PS4 Review: „Anna’s Quest“ #AnnaSQuest #Adventure

Die klassischen Point and Click-Adventures waren das erste Genre mit dem ich in meiner Jugend richtig viel Zeit verbracht habe. Die Nachmittage hat man, sofern man nicht im Schwimmbad, oder im Kino, oder in der Natur unterwegs war versteht sich. Doch dann hat man  sich, gerne auch mit dem besten Freund zusammen, vor den heimischen Computer gesetzt und sich mit Zak, Indy, Simon, oder George durch ihre Abenteuer geknobelt. In den Jahren ist das Genre immer mehr in der Versenkung verschwunden, wären da nicht kleine Studios, die sich dem klassischen Adventure verschrieben haben und es so am Leben halten. Eines dieser Studios ist Daedalic Entertainment, die man am meisten für die Deponia-Reihe kennt. „Anna’s Quest“ ist ein anderes Spiel des Studios, das zwar bereits 2015 auf dem PC herausgekommen ist, aber nun auch seinen Weg auf PS4, Xbox One und Nintendo Switch gefunden hat, Grund genug sich das Spiel einmal ganz genau anzusehen, das mir freundlicher Wiese vom Publisher für mein Review überlassen wurde, einen Einfluss hat dieser Umstand aber selbstverständlich nicht auch meine Bewertung.

Die titelgebende Anna scheint das Pech wirklich gepachtet zu haben: Ihr Großvater ist schwer erkrankt und auf der Suche nach einem Heilmittel wird sie auch noch von einer bösen Hexe entführt, die sie wegsperrt, um mit ihr merkwürdige Experimente durchzuführen. Doch die alte Dame hat ihre Rechnung ohne Anna gemacht, denn diese entschließt sich zu kämpfen und macht sich direkt an ihre Flucht, immerhin findet sie eingesperrt sicherlich nie die Medizin für ihren Opa… – Damit beginnt ein abgefahrenes Abenteuer, das vor Märchen-Klischees nur so strotzt, alles mit einer gekonnt sarkastischen Note untermalt und in eine spannende Geschichte um Freundschaft, Verrat und sogar Begegnungen mit dem Teufel in Person entführt…

Wie man es aus dem Genre kennt, wird ein Großteil der Handlung über Aktionen und Dialoge erzählt, die insgesamt wirklich gut geschrieben sind. Lediglich im letzten Drittel kommt die Handlung etwas ins Straucheln und erklärt für meinen Geschmack etwas zu wenig, was aber selbstverständlich auch beabsichtigt sein kann, da gerade das Ende ziemlich überraschend ist und durchaus Interpretationsspielraum bietet. Spielerisch erinnert das stark an die King’s Quest-Reihe von Sierra, was nicht zuletzt an den geschickt eingebauten Märchen-Referenzen, von „Aschenputtel“, über „Hänsel und Gretel“, bis hin zu den „Bremer Stadtmusikanten“, liegt. Doch auch die Eigenkreationen können sich sehen lassen, wie die böse Hexe Winfriede, die aus unerfindlichem Grund mit Telekinese experimentiert, der Obst-essende Fuchs Reynard, oder auch der sprechende Bär Ben, der Anna auf ihrem Abenteuer begleitet…

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Besonders haben mir die Dialoge gefallen, die Daedalic gekonnt geschrieben und viel Ironie inszeniert hat. Wer schon mal ein Spiel des Studios gespielt hat, sei es Edna, oder auch Deponia, wird sich fast wie zu Hause fühlen. Aber gerade im Vergleich zu Deponia hat mir die sarkastische Art von Anna sogar noch einen Tick besser gefallen. Leider liegt die Vertonung auch wieder nur in Englisch mit deutschen Untertiteln vor, was in Anbetracht der tollen Sprecher, aber zu verschmerzen ist. Grafisch orientiert sich das Spiel ebenfalls an den anderen Werken von Daedalic und präsentiert sich in einer handgemalten Comicgrafik, die zwar gerade in der Gesichtsanimation von Anna etwas detailreicher sein könnte, aber dennoch mit vielen charmanten Ideen in der Spielwelt aufwartet. Neben Zwischensequenzen in Spielegrafik gibt es auch animierte Zwischensequenzen, die durchaus auf dem Niveau von Samstagmorgen-Cartoons rangieren.

Gameplay-technisch handelt es sich um ein klassisches Adventure: Wir Steuern Anna über in sich abgeschlossene Bildschirme und können mit allerlei Hotspots interagieren. Was auf dem PC mit der Maus passiert, wird hier über ein kontextsensitives Hotspot-System gelöst. Je nachdem, wo wir uns im Raum befinden, sind unterschiedliche Hotspots erreichbar, die wir über die L- und R-Tasten durch schalten können. Weiter können wir die Art unserer Aktion über ein kleines Menü auswählen, was sich aber lediglich in „Anschauen“, mit einem Gegenstand aus dem Inventar „Kombinieren“, oder eine „Handlung“ gliedern, was je nach Hotspot, „Benutzen“, „Nehmen“, oder auch „Reden“ sein kann. Wo andere Spiele sowohl mit Inventar, wie auch Inventar-Rätseln sparen, zelebriert „Anna’s Quest“ es förmlich, denn nicht nur können wir fast alles mitnehmen, was nicht niet- und Nagelfest ist, sondern auch viele Rätsel spielen sich entweder komplett, oder zumindest teilweise im Inventar ab. Die Rätsel an sich sind dabei recht gut, auch wenn man manchmal ganz schön um die Ecke denken muss, um auf die Lösung zu kommen, was aber selbstverständlich auch einen Teil des Reizes ausmacht.

Ich hatte persönlich eine Menge Spaß mit „Anna’s Quest“, was zum einen an der charmant-sarkastischen Hauptfigur, zum anderen an der interessanten Geschichte und letztendlich auch an den Märchenreferenzen liegt. Adventure-Freunde kommen durch die klassischen Kombinations- und Inventar-Rätsel vollends auf ihre Kosten, auch wenn man durchaus einen Hang für absurde Lösungswege haben muss, denn im Gegensatz zu anderen Adventures, nimmt uns das Spiel diesbezüglich nicht an die Hand. Selbst erfahrende Abenteurer werden zwischen 10 und 15 Stunden brauchen, bis sie das Ende erreicht haben. Auch wenn die Optik zunächst eher auf ein kindlicheres Spiel hindeutet, so ist die Geschichte nicht nur voll von Lug und Trug, sondern schreckt euch vor kontroversen Themen nicht zurück, was in Anbetracht dessen, dass viele Märchen von Haus aus auch ziemlich grafisch sein können, wiederrum zum Gesamtbild passt.

Entwickler: Daedalic Entertainment

Publisher: Daedalic Entertainment

Erhältlich auf: PC, PS4, Xbox One, Nintendo Switch

NB@23.07.2021

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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