische Passagen wechseln mit zunehmend bedrohlichen Klängen und verstärken damit genau jene Mischung aus Schönheit und Unbehagen, die schon die Vorgänger ausgezeichnet hat.

(c) Asobo Studio, Focus Entertainment

Entwickelt wurde das Abenteuer erneut von Asobo Studio, das mit „A Plague Tale: Innocence“ und „A Plague Tale: Requiem“ die bisherige Reihe aufgebaut hat. Als Publisher tritt wieder Focus Entertainment auf. Die Entscheidung, mit Sophia eine bekannte Nebenfigur zur Hauptfigur zu machen und gleichzeitig das Kampfsystem stärker in Richtung Action auszurichten, wirkt dabei wie ein bewusster Schritt, um das Konzept weiterzuentwickeln, ohne die eigene Vergangenheit zu verleugnen.

(c) Asobo Studio, Focus Entertainment

Genau hier liegt auch die interessanteste Eigenschaft des Spiels. Denn „Resonance: A Plague Tale Legacy“ ist absolut kein „A Plague Tale 3“. – Wer eine direkte Fortsetzung der Geschichte von Amicia und Hugo erwartet, bekommt etwas anderes. Stattdessen erweitert das Spiel die Welt, liefert zusätzliche Informationen zur Macula und erzählt die Vorgeschichte von Sophia. Gleichzeitig verändert sich das Gameplay spürbar. Die vorsichtige Stealth-Ausrichtung der Vorgänger wird durch ein deutlich offensiveres Kampfsystem ergänzt.

(c) Asobo Studio, Focus Entertainment

Trotz dieser Veränderungen fühlt sich das Abenteuer erstaunlich vertraut an. Die Mischung aus historischen Schauplätzen, übernatürlichen Elementen, emotionaler Erzählung, Rätseln und einer melancholischen Atmosphäre ist weiterhin vorhanden. Nur die Perspektive auf diese Welt hat sich verändert. Wo Amicia und Hugo vor allem mit ihrer eigenen Geschichte und der unmittelbaren Bedrohung durch die Macula konfrontiert waren, blickt Sophia stärker auf die Ursprünge der Geheimnisse, die hinter dieser Welt stehen.

(c) Asobo Studio, Focus Entertainment

Wer die Vorgänger kennt, dürfte deshalb besonders viel aus den Verbindungen zur bisherigen Geschichte ziehen. Gleichzeitig funktioniert das Abenteuer auch ohne umfangreiches Vorwissen. Neueinsteiger müssen nicht erst die komplette Vergangenheit der Reihe kennen, um der Geschichte folgen zu können. Für Kenner ergeben sich dagegen zusätzliche Ebenen, insbesondere durch die bereits bekannte Hauptfigur und die weiter ausgebaute Mythologie.

(c) Asobo Studio, Focus Entertainment

„Resonance: A Plague Tale Legacy“ zeigt damit, dass eine Serie ihre Identität bewahren kann, auch wenn sie ihr Spielprinzip verändert. Das Abenteuer ist actionreicher, beweglicher und in einigen Bereichen freier als seine Vorgänger. Wer gerade die verletzliche und vorsichtige Spielweise von Amicia geschätzt hat, muss sich deshalb auf eine andere Herangehensweise einstellen. Wer sich dagegen auf diese Veränderung einlässt, bekommt ein atmosphärisches Third-Person-Abenteuer, das seine eigene Geschichte erzählt und gleichzeitig die Vergangenheit der Reihe sinnvoll erweitert.

Entwickler: Asobo Studio
Publisher: Focus Entertainment
Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S
Getestet auf: Xbox Series X

NB@22.09.2026

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Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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