Da ich meine Retro Reviews in der letzten Zeit zugegebenermaßen etwas vernachlässigt habe, habe ich nun beschlossen eine feste Serie aus den Veröffentlichungen zu machen und werde ab sofort jeden Donnerstag, also zum „Throwback Thursday“, ein neues Retro-Review veröffentlichen. Den Anfang macht dabei ein Spiel, das durch eine anstehende Veröffentlichungen eines Nachfolgers zurück in meinen Fokus gerückt ist. Ich spreche dabei von „River City Ransom“, das in Europa unter dem alternativen Titel „Street Gangs“ auf Nintendo’s 8Bit-Konsole, dem Nintendo Entertainment System (NES) veröffentlicht wurde. Ich weiß zwar nicht, warum man den Titel meinte gegen einen generisch-wirkenden alternativen Titel, der sich ebenfalls in Fremdsprache befindet zu ersetzen, aber das war ja damals irgendwie Gang und Gebe und hat dem Spiel bei seiner Vermarktung zumindest auch nicht geschadet. Gerade bei Filmen hat man sich immer wieder kreativ ausgetobt und entweder merkwürdig-klingende deutsche Titel erfunden oder sogar fremdsprachige Eigenkreationen in die Welt gesetzt, von denen man sich eine bessere Vermarktung erhoffte. Immerhin ist das der einzige Unterschied zum Originalspiel, denn inhaltlich finden sich keine Abweichungen, bzw. wenn dann sind diese mir nicht bekannt oder aufgefallen. Zum Vergleich habe ich hier jeweils die Titel- und Startbildschirme für euch, urteilt selbst:

Das Spiel wurde 1991 von Technos Japan Corp. entwickelt und ist, neben der wohl bekanntesten Veröffentlichung auf dem NES, unter anderem auch auf der PC Engine und sogar in Form eines Remakes unter dem Titel „River City Ransom EX“ auf dem GBA erschienen.

Die Handlung spielt sich im Titel-gebenden River City ab, eine Stadt, die vom Verbrechen überrannt ist. Wir steuern wahlweise einen von zwei Protagonisten, die sich gegen die Übermacht aus Verbrechen und Korruption erheben, Ryan und Alex, bzw. im japanischen Original Riki und Kunio. Wir können allerdings die Namen sogar nach unserem Wunsch anpassen, dass wir beispielsweise mit unserem eigenen Namen spielen können. Wahlweise kann man sich auch zu zweit in den Kampf ziehen, wobei wir beide Namen anpassen können und so zum Beispiel virtuell mit dem besten Freund unterwegs sind, was früher ein wahres Highlight der Personalisierung war… Aber zurück zur Story: Da zu allem Überfluss auch noch die Freundinnen der beiden von Slick, dem Anführer der Verbrecherorganisation, die die Stadt kontrolliert entführt wurden, müssen wir alles daran setzen nicht nur dem Bösen Einhalt zu gebieten, die Freundinnen retten und nebenbei auch noch die komplette Stadt zu befreien.

Neben diesen Optimierungen mit der Personalisierung gibt es aber auch noch weitere Dinge, die das Spiel anders macht, als andere vergleichbare Games, wie „Double Dragon“ und Co. So ist das Spiel ist eine interessante Mischung aus klassischem Brawler mit zusätzlichen RPG-Elementen in einer offenen Spielwelt, was ein Novum für das Genre und Spiele der damaligen Zeit per se war. Denn gewöhnlich bewegte man sich in diesem Typ von Game immer in einer vordefinierten Richtung und der Charakter war am Beginn des Spiels exakt so, wie zum Ende und die einzige Art Power-Ups und Waffen zu benutzen war diese von den Gegner aufzunehmen. Bei „River City Ransom“ funktioniert das etwas anders. Zwar können wir auch hier Waffen von den Gegnern aufnehmen und auch das ein oder andere Power-Up auf die herkömmliche Weise in der Spielwelt finden, doch die Gegner lassen auch Geld fallen mit dem wir neue Fähigkeiten in Form von Büchern oder auch Power-Ups, in Form von unterschiedlichem Essen kaufen können und auch nachhaltig unsere Attribute für Geschwindigkeit, Schlag, Tritt, etc. steigern können. Zusätzlich überzeugt das Spiel mit einer nicht-linearen Ausrichtung mit einer offenen Spielwelt, die sich über unterschiedliche Bereiche der Stadt erstreckt. Wir können uns vollkommen frei durch die ganze Stadt bewegen. In manchen Bereichen gibt es unterschiedliche Gegnertypen in Form von unterschiedlichen Gangs, die den Bereich kontrollieren oder auch neutrale NPCs und Geschäfte zum Einkaufen. Es gibt unzählige Abzweigungen und wir erfahren nur durch Gespräche mit anderen Charakteren, wo wir als nächstes hin müssen, um die Geschichte voranzutreiben. Allerdings sei hier erwähnt, dass die Orientierung dabei etwas diffizil ist, da es keine Hilfefunktion in Form einer Karte gibt.

Die Steuerung geht dabei trotz der Limitierung des NES Recht gut von der Hand und erweist sich sehr vielschichtig. So können wir obwohl es neben dem D-Pad lediglich zwei Actiontasten gibt schlagen, treten, springen, laufen, rennen und auch Kombinationen der Aktionen durchführen. So tritt man beispielsweise mit B, schlägt mit A und springt mit der Kombination der beiden Tasten, wo man bei anderen Spielen für jeder Taste nur eine Aktion hatte, was wie viele Elemente des Spiels für die damalige Zeit überaus ambitioniert war.

Jedoch, egal wie ambitioniert viele Elemente damals waren, der Umstand, dass man oftmals ohne durch die Spielwelt irrt und nicht weiß, wo es weitergeht kann echt nerven. Und da das Spiel von Haus aus einen recht hohen Schwierigkeitsgrad hat und man immer wieder auf neue Gegnergruppen trifft, kann mit der Zeit etwas für Frust sorgen. Das sollte zwar im Co-Op etwas leichter werden, doch da es im Spiel blöderweise Friendly Fire gibt, macht es das sogar schwerer, wenn man sich nicht perfekt abstimmt. Ausstellen kann man dieses „Feature“ nämlich leider nicht.

Dennoch macht das Spiel auch heute noch Spaß und ist meiner Meinung nach zu Unrecht im Westen etwas in der Versenkung verschwunden, obwohl es mittlerweile zig Nachfolger und Genrefremden Spin-Offs, in Form von zum Beispiel „Super Dodge Ball“, wo die gleichen Charaktere auftreten. In Japan gibt es dazu ein echtes Kult-Following, was nun im Release eines neuen Teils in Form von „River City Girls“ mündet, über das ich in den kommenden Tagen berichten werde. Wer das Ursprungsspiel heute nochmal erleben möchte und kein NES mehr herumstehen hat kann das Spiel übrigens über die Virtual Console auf der Wii und WiiU oder im Rahmen der NES-Spiele bei Switch Online spielen, wo das Spiel sogar im Launch-Lineup enthalten war.

NB@12.09.2019

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Wenn euch der Beitrag gefallen hat würde ich mich natürlich über eure Likes, Retweets, Abos oder auch Feedback freuen. Gleiches trifft aber auch zu, wenn ich eurer Meinung nach etwas hätte besser machen können. Konstruktive Kritik hilft bekanntlich nur, wenn man sie auch bekommt, also lasst es mich einfach wissen.

Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.