„Stranger Things“ ist momentan ein Phänomen, wie es bis zum Release der letzten Staffel auch noch „Game of Thrones“ war. Sie ist momentan mit dem Release der dritten Staffel am 04.07. diesen Jahres in aller Munde. Die Serie hat es einfach geschafft mit ihrer Kombination von liebenswerten Charakteren, interessanten Geschichte und viel 80er-Jahre-Nostalgie einen Nerv zu treffen. Und Netflix hat es sich daher auch nicht nehmen lassen ein Retro-angehauchtes Videospiel auf PC, Xbox One, PS4, Nintendo Switch und weiteren Plattformen zu veröffentlichen.

Das Spiel „Stranger Things 3: The Game“ wurde von BonusXP entwickelt und von Netflix als Publisher zeitgleich mit der Serienstaffel am 04.07. veröffentlicht. Der Titel als suggeriert es schon, dass das Spiel die gleiche Handlung, wie die Serie abdeckt und das sollte auch gleichzeitig eine Warnung sein, denn wer die dritte Staffel noch nicht gesehen hat wird durch das Spiel immens gespoilert, denn die komplette Handlung bis hin zu vielen Dialogen sind absolut identisch. Das trifft zwar logischerweise auch im Umkehrschluss zu, doch hier ist es weniger gravierend, da es genug Variationen gibt, um das Spiel mit Nebenhandlungen, Rätzeln, etc. von der Serie abzuheben.

Optisch unterscheiden sich die beiden Medien natürlich gewaltig, denn das Spiel präsentiert sich in einer Grafik, die man eher auf einem Sega Mega Drive oder Super Nintendo, anstatt auf modernen Plattformen vermuten würde. Hier wird der Retro-Touch der Serie gekonnt aufgegriffen und in einem isometrisch-ausgerichteten Action-RPG mit liebevoller Pixelart umgesetzt. Dabei sind sowohl die Charaktermodelle, wie auch die Areale detailreich umgesetzt und zeigen uns Hawkins und seine Bereiche, die man bereits aus der Serie kennt zusammenhängen und mit der Retrobrille aussehen…

Das Spielprinzip ist dabei ebenfalls klassischen Games entliehen. Wenn mich die Optik ausgehend von den weitläufigen Arealen, der Ansicht bis hin zur Animation der Charaktersprites noch an „Zombies (ate my Neighbors)“ erinnert, so ist das Spielprinzip eine Mischung aus Brawler-Kämpfen gepaart mit Adventure-Elementen. Die Kämpfe laufen dabei immer gleich ab: Wir kommen in einen Bereich mit Gegnern und es geht in den meisten Fällen erst weiter, wenn wir diese aus dem Weg geräumt haben. In manchen Fällen können die Gegner zwar auch umgehen und können weiter ohne diese aus dem Weg zu räumen, aber da die Gegner beim Ableben begehrtes Loot fallen lassen ist man besser beraten sie zu bekämpfen. Dabei sind wir immer mit zwei Charakteren, die wir frei aus einem Raster von insgesamt 12 Charakteren wählen können unterwegs. Voraussetzung ist natürlich, dass wir die Charaktere bereits freigeschaltet haben, was durch den Storyfortschritt und das Erledigen von Quests passiert. So sind wir am Anfang nur mit Mike und Lucas unterwegs und haben am Ende Zugriff auf die komplette Gang, sowie auch Joyce, Hopper, Steve und weitere. Dabei hat jeder Charakter seine eigenen Fähigkeiten, Attacken und Vor- und Nachteile. So ist Hopper zum Beispiel sehr stark, bietet aber auf Grund seiner Größe mehr Angriffsfläche und kann zudem nur im Nahkampf eingesetzt werden. Will zum anderen ist eher zierlich und hat eine Attacke für den Fernkampf. Es empfiehlt sich also für jede Situation den entsprechenden Charakter auszuwählen und auch durchaus mal zwischen den Charakteren zu wechseln. Wenn wir alleine spielen wird der zweite Charakter vom CPU gesteuert, woran ich persönlich nichts auszusetzen habe. Der CPU agiert größtenteils gut und alles was er aufsammelt wird automatisch unserem Inventar hinzugefügt.

Neben den Brawler-Elementen sind wir damit beschäftigt die Welt zu erkunden, Quests zu erfüllen und Rätzel zu lösen. Die Quests untereilen sich dabei in Haupt- und Nebenquests, wobei es sich bei den Nebenquests um optionale Erweiterungen der Story handelt und die Hauptquests die übergreifende Geschichte vorantreiben. Wir können jederzeit wählen welches Quest wir verfolgen und so ändern sich dann auch in der Bildschirmecke eingeblendete Missionsziele und Objektmarker. Ein vorherrschendes Element sind Rätzel im Spiel, die von simplen Schalter- und Hebel-Rätzeln bis hin zu komplexen Labyrinthen reichen. Ebenso vorherrschend ist Backtracking in einem gewissen Maße, denn wir kommen immer wieder an Absperrungen durch die wir nur mit einem bestimmten Charakter kommen, was schon fast Metroidvania-Züge hat. So besuchen wir teilweise auch bereits abgeschlossene Areale nochmal, um mit den neuen Fähigkeiten in neue Areale vorzudringen.

Grafisch sieht das Spiel wirklich toll aus und wartet trotz seiner reduzierten Pixeloptik mit vielen Details und Referenzen auf. Natürlich erkennt man auch als Laie, dass gerade beim Leveldesign immer die gleichen Assets wiederverwendet wurden, doch das stört mich persönlich gar nicht, denn anders haben es die Spiele der 8- und 16-Bit-Zeit auch nicht gemacht. Man sollte sich aber daher nicht wundern, wenn man x-Mal das gleiche Auto sieht, gleiche Charaktermodelle oder sonstige Dekoration. Soundtechnisch hat man es geschafft die ohnehin sehr tolle Musik aus der Serie in liebevolle Chiptunes umzubauen und auch die verwendeten Soundelemente klingen wirklich gut. Einzig könnte man hier ankreiden, dass es keine Sprachausgabe gibt, sondern alle Texte in schriftlicher Form vorliegen. Das spart logischerweise Kosten und Speicherplatz und passt aber auch wieder zu dem übergreifenden Retro-Thema.

Insgesamt hat mir das Spiel wirklich viel Spaß gemacht und mit einer Spielzeit um die 16 Stunden hat es auch eine ordentliche Länge, besonders im Vergleich mit anderen Lizenztiteln. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn weitere Spiele dieser Art erscheinen, was aber bestimmt spätestens zur nächsten Staffel wieder passieren wird.

NB@09.08.2019

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