„Who you gonna call?“ – Na klar, die Geisterjäger! So zumindest der berühmte Slogan der 80er-Jahre-Kultfilm-Reihe mit Dan Aykroyd, Bill Murray, Harold Ramis und Ernie Hudson, um nur die Hauptrollen zu nennen. Es gibt viele Spiele, die versucht haben den Witz der Filme aufzugreifen und viele sind leider auch gescheitert. Ganz gruselig ist zum Beispiel „Ghostbusters“ auf dem NES. Gut hingegen war allerdings das Jump ’n Run auf dem Sega Mega Drive, über das ich erst zur Einstimmung auf unseren heutigen Bericht berichtet habe, der das wahrscheinlich beste Spiel mit den Geisterjägern darstellt: „Ghostbusters – The Video Game“, das nun für PS4, Xbox One und Nintendo Switch in einer Remastered Version erschienen ist.

Ursprünglich ist das von Terminal Reality entwickelte und von Sony und Atari SA herausgebrachte Spiel bereits vor zehn Jahren auf der Last Gen erschienen und wurde nun zum zehnjährigen Jubiläum von Saber Interactive für Publisher Mad Dog LLC komplett überarbeitet und neu herausgebracht. Da das Spiel bereits eines meiner Highlights auf der PS3 war, war ich entsprechend gespannt, in wieweit das Spiel überarbeitet wurde und ob es heute noch genauso begeistern kann. Dankenswerterweise habe ich dazu ein kostenfreies Pressemuster von Koch Media, dem Publisher im deutschsprachigen Raum erhalten. Einen Einfluss hat das aber natürlich nicht auf mein Review.

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Schon bevor man das Spiel das erst Mal startet fallen allein von den Verpackungen her einige Unterschiede auf. Abseits von einem angepassten Covermotiv, das meiner Meinung nach um einiges besser aussieht, als das Vorherige, liegt der neuen Version keine Blu Ray des Kinofilms mehr bei. Zusätzlich wurde die Spieleranzahl auf der Packung angepasst und man findet keine Hinweise mehr auf  einen Mehrspielermodus, denn dieser befindet sich entgegen der alten Version nicht länger im Spiel. Ich habe persönlich damit keinerlei Probleme, zumal diese Modi auf Grund von abgeschalteten Servern auch auf der PS3 nicht mehr funktionieren, doch wer sind das Remaster zulegt, wird sie nicht auffinden, da sie nicht Teil des Spiels sind. Allerdings wurde bereits angekündigt, dass man seitens der Entwicklung/Publisher darüber nachdenkt wieder einen Multiplayer per Update nachzureichen. Ob es sich dabei um die gleichen oder abpasste Modi handeln wird und wann und ob diese kommen, steht allerdings noch nicht fest. Schauen wir uns daher erst einmal das Spiel in der Form an, wie es zur Zeit vorliegt: Das Spiel stammt aus der Feder von Dan Aykroyd und Harold Ramis, die bereits die ersten beiden Kinofilme geschrieben haben und zählt sowohl von Seiten der Stars, wie auch vieler Fans als der dritte Teil der Reihe und nicht nur haben alle Schauspieler der Geisterjäger ihren digitalen Gegenstücken ihre Stimmen geliehen, sondern auch viele Schauspieler der Nebenrollen sind ebenfalls für die Vertonung zu ihren Rollen zurückgekehrt. Und da Harold Ramis leider 2014 verstorben ist hat man ihm das Remaster im Gedenken gewidmet, was sehr viel passender ist, als sie Widmung des 2016er Films „Ghostbusters: Answer the Call“, den ich zwar nicht so schlecht fand, wie er in den Medien teilweise zerrissen wurde, der aber dennoch keinesfalls in der gleichen Liga spielt, wie die vorherigen Filme.

Das Spiel ist knapp zwei Jahre nach dem Ende des zweiten Films angesiedelt. Die Geisterjäger sind eine etablierte Größe in New York, obwohl die Aufträge stetig zurückgehen. Das ändert sich jedoch mit der Ankündigung einer Ausstellung zu Gozer, dem Antagonist aus dem ersten Film im Museum und einen Zwischenfall, der dafür sorgt, dass eine große Menge an PKE-Energie die Stadt trifft und in Folge dessen die Telefone der Geisterjäger heißlaufen lässt. Zu viel Arbeit für vier Männer, weswegen wir als Spieler ins Spiel kommen und als Rookie zur Truppe dazu stoßen, der als fünftes Mitglied live bei den Aufträgen dabei ist. So führt uns bereits der erste Auftrag auf der Jagd nach einem entflohenen Slimer in das aus dem Film bekannte Sedgwick Hotel und endet durch eine Verkettung unterschiedlicher Ereignisse in einem erbitterten Kampf gegen den Stay Puff Marshmallow-Mann am Times Square.

Und das ist nur der Vorgeschmack auf die größte Herausforderung, die die Geisterjäger je zu Gesicht bekommen sollten, die sie sogar in andere Dimensionen führt. Irgendetwas stimmt überhaupt nicht und die Geisterjäger müssen herausfinden, was die Hintergründe dieser Bedrohung sind, was das alles mit Gozer zu tun hat und wie man nicht nur die Zerstörung von New York, wenn nicht gar der ganzen Welt abwenden kann. Dabei führt das Spiel einige Handlungsstränge der Filme in interessanter Weise weiter, führt uns im Verlauf in bereits bekannte Areale und lässt und auch so sogar herausfinden, was zum Beispiel mit der Bibliothekarin aus der Anfangssequenz des ersten Films passiert ist, bevor sie zum Geist wurde… – Dabei verfügt die Geschichte über einige interessante Wendungen und verfügt auf Grund der talentierten Schreiber und Schauspieler auch über die gleiche Dynamik, die man aus den Filmen kennt.

Spielerisch ist das Spiel ein Action-Abenteuer in der 3rd-Person-Ansicht. Wir steuern den namenlosen und Stummen Rookie durch realistisch-animierte 3D-Areale. Die Levelausrichtung ist dabei sehr linear und zwar gibt es dann und wann etwas mehr Bewegungsfreiheit, um ein kleines Rätsel zu lösen, doch im Herzen handelt es sich um eine lineare Spielerfahrung, was aber per se auch nichts schlechtes ist. Nichts jedes Spiel „braucht“ eine offene Spielwelt. Die Animationen sowohl der Charaktere und Bareiche wurden im Remaster zwar hoch-skaliert und können je nach Konsole sogar in 4K ausgegeben werden, doch es ist keinesfalls mit aktuellen Referenzen, wie „Uncharted 4: A Thief’s End“ gleichzusetzen. Aber das war auch nie das Ziel des Remasters. Immerhin handelt es sich im Herzen um ein 10 Jahre altes Spiel. So sind die verwendeten Assets teilweise etwas Detailarm, die Animationen etwas hölzerner und besonders die gerenderten Zwischensequenzen, die anscheinend nicht mehr in unkomprimierter Form vorlagen, wirken etwas körnig und blass. Gleiches gilt leider für die Lippenbewegungen, die teilweise nicht 100% zum Ton passen und die etwas merkwürdig wirkenden Ragdoll-Effekte, wenn unser Charakter getroffen wird und dann wie eine steife Schaufensterpuppe zu Boden fällt. Dennoch hat man aus dem Ursprungsmaterial auch einiges rausgeholt: So wurden neben dem allgemeinen hochrechnen der Grafik auch die Licht- und Schatteneffekte überarbeitet, eine verbesserte Kantenglättung drauf gepackt, die Ladezeiten massiv reduziert und das Spiel läuft selbst in 4K in flüssigen 60fps. Besonders die Framerate war auf der PS3 ein ziemliches Problem, das nun endgültig der Vergangenheit angehört und zusätzlich sieht es richtig bombastisch aus, wenn wir mit unserem Protonenpack auf die Jagd nach Geistern gehen. Dazu steht uns am Anfang lediglich der Standardschuss zur Verfügung, den wir aber im Spielverlauf durch drei weitere Schussmodi und optionale Upgrades ausbauen können und on-the-Fly über das Steuerkreuz umschalten können. Zusätzlich stehen uns natürlich auch der ikonsiche PKE-Meter, Geisterfallen und einige weitere Spielzeuge zur Verfügung, die uns unsere Arbeit als Geisterjäger leichter machen und was sich trotz der vielen Möglichkeiten dennoch gut steuern lässt, da Neuerungen schrittweise eingeführt werden, um den Spieler nicht zu überfordern.

Auch wenn das Spiel optisch keine Referenz darstellt, so kann sich die Soundkulisse auch nach zehn Jahren immer noch mehr als nur sehen lassen.   Die Vertonung der professionellen Sprecher ist, obgleich in ein paar Zwischensequenzen etwas rauschend, da hier wohl auch nicht mehr alle Master vorlagen, immer noch über alles erhaben und selbst wenn man bedenkt, dass die Schauspieler beim Einsprachen alle über 60 Jahre alt waren, so sind ihre Stimmen immer noch exakt so, wie man sie aus den Filmen kennt. Gleiches gilt für die Soundeffekte und den Soundtrack per se, denn hier hat man sich nicht Lumpen lassen und nicht nur alle Effekte aus den Filmen übernommen, sondern auch den Original-Soundtrack lizenziert und in exakt so eingesetzt, wie in den Filmen. Das ikonische Einschalten und aufladen des Protonenpacks, über den satten Schuss der Ströme bis hin zur „quäkenden“ Sirene des Ecto-1 ist exakt so, wie es sein muss und die Musik hat mir auch mehr als einmal Erinnerungen an einige ikonische Szenen aus den Filmen ins Gedächtnis gerufen. So viel Liebe zum Detail sieht man selten.

So hatte ich auch heute mit einem zehn Jahre alten Spiel nochmal genauso viel Spaß, wie als ich es Day One in meiner PS3 gespielt habe. Wahrscheinlich sogar noch einen Tick mehr, wenn man denkt, dass das Spiel flüssiger läuft, alle anfänglichen Bugs direkt ausgebaut wurden und die Ladezeiten, die auf der PS3 stellenweise schon ziemlich lang und störend ausgefallen sind, auf ein mehr als erträgliches Minimum reduziert wurden. Man muss sich zwar dessen bewusst sein, dass obgleich man alles erdenklich mögliche aus dem Ausgangsmaterial heraus geholt hat, es sich keineswegs um ein Spiel handelt, das den aktuellen Grafikstandards entspricht. Das sieht man leider schon an vielen Stellen, aber mir ist das persönlich ziemlich egal, wenn der Spielspaß stimmt. Sonst würde ich wohl kaum auch immer wieder auf Retrospiele aus der 8- und 16Bit-Zeit zurückkommen. Gerade durch die hochwertige und professionelle Umsetzung von Skript, Soundtrack und den Originalsprechern zählt es legitimer als dritter Teil der Reihe und fügt sich nahtlos in den Kanon ein. Wer das Spiel bisher noch nicht gespielt hat sollte auf jeden Fall zum Remaster greifen, um das bestmögliche Spielerlebnis mit den Geisterjägern zu bekommen! Und wer es schon gespielt hat, sollte durchaus auch nochmal einen Blick auf das Remaster werfen, da es die Probleme der Ursprungsversion konsequent ausgemerzt hat und ein wirklich gelungenes Erlebnis mit den Ghostbusters abliefert.

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NB@14.10.2019

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