Habt ihr die Vorschau zum neuen Contra gesehen? – Dann lasst es besser auch, denn man konnte beim Reveal von „Contra: Rogue Corps“ auf der diesjährigen E3 förmlich ein Woge der Enttäuschung durch ein kollektives Raunen im Saal wahrnehmen. Das hat meiner Meinung nach nicht mehr viel mit der Marke zu tun und entfernt sich zu weit davon. Bei Konami glaubt man wohl, dass die Marke in ihrer Reinform nicht mehr genug Zugkraft besitzen würde oder sich nicht mehr verkauft, doch die Realität könnte nicht weiter von dieser Aussage entfernt sein, wenn man sich das Spiel „Blazing Chrome“, eine Contra-Hommage entwickelt von JoyMasher und herausgebracht von The Arcade Crew mal genauer ansieht. Ich habe dazu von Cosmocover, der Presseagentur, die unter anderem The Arcade Crew betreut, dankenswerterweise einen Code für die PS4 bekommen, um mir das Spiel genau anzusehen. Selbstverständlich hat das keinerlei Auswirkungen auf meinen Bericht.

 

Das Spiel ist im Jahr 21XX, einer Zeit wo die dystopische Zukunft aus „The Terminator“ und anderen Science-Fiction-Filmen Realität geworden zu sein scheint, denn die Maschinen haben die Oberhand gewonnen. Viele Menschen haben in erbitterten Kriegen ihr Leben gelassen und nun ist es an einem Zweierteam von Elitesoldaten einen letzten Kampf gegen die „Toaster“ zu führen… Passend zum bewusst trashigen, klischeebehafteten Setting und Old-School-Appeal hat man auch einen wirklich schicken Live-Action-Trailer passend in VHS-Qualität auf die Beine gestellt, den ich euch hier verlinke:

Die zwei Charaktere, die uns initial zur Verfügung stehen, sind Marva, eine Elitesoldatin und Doyle, ein umprogrammierter Roboter, der nun auf der Seite der Menschen kämpft. Dabei sind die Unterschiede zwischen den Beiden allerdings rein optischer Natur, denn beide haben die gleichen Fähigkeiten und steuern sich absolut identisch. Erst durch das erfolgreiche Durchspielen können wir weitere Charaktere freischalten, deren Stats und Fähigkeiten sich unterscheiden.

 

Gleich zum Beginn des Spieles stehen uns nach der Charakter- und Schwierigkeitsauswahl, die sich allerdings nur durch die Anzahl der verfügbaren Leben und die Häufigkeit von Powerups unterscheidet, die Auswahl aus vier unterschiedlichen Levels zur Verfügung, die jeweils mit einem eigenen Setting, eigenen Gegnern und teilweise mehreren unterschiedlichen Bossen aufwarten. Darüber hinaus gibt es neben diesen vier Levels noch zwei weitere, die aber erst freigeschaltet werden, wenn man die ersten vier abgeschlossen hat.

 

Das Spiel präsentiert sich dabei, analog der eindeutigen Inspiration bei Contra, aber auch anderen Run-and-Gun-Spielen, wie der Metal Slug-Serie von SNK, als 2D-Sidescroller in der man sich in der Regel von links nach rechts durch ein Level bewegt, auf dem Weg Gegner aus dem Weg räumt um am Ende einen Boss besiegt. Dabei sind die Level jeweils in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt und warten auch mit Zwischenbossen auf. Das ist aber einfacher gesagt, als getan, denn die Level sind nicht gerade als leicht zu bezeichnen. Zwar wird das Spiel zusammen mit einem weiteren Mitspieler etwas leichter, da die Anzahl der Gegner sich nicht erhöht, doch gerade durch die allgemeine Anzahl der Gegner und Projektile auf dem Bildschirm kann das Spielgeschehen in Bullet Hell-Gefilde ausarten. Und da wir ohne Powerups mit einem Treffer bereits das zeitliche segnen, sollte man nicht nur die Steuerung gut verinnerlicht haben und braucht obendrein für einige Passagen wirklich blitzschnelle Reflexe. Mit den Powerups, die je nach Schwierigkeitsgrad schon fast inflationär verteilt werden, sieht das dann schon wieder anders aus, denn neben alternativen Waffen, die wir mittels Schultertasten umgeschaltet werden können, gibt es Schutzschilde und kleine Roboter, die als Doppelschuss fungieren. Beim Ableben verliert man zwar einen Großteil der Powerups, doch zum Zeitpunkt des Todes nicht aktive Waffen bleiben im Inventar erhalten, was man sich durchaus zu Nutze machen kann, indem man die besten Waffen zum Beispiel bis zum Bosskampf „aufspart“…

 

Grafisch ist das Spiel in liebevoller Pixelgrafik gestaltet, die auch optisch sehr mit den Spielen, die als Vorlage fungiert haben, angelegt ist. Die meiste optische Inspiration stammt dabei von Metal Slug, was schon bei der Größe der Sprites, Detailgrad aber auch den Wechsel zu alternativen Spielmechaniken, wie dem Wechsel vom Laufen zum Einsatz von Mechs, Fahrzeugen und geskripteten Actionsetpieces aufwartet. Besonders diese lockern das Spielprinzip auf, wenn wir beispielsweise an einem Helikopter hängend gegen Gegnerhorden kämpfen oder in bester Battletoads-Manier mit einem Speederbike durch die Levels rasen. Ebenso erwähnenswert ist der Soundtrack, der ebenfalls einen starken Retro-Vibe und zweifellos Einfluss von Science-Fiction-Filmen aus den ausgehenden 80ern, wie unter anderem dem grandiosen John Carpenter-Werk „Die Klapperschlange“ zieht. Die sphärischen Töne werden mit technoiden Chiptunes und gelegentlichen Sprachsamples gepaart und erzeugen einen wirklich tollen Soundtrack.

 

Insgesamt hatte ich mit dem Spiel eine Menge Spaß. Gerade zusammen mit einem weiteren menschlichen Mitspieler macht das Spiel eine Menge Spaß, zumal es immer seltener wird das Spiele die klassische Form des Multiplayer, den Couch-Co-Op unterstützen. Wer dem klassischen Run-and-Gun etwas abgewinnen kann hat in dieser liebevollen Hommage an der Actionspiele à la Contra und Metal Slug einen absoluten Pflichttitel gefunden. Einzig beim Umfang hätte meiner Meinung nach etwas mehr drin sein können, da die sechs Level für geübte Spieler, trotz des immensen Schwierigkeitsgrad, doch etwas kurz sind. Auch wenn man am Anfang wahrscheinlich in keinem Level überhaupt zum Boss kommen wird, lassen sich die Levels mit etwas Übung recht schnell meistern. Einen neuen Twist bekommen diese zwar dann nochmal mit den neuen Charakteren mit alternativen Angriffstechniken, doch ein paar mehr Level wären dennoch schön gewesen. Doch gerade in der hohen Qualität des Spiels an sich ist das schon Jammern auf ganz hohem Niveau.

NB@18.07.2019

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