Wer von euch erinnert sich noch an das Spiel „Jurassic Park: Operation Genesis“ für die gute alte PS2? – Es handelte sich dabei um eine Simulation, in der man seinen eigenen „Jurassic Park“ erschaffen konnte. Jedoch war die Steuerung und die Spielmechanik sehr kryptisch und die Grafik selbst für damalige Verhältnisse sehr altbacken und matschig. Aus diesem Grund ist das Spiel heutzutage größtenteils in Vergessenheit geraten und es gab auch keinen weiteren Versuch ein ähnliches Spiel ins Leben zu rufen… bis jetzt.

Totgesagte leben länger, denn das Entwicklerstudio Froniter Developments hat sich der Idee die Welt von Jurassic Park, bzw. auch Jurassic World in einer Bau- und Wirtschaftssimulation à la „Sim City“ oder „Theme Park“ umzusetzen, angenommen und das Spiel jüngst veröffentlicht. Neben der bereits Anfang Juni veröffentlichten digitalen Version auf PC, PSN und Xbox Live ist seit einer Woche auch die Retailversion erhältlich und ich habe mir die Version für die PS4 genauer angesehen.

Wir bekommen dabei einen recht ausgereifte Simulation, in der wir unseren eigenen Park erstellen und bewirtschaften müssen. Dabei stehen uns insgesamt 5 Inseln zur Verfügung, die wir im Rahmen der Geschichte nach und nach freischalten und deren Schwierigkeitsgrad kontinuierlich ansteigt. So unterscheidet sich pro Insel die Gebäude, die bereits vorhanden sind, die uns initial zur Verfügung stehenden Finanzmittel und auch äußere Gegebenheiten, wie auftretende Stürme oder auch Tornados. Zusätzlich gibt es noch eine 6. Insel, die als Sandbox, ohne Missionen, Budgetlimitierung und sonstiges fungiert. Hier kann man sich nach Lust und Laune austoben.

Das Ziel pro Insel ist jedoch immer das gleiche: Einen möglichst umfangreichen und profitablen Vergnügungspark zu bauen. Am Anfang stehen uns dafür nur eine begrenzte Auswahl an Dinosauriern und Gebäuden zur Verfügung. Den Rest müssten wir im Verlauf der Geschichte durch das Erfüllen von Missionen und Erforschen freischalten. Die Geschichte wird unter anderem von Jeff Goldblum moderiert und die Missionen sind dabei in drei Säulen, Forschung, Sicherheit und Unterhaltung, gegliedert und reichen von Aufgaben, wie ein bestimmtes Gebäude zu bauen bis hin zu, dass wir bewusst für einen Ausbruch eines Fleischfressers sorgen sollen, damit wir unsere Sicherheitsvorkehrungen testen können. Man muss dabei allerdings aufpassen, denn mit jeder Mission für eine der Säule verärgert man ggf. die anderen Säulen und kann auf diese Weise auch Sabotageakte oder ähnliches hervorrufen.

Auch wenn es dabei im Spielverlauf nicht besonders viel Abwechslung gibt und die Missionen sich teilweise auch sehr ähneln, so ist das Spielprinzip unwahrscheinlich motivierend und jedes Freischalten von neuen Dinosauriern oder Gebäuden lässt uns als Spieler die Zusammensetzung und den Aufbau des eigenen Parks mehrfach anzupassen, denn jeder Schritt muss dabei wohl überlegt werden, damit die Besucher zufrieden sind und die Dinos sich benehmen. Es kommt bei den Besuchern auf das umfassende Wohl an, die nach genug Imbiss- und Schlafmöglichkeiten, aber auch genug Dinos mit unterschiedlichen Möglichkeiten der Begutachtung (unverbaute Sitzreihen an den Gehegen, aber auch die Möglichkeit mittels Monorail oder anderen Fahgrschäften noch näher ran zu kommen), aber auch die Dinos muss man im Auge behalten. Man darf zum Beispiel keine Pfanzen- mit Fleischfressern zusammensetzen, wenn man nicht möchte, dass das 800.000$ teure Triceratops im hungrigen Magen eines T-Rex landet, aber muss auch noch dinosaurierspezifische Besonderheiten im Auge behalten, damit sich ein Dino wohl fühlt: Dabei kommt aus unter anderem auf die Größe und die Bepflanzung des Geheges, aber auch die Auslastung an. Wenn sich ein Dino nicht wohl fühlt fängt er nämlich ganz schnell an die Zäune anzugreifen, bricht aus und attackiert dann die Besucher, was die Besucherzahlen mindert und im schlimmsten Fall sogar noch Klagen hervorruft.

Zusätzlich muss man die Dinos auch regelmäßig mit Futter versorgen, im Krankheitsfall behandeln oder tote Dinos auch schnell aus den Gehegen entfernen, damit keine Epidemie ausbricht und am Ende die gesamte Dino-Population stirbt.

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Dabei schweben wir gewöhnlich Gott-ähnlich über dem Park und können nach Belieben rein- und rauszoomen, unterschiedliche Aktionen im Micro-management durchführen oder sogar selbst aktiv ins Geschehen einsteigen und den Rangerjeep steuern, Medikamente mittels Gewehr auf die Dinos schießen oder per Hubschrauber Jagd auf entflohene Dinos machen. Die Grafik ist dabei wirklich schick anzusehen und ist sogar für PS4 Pro optimiert. Die Ladezeiten sind kurz und ich konnte bislang, nachdem der Day One-Patch geladen war, auch keine Fehler oder Abstürze vermelden.

Jurassic World Evolution

Allerdings muss man anmerken, dass es doch ein paar Kritikpunkte gibt: Die Story ist im Grunde nicht wirklich vorhanden und in Sachen Micro-management gab es in „Theme Park“ auch etwas mehr. Musste man da noch genauer auf die Besucher und deren Bedürfnisse achten (und unter anderem auch Mülltonnen aufstellen, Grundstücke dazukaufen, etc.) so hat man hier einen fest abgesteckten Bereich der Insel zur freien Verfügung und die Bedürfnisse der Besucher wirken sich rein auf die Besucherzahlen und in Konsequenz auch die Einnahmen aus. Gerade zu Beginn stehen uns viele Gebäude und Dinos nicht zur Verfügung, auch wenn wir schon gar nicht mehr wissen wo hin mit unserem Geld. Uns bleibt nichts anderen übrig, aber die Story (evtl. auf einer anderen Insel fortzusetzen), um die Prestige-Gebäude und Dinos dann später irgendwann freizuschalten. An sich kann man sich bei 48 unterschiedlichen Dinos zwar nicht über die Artenvielfallt beschweren, aber die ersten zwei Parks wird man wahrscheinlich nur Zugriff auf 10 Dinos und eine Handvoll Gebäude haben, was die Abwechslung dann doch sehr einschränkt und zur Folge hat, dass man in seinem Park für die Besucher zig mal den selben Dino und die gleichen Gebäude hat.

Jurassic World Evolution

Das sind zwar Probleme, die sich mit der Zeit auswachsen, aber kann besonders am Anfang für Frustration sorgen. Da wäre es schon besser, wenn die Gebäude schneller zur Verfügung stehen und man halt einfach sein virtuelles Geld dafür ansparen kann. Und ja, 48 Dinos klingt zwar umfangreich, aber es muss erwähnt werden, dass es weder Flug- noch Wasserdinosauerer gibt, was leider sehr schade ist, denn sonst hat man auch darauf geachtet nahezu alles aus den Filmen zum Bauen anzubieten, aber diese beiden Arten fehlen in Gänze.

Der Entwickler hat zwar in Aussicht gestellt, dass wenn die Nachfrage groß genug sein sollte, diese Arten eventuell als Zusatzinhalte nachgeliefert werden, aber momentan muss man halt einfach festhalten, dass es sie nicht gibt. Wenn das in Zukunft irgendwann der Fall sein sollte wird das hier selbstverständlich entsprechend vermerkt.

Zugegeben wirken diese Kritikpunkte etwas hart, aber es muss erwähnt werden, dass das wirklich kleinere Anmerkungen und Schönheitsfehler sind, denn selten hat mich ein Spiel für längere Zeit so gut unterhalten, sodass ich bereitwillig Stunden über Stunden mein virtuelles „Jurassic Word“ aufgebaut habe, bis ich auf jeden Insel die Höchstwertung, sowohl von Park- als auch von Besucherseite erreicht hatte. Ich habe den Kauf also in keiner Weise bereut und kann das Spiel jedem empfehlen, der solchen Bau- und Wirtschaftssimulationen nicht abgeneigt ist und im besten Fall auch noch Jurassic Park/World mag.

NB@10.07.2018