Switch Review: „River City Girls Zero“ #RiverCityGirlsZero #Kuniokun

Als „River City Girls“ vor zwei Jahren auf der (mittlerweile) Lastgen erschienen ist und zusätzlich seit kurzem auch auf der Current Gen erhältlich ist, hatte ich eine Menge Spaß mit dem Titel, der sich mittlerweile sogar vom inoffiziellen Nachfolger zu „River City Ransom„, zum offiziellen Eintrag in die Kunio-Kun-Reihe gemausert hat, indem die Rechteinhaber Arc System Works, der Fremdentwicklung damit den Ritterschlag verliehen. Und zur Überbrückung bis zur Veröffentlichung der richtigen Fortsetzung, die auch noch dieses Jahr erscheinen soll, bekommen wir ein Prequel, „River City Girls Zero“, das zwar kein komplett neues Spiel, sondern vielmehr ein im Westen bisher unveröffentlichtes, übersetztes und erweitertes SNES-Spiel ist, aber uns dennoch ein Wiedersehen mit den sympathischen Damen beschert. Die Frage ist nur, ob das Spiel genauso überzeugen kann, denn oftmals gibt es ja Gründe, warum Spiele nicht den Weg in den Westen angetreten haben…

Ursprünglich entwickelt von Almanic und herausgebracht von dem damaligen Rechteinhaber Technos, war das Spiel ursprünglich als „Shin Nekketsu Kōha: Kunio-tachi no Banka“ betitelt ist das Spiel 1994 auf dem Super Nintendo erschienen. Es ist chronologisch zwischen „Nekketsu Renegade Kunio-Kun“, der japanischen Version zu „Renegade“ und „Downtown Nekketsu Story“ angesiedelt, das im Westen als „River City Ransom“ veröffentlicht wurde und die Formel des klassischen Brawlers mit RPG-Mechaniken erweitert hat.

Da der ursprüngliche Rechteinhaber Technos nicht mehr existiert und die Rechte bei Arc System Works gelandet sind, die allerdings nicht selbst entwickeln, hat man sich die Pixelkünstler von WayForward für die Entwicklung an Bord geholt, da diese sowohl mit dem Brawler-Genre, durch die Entwicklung von „Double Dragon: Neon“ und aber auch dem offenen Spielprinzip, was auf RPG-, oder im übertragenen Sinn auch Metroidvania-Pfaden wandelt, mitbringen. Denn nicht nur ist WayForward für die überaus populäre Shantae-Reihe verantwortlich, sondern auch das überraschend gute Lizenzspiel „The Mummy Demastered“, das im Direktvergleich zum Film fast eine Offenbarung darstellt und selbstverständlich auch das erste „River City Girls“ stammt von den talentierten Entwicklern.

Das 1994er Spiel, das im Gegensatz zum Rest der Reihe überraschend ernste Töne anschlägt, da Kunio für Unfall mit Todesfolge und Fahrerflucht inhaftiert wird, führte zum ersten Mal Misako und Kyoto als spielbare Charaktere ein, wobei man Kunio und Riki ebenfalls spielt und sogar on-the-Fly zwischen den Charakteren wechseln kann. Zwar verzichtet man für das Spiel auf die RPG-Elemente, doch hebt sich mit ziemlich viel Narrative von der Genre-Konkurrenz ab. Beschränke man sich zum Beispiel bei Double Dragon und Co. eher auf ein paar kurze Textzeilen an Anfang und Ende, nutzen die Entwickler hier jede Möglichkeit für Gespräche der Charaktere untereinander, mit NPCs, oder sogar mit den Gegnern.

Abseits davon ist Spiel ein typischer Brawler, wir bewegen uns durch linear-angelegte Areale und müssen uns regelmäßig Gruppen von Gegnern entledigen, um weiter zu kommen. Wir sehen das Geschehen dabei in einer abgeschrägten 2D-Ansicht und können uns auf unterschiedlichen Ebenen des Bildschirms frei bewegen. Zum Kampf gegen die Gegner stehen uns Schläge, Tritte und unterschiedliche Kombinationen mit Sprüngen und Würden zur Verfügung. Im Vergleich zu anderen Spielen gibt es aber sehr viel weniger Kombos, wir lernen im Spielverlauf keine neuen Angriffe, oder Fähigkeiten dazu und müssen auch auf den Einsatz von Waffen verzichten. Das mag an sich erst einmal eintönig klingen, doch das gleicht das Spiel mit wechselnden Gameplay-Mechaniken und Setpieces aus. So gibt es immer wieder Gelegenheiten, in denen man sich beispielsweise auch vertikal austoben kann, sich der Kampf auf ein in Bewegung befindliches Riesenrad ausweitet, oder wir zur Abwechslung sogar eine Verfolgung auf einem Motorrad erleben, die stark an Road Rash erinnert, um nur ein paar Beispiele zu nennen…

Soviel galt allerdings auch schon für das Originalspiel, das uns im Westen leider verwehrt geblieben ist. Doch WayForward hat das Spiel nicht nur portiert, sondern auch weitere Arbeit rein gesteckt. Ich habe mir extra zum Vergleich das japanische Original zugelegt und konnte sogar mehr Veränderungen feststellen, als angepriesen werden. Kommen wir aber erst zu den offensichtlichen Änderungen: alle Texte wurde ins Englische übersetzt, das Spiel hat ein neues animiertes Intro, neben einem ansprechenden Introsong von Megan McDuffee, die bereits das Intro von „River City Girls“ geschrieben und performed hat. Weiter wurden ein paar Manga-Zwischensequenzen implementiert und es sind selbstverständlich auch unterschiedliche Arten der Auflösung, des Bildschirmausschnitts, Rahmen und eine Speicherfunktion zur Verfügung, die uns dort fortsetzen lässt, wo wir aufgehört haben, ohne jedes Mal neu anfangen zu müssen.

Und dann gibt es da noch die unscheinbaren Veränderungen, wie die beschleunigte Textgeschwindigkeit, die man erst zu schätzen lernt, wenn man das Original probiert hat. Denn das Spiel ist nicht nur wahnsinnig redselig, sondern im Original auch unwahrscheinlich langsam. WayForward hat das anscheinend ähnlich gesehen und die Geschwindigkeit hoch gesetzt. Unverändert ist hingegen alles andere, sei es Grafik, oder Gegnervarianz, denn auch wenn die Grafik in meinen Augen überaus schick ist, muss man sich bewusst sein, dass es im Herzen ein 28 Jahre altes Spiel ist. Und eine Sollbruchstelle zu Gunsten der Abwechslung an Arealen ist die Gegnervarianz, denn die Charaktermodelle lassen sich leider fast an einer Hand abzählen und geübte Spieler werden in den 2-3 Stunden, in denen man das Spiel beenden kann, unzählige Male die gleichen Gegner vermöbeln.

Anfangs steuern wir nur Riki und Kunio und wohnen ihnen bei, als sie aus dem Gefängnis ausbrechen, um ihre Unschuld zu beweisen, doch dann gesellen sich zunächst Mysako und dann Kyoko zum Raster hinzu. Wir steuern immer einen der Protagonisten und können per Knopfdruck umschalten. Jeder Charakter hat seinen eigenen Lebensbalken und wenn einer Null erreicht, heißt es Game Over, wobei es aber unbegrenzte Continues und faire Rücksetspunkte gibt. Die Männer sind zwar etwas stärker und können Gegner auch in den Schwitzkasten nehmen, doch die Frauen sind schneller und können nicht festgehalten werden. Daher sollte man je nach Gegnertyp überlegen mit wem man in den Kampf zieht, wenn es die verfügbaren Lebensbalken zulassen versteht sich.

Insgesamt ist „River City Girls Zero“ ein wirklich unterhaltsames Spiel für Retrospieler, zumal das Modul des Originals mittlerweile auch recht selten geworden ist, doch wer auf eine „echte“ Fortsetzung gehofft hat, muss wohl noch etwas weiter warten. Denn trotz des neuen Intros und der Vermarktung als „neuer“ Teil, ist es eben ein 28-jahre altes Spiel. Für mich als begeisterter Retro-Spieler ist das keinerlei Probleme, aber andere können das durchaus anders sehen, denn in all der Zeit hat sich das Genre auf jeden Fall weiterentwickelt. Nichts desto trotz bekommt man zu einer Zeit wo Retro oftmals versucht wird künstlich herzustellen ein echtes Stück Retro, mit schicker 16-Bit-Grafik, abwechslungsreichen Arealen, einer interessanten Geschichte und wirklich toller Musik. Eine in meinen Augen mehr als würdige Überbrückung, bis der zweite Teil erscheint.

Entwickler: Almanic / WayForward

Publisher: WayForward

Erhältlich auf: Nintendo Switch / PS4, PS5 erscheinen später

NB@28.02.2022

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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