Ich mag die Spyro-Serie wirklich, muss aber zugeben, dass diese frühe 3D-Grafik nicht wirklich gut gealtert ist. Das sehen anscheinend auch andere Menschen so und haben deswegen diesen Klassikern mit einem Remaster neues Feuer einzuhauchen. So ist nach einigen Verschiebungen kurz vor Ende des Jahres, am 13. November ein kleines, aber feines Päckchen mit der ursprünglichen Trilogie, also den ersten drei Teilen der Reihe geschnürt, die von der Pike auf komplett neu gebaut wurden, ähnlich wie es bereits mit dem Remaster von Crash Bandicoot der Fall war. Auch wenn die ursprünglichen Spiele von Insomniac Games, die unter anderem auch für die Ratchet & Clank-Reihe, die Resistance-Reihe oder den aktuellen Open-World-Blockbuster „Marvel’s Spider-Man“ verantwortlich sind, hat das Studio mit dem Remaster diesmal nichts zu tun, sondern das wurde vom Publisher Activision an den bisher recht unbekannten Entwickler Toys for Bob weitergegeben, die alle drei Spiele mit sehr viel Liebe zum Detail in ein modernes Gewand gepackt haben. Ob dieser Transfer geglückt ist, oder wie im Fall einiger liebloser Neuauflagen nach hinten los geht, werden wir uns genauer anschauen, auch wenn einige Leser die Antwort auf diese Frage wahrscheinlich schon kennen, da der Titel bereits in meinem Special über die „Tops & Flops des Jahres 2018“ eine Erwähnung fand…

Aber was ist die Spyro-Trilogie eigentlich Remaster oder Remake? – Es ist irgendwas zwischendrin, denn zwar wurden die Spiele komplett neu gebaut, sind aber 1:1 das gleiche Spiel bis zur hin den Gegner- und Sammelobjektpositionierungen, was normalerweise bei Remakes nicht der Fall ist. Ein Remake per se nimmt die Idee und bedient sich dann einzelner Elemente, versucht aber dennoch eigene Pfade zu bestreiten. Für mich ist es daher eher ein Remaster, aber eins wo nicht nur die vorhandene Grafik aufgeblasen wurde, damit die groben Pixel in HD ausgegeben werden, sondern eins, dass sich wirklich auch von der technischen Seite sehen lassen kann. Im Paket sind die Spiele „Spyro the Dragon“, „Spyro 2: Ripto’s Rage“ und „Spyro: Year of the Dragon“ enthalten, die sich gemeinsam auf einer Disk befinden. Startet man das Spiel kann man im Hauptmenü auswählen welches Spiel der Reihe man spielen möchte. Für jedes Spiel wird dann eine eigene Trophäenliste angelegt, die sogar jeweils eine Platin-Trophäe enthält, was Trophäenjäger freuen sollte. Hier bekommt man für sein Geld nämlich einiges für die Trophäenliste…

In allen drei Spielen übernehmen wir die Rolle des titelgebenden Spyro, eines kleinen Drachen, der von den größeren Drachen auf Grund seiner Größe nicht so richtig für voll genommen wird. Doch gerade die fehlende Größe sorgt dafür, dass unser kleiner Drache sich ohne sein direktes Zutun zum Held mausern muss, wenn alle großen Drachen im ersten Teil der Reihe vom Bösewicht Gnasty Gnorc in Stein verwandelt werden und die 6 Welten des Spiels darauf von dessen Armee überrannt werden und nur der kleine Spyro übrig ist diesem Treiben Einhalt gebieten zu können… Der Spielablauf ist dabei immer identisch: Wir betreten eine Welt, die als Hub fungiert und die jeweils eine unterschiedliche Anzahl von Levels bereithält, die wir in beliebiger Reihenfolge bestreiten können. Wir steuern den kleinen Drachen aus der 3rd-Person-Ansicht in bester 3D-Plattformer à la „Sly Raccoon“, „Ratchet & Clank“ und Konsorten und haben neben Feuerspucken, Springen, Gleiten auch Rammen als Fähigkeit im Repertoire, um uns den Gegnern zur Wehr zu setzen. Und das Spiel an sich, wie auch die einzelnen Levels führen uns schrittweise an unterschiedliche Mechaniken, Gegnertypen und Rätzeleinlagen heran, was dafür sorgt, dass das Spiel auch nach einigen Stunden nicht langweilig wird. Die Levels an sich sind dann unterschiedlich-große 3D-Areale in denen wir versteinerte Drachen befreien, Gegner besiegen und gestohlene Edelsteine zurückholen müssen, ein Konzept was auch die Nachfolger an sich beibehalten, wobei dort für Spyro noch weitere Fähigkeiten, alternative Mechaniken und sogar weitere spielbare Charaktere dazukommen.

Auch wenn das Spiel auf Grund seiner Optik in erster Linie Kinder ansprechen sollte, hat sich damals auch unter Älteren schnell herumgesprochen wie gut und qualitativ hochwertig die Spiele wirklich sind, was die ursprüngliche Zielgruppe massiv erweitert hat und dafür sorgte, dass der kleine Drache schnell zu einem der inoffiziellen Maskottchen der ersten PlayStation gemausert hat. Warum auf der PlayStation? – Das liegt einfach daran, dass die ursprüngliche Trilogie damals noch von Sony gepublished wurde und folglich auch nur auf der PS1 erhältlich war. Heute ist das etwas anders und kann man auch abseits der PS4, für die das Spiel natürlich auch erschienen ist, auch auf der Xbox One mit Spyro in Nostalgie schwelgen. Ich habe mir die PS4-Version genauer angesehen, die aber inhaltsgleich zur Xbox One-Version ist.

Da die Spiele zwar von der Geschichte her eher lose zusammenhängen, aber die Mechaniken von Spiel zu Spiel erweitert werden und jeweils die Neuerungen des Vorgängers implementieren, empfiehlt es sich die Spiele in der richtigen Reihenfolge zu spielen, da man sonst gerade im ersten Teil einige der späteren Fähigkeiten zu sehr vermisst, was unter Umständen auch zu den ein oder anderen unfreiwilligen Ableben führen kann und darauf sollte man doch besser verzichten, denn nach heutigen Standards ist das Spiel gefühlt etwas schwerer als heutige Veröffentlichungen, wenn auch nicht so schwer, wie es in den Medien manchmal gemacht wird. Ich habe ungelogen ein kam Kommentare im Netz gelesen, bei denen der Schwierigkeitsgrad mit der Dark Souls–Reihe verglichen wurde, was vollkommen überzogen ist. Klar gibt es die ein oder andere knifflige Plattformer-Passage und auch ein paar ziemlich fiese Gegner, aber nichts, was sich nicht meistern lässt, zumal das Spiel meiner Empfindung nach auch recht freigiebig mit der Vergabe von zusätzlichen Leben ist. Und zur Not gibt sind auch die Cheatcodes aus dem Original, die ebenfalls im Remaster funktionieren.

Diese Liebe zum Detail, wie das Implementieren der Cheat-Codes zieht sich durch die komplette Veröffentlichung, denn ähnlich wie der Neuauflage von „Rachet & Clank“ von 2016 hat man hier die Stärken des Spiels erkannt und das gleiche Spiel in einem modernen Gewand abgeliefert. Dabei sieht die bunte Comicgrafik einfach nur toll aus und überzeugt durch tolle Licht- und Schatteneffekte. Gleiches trifft auch auf die Charaktere zu von denen jeder unzählige unterschiedliche Animationen besitzt. Damit alle drei Spiele konsistent sind wurden sie komplett neu vertont, was sowohl die Sprecher für die Dialoge, wie auch eine wunderschöne und stimmungsvolle musikalische Untermalung betrifft. Wenn man es nicht besser wüsste kommt man zu keiner Zeit auf die Idee, dass es sich im Grunde nicht um ein aktuelles Spiel handelt, sondern um eine Reihe von denen das erste bereits 20 Jahre auf dem Buckel hat, so frisch wirkt das spaßige Abenteuer auch heute noch. Und durch moderne Steuerung und ein entsprechend gutes technisches Grundgerüst läuft das Spiel sogar flüssiger als das Original und lässt sich meiner Meinung nach auch besser steuern. Es gibt zwar dennoch etliche Momente, wo ich einen Sprung verpasst habe und unfreiwillig in einem Abgrund landete, aber der Frustfaktor hält sich sehr viel mehr im Rahmen, denn die bessere Grafik macht es leichter Plattformen zu identifizieren, auf denen man landen kann.

Ich finde diese Neuauflagen von Klassikern wirklich toll und man bekommt eine Menge für sein Geld, da drei komplette Spiele enthalten sind und diese Sammlung dennoch direkt zum Release zum Budgetpreis von unter 40€ in den Läden stand. Diese liebevolle Umsetzung ist wahrscheinlich der beste Weg diese Klassiker wieder zu erleben oder gar für das erste Mal zu erleben, denn machen wir uns nichts vor, die Originalspiele auf der PS1 spielt heute auf Grund der sehr schlecht-gealterten Grafik und teilweise sehr ungenauen Steuerung wahrscheinlich niemand mehr. Besonders nicht wenn es so ein tolles Remaster gibt, das ich deswegen auch auf Platz 10 meiner Top-Spiele des Jahres 2018 gepackt habe.

NB@17.01.2019