Obwohl ich als Retrosammler fast alle Originalkonsolen bei mir im Einsatz habe, haben diese zugegeben einen gravierenden Nachteil: Sie nehmen einiges an Platz weg und lassen sich nicht ohne weiteres an einem HDTV anschließen. Ich hatte mir daher schon vor einiger Zeit ein Retron 5 zugelegt, was aber aus bislang unerfindlichem Grund die Dienste versagt hat. Da es nun aber mit dieser Konsole eine gibt, die ähnlich wie das Retron funktioniert, aber noch einiges mehr kann, habe ich mir diesmal den Cyber Gadget Retro Freak zugelegt. Die Konsole gab es schon seit knapp 2 Jahren in Asien und nun gibt es auch eine Version für den westlichen Markt, die sich durch eine mehrsprachige Verpackung und einen beigelegten NES-Adapter von der asiatischen Version unterscheidet.

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Die Konsole wurde innerhalb weniger Tage geliefert. Im Kasten befindet sich neben der Konsole, ein kabelgebundener Controller, der ähnlich dem SNES Controller gestaltet ist (Steuerkreuz, 4 Actionbuttons, 2 Schultertasten, Start, Select und zusätzlich noch Options und Home) ein HDMI-Kabel, ein Stromkabel mit unterschiedlichen Aufsätzen, sodass die Konsole in unterschiedlichen Ländern ohne ein alternatives Netzteil betrieben werden kann, Adapter für Originalcontroller, ein USB-Kabel zum Anschluss des Adapters für Originalcontroller und der besagte NES-Adapter, auf den ich noch genauer eingehen werde. Zum Betrieb ist also alles vorhanden außer Spielen und ggf. einer Micro-SD-Karte für Cheats und zusätzlichen Speicherplatz. Die Konsole verfügt über 4GB internen Speicher und kann generell auch ohne die zusätzliche SD-Karte betrieben werden. Da der Speicherplatz aber schnell aufgebraucht ist und man besonders für Firm- und Software-Updates auf die Micro-SD-Karte angewiesen ist, sollte man sich unbedingt eine zulegen. Hinweise welche Größe diese maximal haben dürfen sucht man zwar vergebens, aber ich habe es einfach mal mit einer 64GB versucht und diese wird ohne Probleme erkannt.

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Bevor man mit der Konsole richtig loslegt sollte man erstmal ein Firmware Update machen, denn mit jeder Firmware wird der im Hintergrund geführte Kalalog an Modulen, die die Konsole „kennt“ erweitert und die Kompatibilität steigt damit. Dazu muss die man über die Einstellungen in der Konsole eine Anforderungsdatei für das Firmware-Update“ auf die SD-Karte schreiben und diese dann über einen PC über die Herstellerseite gegen eine Updatedatei „umtauschen“, die man dann wieder auf der SD-Karte speichert. Die SD-Karte wird dann in die laufende Konsole eingesteckt und dann startet das selbstführende Updateprogramm. Durch die aktuellsten Versionen des Betriebssystems werden mehr Spiele erkannt und bislang sind mir bei keinem meiner Spiele irgendwelche Bugs oder Inkompatibilitäten aufgefallen.

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Dann ist die Konsole startklar und es kann mit dem Daddeln losgehen 😉

Dazu verfügt die Konsole über 5 Modulschächte. Drei auf der Oberseite und 2 an der Front und so sollen insgesamt 12 unterschiedliche Konsolen unterstützt werden, wobei man allerdings die Ausführungen unterschiedlicher Länder gezählt hat:

  • Sega Mega Drive
  • Sega Genesis
  • Super Nintendo
  • Super Famicom
  • Famicom
  • NES (mittels beiliegendem Adapter)
  • TurboGrafx16
  • PC Engine
  • PC Engine Super Grafx
  • Gameboy
  • Gameboy Color
  • Gameboy Advance

Die Modulschächte sind gut verarbeitet und sollen weniger anfällig, als beim Retron sein. Die Module lassen sich leicht einsetzen und wieder entfernen, ohne dass man Angst haben muss, dass was kaputt geht. Beim Retron war das anders, da waren die Schächte insgesamt etwas schwergängiger und durch diese zu enge Bauweise auch anfälliger für Beschädigungen. Bislang hatte ich mit keinem Modul irgendein Problem und bislang wurden auch alle Spiele erkannt. Es gab zwar mit einem SNES-Spiel anfänglich Schwierigkeiten, aber eine Reinigung der Kontakte am Modul hat auch dabei Abhilfe geschaffen.

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Das System spielt alle unterschiedlichen Länderversionen von Spielen in unterschiedlichen Wiedergabemodi (PAL und NTSC, sowie 50 und 60Hz). Zusätzlich gibt es die Möglichkeit Patches (z.B. Fanübersetzungen) zu einem Spiel zu laden. So kann man ohne Probleme zum Beispiel das Japanische „Mother“ in englischer Sprache spielen. Die Kompatibilität der Spiele ist ziemlich umfangreich und ich konnte bislang (fast) keins meiner Spiele finden, was die Konsole nicht „geschluckt“ hat. Dabei spielt dar Retro Freak laut Hersteller fast alle offiziellen Spiele und sogar einige nicht offizielle, wie z.B. „Bible Adventures“ für das NES. Auch Spiele mit Spezialchips, wie „Starwing (Starfox)“ für das SNES sind keine Probleme und werden ohne Einschränkungen wiedergegeben. Wenn ein Spiel über eine Speicherbatterie verfügt wird diese vom System ausgelesen und lässt sich zum Weiterspielen verwenden. Lediglich Fan-Games oder Multi-Module funktionieren leider nicht, ebenso wenig wie der Action Replay oder Game Genie, wobei letzteres auf Grund der integrierten Cheats und Patches aber nicht weiter ins Gewicht fällt. Weitere Funktionalitäten, wie man sie z.B. von Emulatoren am PC kennt sind Save-States und unterschiedliche Grafikoptionen. Beides unterstützt die Konsole und so kann man auch heute die alten Spiele noch gut (ohne Augenkrebs) ansehen und durch den Anschluss via HDMI sogar in 720p neu-erleben. Das sieht wirklich super aus und holt einiges aus den alten Spielen heraus.

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Die allgemeine Verarbeitung ist gut, auch wenn das verwendete Plastik von der Haptik her etwas billig wirkt und die Konsole an sich wahrscheinlich keine Desginpreise gewinnen wird, da sie mehr auf Funktionalität, als auf Design ausgelegt ist. Neben den Modulschächten, von den die oben-liegenden auch mit wegklappenden Verschlüssen gesichert sind verfügt die Konsole noch über Front-USB-Ports zum Anschließen der Controller und an der Rückseite über den Stromanschluss und den HDMI-Ausgang.

 

Der mitgelieferte Controller wirkt zwar auf den ersten Blick etwas billig, liegt aber erstaunlich gut in der Hand und auch längere Zocksessions sind damit kein Problem. Da der Controller kabelgebunden ist und Controller an die Konsole generell über USB angeschlossen werden, kann wahrscheinlich jeder kabelgebundene USB-Controller verwendet werden. Der PS3- und PS4-Controller funktioniert mittels Kabel im Test sehr gut. Wer noch Originalcontroller zur Hand hat kann diese natürlich auch mittels dem mitgelieferten Adapter verwenden. Allerdings sei dabei darauf hingewiesen, dass der Adapter nur für 1 Controller (also nicht für 2 Spieler) funktioniert. Wenn man zu zweit mit den alten Pads spielen möchte bräuchte man einen zweiten Adapter für die Originalcontroller, den man allerdings hierzulande nicht separat kaufen kann.

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Es gibt noch einen gravierenden Unterschied zum Retron, denn die Konsole arbeitet sowohl mit den Originalmodulen und kann zusätzlich auch Roms abspielen. Dabei ist dem System egal wo die Datei kommt: Wenn man ein Modul einlegt wird der Inhalt in den Zwischenspeicher geladen und man wird gefragt, ob man das Spiel komplett speichern möchte, um es in Zukunft ohne das Modul spielen zu können. Man kann aber auch Roms aus anderen Quellen direkt über die SD-Karte öffnen, ohne das dazugehörige Modul eingesteckt zu haben. Ob man die Roms der eigenen Spiele oder andere verwendet muss jedem selbst überlassen bleiben, aber das Ganze hat den gravierenden Vorteil, dann man wenn man nur die Spiele von der SD-Karte spielen möchte, eine kleine Steuereinheit hinten aus der Konsole herausziehen kann. Diese Steuereinheit ist dann von den Modulschächten losgelöst und lässt sich autark betreiben und so z.B. leichter mitnehmen.

In naher Zukunft soll übrigens noch ein Adapter (ja, noch einer…) herauskommen mit dem man über den Sega-Slot auch noch Master System, Game Gear und MyCard-Spiele spielen kann. Obwohl dieser leider noch nicht verfügbar ist, funktioniert das mit anderen erhältlichen Adaptern auch schon und als Rom-Datei lassen sich die erwähnten Systeme auch schon ohne Probleme über die Konsole abspielen.

Wer noch Originalspiele auf Modulen hat und diese an einem modernen TV ohne Probleme wiedergeben möchte oder einfach nicht mehrere alte Konsolen mittels Cinch anschließen möchte, ist hier bestens beraten. Ich bin mit der Konsole sehr zufrieden, die als Verbindung von Alt und Neu dient. Super Bild- und Tonqualität an einem modernen TV mittels HDMI, Zwischenspeichern und dennoch die Verwendung der Originalmodule. Ich habe den Kauf daher nicht bereut.

NB@11.07.2017