Ich erinnere mich immer gern an die Familienurlaube in Holland zurück. Ein Punkt hatte es mir dabei besonders angetan: Die Spielhallenkultur. – In Deutschland schon immer in einen Bereich für Erwachsene und Glückspiel abgeschoben, konnte sich in anderen Ländern eine tolle Kultur entfalten, die an uns vorbeiging. Und wir bekamen nur über diese besagten Urlaube einen Einblick in diese Kultur, was sich immer wieder als einfach wunderbar entpuppte. Bewaffnet mit ein paar Gulden zog man von Automat zu Automat und wägte genau ab, wo man das Geld am besten investiert, um am meisten davon zu haben. Ein Spiel, das es mir besonders angetan hatte, waren die Brawler, die man mit mehreren Spielern spielen konnte, denn wenn man sich gut angestellt hat, konnte man für seine Münze eine ganze Weile spielen. Ein besonderes Highlight war dabei das „The Simpsons Arcade Game“ von Konami aus dem Jahr 1991. Es wartete nicht nur mit einer wunderschönen Comicgrafik und vielen Gags aus der Serie auf, sondern verfügte sogar über Sprachsamples. Weiter gab es in diesem Spiel sogar richtige animierte Cutscenes, die eine Geschichte erzählten und das Spiel so in einem Detailgrad präsentieren, den man zu diesem Zeitpunkt noch nicht aus Videospielen kannte.

Konami hat das Spiel auf mit originalgetrau, aber mit einigen netten Erweiterungen auf den virtuellen Markplatz für PS3 und Xbox360 portiert. Ich habe es auf der PS3 gespielt, gehe aber davon aus, dass die Spiele auf beiden Konsolen inhaltsgleich sind. Da es sich bei dem Spiel um ein Spiel aus der Arcade handelte weist es zwei markante Eigenschaften auf: Einen ziemlich hohen Schwierigkeitsgrad, der dafür sorgen sollte, dass man gezwungen ist regelmäßig Münzen nachzuwerfen und eine Möglichkeit mit mehreren Spielern zusammen zu spielen. Das Spiel ließ sich in der Arcade mit insgesamt 4 Spielern spielen, wobei jeder Joystick eines Spielers an einem festen Charakter im Spiel zugeordnet war. Auch die Heimversion lässt sich online, wie auch offline mit 4 Spielern spielen, aber jetzt kann jeder Spieler seinen Charakter frei bestimmen und so ist keine Spielernummer mehr an einen bestimmten Charakter gebunden, was eine wirklich sinnvolle Erweiterung ist. Weiter gibt es im Spiel neben Einstellungsmöglichkeiten der Bildschirmgröße, Schwierigkeitsgrade, Spielmodi mit unterschiedlichen „Münzvorräten“ auch die Auswahlmöglichkeit, ob man die amerikanische oder japanische Version des Spiels spielen möchte, die sich inhaltlich voneinander unterschieden. Die japanische Version schaltet man automatisch frei, wenn man das Spiel in der amerikanischen Version einmal beendet hat.

Die Geschichte ist relativ simpel gestrickt: Smithers (warum auch immer) überfällt im Auftrag von Mr. Burns einen Juwelier und erbeutet einen riesigen Diamanten. Doch auf seiner Flucht kommt es zu einem Zusammenstoß mit den Simpsons, bei dem der Diamant mit Maggie’s Schnuller vertauscht wird. Kurzentschlossen schnappt er sich daher Maggie und rennt ihr (und dem Diamant) davon. Das kann der Rest der Familie natürlich nicht kampflos hinnehmen und eilt hinterher. Diese Jagd verschlägt uns in allerlei ikonische Areale, von den Straßen von Springfield, durch Moe’s Taverne, Krustyland, bis hin zum Atomkraftwerk. Dabei unterscheide sich die Areale stark voneinander und halten sehr viele (teilweise versteckte) Details für Serienkenner bereit. Die Levels sind dabei horizontal scrollend und bietet durch eine Semi-3D-Ansicht auch die Möglichkeit sich in der Vertikale zu bewegen, wie man es auch von anderen Brawlern à la Streets of Rage oder Final Fight kennt. In den Levels wird man mit allerlei Gegnerwellen bombardiert, die man dann besiegen muss, bevor man weitergehen kann. Am Ende einer Stage wartet dann ein mitunter recht fordernder Bosskampf.

Die Steuerung bei allen Charakteren ist identisch und es gibt neben dem Stick mit dem man die Laufrichtung steuert und zwei Buttons (Sprung, Schlag) recht minimalistisch, aber dafür umso Einsteigerfreundlicher. Man sollte sich aber bewusst sein, dass die Wahl eines Charakters maßgeblich unser Spiel beeinflussen können. Wir können im Spiel zwischen Homer, Marge, Bart und Lisa wählen, wobei jeder Charakter seine eigenen Vor- und Nachteile hat. So ist Homer zum Beispiel ziemlich stark, hat aber eine geringe Reichweite und Marge hat im Gegensatz eine große Reichweite, ist aber schwach und recht langsam. Homer ist dabei nur mit seinen Fäusten bewaffnet, Bart schlägt mit seinem Skateboard zu, Lisa hat ein Springseil als Waffe dabei und Marge ist mit einem Staubsauger bewaffnet.

Die Grafik ist dabei, ebenso wie der Soundtrack, eine liebevolle Pixel-Hommage an die Serie und bietet neben vielen versteckten Details auch sogar eine verpixelte Version des Vorspanns der Serie und verfügt über Chiptune-Versionen der bekannten Musik von Danny Elfman. Die Auflösung lässt sich dabei zwar über eine „Smoothing“-Option optimieren, was aber meiner Meinung nach das Bild zu weich werden lässt, weswegen ich persönlich lieber die scharfe Einstellung nehme, die zwar die Pixel etwas gröber erscheinen lässt, aber das Bild nicht so weichzeichnet. Da das Spiel für eine 4:3 Auflösung konzipiert war gibt es bei der Darstellung auf modernen 16:9-Fernsehern Optionen für den Bildausschnitt. Wir können den Bildausschnitt wahlweise mit einem Arcade-Automaten als Einfassung, einer schwarz-grauen Umrandung oder einfachen schwarzen Balken anzeigen lassen.

Das Spiel macht auch heute noch wirklich viel Spaß, was besonders mit ein paar Mitspielern zum Tragen kommt und weiß so auch heute noch zu begeistern. Zwei Dinge kann man allerdings nicht von der Hand weisen, denn so leidet das Spiel auch an der gleichen “Krankheit”, wie andere Brawler oder Arcade-Spiele per se:

1) Die Gegnervarianz. Hier bekommt man eine Handvoll unterschiedlicher Gegner präsentiert, die man dann wieder und wieder bekämpft. Bei Streets of Rage hat man das versucht durch unterschiedlich-farbene Texturen und individuelle Namen etwas aufzulockern, aber hier sind bekämpft man leider nur endlose Klone des gleichen Charakters und pro Level ist dabei sehr wenig Varianz gegeben.

2) Länge und Schwierigkeitsgrad: Leider ist das Spiel nicht besonders lang und versucht über diesen Zustand mit dem Schwierigkeitsgrad hinwegzutäuschen, was viele Spiele der Arcade machen. Immerhin kann man in dieser Heimversion den Schwierigkeitsgrad umstellen und ein neuer Versuch kostet uns so auch nicht unendliche Mengen an Münzen. Ein wenig mehr Content wäre dennoch nicht so schlecht gewesen, denn das Ende ist ohne große Mühe in unter einer Stunde zu erreichen.

Aber das ist zugegeben sind das kleine Kritikpunkte, den man in Kauf nehmen muss, wenn man solche Spiele spielt und so ist das Spiel, trotz dieser kleinen Mängel, auch heute noch zu empfehlen, zumal es immer weniger Spiele gibt, die man auch im Couch-Co-Op und gar mit insgesamt 4 Spielern spielen kann. Denn abseits davon ist das Spiel wirklich toll geworden und spielt sich auch auf der Konsole genauso gut, wie ich es aus der Arcade in Erinnerung hatte. Leider scheint das Spiel zur Zeit nicht mehr im PSN verfügbar zu sein. Wer es allerdings bereits in seiner Downloadliste hat, kann auch weiterhin darauf zugreifen. Wer also noch Zugriff aus das Spiel hat sollte es ruhig nochmal spielen. Es lohnt sich…

NB@15.11.2018