Klammheimlich ist parallel zu Gamescom auch die neue Episode für „Life is Strange 2“ erschienen und fast niemand hat’s mitbekommen. Ich muss zugeben, dass ich es in dem ganze Trubel auch erst übersehen hatte, doch nachdem wieder etwas mehr Ruhe eingekehrt ist habe ich die Episode umgehend heruntergeladen und sie nachgeholt. Und auch wenn ich mit den letzten Episoden nicht mehr so sicher war, ob diese Staffel nochmal die Kurve kriegt, so kann ich zumindest teilweise Entwarnung geben, denn Episode 4 nimmt endlich einiges an Fahrt auf und traut sich dabei auch einiges, was der Staffel nach dem fulminanten Auftakt mit Episode 1 „Roads“, Episode 2 „Rules“ mit viel verschenktem Potential und Episode 3 „Wastlelands“, die leider etwas auf der Stelle trat, wieder auf die Beine hilft.

Und das war auch bitter nötig, damit die Handlung sich nicht nur in Kreis dreht. Denn nach dem recht soliden Start bekamen wir in Episode 2 und 3 im Grunde zweimal das gleiche. Ein Schicksal, was auch viele TV-Serien ereilt, denn die Handlung darf nicht zu ausufernd werden, damit in der kommenden Woche bei der nächsten Folge wieder die gleiche Ausgangslage herrscht. Man denke dabei besonders an „Akte X“ oder „Buffy“, wo das Phänomen als „Monster of the Week“ beschrieben wurde, bevor man sich traute weiterreichende Storystränge einzutreten. Und eben dies ist nun auch mit „Life is Strange 2“ passiert, denn auch wenn wir zwar eine übergreifende Motivation der beiden Brüder hatten, die auf ihrem Weg nach Porto Lobos in Mexiko sind, so war das nicht wirklich eine ausgereifte übergreifende Handlung und die Schreiber sind auf Nummer sicher gegangen, dass die Handlung einer Episode fein säuberlich abgeschlossen ist und die Brüder wieder genauso dastehen, wie zuvor.

…So zumindest bis zum fulminanten Ende der letzten Episode, auf dass ich aus Spoilergründen nicht wirklich eingehen konnte, was sich aber nun ändert, da es wichtig dafür ist die Ausgangslage und die allgemeine Problematik für die Charaktere in der neuen Episode zu verstehen: Sean und Daniel waren bei ihrer Flucht vor dem Gesetz auf eine Gruppe von Ausreißern gestoßen, die sich als Tagelöhner auf eine Cannabis-Plantage verdingten. Die Gruppe nahm die beiden bereitwillig auf und es schien für eine Weile so, als ob die Brüder eine Chance gefunden hätten eine Zeit lang genug Geld zu verdienen, um sich ohne Stress irgendwann absetzen zu können. Doch Reibereien zwischen dem Duo haben diesen ursprünglich einfachen Plan einen Strich durch die Rechnung gemacht. Um die anderen Campbewohner um den charismatischen Finn zu beeindrucken demonstrierte Daniel seine Superkräfte, was eine ungünstige Verkettung der Ereignisse lostrat, denn Finn wetterte damit die Chance den Betreiber der Cannabisplantage um eine Menge Geld zu bringen, anstatt Tag für Tag nach harter Arbeit nur mit Peanuts abgespeist zu werden. Doch dieser Überfall lief gehörig schief und endete in einer verheerenden Explosion, bei der Sean schwer verletzt wurde und die Episode endete…

Diese Ereignisse werden zum Beginn von Episode 4, betitelt mit „Faith“ wieder in gewohnter Parabelform mit den beiden Brüdern als Wölfe und einem Voiceover von Sean nacherzählt, bevor wir uns als Sean in einem Krankenhaus wiederfinden. Er liegt im Bett, seine Haare sind Raspel-kurz und ein Auge ist mit einer Verband versehen. Auch sonst hat er einige Narben und Blessuren von der Explosion getragen, aber immerhin ist er noch am Leben. Allerdings ist Daniel nirgendswo zu sehen. Wir beginnen die Dinge, die sich im Zimmer befinden zu erkunden und erfahren, dass seit der Explosion mehrere Monate vergangen sind, die Sean im Koma lag, niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist, Daniel seitdem vermisst wird. Er ist also seit Monaten auf sich alleine gestellt und wird mittlerweile auch vom FBI gesucht, das auch Sean wegen den Ereignissen in der ersten Episode mehrfach verhört hat. Sein Zimmer ist Polizeibewacht, er soll am nächsten Tag in den Jugendknast eingeliefert werden und wir stellen fest, dass er nie mehr räumlich sehen wird, da sein Auge zerstört wurde. Alles in allem sind das keine wirklich rosigen Aussichten und nach einem kurzen Verhör durch eine FBI-Agentin erfahren wir, dass Sean und Daniel wegen Mord angeklagt werden sollen und sie wahrscheinlich mit einer lebenslangen Haft zu rechnen haben. Natürlich hat Sean nichts über Daniel’s Kräfte preisgegeben, aber das lässt ihn natürlich nicht weniger schuldig aussehen, wenn man dieses wichtige Detail einfach weglässt. Es gibt keinen Ausweg. Das Ende der Fahnenstange, bis ihm der Pfleger, mit dem er sich angefreundet hat, als Zeitvertreib seinen alten Skizzenblock bringt und er darin eine verschlüsselte Nachricht zu Daniel’s Aufenthalt findet. Von da an ist unser höchstes Ziel auszubrechen und irgendwie wieder zu Daniel zu kommen. Und da sich Daniel mittlerweile in den Fängen eines religiösen Kults befindet sollte der Ausbruch erstmal die kleinste Herausforderung sein, die Sean auf seiner Reise bevorsteht…

Ohne dazu weiter ins Detail zu gehen ist die Folge insgesamt eine Achterbahnfahrt und macht einige Durststrecken in den vorherigen Folgen mehr als wieder wett. Auch gibt es dieses Mal wieder mehr den weiteren Verlauf bestimmende Entscheidungen zu fällen, die alle mit ihren Vor- und Nachteilen daherkommen können. – Schlagen wir den Waschmann K.O. oder gibt es nicht vielleicht einen anderen Weg? Steigen wir bei einem übermäßig freundlich-tuenden Truckfahrer zu oder laufen wir lieber den Rest des Weges? – So sehen nur ein paar der Entscheidungen aus, die wir entweder spielerisch oder durch eine Entweder-oder-Frage, in der sich der Bildschirm teilt, was uns zeigen soll, dass es an dieser Stelle in unterschiedliche Richtungen weitergeht, durchgeführt wird. Und die Varianten können dabei wirklich unterschiedlich sein, was immer ein hohes Maß an Wiederspielwert mit sich bringt. Von der technischen Seite gibt es auch nichts auszusetzen. Das Spiel läuft flüssig und da sich die Entwicklung nun immer mehr Zeit zwischen den Episoden gönnt sind auch keine Bugs aufgetreten. Das Spiel setzt zwar auf die gleiche Engine, wie die anderen Episoden, doch liefert mehr Variation in den Arealen, was eine willkommene Abwechslung ist, da sonst jede Episode im Grunde in einem sehr ähnlichen Areal gespielt hat. Hoffentlich kann der Spannungsbogen entsprechend aufrecht gehalten werden, denn nach dieser Episode, die wirklich ein paar interessante und unvorhersehbare Wendungen mit sich bringt, bin ich wirklich gespannt, wie die Geschichte um Sean und Daniel in der 5. und damit finalen Folge ausgehen wird. Und da Entwickler dontnod und Publisher Square Enix bereits alle Releasedaten bekanntgeben haben, wissen wir sogar schon, dass diese am 03.12.2019 erscheinend wird.

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NB@09.09.2019

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