Assassin's Creed® III Remastered_20190416213609

Unglaublich, aber es sind bereits 7 Jahre vergangen seitdem ‚Assassin’s Creed III“ herausgekommen war. Auch wenn der Teil unter Fans für gemischte Gefühle gesorgt hat, so ist es für mich persönlich immer noch einer meiner liebsten Teile der Reihe. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen handelte es sich um mein erstes Assassin’s Creed, das ich „wirklich“ gespielt hatte und zum anderen hat mich der amerikanische Bürgerkrieg schon immer sehr interessiert. Ich hatte zwar den Erstling der Reihe mal angefangen, aber Formel ist damals noch nicht auf mich übergesprungen. Er war mir zu sperrig und zu eintönig, weswegen ich auch erst einmal Teil 2 nicht gespielt hatte, was ich erst nach dem dritten Teil nachgeholt habe, als ich von diesem hin und weg war. Wie alle Teile der Reihe wurde das Spiel nicht nur von Ubisoft gepublished, sondern auch von einem hauseigenen Studio, wie in diesem Fall Ubisoft Sofia und Ubisoft Milan entwickelt und nun im Rahmen des Season Passes von „Assassin’s Creed: Odyssey“, aber mittlerweile auch separat als Retail- und Downloadversion ist nun eine Remastered-Version des Spiels für PC, PS4, Xbox One und (ab Ende Mai auch) für Nintendo Switch veröffentlicht.

Da wir uns bereits letzte Woche mit dem Hauptspiel, „Assassin’s Creed 3“ beschäftigt haben, geht es nun weiter mit dem kleinen Ableger, „Assassin’s Creed 3: Liberation“. – Und ja, ich sage bewusst „Assassin’s Creed 3: Liberation“, auch wenn das Remaster bereits beim Re-Release auf der PS3 und Xbox360 die Zahl unter den Teppich fallen ließ und seitdem nur noch unter „Assassin’s Creed: Liberation“ firmiert. Dabei hatte das durchaus Sinn, denn beide Spiele spielen zur selben Zeit in den USA und es gibt in Liberation sogar eine Crossover-Mission, bei der Connor dabei ist. Aber wahrscheinlich fand man es im Nachhinein etwas verwirrend, dass es zwei unterschiedliche Assassin’s Creed-Games mit der gleichen Nummer gibt…

Und unterschiedliche trifft es dabei wirklich ungemein, denn nicht nur hat das Spiel einen anderen Hauptcharakter, sondern implementiert auch neue Mechaniken, die es bisher in keinem anderen Teil der Reihe gab und bricht auf der anderen Seite auch mit bis dato gültigen Konventionen der Reihe. Für mich war das Spiel damals neben „Uncharted: Golden Abyss“ einer der Kaufgründe für eine PS Vita und ich habe unzählige Tage und Nächte mit dem Game auf der Konsole verbracht, was auch heute noch dafür verantwortlich ist, dass das Spiel, ebenso wie der dritte Teil einen besonderen Stellenwert für mich haben.

Entgegen des Hauptspieles, dass an der Westküste der USA spielt, spielt „Liberation“ in New Orleans und dem umgebenden Bayou. Wir spielen dabei lange vor Kassandra in “Assassin’s Creed: Odyssey” eine weibliche Heldin, Aveline de Grandpré. Die junge Frau ist das uneheliche Kind des Nobelmannes Philippe Olivier de Grandpré mit der Sklavin Jeanne. Als letztere das Kind im Stich lässt, erkennt er die Vaterschaft an und nimmt das Kind bei sich auf, das mit seiner Frau großzieht. Bereits im Alter von 12 Jahren trat sie den Assassinen bei und führte von dort an ein Doppelleben zwischen Nobeldame und Assassin, was auch grundlegend für die neue Spielmechanik mit unterschiedlichen Kostümen im Spiel verantwortlich ist. Entgegen anderer Teile der Reihe kann Aveline in drei unterschiedliche Persona, die über Kleidung repräsentiert werden, schlüpfen:

  • Die Nobeldame: Hier ist Aveline im feinen Kleid unterwegs, kann nicht springen oder Klettern, bringt aber im Gegensatz einige andere nützliche Fähigkeiten mit. Sie kann beispielsweise Wachen betören, um in abgesperrte Abschnitte vorzudringen oder sogar für sie in den Kampf schicken. Denn kämpfen kann sie in dieser Montur nur bedingt per Fernangriff.
  • Die Sklavin: Um sich unbemerkt auf den Plantagen unter die Arbeiter mischen zu können kann sich Aveline als Sklavin verkleiden.
  • Assassin: Aveline’s Hauptmontur sind die Roben der Assassin. Hier verfügt sie über die meisten Fähigkeiten und unterschiedliche Waffen. Jedoch ist dieses Outfit nicht gerade unauffällig, was dazu führt, dass Wachen sie leichter entdecken.

In der offenen Spielwelt können wir uns selbst aussuchen, was für unsere Zwecke das beste Outfit ist und diese auch jederzeit nach Lust und Laune wechseln. Dazu gibt es Umkleidekabinen, die an vielen Stellen in der Spielwelt zu finden sind. Lediglich die Hauptmissionen sind in der Regel an ein bestimmtes Outfit gekoppelt und so können wir wenn das der Fall ist eine Mission nur mit dem richtigen Outfit angehen.

Entgegen anderer Spiele der Reihe gibt es keine Missionen in der Gegenwart und die Handlung spielt sich ausschließlich in der Vergangenheit ab. Allerdings macht das Spiel dabei keinen Hehl daraus, dass sich die Handlung nicht wirklich in der Vergangenheit abspielt, sondern eine virtuelle Erfahrung im Animus als Computerprogramm ist, das wir spielen. Gerade mit dieser Prämisse hat man sich daher noch einen Twist einfallen lassen, denn einige Sequenzen des Spiels verfügen über absichtliche Glitches, die uns als Spieler auf eine Veränderung im ursprünglichen Code hinweisen sollen. Wenn wir diesen Glitch finden und in Form eines Sammelobjektes lokalisieren, können wir die Sequenz in einem zweiten Durchgang noch in unveränderter Form spielen, was teilweise das Gesehene in ein komplett anderes Licht rückt. Auch abseits davon hält die Geschichte allerdings einige Überraschungen bereit und es ist mal sehr erfrischend, eine Handlung zu spielen, die nicht ausschließlich auf das Rachemotiv des Protagonisten zurückführt, wie wir sehr oft in Ubisoft-Spielen der Fall ist.

Wie bei den anderen klassischen Teilen der Reihe, also vor „Origins“ und „Odyssey“ verfolgt das Spiel noch die frühere Ausrichtung der Reihe. Mit nur rudimentären RPG-Einflüssen durch Crafting und Ausrüsten unterschiedlicher Waffen und der ein oder anderen Fähigkeit, die im Verlauf der Geschichte noch dazukommt. Die Story ist dabei linearer, als in den modernen Outings der Reihe und gibt die Marschrichtung vor. Es gibt also keine Vielzahl von unterschiedlichen Haupt- und Nebenmissionen, die parallel angeboten werden. Und da einige Missionen die Vorzüge der Vita in Form der Kamera oder ähnlichem benötigten wurden diese inhaltlich angepasst, um auch auf der PS4 ohne Einschränkung lauffähig zu sein, was den meisten Spielern gar nicht auffallen dürfte, wenn man nicht erst vor kurzem das Original gespielt hat.

Von der technischen Seite hinkt “Liberation” meilenweit hinter dem großen Bruder zurück. Man hat zwar versucht das Beste daraus zu machen und sowohl die Texturen, wie auch die Charaktermodelle hoch-skaliert, doch die Vorlage bleibt eben doch ein Vita-Spiel, das im Grunde nie für hochauflösende Großbildschirme konzipiert worden war. Das ist besonders in der Charaktermodellen offensichtlich, die eckiger sind, als man es heute eigentlich gewohnt ist. Und komischerweise gibt es trotz der reduzierten Optik Framerateeinbrüche, wenn etwas mehr Gewusel auf dem Bildschirm tobt, was im Eifer des Gefechtes ja durchaus mal passieren kann. Das war zwar auf der Vita auch schon der Fall, aber ich persönlich dachte, dass der Sprung auf die PS4 das Problem ausmerzen würde, was aber nicht der Fall ist. Es wurde reduziert, ist aber nicht komplett weg.

Dennoch macht das Spiel auch auf seiner aktuellen Umsetzung noch viel Spaß und zählt für mich immer noch zu den besseren Spielen der Reihe. Wer das Spiel bisher verpasst hat sollte ihm durchaus mal eine Chance geben, sofern man über die reduzierte Grafik hinwegsehen kann. Die Remastered-Umsetzung ist sowohl in der Retail, wie auch der Download-Version von „Assassin’s Creed 3 Remastered“ enthalten und verfügt über eine eigenständige Trophäenliste. Wer sich also ins Zeug legt kann gleich 2 Platin-Trophäen für die Sammlung abstauben, die an sich beide auch nicht besonders schwer zu erreichen sind.

NB@16.05.2019

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Disclaimer: Die verwendeten Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright am dargestellten Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.