PS4 Review: „Punch Line“ #Punchline

Seit dem Launch der PS Vita und PS4 haben einige westliche Publisher, wie NIS America und PQube, ein immenses Lineup der westlichen Veröffentlichungen von eher Japanischen Genres und Spielen immens aufgestockt, die bei den vorherigen Konsolengenerationen eher ausschließlich in Japan verblieben sind. So findet man mittlerweile auch viele Dating Sims, Visual Novels und sonstige Kuriositäten in den Shops, dass man schon schnell mal den Überblick verlieren kann, was überhaupt etwas taugt. Denn viele Hersteller arbeiten mit bunten Manga-Charakteren auf den Covers, die in manchen Fällen nichts mit der Spielegrafik gemein haben und es stellt sich daher immer wieder die Frage, wie viel „Spiel“ überhaupt im Spiel steckt und ob die Story unterhält…

Mit „Punch Line“ ist das ähnlich, denn das Cover verrät so gut wie nichts zum Spiel, wenn man von ein paar Bulletpoints absieht, die fast auf jedes zweite Spiel passen. Doch es handelt sich dabei um ein wirklich interessantes Visual Novel, das seinen Weg in lokalisierter Form in den Westen gefunden. Denn nicht nur basiert es auf einem erfolgreichen Anime, sondern die Story für das Spiel ist von niemand geringerem als Kotaro Uchikoshi geschrieben, der unter anderem für die Zero Escape-Reihe verantwortlich ist. Und das zeigt sich auch eindeutig im Niveau der Geschichte, denn ebenso, wie bei der eben erwähnten Reihe paaren sich anspruchsvolle Rätsel mit einer komplexen und auf den ersten Blick erst einmal verschachtelten Narrative, die neben vielen zwischenmenschlichen Fragestellungen, jede Menge Moral und komplizierte Konzepte von Zeitreisen und alternativen Zeitlinien in das Geschehen einbaut. Aus diesem Grund ist es auch gar nicht so einfach die Geschichte als Klappentext zusammenzufassen, was ich selbstverständlich dennoch versuche:

Im Zentrum der Geschichte steht Yuta, ein junger Mann, der als unser Hauptcharakter fungiert und erst einmal in den ersten Minuten stirbt. – Wobei das so nicht ganz korrekt ist, denn auch wenn seine Seele seinen Körper verlässt, so ist sein Körper nicht tot, sondern dieser wird von einer anderen Seele besetzt. Von dort an lebt er als Geist in unmittelbarer Nähe seines Körpers und versucht einen Weg zu finden, wie er Seele und Körper wieder vereinen kann. Unterstützt wird er dabei, wie sollte es auch anders sein, von einer Geisterkatze, die ebenfalls als Geist im Apartmentkomplex, wo Yuta eigentlich lebt, herum spukt. Doch das ist nicht sein einziges Problem, denn zusätzlich muss er dabei noch aufpassen, dass nicht aus Versehen die totale Zerstörung der Welt startet, was passiert wenn er zu lange Blicke auf die Höschen seiner Nachbarinnen erhascht. – Was soll ich sagen, es ist halt in manchen Punkten sehr „Japano“ und es gibt dabei Dinge, die man einfach akzeptieren muss und der Rest der Geschichte ist dann doch überraschend vielschichtig, gut geschrieben, wartet mit einigen überraschenden Wendungen auf und macht am Ende sogar auch noch Sinn…

Das Gameplay ist dann zwar in gewohnter Visual Novel-Form reduziert und besteht aus ziemlich ausufernden Gesprächen zwischen verschiedenen Personen, die wir auf größtenteils nur passiv beobachten, immerhin sind wir ja ein Geist, doch es gibt noch weitere Elemente, die das Spielgeschehen dabei auflockern. Denn eine gewisse Macht der Interaktion bringen wir ähnlich wie beim Film „Ghost – Nachricht von Sam“, schon mit. Wir verfügen über Geisterkraft, um kleine Interaktionen durchzuführen. So lassen wir zum Beispiel eine Bananenschale auf den Boden fallen, damit eines der Mädels ausrutscht, oder wir hinterlassen auch eine kurze Nachricht auf einem Post-it, was im Spielverlauf zu immer komplexeren Ketten ausgebaut wird. Denn mit der Zeit schaffen wir es unsere Geisterkraft zu steigern, indem wir die Mädels erschrecken, was in Ansätzen sogar an „Haunting starring Polterguy“, allerdings ohne Gore, erinnert. Dazu gibt es in regelmäßigen Abständen sogenannte Trick-Abschnitte, in denen wir ein vordefiniertes Ziel, das in der Bildschirmecke eingeblendet wird, erreichen müssen und nur eine vorgeschriebene Anzahl an möglichen Interaktionen zur Auswahl haben. Dazu können wir uns dann allerdings frei durch die Zimmer des Hauses schalten und pro Zimmer zwischen unterschiedlichen Ansichten wählen, um unterschiedliche Hotspots zum Interagieren zu finden. Eine Aktion führt zur Anderen und wenn wir unser Ziel damit erreichen wird das Spiel fortgesetzt.

Zusätzlich hat man für das Spiel auch lange Sequenzen aus der Anime-Serie verwendet, die sich durch den Zeichenstil zwar in einigen Punkten mit den Animationen im Spiel selbst beißen, aber auf Grund der hochwertigen Inszenierung wirklich schön anzusehen sind und auch einiges an Humor mit sich bringen. So sticht besonders eine Szene heraus, die gleich mehrfach verwendet wird. Dabei fokussiert das Spiel das eine Mädchen, das ebenfalls im Haus wohnt. Diese führt nämlich ein Doppelleben und ist in Ihrer Freizeit noch die Superheldin Strange Juice. Und in der besagten Szene sieht man ihre Verwandlung in das Alter Ego, was von der Inszenierung her stark an „Sailor Moon“ erinnert, komplett mit übertriebenen Kamerafahren, aber durch den Zusatz von Bild im Bild, das zeigt, wie die Szene in der Realität abläuft, ad absurdum geführt wird. Doch auch abseits diese Cutscenes ist die Inszenierung ziemlich hochwertig, denn wo andere Visual Novels mit reinen Standbildern oder wie bei „A Winter’s Daydream“ mit reduzierten Phasenanimationen arbeiten, verwendet das Spiel neben Szenen aus der Serie noch komplett animierte Szenenabläufe mit hochwertig erstellten Charakteren und Umgebungen, die vor Details nur so strotzen. Dabei bedient es sich den Arealen und Assets, die auch für die Gameplay-Segmente verwendet werden, was den Spielfluss mehr aus einem Fluss erscheinen lässt. Dabei ist das Spiel komplett in Japanisch vertont und verfügt aber über englische Menüs und Texte. Die Dialoge sind gut geschrieben, warten immer wieder mit kleinen Witzen auf und jeder Charakter bekommt eine eigene Färbung und Identität, was die Interaktion untereinander umso spannender gestaltet. Denn neben der jungen Mikatan, die Nebenbei als Strange Juice Verbrecher zur Strecke bringt, gibt es die leicht verzogene Rabura, die Wissenschaftlerin Meika und die Gamerin Ito, die sich einen kleinen Bären als Haustier hält. Jeder Charakter hat dabei seine eigenen Träume und Ziele, die durch äußere Umstände immer wieder mit einander kollidieren, was Yuta natürlich ausnutzt, denn immerhin ist er derjenige dessen Seele momentan ohne Körper ist… Das Spiel ist dabei in kleine Häppchen, ähnlich wie Serienepisoden aufgeteilt, die jeweils mit einem Intro und Outro versehen sind und mit einem wahnsinnig eingängigen gesungenen Song aufwarten, den man nach dem Durchspielen wahrscheinlich für Wochen nicht mehr aus dem Kopf bekommt, da man ihn so oft gehört hat.

Insgesamt hatte ich mit dem Spiel eine Menge Spaß und es hat während der knapp 10-12 Stunden, die ich gebraucht habe alle Enden zu sehen und die Platin einzusammeln wirklich gut unterhalten. Hier können sich andere Visual Novels sowohl in Sachen Story, die, auch wenn die Prämisse erst mal hanebüchen klingt, am Ende Sinn macht und mit einigen interessanten Wendungen aufwartet, wirklich ziemlich gelungen ist und mich dazu bewegt hat mir auch die Anime-Serie zuzulegen, wie auch in Sachen Inszenierung noch etwas abschneiden. Denn auch die Inszenierung wird leider zu oft vernachlässigt, denn wenn man mit einem Spiel und sofern man dem Japanischem nicht mächtig ist in Folge dessen auch mit dem Lesen von Texten Zeit verbringt, ist es erfrischend, wenn diese Abschnitte sowohl animiert sind und immer wieder durch Anime-Szenen aufgelockert werden. Auch Trophäenjäger kommen voll und ganz auf ihre Kosten, denn es gibt im Spiel satte 50 Trophäen (40 x Bronze, 6 x Silber, 3 x Gold, 1 x Platin) zu verdienen, die sich mit ein paar manuellen Speicherpunkten fast in einem Durchgang verdienen lassen. Dabei ist das Spiel unterhaltsam, die Spielmechanik leicht zu erlernen und es hat mir dabei von Anfang bis Ende Spaß gemacht, was man nicht von allen Visual Novels, oder von allen Spielen mit leichter Trophäenliste behaupten kann…

Entwickler:      5pb

Publisher:        PQube

Erhältlich auf: PC, PS4, PS Vita

NB@27.01.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Wenn euch der Beitrag gefallen hat würde ich mich natürlich über eure Likes, Retweets, Abos oder auch Feedback freuen. Gleiches trifft aber auch zu, wenn ich eurer Meinung nach etwas hätte besser machen können. Konstruktive Kritik hilft bekanntlich nur, wenn man sie auch bekommt, also lasst es mich einfach wissen.

Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.