Nach dem letztwöchigen #Throwback Thursday zu „River City Ransom“, dem Brawler mit RPG-Einflüssen auf dem NES ist nun der aktuelle inoffizielle Nachfolger, ein Spiel auf das ich im Vorfeld wirklich mehr als gespannt war. Das Spiel wurde von WayForward, den Entwicklern der berühmten Shantae-Serie entwickelt und von Arc System Works herausgebracht. Ich habe dankenswerterweise bereits vor dem Release einen Review-Code von WayForward für das Spiel bekommen und konnte mir so einen ausgiebigen Überblick über das Spiel verschaffen. Auswirkungen auf mein Review hat diese Umstand allerdings nicht.

War das Genre mehrere Jahre mehr als tot so hat es nun mit aktuellen Releases, wie diesem hier und dem anstehenden „Streets of Rage 4“ ein Revival erfahren. Und auch wenn man über das letztere noch keine genaue Aussage treffen kann, so hat man zumindest mit „River City Girls“ eine neo-Retro-Perle geschaffen, denn allein von einem ästhetischen Gesichtspunkt und der allgemeinen Präsentation ist das Spiel überaus liebevoll. Das beginnt bereits mit dem Intro, dass in Form von Anime-Serien der ausgehenden 90er Jahre animiert ist dazu mit einem der besten Opening-Songs aufwartet, den ich seit langem in einem Videospiel gehört habe. Dreckig, punkig und überdreht zieht einen bereits diese Intro in den Bann, bevor man überhaupt am Hauptmenü angekommen ist. Hierbei könnte es sich durchaus um das Intro einer TV-Serie handeln, was mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch das Ziel der Entwickler war. Hier ist zur thematischen Einstimmung daher der Releasetrailer des Spiels verlinkt:

Da der ursprüngliche Rechteinhaber Technos nicht mehr existiert und die Rechte in der Zwischenzeit bei Arc System Works gelandet sind hat man sich die Pixelkünstler von WayForward für die Entwicklung an Bord geholt, da diese sowohl mit dem Brawler-Genre, durch die Entwicklung von „Double Dragon: Neon“ und aber auch dem offenen Spielprinzip, was auf Metroidvania-Pfaden wandelt, in Form der Shantea-Reihe oder auch dem überraschend guten Lizenzspiel „The Mummy Demastered“, bereits Vorkenntnisse aufweisen konnten und hatten auch unterstützend an einem meiner letzten Highlights „Bloodstained – Ritual of the Night“ mitgearbeitet. Wie beim direkten Vorbild „River City Rampage“ hat man in diesem Spiel beide Prinzipien klassischer Brawler, mit einer offeneren Spielwelt und RPG-Elementen kombiniert und ein nicht nur knallbuntes und schönanzusehendes Spiel in liebevoller Pixeloptik, sondern auch spielerisch überzeugendes Game abgeliefert, auch wenn die Prämisse des Spiels erst einmal alles andere, als besonders aufregend ist…

Denn, wie wir bereits im Intro des Spiels erfahren ist der Aufhänger des Spiels lediglich, dass Kunio und Riki, die Protagonisten aus dem Original (zumindest in der japanischen Fassung) entführt wurden und es ist damit dieses Mal an ihren Freundinnen, Kyoko und Misako, ist die beiden zu befreien und nebenbei die Stadt vom Übel zu befreien, das sie befallen hat. Also im Grunde die Story des Originals mit umgekehrten Rollen, zumindest von der Prämisse. Doch entgegen des Originals haben wir zuvor ein für die Protagonisten sehr viel akuteres Problem, denn so ist der erste Schritt dabei dem übermäßig-langweiligen Matheunterricht und den weitläufigen Hallen der Schule zu entfliehen, die die Ambitionen der beiden korrumpieren. – Und auch wenn der Mathelehrer sich ihnen nicht versucht in den Weg zu stellen, so mobilisiert der Direktor alle anderen Kampflustigen Schüler, um die beiden vom Verlassen der Schule abzuhalten. Wir kämpfen uns dabei wahlweise mit Kyoko oder Misako, bzw. optional natürlich auch mit beidem im Co-Op durch die Schule, die sich durch unterschiedliche Areale, wie Klassenzimmer, Schulflure, Turnhalle, Mensa bis zur Eingangshalle und Außenbereiche erstreckt und hauptsächlich als Tutorial fungiert. Hier lernen wir neben den allgemeinen Steuerungsoptionen und den ersten Spezialfähigkeiten auch den Umgang mit unserem Smartphone, das als Steuerungs- und Übersichtseinheit für weiterentwickelte RPG-Elemente des Vorgängers fungiert.

Denn auch wenn diese sich am Anfang des Spiels nur recht zögerlich integrieren, so öffnet sich die Spielwelt nach dem Verlassen der Schule komplett und wir finden uns in einer offenen Spielwelt wieder, die wir entsprechend unserer Fähigkeiten und aktiven Missionen frei erkunden können. Für jede Aktion und jeden besiegten Gegner verdienen wir neben Geld auch XP, mit der wir uns und unsere Fähigkeiten mit der Zeit verbessern können oder Dinge in der Spielwelt freischalten. Natürlich ist die Spielwelt nicht so groß und ausufernd, wie in einem klassischen Metroidvania und abgesperrte Bereiche erfordern meist entweder ein konkretes Item oder eine aktive Mission, damit wir den Bereich betreten können, aber dennoch liefert die Welt genug Freiheiten, um sich auch abseits der Geschichte gerne darin zu bewegen und sie zu erkunden. So gibt es neben unzähligen Geschäften, in denen wir Items kaufen können, die wir später über unser Smartphone jederzeit bei Bedarf verwenden können auch neue Moves zum Erlernen, versteckte Sammelobjekte und Bereiche, sowie ein in Haupt- und Nebenmissionen gegliedertes Fortschrittsystem…

Zum Beginn des Spiels ist das Moveset dabei recht überschaubar und besteht im Grunde nur aus eine Gehen, Springen, Rennen (Doppelklick der Richtungstaste), sowie einem leichten und einem schweren Angriff, doch lässt sich im Spielverlauf durch freischaltbare Spezialmoves und Combos immens ausbauen. Diese Moves lassen sich ebenfalls jederzeit über das Smartphone einsehen, damit man keinen davon vergisst und so kann man in Windeseile in bester Ninja Gaiden-Manier an Wände springen, um sich mit einem kräftigen Tritt wieder abzudrücken und macht auch mit größeren Gegnermassen kurzen Prozess. Und da das Kämpfen mit einem Freund zusammen immer mehr Spaß macht und Friendly Fire, wie im Original allerdings den Spaß trübt, kann diese Option wahlweise ein- und ausgeschaltet werden.

Technisch macht das Spiel auch eine mehr als gute Figur, denn auch wenn man sich für eine Neo-Retro-Pixeloptik entschieden hat, so ist das Spiel dennoch auf der Höhe der Zeit und die ziemlich großen Charaktersprites, unterschiedlichen Animationsphasen und jeder Menge Details. Darüber hinaus ist das Spiel komplett vertont, verfügt über jede Menge Cutscenes, die ebenso hochwertig, wie das Intro gemacht sind und hat einen überragenden Soundtrack, der es mir so angetan hat, dass ich ihn wenig später separat als Audiodownload nachgekauft habe, um ihn auch unterwegs hören zu können. Die Animationen sind flüssig und auch wenn immer wieder gegen die gleichen Gegnertypen kämpft, werden diese durch unterschiedliche Farbvariationen dennoch voneinander abgehoben, zumal es ohnehin mehr unterschiedliche Gegner gibt, als bei vielen Vertretern des Genres per se.

Insgesamt hatte ich mit „River City Girls“ wirklich viel Spaß und auch wenn das Pacing und das Balancing an der ein oder anderen Stelle etwas abfällt und sich zu sehr darauf verlässt, dass man als Spieler entweder die Bewegungen der Gegner auswendig lernt oder grinded, bis man sich bessere Moves, Items und Waffen kaufen kann. Gerade bei den Bossen oder bei einer Übermacht an Gegnern hat man sonst erst einmal seine Probleme, wenn man nicht die richtigen Items im Gepäck hat. Mit seinen knapp 5-6 Stunden Spielzeit, bis man das Ende sieht hat es auch eine angenehme Spielzeit und da es unter anderem auch alternative Charaktere zu spielen freizuschalten gibt, die ich hier natürlich nicht spoilern möchte, gibt es auch Langzeitmotivation. Gerade im Bereich der neuen Spiele, die auf der Retrowelle schwimmen möchten ist es einer der besten Vertreter und liefert tolles und motivierendes Gameplay, eine wunderschöne Grafik und einen überragenden Soundtrack von dem ich persönlich, auch abseits des Spiels, nicht genug bekommen kann.

NB@16.09.2019

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