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From Software, das Studio hinter der Dark Souls-Reihe und dem diesjährigen Actionhit „Sekiro: Shadows die Twice“ haben auch schon Jahre vor diesen Erfolgen einige Spiele herausgebracht. So zum Beispiel „Metal Wolf Chaos“, das sie 2004 im Auftrag von Microsoft exklusiv in Asien herausgebracht haben. Das Spiel sollte die Popularität der ersten Xbox im asiatischen Markt, der von Sony und Nintendo dominiert wurde, steigern. Auch wenn der Plan nicht aufging ist das Spiel mittlerweile eines der seltensten Xbox-Spiele und wird auf Ebay und Co. zu horrenden Preisen von mehreren Hundert Euro gehandelt. Da ist es wirklich gut, dass es nun, 15 Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung doch noch einen westlichen Release in Form eines Rematers für moderne Konsolen gibt.

Das Spiel wurde von Devolver in Zusammenarbeit mit General Arcade überarbeitet und ist nun auf PS4, Xbox One und dem PC erhältlich und so ist diese Trash-Perle Sondergleichen nun auch für westliche Spieler zugänglich. Und die Bezeichnung als „Trash“ ist durchaus bewusst, denn die Entwickler haben das Spiel damals bewusst trashig designed, um die Klaischees von (asiatischen) Actionfilmen anzusprechen und so eine Käuferschaft zu generieren, ähnlich wie es die Spielereihe Earth Defense Force oder auch die Pacific Rim-Filme machen, obwohl letztere trotz des B-Movie-Charmes dennoch hochkarätige Hollywood Blockbuster sind.

Für die Neuveröffentlichung hat man zwar dem Namen ein „XD“ hinzugefügt und einige inhaltliche Anpassungen vorgenommen, doch im Kern bleibt es dennoch ein 15-Jahre altes Spiel und so war ich sehr gespannt, ob es sich auch spielerisch so anfühlt, denn gerade einige der alten 3D-Titel, zu denen dieses Spiel eben auch zählt, sind nicht unbedingt so gut gealtert und warten auf oft noch mit harkeliger Steuerung und merkwürdiger Kameraführung auf, bevor sich im Laufe der Zeit eine vorherrschende Steuerungsvariante für Bewegung und Kamera mittels der Analogsticks durchgesetzt hatte. Um das herauszufinden hat mir Cosmocover, die PR-Agentur, die im Auftrag von Devolver arbeitet, eine Testversion zur Verfügung gestellt, die ich für euch auf Herz und Nieren geprüft habe.

Und nachdem ich das Spiel beendet habe kann ich sagen: Ja, man merkt es schon, dass es sich um kein aktuelles Spiel handelt, doch an Punkten, die für mich eher unterzuordnen sind. Denn es betrifft eher die allgemeine Grafik, das Missionsdesign und die Levelarchitektur. Hingegen gibt es bei Steuerung und Kamera nichts auszusetzen. Doch bevor wir uns genauer mit Pro und Contra beschäftigen müssen wir uns erst einmal damit beschäftigen, um was es im Spiel eigentlich geht: Die USA sind nach einem Militärputsch durch den fanatischen Vize-Präsidenten, Richard Hawk, ein Staat am Rande des Zusammenbruchs. Die Bevölkerung hat durch die irreführende Berichterstattung der Medien von dieser Entwicklung kaum etwas mitbekommen und es gibt nur einen Mann, der sein Land noch retten kann: der amtierende Präsident der vereinigten Staaten, Michael Wilson, der ein kleines Team loyaler Mitarbeiter um sich schert und dank seines eigenen Mech-Anzugs unter dem Decknamen „Metal Wolf“ für Recht und Ordnung kämpft. Das beginnt gleich mit einer filmreifen Flucht aus dem Weißen Haus, was als Tutorial fungiert und uns in die Steuerung einführt. Wir steuern den Mech aus der 3rd-Persion-Perspektive, steuern seine Bewegungen und die Kamera mittels der Analogsticks und können über die Schultertasten auf das umfangreiche Arsenal an Waffen zurückgreifen. Dabei haben die Möglichkeit pro Arm des Mechs, den wir einzeln per Schultertaste betätigen, einzeln zu feiern und auch unterschiedliche Waffen auszurüsten. Dazu stehen uns pro Arm vier unterschiedliche Waffen, von Pistolen über Maschinengewehre, Panzerfäuste oder Raketenwerfer zur Verfügung. Pro Waffenkategorie steht uns zu Beginn nur eine Waffe zur Verfügung, was sich allerdings im Spielverlauf durch Freischalten von neuen Waffen und Aufleveln der Kategorien ändert. Von dort an können wir vor jeder Mission unseren Mech mit individuell-zusammenstellbaren Waffen bestücken, die wir für die kommende Mission benutzen wollen. Das klingt am Anfang recht kompliziert, ist es aber gar nicht, da man recht schnell merkt welche Waffen einem besonders liegen und man diese dann in der Mission auch per Knopfdruck wechseln kann. Zusätzlich kann der Mech auch noch kurzzeitig gleichen und springen, was wir nutzen um Abgründe zu überwinden oder Geschützen auszuweichen. Die Steuerung ist dabei wirklich gelungen und auch wenn ich nicht sagen kann in wie fern sich das von der Erstveröffentlichung unterscheidet, man es einen wirklich guten Eindruck und ist auch recht intuitiv. Wo sich das Alter allerdings durchaus zeigt ist die allgemeine Grafik, das Missionsdesign und die Levelarchitektur. Zwar hat man die Assets durchaus auf HD (und je nach Konsole sogar auf 4K) hochskaliert, doch gerade bei den weitläufigen Arealen fehlen Details und so kann man die Grafik zwar hoch-skalieren, doch undetaillierte Texturen bleiben eben auch dann noch undetailliert. Ähnlich altbacken sind dann auch die Missionen an sich, denn diese sind wahnsinnig repetetiv und haben im Grunde, wenn man von kleineren Variationen absieht, heruntergebrochen immer das Ziel sich durch ein abgestecktes Level zu bewegen, dabei Gegner und dabei befestigte Anlagen (Funktürme, Lager, Benzintanks, Bomben) zu vernichten. Danach oder teilweise auch auf dem Weg noch einen Boss besiegen und fertig. – Abwechslungsreich ist anders, aber dennoch macht es einfach unwahrscheinlich Spaß und ist auf Grund eines recht hohen Schwierigkeitsgrads auch ziemlich anspruchsvoll.

Zwar ist From Sofrware berüchtigt für seine Schwierigkeitsgrade, deoch hier rührt es meist von anderen Seiten her, denn in den Missionen gibt es keine Checkpoints und kaum Munition. Wir haben im Grunde nur das, mit dem wir am Anfang gestartet sind und wenn wir unsere besten Waffen bereits am Anfang des Levels leerschießen und beim Boss dann mit einer kleinen Pistole kämpfen müssen, ist das unser Problem. Gleiches gilt dafür, wenn wir beim Boss sterben. Dann müssen wir das komplette Level nochmal spielen, bis wir einen weiteren Versuch haben. Und warum macht das Spiel dann dennoch Spaß, wenn das Spielprinzip repetitiv und stellenweise auf Grund fehlender Checkpoints schlichtweg unfair ist? – Auf Grund des immensen Overactings in Cutscenes in in Funksprüchen, die von ihrer Intensität sehr an „Metal Gear Solid“ erinnern und der Ernsthaftigkeit, die dadurch transportiert wird, wirkt alles mehr wie eine Karikatur und ist überaus unterhaltsam. Unterstrichen wird das noch von überaus patriotischen und überzeichneten Nachrichtensendungen nach einigen der Missionen, wo unsere Heroischen Taten komplett anders dargestellt werden, als sie wirklich waren und „Metal Wolf“ als Terrorist dargestellt wird. So ist die Geschichte schon so schlecht, dass sie irgendwie wieder gut ist. zusätzlich wartet sie mit einigen wirklich unvorhersehbaren Wendungen auf und Ideen auf, die mich mehrfach wirklich überrascht haben. Man kann oftmals nicht glauben, was man da eigentlich gesehen hat, aber es hat dermaßen auf dicke Hose gemacht, dass es einfach nur herrlich anzusehen ist. Damit man das besser nachvollziehen kann, was ich meine, habe ich euch hier den Release-Trailer verlinkt:

Im Spielverlauf, der uns über weite Teile der USA führt, schalten wir kontinuierlich neue Missionen frei, die wir in beliebiger Reihenfolge abschließen und nach Belieben auch wiederholen können. Das hat einen bestimmten Grund, denn am Ende einer jeden Mission werden wir bewertet und schalten entsprechend der verdienten Punkte neue Waffen und Upgrades frei, unser Arsenal an Zerstörung noch weiter anwachsen zu lassen. Insgesamt gibt es 14 unterschiedliche Missionen von San Francisco über den Grand Canyon, Beverly Hills oder sogar die Gefängnisinsel Alcatraz.

Ich habe für mein Durchspielen knappe 8-10 Stunden gebraucht, was an Länge vollkommen in Ordnung ging. Durch die Struktur in abgetrennte Missionen, die jeweils zwischen 30 bis 45 Minuten dauern kann man das Spiel auch gut in Etappen spielen, ohne etwas zu verpassen. Und auch wenn ich die ein oder andere Mission, besonders gegen Ende des Spiels, wo der Schwierigkeitsgrad nochmal etwas ansteigt, nach einem unfreiwilligen Ableben nochmal spielen musste, hatte ich viel Spaß mit dem Spiel. Zwar hätte ich mir im Zuge der Überarbeitung auch eine Implementierung eines Checkpoint-Systems gewünscht, da sonst im ein oder anderen Fall durchaus Frust aufkommen kann, doch das ist eben leider ein Relikt der Vergangenheit und wäre wahrscheinlich zu aufwendig gewesen nachträglich zu implementieren. Sonst gibt es meiner Meinung nach nicht wirklich was zu meckern. Das Spiel läuft flüssig und die Ladezeiten sind kurz. Auch gravierende Bugs konnte ich nicht feststellen, auch wenn ich des Öfteren an Häusern oder anderen Ecken hängengeblieben bin und mich nur mittels Sprung oder Boost wieder befreien konnte, was sich aber durchaus verschmerzen lässt.

Wer ein Highend-AAA-Spiel erwartet wird hier definitiv enttäuscht werden, denn trotz kleinerer Verbesserungen handelt es sich dennoch um ein Spiel von 2004. Dennoch kann man, sofern man sich auf die abstruse Story einlässt, eine Menge Spaß mit dem Spiel haben. Zudem hat man mit dieser Version die Möglichkeit ein Stück (vergessene) Videospielgeschichte in die Sammlung aufzunehmen, ohne dafür Unmengen Geld ausgeben zu müssen.

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(c) Devolver

NB@15.08.2019

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