Special: „Goodbye PS3! – Es war schön mit dir…“ oder: Die PS3 wird Retro – Ein Nachruf…

Es ist anscheinend so weit. Die gute alte PS3 geht in den Ruhestand. – Zumindest für Sony, denn der Konzern, der bereits seit 2017 die Produktion der Konsole offiziell eingestellt hat, leistet zukünftig auch keinen Support mehr für die bestehenden Konsolen da draußen. Also wenn jemand eine defekte Konsole hat kann er diese bei Sony nicht mehr reparieren lassen. Auch wenn diese Bekanntmachung erst mal nur den japanischen Markt betrifft, ist davon auszugehen, dass der Rest der Welt dem folgen wird, denn anders würde dieser Schritt keinen wirklichen Sinn ergeben. Und das bedeutet dann im Umkehrschluss, dass zu den weltweit abgesetzten 86 Millionen Konsolen keine mehr dazu kommen (können) und auch keine mehr offiziell repariert werden. Es werden damit also mit fortschreitender Zeit immer weniger Konsolen im Umlauf sein. So wird selbst die gute alte PS3 so langsam Retro… Und aus diesem Grund und da die Konsole dafür verantwortlich war, dass ich nach einer mehrjährigen Pause wieder zurück zum Gaming gekommen bin, erscheint es mir mehr als angebracht der Konsole zum Abschluss einen entsprechenden Nachruf zu spendieren. – Also schnappt euch einen Partyhut und nehmt euch noch ein Stück Kuchen, wir verabschieden nun die gute alte PS3!

Die Konsole der 7. Generation ist 2006 in Japan und knapp ein halbes Jahr später in Europa und Nordamerika erschienen. Sie wurde also, je nachdem welches Datum man heranzieht 10-11 Jahre verkauft und in Folge dessen 12-13 Jahre von Sony supported, was für Konsolen eine wirklich lange Zeit ist, besonders wenn man bedenkt, dass ihr Nachfolger, die PS4, die seit 2013 im Verkauf ist und bereits im kommenden Jahr durch einen Nachfolger abgelöst werden soll. Bis zum Produktionsende hat die Konsole drei umfassende Revisionen erfahren und so existieren neben der ursprünglichen Veröffentlichung, die allgemein als „Fat Lady“ bezeichnet wird, auch eine Slim- und Ultra-Slim-Ausführung der Konsole, wobei jede Revision auch in unterschiedlichen Reihen mit teilweise unterschiedlichen Features auch innerhalb der Revision existiert. So verfügten die ersten zwei Auflagen der dicken PS3 noch über Abwärtskompatibilität zu PS2 und PS1 und später nur noch zu PS1, da sich Technik für die Abwärtskompatibilität zur PS2 als zu teuer erwiesen hatte. Ebenso wurde mit dem Umstieg auf die Slim-Modelle der optische Audio-Ausgang weggelassen, das glänzende Finish in Klavierlackoptik durch ein Mattes und die elektronische Touch-Bedienung für Power und Diskauswurf durch günstigere mechanische Druckknöpfe ersetzt, um nur einige Beispiele zu nennen.

Entgegen des Vorgängers verfügte die PS3 bereits ab Start über eine eingebaute und austauschbare Festplatte, verfügte über die Möglichkeit zur Onlineverbindung und hatte als optisches Laufwerk einen Blu Ray-Drive. Die Festplattenfunktionalität und die Onlineanbindung waren zwar auch schon bei der PS2 möglich, mussten aber über Erweiterungen, die auch nur bei der ersten Auflage möglich waren, quasi dazu „gebaut“ werden und sind teilweise auch nicht in Europa erschienen. Und ähnlich wie das DVD-Laufwerk bei der PS2 maßgeblich für die Durchsetzung der DVD als Medium verantwortlich war, so verhalf das verbaute Blu Ray-Laufwerk in der PS3 auch des Mediums zum Sieg über das Alternativmedium, der HD-DVD, auch wenn man sich in Fachkreisen immer noch nicht sicher ist, welches Medium das wirklich bessere war… Dabei war der Erfolg der Konsole war zu Beginn fast nicht denkbar, denn die PS3 kam zum stolzen Preis von knapp 600€ in den europäischen Einzelhandel und hatte daher einen recht holprigen Start gerade im Vergleich zum ihrem stärksten Konkurrenten, der Xbox 360 von Microsoft, die nicht nur um einiges früher (Ende November 2005 in Nordamerika, Anfang Dezember 2005 in Europa), sondern für einen Bruchteil des Preises der PS3, je nach Modell für 300-400€ zu haben war. Erst im Verlauf der Zeit gab es mehrere signifikante Preisreduktionen, weswegen ein Großteil der PS3-Spieler, wie ich selbst auch, erst später zur PS3 wechselten. Ich habe mir meine PS3 erst im Laufe von 2008 gelauft, als es ein Angebot gab, wo man zur Konsole neben einem zweiten Controller auch die Blu Ray-Fernbedienung und eine Auswahl an Blu Ray-Filmen dazu bekommen hatte und die Spiele auch schon rapide im Preis gefallen waren und ich so „Devil May Cry 4“ und „Uncharted: Drake’s Schicksal“ für jeweils unter 20€ mitnehmen konnte.

Mit der Konsole wurden auch einige Implementierungen vorgenommen, die sich heute zum Standard gemausert haben. So zum Beispiel die Internetanbindung, die neben Firmware- auch Software-Updates für die Konsole und Spiele bereitstellt. So konnte Sony auch einen Anfangsfehler beheben, indem sie das Trophäensystem nachträglich implementierten, was am Anfang noch kein Bestandteil war. So hatten die ersten Games, wie auch die beiden, die ich mir initial geholt hatte originär noch keine Trophäen und erhielten den Support erst per Patch, nachdem das System implementiert war. Weiter erhält man durch die Onlineanbindung auch den Zugriff auf virtuelle Marktplätze, wie das PlayStation Network (PSN), wo man viele unterschiedliche Inhalte bekommt, die teilweise kostenlos und teilweise kostenpflichtig sind. Sowas kannte man vorher nicht von einer Konsole, denn neben Demos von aktuellen Spielen, die man vorher manchmal lediglich als Zeitschriftenbeilage oder Promoartikel auf Messen bekam, bietet das PSN auch komplette Spiele, die teilweise nur in digitaler Form erhältlich sind, das Spielerlebnis erweiternde Zusatzinhalte zu Spielen (Charaktere, Level, etc.) und sogar Filme. Da in diesen Markplätzen mit echtem Geld bezahlt wird gab es neben den im Handel erhältlichen Guthabenkarten auch die Möglichkeit anderer Zahlungsmethoden, wie Kreditkartenzahlen, was zu einem der größten „Aufreger“ der PS3-Ära führte: Denn in 2011 wurden Zugangs- und Zahlungsdaten von knapp 77 Millionen PSN-Konten weltweit gestohlen. Dieser Zwischenfall hatte zur Folge, dass das Network über zwei Wochen komplett offline war, intensiv gewartet wurde und die Nutzer angehalten wurden neben der Änderung Ihrer Zugangsdaten auch ihre Kreditkartenabrechnungen genau zu überprüfen. Als Entschädigung bekam jeder registrierte Benutzer zwei Gratisspiele als Download geschenkt, was natürlich nur ein schwacher Trost ist, wenn die eigenen Daten in die falsche Hände gelangt sind. So unschön dieser Zwischenfall auch sein mag, er hat dennoch zu keiner merkbaren Einbuße der Popularität der PS3 oder einem Rückgang der Online-Features geführt. Denn die Mitgliederzahlen in Sony’s 1 Jahr zuvor ins Leben gerufenen Aboservice stiegen dennoch kontinuierlich weiter an, obwohl es gerade im Vergleich zu heute weniger Argumente gibt das Abo überhaupt abzuschließen, denn zu Zeiten der PS3 konnte man noch komplett gratis online spielen und brauchte dafür kein PlayStation Plus-Abo und hob sich so vom stärksten Konkurrenten, der Xbox ab und glich sich erst mit der nächsten Generation wieder an, denn heute ist es sowohl auf der PS4, der Xbox One und auch der Nintendo Switch nicht mehr kostenfrei Online zu spielen und jegliche Online-Komponenten sind hinter der Paywall eines Abos verschlossen. Zum Launch des Service gab es kaum Argumente ihn abzuschließen, da nur wenige Benefits in Form von exklusiven Avataren, dem ein oder anderen Rabatt oder auch mal ein Gratisspiel bekam, was eh niemand kaufte. Das änderte sich erst 2012, als Sony’s die PlayStation Plus-Spiele als Instant Game Collection ins Leben rief und jeder Abonnent pro Monat mehrere Gratisspiele zum Download erhielt, ein Service der für die Konsole erst dieses Jahr eingestellt wurde. Allein mit den Gratisspielen, die ich durch das Abo noch (ungespielt) auf Halde habe könnte ich wahrscheinlich mehrere Jahre von zehren…

Doch auch darüber hinaus gibt es auch weitere Gründe, warum man die PS3 jetzt nicht sofort zum alten Eisen legen sollte, die euch nun auch noch kurz beleuchten möchte. Ich besitze bereits seit Jahren 2 Modelle der Konsole, wobei eins im Gaming-Room zum Spielen steht und die zweite im Wohnzimmer als Mediacenter, denn die Konsole ist immer noch einer der leistungsfähigsten Medienplayer, die es gibt. Und zusätzlich sind gut erhaltene Modelle auf Ebay und Co. überaus günstig zu haben, da die Leute sie anscheinend, zu Unrecht, wie ich finde, unbedingt loswerden wollen. Die Konsole unterstützt selbst mit offiziellen Software eine Vielzahl von Mediaanwendungen, wie Blu Ray, 3D-Blu Ray, Apps wie Twitch, Amazon Prime Video, Sky Ticket oder Netflix oder auch eine Vielzahl von Mediaformaten. Zugebenermaßen hat das auch seine Grenzen, denn das immer verbreitere MKV-Format wird out-of-the-Box nicht unterstützt. Doch mit einer Custom-Firmware, die es auch im Netz gibt kann man sogar noch einiges mehr damit anstellen… Lediglich 4K kann die Konsole nicht, wobei man in den meisten Fällen eh kaum einen Unterschied erkennt. Auch für Gamer hat sie noch einiges zu bieten, wenn man auf die aktuellsten Blockbuster verzichten kann, die es eben nur auf die PS4 gibt. Doch der riesige Backkatalog der PS3 bietet noch viele, teilweise zu Unrecht vergessene Schätze, die man zu Spottpreisen bekommen kann. Und bei dem Unterschied zwischen PS3 zu PS4 sprechen wir in den meisten Fällen von einem wirklich kleinen Unterschied und so sieht zum Beispiel ein „Assassin’s Creed 4: Black Flag“, „Battlefield 4“ oder auch „GTA V“ auch auf der alten Generation einfach super aus und ist für einen Bruchteil des Preises zu bekommen. Und andere Spiele, wie viele Spiele im PSN, wie die frühen Telltale-Spiele der pre-Walking Dead-Ära sind eben nur auf der PS3 zu bekommen. Auch an zurätzlicher Peripherie und Partyspielen hat die PS3 noch einiges in Petto und so gibt es neben einer Kamera, die auch für Move verwendet wird (wobei es sich übrigens um die gleichen Controller handelt, die auch für PSVR verwendet werden), gibt es diverse Wondbook-Spiele, unzählige Guitar Heros, Buzzer für die Buzz-Spiele, gefühlte 100 Singstar-Edition, um nur ein paar zu nennen. Man sollte die Konsole also keinesfalls zu schnell abschreiben…

Insgesamt kann man auch heute mit der Konsole noch eine ganze Menge anfangen und sollte sie nicht voreilig zu Ramschpreisen verkaufen, wenn man sie momentan nicht mehr verwenden möchte. Ich habe sogar überlegt mir noch eine weitere PS3 (eventuell zusammen mit ein paar Spielen, die mir noch fehlen) zuzulegen, damit ich eine als Ersatz habe, denn es gibt immer noch so viel zu erleben auf der „alten“ PlayStation. Aber wie verhält sich das bei euch. Habt ihr euch immer noch Gefallen an der PS3 oder wollt ihr damit nichts mehr zu tun haben? Lasst es mich ruhig in den Kommentaren wissen.

NB@24.06.2019

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

 

 

 

 

 

 

 

 

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