PS4 Review: „Blacksad: Under the Skin“ #Blacksad #BlacksadUnderTheSkin

Das Studio Telltale, das leider auf Grund von Missmanagement an seinem eigenen Erfolg zerbrochen ist, wie eindrucksvoll in der Dokumentation „Telltale – The Human Stories behind the Games“ berichtet wurde, hat nun seit knapp 1,5 Jahren seine Tore für immer geschlossen und bislang gab es noch niemanden, der das Erbe angetreten hat. Es gibt zwar immer wieder Gerüchte über potentielle Nachfolger und sogar Teaser zu „The Wolf among Us 2“, doch eine Veröffentlichung bliebt bislang aus. Bis jetzt auf jeden Fall, denn Microids hat mit „Blacksad – Under the Skin“ ist ein Spiel herausgebracht, das nach dem ersten Anschein versucht in die Fußstapfen zu treten. Schauen wir daher mal, ob die Rechnung aufgeht.

Das Spiel basiert dabei auf den gleichnamigen Graphic Novels von Juanjo Guarnido und Juan Diaz Canales, die ähnlich wie „The Wolf among Us“ eine Detektivgeschichte erzählen. Doch entgegen der Anleihen bei den Gebrüder Grimm und anderen Märchensammlungen erzählt man hier komplett eigene Geschichte in einer alternativen Version von New York der 1950er Jahre, wo anthropomorphe Tiere die handelnden Personen sind. So macht das Spiel bereits zum Beginn einiges richtig, indem es ein frisches und interessantes Setting verwendet und auch gleich zu Beginn deutlich macht, dass es sich trotz der Tiere um kein Kinderspiel handelt. Denn hier wird kein Blatt vor den Mund genommen, was Schimpfworte, Gewalt oder Sexualität angeht, was bereits in der erste Szene verdeutlicht wird, als unser Hauptcharakter, der Titelgebende John Blacksad in eine fiese Schlägerei mit einem Rhinozeros gerät, den er bei einem Seitensprung mit einem Fuchs erwischt hat. 

Blacksad ist ein Kater, der aber in der Silhouette eher wie Batman aussieht und ein sehr viel kantigeres Gesicht hat, als in den Comics. In den Comics ist seine Kopfform eher rundlich und sieht mehr nach einer Katze aus, was meiner Meinung nach aus besser passt. Doch aus unerfindlichem Grund hat man sich bei der Umsetzung für eine eher menschlichere Kopfform entschieden. Andere Tiere sind zwar auch vermenschlicht, aber sehen ihren Artgenossen aus dem Zoo insgesamt etwas ähnlicher. Blacksad trägt einen verbeulten Trenchcoat über dem Anzug, was mich in Kombination mit seiner Statur sehr an Com. Gordon aus der animierten Batman-Serie aus den 90ern erinnert hat, um wiederrum den Kreis (in meinem Kopf) wieder zu schließen.

Blacksad ist ein abgehalfterter Privatdetektiv, der sich seit Jahren mit minderwertigen Jobs über Wasser hält, als er von seinem alten Freund Jake und der verführerischen Sonia angeheuert wird in einem anfänglich recht unspektakulären Fall zu ermitteln: Joe Dunn, der Besitzer einer kleinen Boxhalle hat Selbstmord begangen und seitdem ist sein Schützling, der aufstrebende Boxer Bobby Yale wie vom Erdboden verschluckt. Und da ein großer Kampf für Yale ansteht und dessen nicht-Erscheinen sich überaus negativ auf einige hochdotierte Leute in der Stadt auswirken könnte, soll Blacksad den Ausreißer ausfindig machen und dafür sorgen, dass dieser zum Kampf erscheint. Doch es ist nicht immer alles so einfach, wie es im ersten Moment anmutet. Der Selbstmord war vielleicht gar nicht selbstverschuldet, Yale ist nicht ohne triftigen Grund untergetaucht und es gibt die unterschiedlichsten Interessengruppen, die alle vom Ableben des Boxhallenbesitzers  profitieren. Und schon bald findet sich Blacksad in einer Netz aus Lügen wieder…

Spielerisch entleiht sich das Spiel wirklich einige Kniffe aus den Telltale-Spielen, wie die Art, wie Gespräche geführt und immer unterschiedliche Entscheidungen getroffen werden. Reagieren wir ruppig gegenüber einer Person wird sie sich später daran erinnern und das kann mitunter Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Geschichte haben. So kann es sogar sein, dass einzelne Charaktere frühzeitig das zeitliche segnen, oder wir ein anderes Ende erreichen, als andere Spieler. Insgesamt gibt es nämlich sechs unterschiedliche Endsequenzen, was man bei Telltale leider oft vergebens gesucht hat, da die Entscheidungen zwar den Verlauf, aber in den meisten Fällen nicht das Ziel beeinflusst haben. Neben diesen Gesprächs- und Entscheidungsmechaniken gibt es auch Actionsequenzen, die Quick Time Events verwenden und relativ freie Erkundungsabschnitte. Diese sind das Highlight des Gameplays, denn hier können wir Blacksad frei durch unterschiedlich große Areale steuern und mit fast allem interagieren, was nicht niet- und Nagelfest ist. Das erinnert sehr stark an klassische Adventures, auch wenn das Spiel die Art der Interaktion pro Hotspot immer vorgibt, wir müssen also nicht zwischen „Sieh an“, „Benutze“, etc. differenzieren, da es immer nur eine Auswahl gibt und wir haben auch kein Inventar im klassischen Sinn.

Denn hier haben sich den Entwickler einen kleinen Kniff einfallen lassen, der besonders gut zum Charakter der Hauptfigur passt: Da Blacksad Privatdetektiv ist sammelt er kein gewöhnliches Inventar, sondern er sammelt Spuren, die man dann im Inventar kombinieren kann, um dadurch neue Erkenntnisse zu erlangen. Dabei besteht jeder gefundene Hinweis aus einem Satz samt Bild zur besseren Orientierung und das Spiel teilt uns durch einen kleinen Indikator mit, wenn wir Hinweise gesammelt haben, die sich kombinieren lassen. Wenn wir zum Beispiel einen rassistischen Spruch in roter Farbe an einer Wand entdecken ist das unser erster Hinweis, der abgespeichert wird. Finden wir wenig später in einem Spint, den wir aufgebrochen haben einen Eimer identischer Farbe können wir Schlussfolgern, dass der Besitzer des Spints derjenige war, der den Spruch an die Wand gepinselt hat. Diese Schlussfolgerungen schalten dann neue Gesprächsthemen frei, die wir mit anderen Personen führen können. Davon sind nicht alle Schlussfolgerungen notwendig, um die Geschichte abzuschließen und nur ausgewählte werden vorausgesetzt, um die Geschichte voranzutreiben. 

An bestimmten Stellen kann dieses System aber zugegebenermaßen etwas frustrieren, wenn man einen bestimmten Hinweis braucht, den man einfach noch nicht gefunden hat. Denn hier stellt das Spiels uns manchmal eine Falle durch die Anzeige der Hotspots, die nur erscheinen, wenn wir an einem bestimmten Punkt stehen. So hatte ich im ersten Drittel einen Fall, wo ich zwar wusste, was ich brauchte, aber nicht wo ich den passenden Hinweis herbekomme und bin notgedrungen alles x-Mal abgelaufen, bis mir an einer unscheinbaren Stelle der Interaktionspunkt angezeigt wurde und es damit weiterging. In anderen Instanzen, wie den Quick Time Events gibt uns das Spiel zwar mehrere Optionen zur Auswahl, doch nach ein paar Bildschirmtoden stellt sich heraus, dass lediglich eine Antwort funktioniert. Das ist in Sachen Gamedesign leider etwas unschön und sollte eigentlich nicht so oft vorkommen, wie es leider in diesem Spiel der Fall ist.

Gleiches muss man für die unzähligen Bugs anmerken, die das Spiel seit dem Release und teilweise bis heute plagen. So gab es zu Beginn sogar einen Bug, der das Spiel auf der PS4 gar nicht erst starten ließ, sofern man nicht ein paar Updates zieht. Wenn jemand also keinen Internetanschluss hat, was mir nach meinem letzten Umzug leider 4 Wochen so ging, kann er das Spiel mitunter gar nicht erst starten, was ein absolutes No-Go ist, sofern es sich nicht um ein reines Online-Game handelt, versteht sich. Doch auch einige Updates später ist das Spiel zwar besser geworden, aber krankt stellenweise ungemein. So verschwinden Charaktere, Hotspots oder einmal saß ich auf einem Screen fest, da die Übergänge zu den nächsten Screens einfach nicht mehr begehbar waren, was sich erst durch einen kompletten Neustart wieder beheben ließ. Und von den kleinen Fehlerchen, wie Clipping, nachladenden Texturen oder abgeschnittenen Gesprächsfetzen fange ich gar nicht erst genauer an. Wenn jemand in diesen belangen „zartbesaitet“ ist, ist „Blacksad: Under the Skin“ eindeutig das falsche Spiel, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt.

Insgesamt hat das Spiel während dem einmaligen Durchspielen zwar unterhalten, aber gerade die technischen Probleme mindern den Spielspaß doch ungemein. Denn in diesem Bezug ist das Spiel ein Desaster, obwohl es, wenn die Technik mitspielt, mit ganz schicken Effekten aufwartet. Die Charakteranimationen sind detailreich, die Areale verspielt und Stellenweise erinnert mich das Spiel mit seiner Detektivgeschichte und dem Setting sehr stark an Rockstar’s „L.A. Noire“, aber halt mit Tieren. Es gibt sogar während den Gesprächen manchmal Instanzen, wo wir die Körpersprache der Charaktere analysieren müssen, um herauszufinden, ob ein Charakter die Wahrheit sagt, oder uns anlügt, doch leider wird das zu oft von den großen und kleinen Bugs überschattet, die die Immersion zerstören. Das ist überaus schade, denn allein von der Geschichte überzeugt das Spiel schon, auch wenn es manchmal ungewollt komisch ist, wenn man existenzielle Fragestellungen über Schuld und Sühne aus dem Maul eines Pferdes hört… – Dennoch ist die Welt in sich wiederrum stimmig und nachdem ich mir einen der Comics mal genauer angesehen habe, sogar ziemlich nah an der Vorlage, was ja nicht immer der Fall ist. Wenn man etwas mehr Zeit in die Qualität investiert hätte, hätte es insgesamt besser überzeugt, als zum Release. Zwar ist in den knapp 5 Monaten nach Release schon einiges verbessert worden, aber richtig rund läuft das Spiel leider immer noch nicht. Und in Bezug auf die Switch-Version sollen die Fehler sogar noch um einiges schlimmer sein, da Nintendo’s Konsole auch noch massive Probleme mit der Framerate hat. So ist das Spiel nur unter einem großen Vorbehalt zu empfehlen und man gegebenenfalls vielleicht auch noch etwas warten, bis das Spiel günstiger und die Bugs weniger geworden sind. 

Entwickler:      Pendulo Studios, Ys Interactive

Publisher:       Microids

Erhältlich auf: PC, PS4. Xbox One, Nintendo Switch

NB@17.03.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Wenn euch der Beitrag gefallen hat würde ich mich natürlich über eure Likes, Retweets, Abos oder auch Feedback freuen. Gleiches trifft aber auch zu, wenn ich eurer Meinung nach etwas hätte besser machen können. Konstruktive Kritik hilft bekanntlich nur, wenn man sie auch bekommt, also lasst es mich einfach wissen.

Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.