Seit dem Release des „Nintendo Classic Mini“ sind die Mini-Neuauflagen von alten Konsolen absolut im Trend. Andere Hersteller ziehen regelmäßig nach und so gibt es seit der „Pionierarbeit“ von Nintendo auch etliche Mini-Konsolen angefangen vom hauseignen „Super Nintendo Classic Mini“, dem „Neo Geo Mini“ von SNK oder auch die bald erscheinenden offiziellen „Sega Mega Drive Mini“, also nicht die angebliche Mini-Variante, von ATGames. Im Rahmen dieser Flut an Mini-Konsolen ist auch RetroBit, ein Hersteller von 3rd Party-Accessoires für klassische Konsolen und Publisher von neuen und klassischen Games, die auf Originalhardware lauffähig sind, mit einer eigenen Mini-Konsole, dem „RetroBit Generations“, an den Start gegangen. – Die meisten haben wahrscheinlich von der Konsole hierzulande noch nie was gehört, doch auch hier ist sie erhältlich und mit einem Preis zwischen 40 und 60 Euro auch recht erschwinglich, wenn man berücksichtig, dass es über 100 Spiele auf den kleinen Kasten geschafft haben. Aber schauen wir uns mal an, ob sich die Investition, gerade im Vergleich zu den anderen Konsolen, lohnt…

Sie kommt in einem schick bedruckten und in weiß gehaltenen Kasten, der nicht mit einem der Hauptkaufargumente geizt: Der Unterstützung von namhaften Entwicklern und Publishern. So findet man sowohl auf der Vorder-, wie auch der Rückseite einen markanten Hinweis, dass Spiele von Capcom, Data East, irem und Jaleco auf der Konsole enthalten sind. Insgesamt befinden sich über 100 Spiele bereits vorinstalliert auf der Konsole, die teilweise aus der Arcade, teilweise vom NES und vom SNES stammen. Zusätzlich finden sich sogar einige Raritäten, wie das mittlerweile von RetroBit auch separat veröffentlichte, aber ursprünglich nur in Japan auf dem Famicom erschienene „Holy Diver“ oder das berühmt-berüchtigte „Noahs Ark 3D“ von Wisdom Tree, das die Engine und das Layout von „Wolfenstein 3D“ in einem Bibelsetting umsetzte, auf der Konsole. Hier ist im Grunde für jeden Geschmack etwas dabei, obgleich man im Vergleich zum NES und SNES logischerweise auf alle Titel verzichten muss an denen Nintendo die Lizenz hält. Auf der Rückseite der Packung findet man eine umfangreiche, wenn auch nicht komplette Liste der Spiele zusammen mit einigen ausgewählten Screenshots. Hier ist die komplette Liste der Spiele, die sich auf der Konsole befinden:

Liste

Im Inneren der Packung befindet sich die Konsole, die von ihren Abmessungen her fast genauso groß ist, wie das „NES Classic Mini“, eine gedruckte englischsprachige Kurzanleitung, ein AV-Kabel, ein HDMI-Kabel, ein Netzstecker und zwei Controller im Mega Drive-6-Button-Design. Die Konsole ist im schwarzen Klavierlack mit roten Akzenten gehalten und sieht an sich recht schick aus. Auf der Vorderseite befinden sich zwei USB-Controller-Ports für die mitgelieferten Controller. Auf der Oberseite ist ein An- und Ausschalter und auf der Rückseite befindet sich ein SD-Kartenslot, der Anschluss für den Netzstecker und Anschlüsse für AV- und HDMI-Kabel. Man kann die Konsole nämlich wahlweise auch an einen alten Fernseher ohne HDMI-Anschlüsse anschließen, wenn man das ultimative Retro-Erlebnis haben möchte.

Hier muss man darauf hinweisen, dass zwar ein Netzkabel beiliegt, dieses aber nur über einen amerikanischen Stecker verfügt. In meinem Paket, was ich im deutschen Versandhandel erworben habe lag komischerweise noch ein Adapter für eine UK-Steckdose bei, der mir in Deutschland natürlich recht wenig gebracht hat. Ich habe mir daher einen Adapterstecker für eine deutsche Steckdose besorgt, den es bereits für wenige Euro gibt. Da die Konsole recht wenig Strom verbraucht selbst die Stromspannung reguliert reicht hier ein simpler Adapter. Ein Spannungswandler ist nicht notwendig, was für mich auch eindeutig den Rahmen gesprengt hätte den ich bereit wäre an Zusatzkosten zu investieren.

Die Controller sind in ihren Abmessungen zwar etwas kleiner als die echten Sega Mega Drive-Controller, liegen aber gut in der Hand und verfügen sowohl über gute Druckpunkte der Buttons und ein gutes D-Pad. Hier merkt man, dass RetroBit einiges an Erfahrung mit Accessoires dieser Art hat, denn auch wenn sich das Plastik an sich etwas billiger anfühlt, als beim Original, so sind es dennoch Controller mit denen man gut spielen kann. Und zusätzlich hat man auch, gerade im Vergleich zu einem der größten Aufreger des „Nintendo Classic Mini“ gleich 2 Controller mit überaus langen Kabeln beigelegt. War man gezwungen bei Nintendo’s Konsole entweder eine Verlängerung für die Controller oder andere Kabel zu finden oder alternativ gefühlte 20 Zentimeter vom Fernseher entfernt zu sitzen, gibt es hier keine derartigen Probleme. Und wer nun meint, dass man dann aber immer aufstehen muss, wenn man ein Spiel verlassen will, dem sei gleich an dieser Stelle gesagt, dass es dafür eine simple Tastenkombination gibt. – Ein manuelles Aus- und Einschalten, mangels eines Reset-Buttons an der Konsole, ist also nicht nötig. – Also anhand des Inhaltes in der Box kann man an sich schon Mal nicht meckern, auch wenn der falsche Stromadapter natürlich etwas unschön ist.

Schön hingegen sind ein Großteil der inneren Werte. Das Menü ist zwar simpel, aber hält zu jedem Spiel einen Screenshot bereit, damit man dadruch eine Grobauswahl treffen kann. Für jedes Spiel stehen dann individuelle Optionen angefangen von der Bildschirmausgabe (Original, Gestreckt, etc.) bis hin zum Custom Butten-Mapping zur Verfügung. Bildfilter oder Rahmen sucht man zwar vergebens, aber die brauche ich persönlich eh nicht. Hingegen ist besonders das Butten-Mapping zu erwähnen, denn so kann man pro Spiel individuell festlegen welche Taste was tun soll, was gerade in Hinsicht, dass im Grunde keines der Spiele für einen Mega Drive-Controller konzipiert wurde, durchaus sinnvoll ist. Pro Spiel kann man auch wie bei Emulatoren gewohnt Speicherstände anlegen, den man sowohl auf der Konsole oder auf einer SD-Karte sichern kann. Über die SD-Karte lassen sich auch mit einer kleinen Modifikation weitere Spiele auf die Konsole laden, worauf ich aber hier nicht genauer eingehen werde.

Die Spiele laufen für den größten Teil flüssig und sind gut emuliert, obgleich man hier auf ein paar nicht so schöne Punkte hinweisen muss: Besonders bei SNES-Spielen hat sich aus unerfindlichem Grund ein Fehler eingeschlichen, dass die Spiele zu schnell ablaufen. Wenn man die Originale nicht kennt fällt es den meisten zwar wahrscheinlich nicht auf, aber durch dieses Speedup werden Spiele wie „Super R-Type“ um einiges schwerer und daher sollte man sich dessen auf jeden Fall bewusst sein, wenn man die Konsole kaufen möchte. Das trifft auch nicht bei allen Spielen zu, aber scheint vermehrt bei einigen der SNES-Spiele aufzutreten. Bei NES- oder Arcade-Spielen konnte ich sowas nicht feststellen. Dennoch trübt das den Gesamteindruck der Konsole. Gerade RetroBit, die viel mit Retrospielen und in Folge dessen auch Retrospielern zu tun haben, sollten es eigentlich besser wissen und hätten hier ein besseres Augenmerk drauf haben müssen. Ich gehe zwar nicht soweit die Konsole auf Grund dessen total zu verteufeln, wie es einige andere Reviewer machen, denn der Großteil der Spiele, die ich bisher ausprobiert habe, läuft ohne erkennbare Probleme, doch gerade wenn man die Konsole für ein spezielles Spiel haben möchte, sollte man erst einmal recherchieren oder die Konsole zur Not auch ausprobieren und eventuell zurückschicken.

Dennoch ist die Konsole in Relation zum Preis und den enthalten Spielen wirklich für alle interessant, die abseits des Mainstream spielen. Man findet zwar kein Mario, Megaman oder Sonic auf der Konsole, doch allein bei Raritäten wie „Holy Diver“, „Gun Smoke“ oder auch dem „Super Noahs Ark 3D“, das im Übrigen ohne Probleme läuft, rechtfertigen den Kauf. Für ein Famicom-Modul von „Holy Diver“ blättert man 100€ aufwärts hin und auch das re-Release ist bereits vergriffen, geschweige denn man findet überhaupt noch gut erhaltene Versionen der Spiele. Ich habe den Kauf daher auch nicht bereut, auch wenn ich es persönlich schade finde, dass zum Beispiel „Super R-Type“ zu schnell läuft…

NB@13.08.2019

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