Auch wenn „Mario Kart“ die Funracer-Gemeinde dominiert gibt es dennoch auch einige andere Vertreter der Gattung, die sich gegen den Platzhirsch durchaus behaupten können und unter Umständen auch weniger verbraucht sind. So zum Beispiel die Crash Team Racing-Reihe, die erstmals 1999 auf der PS1 erschien. Zum 20-Jähirgen Jubiläum in nun eine komplett überarbeitete und umfassend erweiterte Version des Racers erschienen, die Mario eindeutig zeigen möchte, wer hier die Hosen anhat.

Die Neuauflage heißt „Crash Team Racing Nitro-Fueled“ und beinhaltet neben den Inhalten aus dem Originalspiel, die komplett überarbeitet wurden auch einige Erweiterungen aus den Nachfolgern. Das Spiel wurde von Beenox im Auftrag des momentanen Rechteinhabers und Publishers Activision entwickelt und ist neben der PS4 auch auf der Xbox One und der Nintendo Swtich erhältlich. Entgegen anderer Remasters, wo lediglich die Grafik hochskalliert wurde, wurde hier ähnlich wie bei der „Crash Bandicoot – N-Sane Trilogy“ oder der „Spyro – Reignited Trilogy“ lediglich das Grundgerüst als Vorlage genommen, aber darum ein komplett neues Spiel mit eigener Engine und Grafiken entwickelt. Und ebenso wie bei den vorher-erwähnten kann sich das Ergebnis wirklich mehr als sehen lassen, denn das Endergebnis ist einfach mehr als schön anzusehen. Gerade im Vergleich zu Mario setzt das Spiel nochmal eine Schippe drauf und wartet neben interessanten und verspielten Animationen auch mit einer stabilen Framerate, auch wenn diese auf 30 fps gelockt ist, und auch Langzeitmotivation für Solo-Spieler auf. – Entgegen zu Mario gibt es nämlich einen ausgewachsenen Storymodus, den Adventure-Modus, wo wir durch unterschiedliche Welten geführt werden, nach und nach neue Rennstrecken und Herausforderungen freischalten und auch am Ende einer jeden Welt einen Boss besiegen müssen. Das motiviert ungemein, wenn man alleine spielt. Das soll natürlich auch nicht sagen, dass das Spiel nur Solo Spaß macht, denn einen Multiplayer (Local und Online) gibt es natürlich auch…

Die Story ist dabei zwar recht rudimentär gehalten, bietet aber genug Rechtfertigung für uns zum Spielen. Denn ein Außerirdischer namens Nitros Oxide fordert den besten Rennfahrer der Erde heraus um das Schicksal der Welt in einem Rennen anzutreten. Da aber die Charaktere selbst nicht sicher sind, wer eigentlich der beste Fahrer ist entbrennt eine massive Rennveranstaltung, die sich über mehrere Welten erstreckt, um herauszufinden, wer am Ende gegen Nitros antritt. Dazu werden wir in eine Hub-Welt entlassen und können in (meist) selbst ausgewählter Reihenfolge unterschiedliche Rennen und Herausfordeurngen (Time Trial, Capture the Relic, etc.) absolvieren. Für gewonnene Rennen und Herausforderungen bekommen wir Schlüssel, Juwele und Fahrzeuganpassungen. Haben wir genug Schlüssel verdient können wir uns dem Boss des Gebietes stellen, der uns den Weg in das nächste Gebiet versperrt, was vom Spielprinzip sehr an „Diddy Kong Racing“ erinnert. – Doch bevor es mit dem Spiel überhaupt losgehen kann muss es erstmal gestartet werden, was uns zu einem der in meinen Augen größten Ärgernissen führt: Den Ladezeiten. Müssen wir beim ersten Start sogar eine 42-Seitige Lizenzvereinbarung und eine 28-Seitige Vereinbarung zum Datenschutz Seite per Seite durchklicken und am Ende bestätigen, was eine gefühlte Ewigkeit dauert, wenn man doch nur mal in das Spiel reinschauen möchte. Jedoch wird es auch danach nicht wirklich besser, denn vor und nach jedem Rennen gibt es Ladepausen von 30-40 Sekunden, was zwar erst einmal nicht so lang erscheint, doch sich wie eine halbe Ewigkeit anfühlen kann, wenn man spielen möchte. Und diese tritt sogar auf, wenn man eine Strecke neu startet. Hier sollte dringend nachgebessert werden, damit die Ladezeiten auf ein erträgliches Niveau heruntergeschraubt werden können.

Im Spiel selbst gibt es dann insgesamt 31 unterschiedliche Strecken, die zwar generische Racer-Areale, wie Strand, Eiswelt, Unterwasser oder Feuerwelt abdecken, aber dennoch genug Abwechslungreichtum mit sich bringen, damit es dennoch spannend bleibt. Dabei handelt es sich bei den Strecken um alle Strecken aus dem Originalspiel „Crash Team Racing“ und die aus dem populären Nachfolger „Crash Nitro Kart“. Die strecken wurden inhaltlich 1:1 übernommen und nur durch kleinere Anpassungen optimiert. Hier glänzen besonders die unterschiedlichen Areale, die sich im Handling unterscheiden. So verhalten sich die Fahrzeuge je nach Strecke anders und jede Welt wartet mit ihren eigenen Überraschungen, wie riesigen fleischfressenden Pflanzen oder die Strecke kreuzende Hindernisse auf. Zum Spielen stehen out-of-the-Box 26 unterschiedliche Fahrer aus dem Crash-Universum zur Verfügung, von denen wir allerdings viele erst freischalten müssen. Ebenso müssen wir Anpassungsgegenstände für unseren Kart freischalten, wenn wir im zum Beispiel ein paar neue Reifen oder einen feschen Sticker auf der Motorhaube verpassen wollen, was allerdings rein kosmetischer Natur ist. Im Gegensatz zu „Mario Kart 8 Deluxe“ können wir die Werte unseres Karts durch Anpassungen nicht verbessern und diese sind von Haus aus alle gleich. Anders verhält es sich aber bei CTR mit den Fahrern, wo diese bei Mario keinen wirklichen Unterschied machen so wirken sich diese hier auf die allgemeinen Fahreigenschaften, Beschleunigung, Kurvenverhalten, etc. aus und man sollte daher immer genau überlegen mit welchem Fahrer man ins Rennen geht, denn die Auswahl kann hier durchaus einen Unterschied machen.

In den Rennen ist man in bester Fun-Racermanier unterwegs und wir treten immer gegen eine Gruppe von CPU-Gegnern an, damit es auch spannend bleibt. Hier gestalten sich die Rennen schon zum Beginn des Spieles überraschend anspruchsvoll. Kein Vergleich zu den Computergegnern von Mario Kart, denn hier kann jeder kleine Fahrfehler bereits über Gewinn und Niederlage entscheiden. Zwar können wir auch, wie für das Genre übrig, mit zufällig aufsammelbaren Items auf der Strecke (Bomben, Booster, etc.) ein wenig nachhelfen, doch wer seinen Karte nicht 100% unter Kontrolle hat, hat schwere Karten. Hier sollte man, gerade zu Beginn, unbedingt mal mehrere Charaktere ausprobieren, bis man einen Charakter gefunden hat, der am besten zum einzelnen Spielstil passt. Ich habe persönlich die bestern Erfahrungen mit Tiny Tiger und Crash Bandicoot gemacht. Zusätzlich sollte man gleich zu Beginn versuchen die anfangs etwas fummelige Drift-Mechanik zu verinnerlichen, die besonders für spätere Strecken vorausgesetzt wird und lediglich anhand von Textfenstern kurz erwähnt wird. Dazu aktivieren wird per Schultertaste einen Drift und laden während wir driften einen Boost-Meter auf. Drücken wir dann im richtigen Zeitpunkt die zweite Schultertaste wird aus dem Drift ein Turboboost, was uns einen immensen Vorteil verschafft.

Von der technischen Seite gibt es nichts zu meckern. Ganz im Gegenteil, sowohl die Grafik, wie auch der Sound sind einfach auf allerhöchsten Niveau. Hier kam eindeutig zu Gute, dass man bereits einiges an Erfahrung mit den Crash-Charakteren durch die überarbeitete Trilogie hatte und man einiges übernehmen konnte. Besonders die Detailverliebtheit ist einfach atemberaubend, denn wenn wir bespielsweise die Rückkamera aktivieren, um während dem Rennen zu sehen was hinter uns los ist, so zieht Crash gerne mal eine Fratze in die Kamera, was zwar keinerlei wirklichen Zweck erfüllt, aber ein wirklich tolles Detail darstellt.

Insgesamt bin ich mit dem Spiel wirklich zufrieden. Es macht auch Solo viel Spaß, wenn man die initiale Lernkurve überwunden hat. Denn insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad und damit das Können und die Agressivität der anderen Gegner um einiges höher, als beim Genre-Primus Mario Kart. Aber vielleicht ist das Spiel gerade deswegen auch wirklich gut geworden und weiß auch nach zig Stunden Spielzeit immer noch zu begeistern. Jeder der CTR bisher noch nicht kennt sollte es sich in dieser liebevollen Neuauflage auf keinen Fall entgehen lassen.

NB@29.07.2019

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Disclaimer: Die verwendeten Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright am dargestellten Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.