Was lange währt, wird endlich gut… – Anders kann man das eigentlich nicht mehr beschreiben, denn nachdem das Spiel „Holy Diver“ 1989 für das japanische Famicom erschien, ist nun, schlappe 29 Jahre später endlich eine offizielle westliche Veröffentlichung für das NES erschienen. Obwohl das von Irem produzierte und verlegte Spiel ursprünglich auch im gleichen Jahr, wie das Famicom-Release im Westen erscheinen sollte, kam es aus unbekannten Gründen bis heute nie dazu, was das Spiel zu einer schwer zu bekommenden Perle avancierte.

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Bereits vor einiger Zeit haben sich die Retro-Enthusiasten von Retro-bit die Vermarkungsrechte an dem Spiel gesichert und es bereits auf ihrer Mini-Konsole, dem Retro-bit Generations veröffentlicht. Doch damit nicht genug, denn jüngst ist das Spiel auch noch als Collector’s Edition in klassischer Modulform erschienen. Ich habe mir diese streng limitierte Edition umgehend geordert und kann sie nun endlich in den Händen halten.

Das Spiel kommt in einer geprägten Hartbox, die neben dem Spiel in einer zusätzlichen (klassischen) NES-Verpackung auch noch diverse Goodies, wie Notizbuch, Stickerbogen, Pins, farbige Anleitung und ein nummeriertes Zertifikat, enthält. Hier hat Retro-bit einiges an Liebe zum Detail in die Veröffentlichung gesteckt. Ich hatte das Game zwar schon über das Retro-bit Generations, aber konnte dennoch nicht wiederstehen. Dabei gibt insgesamt eine Auflage von 2.900 Exemplaren für Nordamerika und 2.800 Exemplaren für Europa, wovon die ersten 1.000 jeweils in einem weißen Cardridge aufgelegt wurden, bevor für den Rest auf das klassische Grau gewechselt wurde. Die Aufmachung kann sich wirklich sehen lassen und lässt Sammlerherzen eindeutig höher schlagen.

Aber wie ist das Spiel denn eigentlich? – Es handelt sich dabei im Grunde um einen Klon der klassischen „Castlevania“-Spiele, was eventuell auch einer der Gründe sein kann, warum man sich seinerzeit doch gegen eine westliche Veröffentlichung entschieden hat. Auch wenn es auch heute keine Seltenheit mehr ist, dass ein Spiel ein anderes kopiert, so war das damals noch eine größere Nummer, wie sich auch im (angeblichen) Rechtsstreit zwischen Nintendo und Rainbow Arts, wegen deren Spiel „The great Giana Sisters“, was als Kopie von Nintendo’s „Super Mario Bros.“ angesehen wurde. Innerhalb von Asien scheint Innerhalb von Asien scheint das prinzipiell weniger ein Problem darzustellen, als im Rest der Welt, die man auch am Beispiel von „The Revenge of Shinobi“ sieht, das in Japan als Gegner noch unter anderem „Batman“, „Godzilla“ und „Spider-Man“ enthielt, was erst für das westliche Release abgeändert wurde, um rechtliche Probleme zu umgehen.

Neben den Anleihen bei Konami’s „Castlevania“ gibt es allerdings noch weitere Anleihen, die wahrscheinlich lizenzrechtliche Probleme bedeutet hätten, denn das Spiel nimmt viel Inspiration vom Heavy Metal der 80er. Angefangen beim Titel „Holy Diver“, was eindeutig auf das gleichnamige Album und Lied von Ronnie James Dio bezogen ist. Insgesamt erinnert nicht nur das Cover-Artwork an die Plattencover der Zeit, sondern auch Charaktere und die komplette Geschichte stammen daher. Wir spielen einen Charakter namens „Randy“, der wahrscheinlich der leider zu früh verstorbene Randy Roads, der unter anderem Gitarrist von Ozzy war, sein soll. Weiter wird diese These von vom Rest der sehr abgedrehten und mit Referenzen gespickten Story unterstützt:

Denn die Geschichte ist im Jahr 666, einer magischen Zeit angesiedelt und die friedliche Gesellschaft wird vom Dämonenkönig „Black Slayer“ bedroht. König Ronnie sieht für seine Familie nur eine Lösung: Er muss seine Kinder, Randy und Zakk bereits im Säuglingsalter seinem treuen Wegbegleiter Ozzy übergeben, der die Kinder im Exil einer anderen Dimension zu Kämpfern erziehen soll. 17 Jahre später kehrt Randy als mächtiger Zauberer zurück in sein Heimatland, um „Black Slayer“ zu besiegen und das Land von der Terrorherrschaft zu befreien…

Das Spiel an sich ist ein klassischer Sidescroller in 2D-Optik, in dem wir unsere Spielfigur durch klassische Horror- und Heavy Metal-inspirierte Areale, wie gruselige gotische Schlösser, nebelverhangene Wälder oder dunkle Höhlen. Insgesamt gibt es im Spiel 6 unterschiedliche Level, die sich sowohl von den Hintergründen, den Gegnertypen, aber auch der Interaktion stark unterscheiden. Besonders interessant ist dabei der Einsatz von verschiedenen Zaubern, die zwingend notwendig sind, um die Stages zu überleben. Denn so können wir mit einem Eiszauber reißende Flüsse und Wasserfälle kurzzeitig in feste Flächen aus Eis verwandeln, um diese zu überqueren oder erklimmen zu können. Entgegen der Peitsche des Belmont Clans hat Randy magische Projektile, die er verschießen kann. Dabei ist der Standardschuss zwar relativ schwach, aber dafür unendlich vorhanden. Andere magische Angriffe, die wir im Spielverlauf finden und über ein Untermenü ausrüsten und mittels Select-Taste an- und ausschalten können sind dabei endlich und an unsere gefundenen Ressourcen gebunden. Und machen wir uns nichts vor, auch wenn das Hauptziel pro Stage ist „nur“ das Ende zu erreichen und den ein oder anderen Boss auf dem Weg platt zu machen, ist das Spiel kein Zuckerschlecken…

Wer bisher dachte, dass „Castlevania“ schwer ist, hat noch nie „Holy Diver“ gespielt. In der Retrozone auf der Gamescom konnte man unter anderem auch diese Spiel anspielen und es war wirklich interessant mit anzusehen, dass im Grunde keiner der Spiele weiter als die ersten Bildschirme im Spiel kam. Dabei muss man aber sagen, dass das Spiel zwar wirklich schwer, aber dennoch nie unfair ist. Im Gegensatz zu „Castlevania“ steuert es sich sogar besser, da Randy im Gegensatz zu den diversen Belmonts sogar im Sprung angreifen kann und man die Sprungrichtung sogar jederzeit anpassen kann, wie man es heute aus eigentlich jedem Jump n Run kennt. Nur damals war das noch nicht Gang und gebe, sondern meistens verliefen die Sprünge in einem festen (vorbestimmten) Bogen.

Dennoch macht es uns das Spiel wirklich nicht einfach, denn das auch für „Castlevania“ typische zurückgeschleudert werden der Spielfigur durch Treffer gibt es hier leider auch. Und wer „Castlevania“ gespielt hat ist sich sicherlich bewusst, dass jeder Treffer uns unweigerlich in einen Abgrund befördern kann. Leider gibt es auch nach einem Treffer keine (zumindest kurzfristige) Unverwundbarkeit, wie es in anderen Spielen der Fall ist und die durch gewisse Triggerpunkte in auf den Screens respawnenden Gegner haben leider auch ziemlich unberechenbare Angriffszyklen und können aber etliche Treffer einstecken, bevor sie sich auflösen. Ähnlich wie bei einigen Schweren Spielen der damaligen Zeit, wie unter anderem auch „Ghosts ‘n Goblins“ trennt sich hier die Spreu vom Weizen, frustriert aber dennoch nur in Maßen, denn mit jedem neuen Versuch lernt man das Spiel besser kennen und kommt etwas weiter und mit etwas Training kommt man sich in kürzester Zeit wie ein wahrer King vor, bevor man im nächsten neuen Abschnitt wieder eine Schlappe nach der anderen kassiert.

Die Grafik sieht echt schick aus und auch die Chiptune-Musik untermalt das düstere Gesamtwerk ungemein. Wer allerdings auf Chiptune-Versionen von klassischen Rock- und Metalsongs im Spiel hofft, wird leider enttäuscht werden. Das hätte wahrscheinlich den verfügbaren Platz auf dem Modul zu sehr strapaziert, denn hier gibt es nur „normale“, wenn auch sehr stimmungsvolle Eigenkreationen in Sachen Musik, die aber besonders für die 8-bit-Ära überraschend abwechslungsreich daherkommen. Da gibt es ganz andere Beispiele, wo im ganzen Spiel nur ein kurzer Song im endlosen-Loop läuft.

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Wer noch einen NES zu Hause hat und sich vom horrenden Schwierigkeitsgrad nicht abschrecken lässt, dem sei dieses Spiel wirklich ans Herz gelegt, solange es noch verfügbar ist. Denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis die recht geringe Auflage vergriffen sein wird…

NB@05.10.2018