Heute gibt es durch eine florierende Indie-Spiele-Szene, Kickstarter und Selbstvermarktung auf diversen Wegen immens viel Platz für spielerische Experimente. Zur Zeit des Mega Drive sah das noch etwas anders aus und wir haben kaum Spiele abseits der Masse gesehen. Doch mit einem kleinen, aber feinen Spiel namens „Haunting starring Polterguy“ hat EA, die sowohl Entwickler, als auch Publisher waren, einen interessanten Versuch gestartet mal ein „etwas anderes“ Spiel exklusiv für den Sega Mega Drive herauszubringen, zu dem ich auch heute noch in regelmäßigen Abständen zurückkehre.

Die Prämisse ist dabei ziemlich ernst, denn auf Grund von minderwertigen Teilen, die bei der Fertigung von Skateboards verwendet wurden segnet unsere Hauptfigur das Zeitliche und kehrt als Geist auf die Welt zurück. Die Einsparungen wurden wissentlich vom Inhaber der Skateboard-Firma, Vito Sardini zur Maximierung des Gewinns in Kauf genommen und so beschließt unsere Hauptfigur Polterguy dem skrupellosen Geschäftsmann und seiner ganzen Familie eins auszuwischen. Dazu bedient sich Polterguy allen Mitteln, die ihm in seiner neuen Existenz als Poltergeist möglich sind. Das Spiel ist in 4 unterschiedliche Häuser, die jeweils das zu Hause der Sardini-Familie sind, aufgeteilt und das Ziel ist jeweils alle vier Familienmitglieder aus dem Haus zu vertreiben.

Das Spiel wird in einer isometrischen Ansicht dargestellt und wir können als Polterguy alle Räume des Hauses frei erkunden. Die Familienmitglieder wandeln ebenso durch das Haus und wenn wir ein „Opfer“ gefunden haben kann der Spaß losgehen, denn Polterguy wäre kein waschechter Poltergeist, wenn er nicht alles, was nicht Niet- und Nagelfest ist durch seine Geisterenergie für seine Zwecke benutzen könnte. So kann er alle Einrichtungsgegenstände der Sardini’s besetzen und verwandelt sie so, um das jeweilige Familienmitglied zu erschrecken. Dabei wird der Status eines Familienmitgliedes immer durch ein Portrait und einen „Erschreckungsgrad“ in der rechten Bildschirmecke symbolisiert und verändert sich entsprechend, wenn Polterguy für Terror sorgt. So kann er die Familie glauben machen, dass die Couch zum Beispiel versucht sie zu verschlingen, eine Giftschlange auf dem Türrahmen sitzt, ein Monster durch die Wand bricht oder blutige Leichenteile in der Dusche hängen. Das Spiel ist dabei überaus kreativ und überraschend explizit in seiner Darstellung. Wenn man ein Familienmitglied genug erschreckt hat verlassen sie zunächst den Raum und eventuell dann auch das Haus. Sind alle Familienmitglieder aus dem Haus geflohen gilt das Level als geschafft und es geht zum nächsten Haus. Insgesamt gibt es 4 Häuser, die die Familie nach und nach bezieht, die jeweils über 13 Zimmer und 3 potentielle „Fluchträume“, also Räume mit einer Tür nach draußen verfügen. Wenn man es schafft ein Familienmitglied in einen dieser Räume zu lotsen und sie dort nochmal sehr erschreckt, verlassen sie fluchtartig das Haus. Jedes Haus verfügt dabei über abweichende Layouts, neue Gegenstände und in Folge dessen auch neue Arten des Erschreckens. Nach Herstellerangaben sollen im Spiel über 400 unterschiedliche Arten des Erschreckens existieren, also sieht man sich auch in fortgeschrittenen Levels nicht satt an den skurrilen Ideen.

„Bezahlt“ werden diese Terror-Hotspots Ecto-Energie, die per Leiste zur Verfügung steht. Jeder Einsatz verbraucht, ebenso wie die zusätzlich auch die Spielzeit den Energievorrat von Polterguy und wenn die Energie aufgebraucht ist muss man sie erst wieder auffüllen, bevor man weitermachen kann. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen lassen die Erschreckten wenn sie einen Raum oder das Haus verlassen Ecto-Energie fallen, die man schnell aufsammeln muss, bevor sie wieder verschwinden und zum anderen gibt es noch die Unterwelt. In der Unterwelt, die wie ein Verlies aufgebaut ist gilt es von der Decke tropfende Ecto-Energie aufzusammeln, bis die Leiste aufgefüllt ist. Allerdings stellen sich Polterguy dabei Arme, die aus der Wand kommen, Fledermäuse, Totenköpfe und weitere Gefahren in den Weg, die es zu umgehen gilt, denn in der Unterwelt kann Polterguy sogar nochmal sterben. Seine Energie wird von einem kleinen Portrait repräsentiert, dass mit jedem Feindtreffer kleiner wird. Ist die Energie aufgebraucht ist das Spiel beendet. Es gibt zwar auch Sternförmige Ecto-Tropfen, die die Energie wieder auffüllen, doch diese sind sehr rar gesät und aus diesem Grund sollte man wirklich aufpassen so wenig wie möglich getroffen zu werden, was leider auf Grund der Ansicht gepaart mit den teilweise nicht einsehbaren Gefahren und einigen fummeligen Sprungpassagen nicht ganz einfach ist. Sind wir wieder in der Oberwelt geht das Spiel wie gewohnt weiter und der Ecto-Meter ist wieder komplett aufgefüllt.

Die Grafik ist für 16Bit überraschend detailliert und gerade die Gruseleffekte können sich wirklich sehen lassen. Gerade für ein Spiel, das hauptsächlich an Kinder gerichtet war hat man sowas eher selten zu Gesicht bekommen. Die Musik ist zwar nicht besonders abwechslungsreich und auf Grund der vielen Soundeffekte der Spuk-Aktionen eher im Hintergrund, aber untermalt das Geschehen schön. Einzig die Steuerung ist mir persönlich etwas zu schwammig, was zwar in den Oberweltpassagen zu verschmerzen ist, zumal wir ja auch einen Geist steuern, doch in der Unterwelt auf Grund der fummeligen Geschicklichkeitspassagen etwas nervig werden kann, wenn man getroffen wird und im Grunde nichts dafür kann. Interessanterweise gibt es im Spiel sogar einen 2-Spieler Modus, bei dem abwechselnd gespielt wird und der Spieler am Ende gewinnt, der die meisten Punkte für seine Erschreckens-Künste bekommen hat, denn jede Spuk-Aktion ist Punkte wert.

Insgesamt macht das Spiel auf Grund der vielfältigen Möglichkeiten, der ziemlich guten Darstellung und jeder Menge schwarzen Humors immer noch eine Menge Spaß. Klar muss man, was der Name Polterguy bereits impliziert, mit dem für die 90er-Jahre typischen Surfer-Lingo à la „Bill & Ted“ klarkommen, doch damit ist ja „Haunting starring Polterguy“ kein Einzelfall, denn viele Spiele der damaligen Zeit haben versucht durch dieses Stilmittel jung und hipp zu wirken. Dennoch überzeugt das Spiel auch heute noch spielerisch und ist jedem, der noch einen Mega Drive im Keller hat zu empfehlen. Zumal es eher unbekannt ist, ist es in der Regel auch noch günstig zu bekommen. Alternativ ist es auch auf der „EA Replay“-Collection für die PSP enthalten, die aber leider noch nicht digital erhältlich ist. Vielleicht bekommen wir ja irgendwann ein Re-Release oder gar ein Remake, denn dieses Spiel hätte es wirklich verdient…

NB@10.10.2019

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