Shoot-‚em-ups gibt es inzwischen in unzähligen Varianten. Von klassischen horizontalen Vertretern über hektische Bullet-Hell-Spiele bis hin zu modernen Genre-Mischformen ist eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei. Und doch fällt „Apidya‘ Special“ schon nach wenigen Minuten aus dem Rahmen. Statt Raumschiff, Kampfjet oder futuristischer Maschine übernimmt hier eine winzige Wespe die Hauptrolle. Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist eine der größten Stärken des Spiels: Das Insekten-Thema zieht sich konsequent durch die gesamte Präsentation und macht den Klassiker auch mehr als 30 Jahre nach seinem ursprünglichen Erscheinen unverwechselbar. Das Remake des 1992 für den Amiga veröffentlichten Shoot-‚em-ups präsentiert sich der Titel als behutsam modernisierte Version eines Spiels, das schon damals einen eigenen Weg gegangen ist.

(c) Team Apidya, ININ

Die Geschichte bleibt angenehm überschaubar und passt damit hervorragend zur klassischen Arcade-Struktur. Der Held Ikuro muss seine geliebte Maria retten und verwandelt sich dafür in ein Insekt, um sich durch eine von überdimensionalen Pflanzen, Tieren und anderen merkwürdigen Kreaturen bevölkerte Welt zu kämpfen. Statt Raumschlachten und Weltraumstationen geht es durch Wiesen, Gewässer, Abwasserkanäle und später deutlich technischere Umgebungen. Schon das Original verband dabei eine einfache Handlung mit einer ungewöhnlichen Bildsprache. Das Remake bewahrt diesen eigenwilligen Kontrast und lässt die Welt aus der Perspektive eines winzigen Insekts weiterhin fast wie einen psychedelischen Ausflug wirken.

(c) Team Apidya, ININ

Spielerisch bleibt das Grundprinzip eines klassischen horizontalen Shoot-‚em-ups unangetastet. Ikuro bewegt sich durch die seitlich scrollenden Level, weicht Gegnern und Projektilen aus und sammelt Power-ups ein. Besonders interessant ist dabei das Waffensystem. Besiegte Gegner hinterlassen Blumen, mit denen eine Leiste durchlaufen wird. Der Spieler entscheidet selbst, wann die aktuell ausgewählte Verbesserung aktiviert wird. Dadurch geht es nicht ausschließlich darum, möglichst schnell möglichst viel Feuerkraft aufzubauen. Wer auf eine stärkere Verbesserung wartet, muss unter Umständen länger mit einer schwächeren Bewaffnung auskommen. Geschwindigkeit, zusätzliche Schussvarianten, Bomben, Begleiter oder Schutzmechanismen verändern die Möglichkeiten im weiteren Verlauf.

(c) Team Apidya, ININ

Gerade dieses System verleiht dem Titel eine eigene spielerische Note und unterscheidet ihn von vielen modernen Bullet-Hell-Produktionen. Die Herausforderung entsteht nicht primär dadurch, dass der Bildschirm mit einer kaum überschaubaren Menge an Projektilen gefüllt wird. Stattdessen sind Gegnerplatzierung, Levelaufbau, Angriffsmuster und der richtige Umgang mit den eigenen Verbesserungen entscheidend. Wer häufiger scheitert, lernt nach und nach, welche Gegner an welcher Stelle auftauchen und wie sich gefährliche Situationen vermeiden lassen. Das Spiel verlangt damit neben Reaktionsvermögen auch ein gutes Gedächtnis und etwas vorausschauendes Spielen. Die fünf Themenwelten mit jeweils mehreren Abschnitten, zahlreichen Bossen und versteckten Bereichen sorgen gleichzeitig dafür, dass sich wiederholte Durchläufe lohnen.

(c) Team Apidya, ININ

Eine Besonderheit ist außerdem die konsequente Verbindung von klassischem Spieldesign und moderner Präsentation. Das Remake wurde nicht einfach emuliert oder mit einem neuen Filter versehen, sondern von Grund auf neu aufgebaut. Dabei wurden originale Elemente mit neu erstellter Pixel-Art und Material aus einem einst aufgegebenen Konsolenport kombiniert. Auf modernen Bildschirmen kann das Abenteuer im erweiterten Breitbildformat mit zusätzlichen Parallax-Effekten erlebt werden. Wer es möglichst originalgetreu möchte, wechselt dagegen in das klassische 4:3-Format und kann CRT-Effekte mit Scanlines, Shadow Mask und Phosphor-Bloom aktivieren.

(c) Team Apidya, ININ

Dadurch bietet das Remake tatsächlich zwei unterschiedliche Wege, den Klassiker zu erleben. Die moderne Darstellung nutzt die Möglichkeiten aktueller Hardware, während die alternativen Anzeigeoptionen bewusst an die Zeit des Amiga erinnern. Dieser Ansatz ist mehr als reine Nostalgie, weil er gleichzeitig deutlich macht, wie stark die ursprüngliche Gestaltung bereits auf Farbgebung, Pixel-Art und Bewegung gesetzt hat. Auch der Sound verfolgt diesen Gedanken. Der markante Soundtrack von Chris Hülsbeck wurde durch neue Studioversionen ergänzt, während originale Stücke und authentische Amiga-Hardware-Tracks ebenfalls berücksichtigt wurden.

(c) Team Apidya, ININ

Im direkten Vergleich zum Original von 1992 bleibt das Grundgerüst bemerkenswert unangetastet. Spielmechanik, Levelstruktur und der eigenwillige Charakter des Klassikers wurden nicht zugunsten einer modernen Neuinterpretation aufgegeben. Stattdessen kommen neue beziehungsweise überarbeitete Audioelemente, moderne Pixel-Art, Breitbilddarstellung, zusätzliche Effekte, anpassbare Schwierigkeitsoptionen und ein lokaler Koop-Modus hinzu. Im Koop übernimmt ein zweiter Spieler eine weitere Biene mit eigenen Waffen. Damit wird das ursprüngliche Einzelspieler-Erlebnis erweitert, ohne dessen grundlegende Identität zu verändern.

(c) Team Apidya, ININ

Auch technisch zeigt sich das Remake auf der Xbox Series X von seiner modernen Seite. Die Darstellung wirkt sauber und flüssig, während die zahlreichen Optionen gleichzeitig dafür sorgen, dass sich die Präsentation stärker an der ursprünglichen Hardware orientieren kann. Gerade die Möglichkeit, zwischen moderner Darstellung und bewusstem Retro-Look zu wechseln, macht den technischen Ansatz nachvollziehbar. Das Spiel versucht nicht, seine Herkunft zu verstecken, sondern macht sie zu einem Teil seines Konzepts.

(c) Team Apidya, ININ

Hinter dem Projekt steht Team Apidya, also das ursprüngliche Entwicklerteam, das gemeinsam mit langjährigen Fans an der Rückkehr des Klassikers gearbeitet hat. Veröffentlicht wird das Remake von ININ, einem Publisher, der sich intensiv mit der Wiederbelebung klassischer Videospiele beschäftigt und auch mit Shmups, vornehmlich den Re-Releases und Neuauflagen der Cotton-Reihe, seine Erfahrungen im Genre hat. Interessant ist dabei auch die Entstehungsgeschichte des Projekts: Denn eine Grundlage bildete unter anderem ein bereits in den 1990er-Jahren aufgegebener Konsolenport, der hiermit wiederbelebt und weiterentwickelt wurde. Damit wird nicht nur ein Amiga-Klassiker neu aufgelegt, sondern zugleich ein Stück seiner eigenen Entwicklungsgeschichte wieder aufgegriffen.

(c) Team Apidya, ININ

„Apidya‘ Special“ richtet sich damit vor allem an Spieler, die klassische Shoot-‚em-ups nicht ausschließlich mit Raumschiffen und futuristischen Welten verbinden. Das ungewöhnliche Insekten-Thema, die farbenfrohe Pixel-Art, der markante Soundtrack und das eigenständige Power-up-System geben dem Spiel auch heute noch einen klar erkennbaren Charakter. Wer moderne Bullet-Hell-Spiele mit extremer Projektil-Dichte erwartet, findet hier einen etwas anders gelagerten Ansatz. Freunde klassischer horizontaler Shmups, präzisen Level-Lernens und ungewöhnlicher Retro-Ästhetik erhalten dagegen eine interessante Verbindung aus 1992 und Gegenwart. Besonders gelungen ist dabei die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wie stark das eigene Spielerlebnis nach Amiga-Klassiker oder moderner Neuauflage aussehen soll.

Entwickler: Team Apidya

Publisher: ININ

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch

Getestet auf: Xbox Series X

NB@24.09.2026

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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