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Viele tun die Lego-Spiele als kindischer Zeitvertreibt für Casual Gamer ab, doch dahinter verstecken sich meist auch wirklich interessante Spiele. Gerade wenn die Spiele berühmte Szenen aus Kinofilmen, wie Indiana Jones oder auch Avengers in ihrer liebevollen Baustein-Optik neu-interpretieren gibt es Momente in denen wirklich kein Auge trocken bleibt. Neben Casual Gamern haben die Spiele allerdings gerade unter Trophäenjägern einen hohen Stellenwert, da man in ihnen für gewöhnlich mit relativ überschaubarem Aufwand eine Platin-Trophäe einheimsen kann. – Ich persönlich schätze die Spiele aus zweierlei Gründen: Zum einen der im Vergleich zu anderen Spielen reduzierte Invest, ohne dabei Abstriche in Sachen Unterhaltung machen zu müssen und dennoch kann man am Ende auf seine Trophäen stolz sein, denn eine gewisse Beständigkeit wird dennoch benötigt.

 

Mich haben bisher alle Lego-Spiele gut unterhalten, selbst von Franchises, wie Lego Ninjago, mit denen ich auf Grund meines Alters eher weniger Berührungspunkte hatte. Die Level waren dabei immer ähnlich gestrickt und boten mindestens einen Storymodus mit in kleine Häppchen abgeteilte Levels und in der Regel mindestens einen Hub-Welt, die bei den ersten Games lediglich als Übergang zu den unterschiedlichen Levels fungierte, aber mit den Jahren immer mehr an Bedeutung erfahren hat, da sich dort ebenfalls Nebenaufgaben, kleine Quest-Reihen und Sammelobjekte versteckten. Doch der Fokus lag für mich immer zuerst auf der Story und den zwar linearen, aber dafür meist umso bombastischer inszenierten Setpieces, wo man unter anderem die Boulder Chase von „Jäger des verlorenen Schatzes“, das Hoth-Battle in „Das Imperium schlägt zurück“ oder auch den finalen Kampf gegen Ultron in „Avengers: Age of Ultron“ nachspielen konnte. Die Aufgaben in der offenen Spielwelt waren dabei meist eher unspektakulär und bestanden aus repetetiven Fleißaufgaben à la „Suche Gegenstand X and Ort Y“, „Haue an Ort X eine bestimmte Anzahl Gegner für mich kaputt“ oder „Führe ein Checkpunkt-Rennen durch“. Nicht besonders nervenaufreibend, doch in Kombination mit den Actionreicheren Levels hat sich das ganz gut gemacht. Aber was ist, wenn das gesamt Spiel nur aus diesen Open World-Aufgaben bestehen würde? – Die Antwort darauf liefert der neueste Output der Lego-Spiele mit „The Lego Movie 2 – Videogame“.

 

Ich wusste das vorher nicht und hatte zugeschlagen ohne etwas von einer massiven inhaltlichen Änderung zu wissen und wurde dadurch etwas vor den Kopf gestoßen, denn es spielt sich dadurch sehr viel anders, als alle anderen Lego-Spiele, wenn man mal von „Lego Words“ absieht, was im Grunde eine Minecraft-Welt in Lego-Gewandt ohne jegliche nennenswerte Story geboten hat. Dabei handelt es sich um das wahrscheinlich einzige Lego-Spiel, das ich nie durchgespielt habe, und das hat dann so viele Gemeinsamkeiten mit „The Lego Movie 2 – Videogame“? – Das kann ja quasi nur gut werden, oder? Zwar muss ich selbst zugeben, dass gerade die letzten Lego-Spiele, „Lego DC Super Villains“ und „Lego Marvel Super Heroes 2“, die beide in Sachen Story Eigenkreationen waren für mich die Luft etwas raus zu sein schien, doch komplett darauf verzichten wollte ich auch nicht. Aber fangen wir am besten ganz am Anfang an:

 

„The Lego Movie 2 – Videogame“ wurde, wie im Grunde alle Lego-Spiele, von TT Games entwickelt und von WB Games, bzw. Warner Bros. Interactive Entertainment herausgebracht und erschien für alle gängigen Konsolen, PS4, Xbox One, Nintendo Switch, wie auch für PC und Mac. Man könnte also fast sagen, dass es das Spiel im Grunde überall gibt… Das Spiel orientiert sich vom Plot her nah am zweiten Kinofilm, den man aber auf jeden Fall gesehen haben sollte, damit man die Story versteht. Die ist zwar nicht besonders schwer zu verstehen, doch durch die Neuausrichtung des Spielprinzips ohne klare Story-Level ist es sonst sehr schwer zu verstehen, was man eigentlich machen soll, bzw. warum an es macht. Es gibt zwar hier und da eine Cutscene aus dem Film, doch ohne den notwendigen Background wirkt alles wie eine plumpe Aneinanderreihung von unterschiedlichen Arealen, in denen wir Belangloses erledigen, um dann irgendwann zur nächsten Sandbox geschickt werden.

 

Dabei beginnt alles am Anfang noch recht vielversprechend. Die Geschichte setzt einige Zeit nach dem Ende des ersten Teils ein, als die Invasion durch Präsident Business zwar gebannt war, aber stattdessen eine neue Gefahr in Form der Duplo-Aliens Bricksburg heimgesucht hat. Der Timegap zwischen den Spielen hat Bricksburg in das treffend bezeichnete Apocalypseburg, ein Post-Apokalyptisches Ödland à la Mad Max, in den Ruinen von Bricksburg, verwandelt. Auch wenn Emmet sein fröhliches Naturell immer noch inne trägt, so ist die Bevölkerung von dieser Veränderung stark gezeichnet und es wird noch schlimmer, als die mysteriöse General Mayhem die Stadt einnimmt und nahezu alle Einwohner verschleppt. Lediglich Emmet bleibt zurück und muss wieder einmal über sich hinauswachsen, um seine Freunde wiederzusehen. Auf dem Weg seine Freunde einen nach dem anderen zu befreien trifft er auf den Abenteurer Rex Dangerverst, der ihn bei seinem Vorhaben unterstützt, aber dennoch eigene Motive zu haben scheint…

 

Und das ist dann leider auch der Hauptteil des Spieles: Wir besuchen unterschiedliche Welten befreien dabei jeweils einen unserer gefangene Freunde als Hauptquest, haben dabei die Wahl in der offenen Welt weitere Nebenquests oder versteckte Sammelobjekte zu suchen, bevor wir weiterziehen und auf unserem Weg in jedem zweiten Areal einen Boss besiegen. So konfus und planlos wie das klingt, ist es leider auch. Von der Story an sich bekommt man recht wenig mit, da sie sich wenig von den Füll-Nebenaufgaben abhebt. So wissen wir im Grunde erst wen genau wir in einer neuen Welt befreien sollen, wenn wir ihm direkt gegenüberstehen und das große Ziel bleibt meist auch verborgen. Das wird zwar in der zweiten Spielhälfte wieder etwas besser, wenn wir unsere Schnitzeljagd nach unseren Freunden beendet haben und diese unserem Raster an Charakteren hinzugefügt haben, doch etwas mehr roter Faden hätte dem Spiel wirklich gut getan. Zumal es im Vergleich zu anderen Lego-Spielen eigentlich irrelevant ist wen wir in unserem Raster dabei haben, bzw. sogar mit welchem Charakter wir spielen. Denn weg sind die unterschiedlichen Charakterfähigkeiten und wurden durch für jeden Charakter ausrüstbare Gegenstände ersetzt. So können wir mit dem Charakter alles machen, sofern wir die richtigen Gegenstände besitzen, die man zusammen mit den unterschiedlichen Charakteren im Spielverlauf freischaltet oder in schon fast inflationär vorkommenden Juwelen zufallsgeneriert bekommen kann. Das hat in Ansätzen zwar schon einen leichten Rollenspielcharakter wirkt aber leider zu unausgegoren, denn so gibt es zig unterschiedliche Varianten der gleichen Gegenstände in unterschiedlichen Farben und nur einige wenige wirklich hilfreiche oder gar notwendige Items. Der Rest ist dann nur Beiwerk zum Füllen des Auswahlmenüs, ähnlich wie es sich mit den unterschiedlichen Charakteren verhält. Wenn diese keine eigenen Fähigkeiten haben und die Auswahl eines anderen Charakters rein optischer Natur ist, wozu brauche ich dann eine Liste mit über hundert Stück?

 

Hingegen eine sinnvolle Änderung, die 1:1 von „Lego Words“ übernommen wurde, ist dass wir neben den Studs, die als Währung gelten, neuerdings auch Bausteine in unterschiedlichen Formen und Farben einsamlen, die dann für unsere eigenen Bauwerke als Ressourcen benötigt werden. Dabei können wir jederzeit eine Liste an Bauplänen öffnen und automatisiert die ausgewählten Objekte bauen. Dabei müssen wir das Objekt entweder einmal zuvor in der Spielwelt gescannt haben oder den Bauplan analog des Storyverlaufs oder zufallsgeneriert in den gefundenen Juwelen freigeschaltet haben. Das reicht von Kleinen Objekten, wie Sprungpads, Sprinklern, Strom-Genratoren und Micromanagern, die man zur Lösung von Rätzeln braucht bis hin zu kompletten Bauwerken von denen man die meisten sogar als „echte“ Bausets von Lego kaufen kann. Hier wird man lediglich durch die vorhandenen Ressourcen limitiert und kann wenn man davon absieht im Grunde alles bauen, was einem zur Verfügung steht. Lediglich das komplett freie Bauen, das es in „Lego Worlds“ noch gab, gibt es hier nicht mehr und ebenso wenig können wir die Gegebenheiten der Welt (Terrain, etc.) beeinflussen, was bei Worlds noch möglich war.

 

Optisch sieht das Spiel gut aus und läuft meist auch flüssig. Lediglich bei den Bosskämpfen gibt es dann und wann mal Slowdowns, die aber auch ein Stilmittel sein könnten. Die Grafik ist insgesamt detailliert und bund, obgleich es gerade in den Hintergründen oft auftretende unschöne Popins gibt. Zusätzlich zu diesen optischen Mängeln hatte ich leider auch ein paar technische Probleme, die selbst mit dem aktuellsten Patch noch aufgetreten sind: Einmal ist das Spiel während dem Speichern ohne erkennbaren Grund abgeschmiert, was meinen Spielstand komplett gegrillt hat. Ich hatte aber noch ein Backup in der Cloud, weswegen mir am Ende nur ein paar Minuten Spielzeit fehlten. Hätte ich den allerdings nicht gehabt hätte ich nochmal komplett neu anfangen können, was ich wahrscheinlich nicht mehr getan hätte.

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Sowas kann und darf ohne erkennbaren Grund nicht vorkommen und ich hoffe wirklich, dass TT Games das Problem bewusst ist und daran gearbeitet wird. Und dann hatte ich noch ein sehr merkwürdiges Problem innerhalb eines Bosskampfes, das ich erst gar nicht als Problem identifizieren konnte. Hier ist eine Beschreibung des Sacherhalts: Ein Zweiter Schalter wurde erst aktiviert, nachdem man einen ersten Schalter betätigt hat. So weit so gut. Bei hielt die Aktivierung des zweiten Schalters nur ein paar Sekunden und dann sprang alles wieder auf Anfang. Ich habe es bestimmt 20 Minuten mit unterschiedlichen Timings versucht an den zweiten Schalter zu kommen, bis ich mich fragend an YouTube gewandt habe, um festzustellen, dass das Verhalten des zweiten Schalters normal nicht so ist. Also habe ich das Spiel geschlossen und neu gestartet, was das Problem sofort behob. Lediglich muss man halt erst mal darauf kommen, dass das Problem irgendwie im Spiel steckte und nicht daran, dass man einfach die Lösung noch nicht durchschaut hat. Abseits davon konnte ich zwar keine weiteren Fehler in meinem Durchspielen feststellen, auch wenn das nur ein schwacher Trost ist.

 

Insgesamt kann man festhalten, dass sich das Spiel sehr weit von der bekannten Formel entfernt und dabei wahrscheinlich einige Fans verliert. Gerade wenn man den Film noch nicht gesehen hat wird man recht wenig von der Story mitbekommen. Auch spielerisch gibt es zwar einige interessante Neuerungen, die aber zusammen mit viel spielerischem Leerlauf sind. Gerade in Anbetracht auf die technischen Unzulänglichkeiten kann ich das Spiel im momentanen Zustand nur für eingefleischte Fans empfehlen, die sich von den Neuerungen nicht abschrecken lassen. Alle anderen werden damit wahrscheinlich nicht glücklich werden.

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NB@14.06.2019

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