PS5 Review: „Lost Judgment“ #LostJudgment

Das 2018/2019, je nachdem auf welche Veröffentlichung man sich bezieht, erschienene „Judgment“ hat als mittlerweile eigenständige Reihe, neben dem hauseigenen Yakuza, eindrucksvoll bewiesen, dass man neben dem japanischen Gangster-Genre, auch gut darin ist mitreißende Kriminalgeschichten zu erzählen und hat gleichzeitig mit Yagami und Kaito ein interessantes und ansprechendes Ermittlerduo ins Leben gerufen. Anfänglich wurde das Spiel als Yakuza unter anderem Namen wahrgenommen, doch trotz einiger offensichtlicher Gemeinsamkeiten gibt es doch genug, was die Serien voneinander separiert und jeder ihre eigene Identität verleiht. Aus diesem Grund war ich wahnsinnig gespannt auf den zweiten Teil, der nun gerade erschienen ist und mir dankenswerterweise für mein Review kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde. Einen Einfluss hat dieser Umstand aber dennoch nicht auf die Bewertung.

Das Spiel wurde dabei wieder von Ryu Ga Gotoku Studio entwickelt und von Sega, bzw. im deutschsprachigen Raum von Koch Media gepublished. Die Handlung setzt einige Zeit nach den Ereignissen des ersten Teils ein, wobei dieser zeitliche Abstand nicht weiter Spezifität wird, zumal er auch wenig Relevanz hat, da beide Teile für sich alleine zu sehen sind. Es ist in dieser Beziehung also zwar eine Fortsetzung, aber eher in Form eines neuen Abenteuers mit gleichen Charakteren, anstatt einer inhaltlichen Weiterführung. Wer also den Erstling bisher nicht gespielt hat, kann sich dennoch ohne weiteres auch direkt in den zweiten Teil stürzen, ohne etwas zu verpassen, auch wenn man vielleicht die ein oder andere Anspielung nicht mitbekommen wird…

Es ist insgesamt ruhiger geworden in Kamurocho, was besonders unser Protagonist Takayuki Yagami zu spüren bekommt, denn seine Auftragsbücher als Privatdetektiv sind gähnend leer und würde sein früherer Boss, der Anwalt Genda ihm nicht dann und wann einen Auftrag vermitteln, könnte er wahrscheinlich seine Miete nicht mehr bezahlen. Doch dann ereilt ihn ein Hilferuf zweier Kollegen aus Yokohama, die einen Fall angenommen haben der für sie ein paar Nummern zu groß zu sein scheint und eine merkwürdige Verbindung zu einem eigentlich unscheinbaren Fall hat, den Genda gerade betreut. Oder wie oft kommt es wohl vor, dass ein Fall, bei dem Mann einer Frau in der U-Bahn unter den Rock gefasst haben soll, in enger Verbindung mit einem Gebäudebrand steht, der sich als vermeintlicher Rachemord  entpuppt und dennoch nur ein kleiner Mosaikstein eines sehr viel größeren Geheimnisses ist…

Die Entwicklung der Geschichte ist eindeutig eine der starken des Vorgängers gewesen und wurde für die Fortsetzung noch verfeinert. So gibt es viele kleine und große Fälle, die wir im Spielverlauf erledigen, die sich dann, teilweise auch erst einige Zeit später, komplett anders präsentieren, als es den Anschein hatte. Natürlich gibt es auch den ein oder anderen Auftrag, der als Füller fungiert und der mitunter etwas auf die Nerven gehen kann, wenn uns die KI einen Strich durch die Rechnung macht, indem sie entweder zu dumm ist, oder an anderen Stellen förmlich durch Wände sehen kann, doch insgesamt passt die Balance im Vergleich zum ersten Teil besser und gerade durch den Wechsel zwischen den einzelnen Mechanikern bleibt es meistens trotzdem spannend und unterhaltsam.

Die Kernmechaniken des Vorgängers bleiben dabei erhalten: Verfolgen, Parcours, Schleichen, Kämpfen, Tatorte untersuchen und Verhöre führen. Gerade im Vergleich zu Yakuza bietet Judgment dabei nicht nur mehr Abwechslung, sondern lässt auch die Action nicht zu kurz kommen, die in „Yakuza: Like a Dragon“ ja durch der Implementierung eines rundenbasierten Kampfsystems zurückgefahren wurde. Der Ton wechselt dabei zwischen ernst und abstrus, wie man es von japanischen Storytelling kennt und rückt insgesamt aber die Person „Yagami“ mehr in den Fokus, der im ersten Teil etwas blass geblieben war. Mechanisch wandelt das Spiel dabei auf den gleichen Pfaden, wie der Vorgänger, lässt uns dankenswerterweise sogar Tutorials wahlweise auch ausschalten, wenn wir also schon wissen, wie wir Leute beschatten und im richtigen Moment Fotos knipsen, eine Verfolgung mit Quick Time Events durchführen, Häuser unbemerkt infiltrieren, Street Punks in den Random Encounters vermöbeln, oder die Drohne steuern.

In Feinheiten wurden diese Mechanikern allerdings auch verbessert und so haben wir nun mehr Möglichkeiten bei einer Verfolgung unentdeckt zu bleiben, indem wir die unterschiedlichsten Verkleidungen wählen, oder im richtigen Moment unser Smartphone zücken, um so zu tun, als würden wir telefonieren, oder ein Selfie knipsen. Das macht gerade diese Teile der Ermittlungen weniger dröge und frustrierend. Ebenso bietet das Kämpfen mehr Optionen und mehr Kampfstile, zwischen denen wir wechseln frei hin- und herwechseln können. So eignen sich einige Stile mehr für den Kampf gegen Gruppen und andere eher für dicke Klopper. Dabei empfiehlt es sich übrigens direkt auf den härteren Schwierigkeitsgraden zu spielen, damit es nicht langweilig wird. Denn kommt man auf leichteren Schwierigkeitsgraden  durch die meisten Kämpfe noch mit Button-Mashing durch, was zugegebenermaßen etwas eintönig ist, erfordern höhere Schwierigkeitsgrade etwas mehr Einsatz der Nuancen der unterschiedlichen Fähigkeiten.

Aber macht euch keine Sorgen, auch wenn die Kämpfe auch durch verdiente XP und ausrüstbare Gegenstände, die für Verbesserungen sorgen und damit schon fast in Richtung RPG gehen, ist das Kampfsystem dennoch sehr Arcade-lastig und wartet mit abgedrehter und stylish in bunten Farben animierter Action auf, wie man sie kennt und liebt und die eher wenig mit der Realität zu tun hat, auch wenn sonst viele Bereiche des Spiels besonders viel Wert auf Authentizität legen. Besonders deutlich wird dieser Aspekt auch in der offenen Spielwelt, die neben den bekannten Straßen von Kamurocho nun auch Yokohama einschließt, die zwar keine 1:1-Kopien ihrer Vorbilder im echten Leben darstellen, aber dennoch glaubhafte und inhaltlich stimmige Interpretationen der Vorlagen darstellen und mit hunderten NPCs, Geschäften und Missionen geradezu gespickt sind. Die schiere Größe und Varianz der Spielwelt macht die angenehm kurzen Ladezeiten umso schöner, denn beim Vorgänger gab es teilweise echt längere Zwangspausen. Und damit wir nicht überall zu Fuß hingehen müssen, was stellenweise schon erhebliche Distanzen sein können, kann Yagami nun nach ein bis zwei Stunden im Spiel auch auf ein Skateboard als Fortbewegungsmittel zurückgreifen, was zwar ähnlich skurril rüberkommt, wie in „Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise“, wo man analog vorgegangen ist.

Neben den unzähligen Aktivitäten im Spiel gibt es natürlich auch wieder Arcade-Automaten, die jeweils auch die kompletten Versionen von spielen enthalten, was das Spiel von ihrem spirituellen Vorbild, der Shenmue-Reihe, übernommen und bis heute beibehalten hat. Neben Klassikern wie „Hang-On“, “ Space Harrier“ und „Fantasy Zone“ finden wir diesmal sogar „Virtua Fighter 5“ und „Fighting Vipers“ und „Sonic Fighters“, auf die sich direkt über das Hauptmenü zugreifen lässt.

Durch den insgesamt erst einmal ernsteren Ton von „Judgment“ hat nicht jeder am Erstling direkt Gefallen gefunden, doch das Spiel hat nach einem etwas holprigen Einstieg mehr als nur entlohnt, wenn man dran geblieben ist. Die Fortsetzung möchte diese Hürde etwas mildern und erlaubt der Reihe mehr Freiheiten und das tut ihr insgesamt gut. Ich hatte zwar auch schon sehr viel Spaß mit dem ersten Teil, aber der zweite Teil reisst direkt von Anfang an mehr mit, beleuchtet die Hauptfiguren an sich etwas mehr in der Tiefe, bietet mit dem teilweise neuen Setting mehr Abwechslung und bietet ein fast abstruses Angebot an Aktivitäten, selbst abseits der eigentlichen Handlung. Auch technisch gibt es nichts zu meckern, das Spiel sieht absolut überwältigend aus, läuft flüssig, hat kurze Ladezeiten und bietet wahlweise japanische, oder englische Sprache. Einzig unschön finde ich, dass sich einige Inhalte hinter einem ziemlich hochpreisigen Season Pass verstecken, wo unter anderem unser ex-Yakuza Sidekick Kaito eine Story-Erweiterung bekommt. Doch das ist wohl leider eine Entwicklung, die flächendeckend in die Spieleindustrie Einzug erhalten hat und die sich nicht mehr aufhalten lässt. Jedoch bietet auch das Spiel ohne den Season Pass genug Inhalte um immens lange zu unterhalten. Ich habe allein für die Story etwa über 20 Stunden gebraucht und es gibt schätzungsweise noch das drei, oder gar vierfache an optionalen Inhalten…

Entwickler: Ryu Ga Gotoku

Publisher: Sega / Koch Media

Erhältlich auf: PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S

NB@04.10.2021

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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