Es ist für regelmäßige Leser wahrscheinlich kein Geheimnis, dass ich persönlich sogar vielen allgemein als „schlecht“ angesehenen Spielen versuche etwas positives abzugewinnen. Immerhin steckt selbst in vermeintlich kleinen Projekten viel Arbeit und Technik ist im Endeffekt auch nicht alles. So haben es sogar das flächendeckend zerissene Spiele, wie „Forspoken“ es auf Top 4 meiner „Tops & Flops 2023“ und „The Callisto Protocol“ in meinen „Tops & Flops 2022“ sogar auf Top 2 geschafft. Und gerade letzteres habe ich seitdem sogar noch mehrfach in seinen als DLC nachgereichten unterschiedlichen Modi durchgespielt.

Und auch wenn das vorliegende „The Walking Dead Destinies“ zweifelsfrei nicht auf ein Stufe mit „Forspoken“ oder Callisto zu setzen ist, immerhin habe ich es dennoch auf meine Flops innerhalb des Jahresrückblicks gewählt, nichts desto trotz handelt es sich aber keineswegs um den Mega Fail, ohne Daseinsberechnung, den das Internet daraus macht. Aber fangen wir besser mit einem kurzen Abriss der bisherigen Videospiele der Reihe an: Denn allgemein haben Umsetzungen von „The Walking Dead“, wenn man von der grandiosen Telltale-Reihe absieht, nicht gerade den besten Ruf. So war für die meisten auch „The Walking Dead: Survival Instinct“, das uns erlaubte Daryl Dixon in einer eigenen Geschichte zu begleiten, die vor der Handlung der Serie angesiedelt war, ebenfalls eine ziemliche Gurke, aber ich habe das Spiel geliebt.

Und auch die Prämisse an sich ist überaus interessant und strotzt nur so vor Fanservice. Und auch wenn ich bei der Serie irgendwo in Staffel 7 das Interesse verloren hatte, so war der Weg dahin eine absolute fesselnde Reise, die neue Maßstäbe für TV Serien gesetzt hat. Und das Spiel baut auf dieser Nostalgie auf und lässt uns nicht nur ikonische Szenen aus den ersten vier Staffeln der Serie mit einer neuen Sicht erleben, sondern sogar verändern. An einschlägigen Schlüsselszenen können wir aktiv eine Auswahl treffen, die den weiteren Verlauf  beeinflussen. So hat beispielsweise eine nicht überdachte Entscheidung zur Folge gehabt, dass Carl gestorben ist, jedoch hatte ich stattdessen Merle, anstatt T-Dog in meiner Gruppe dabei… –

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn selbst vor Hauptfiguren machen diese Entscheidungen keinen Halt und wer zum Beispiel gefragt hat wie die Geschichte verlaufen wäre, wenn Shane anstatt Rick die Gruppe angeführt hätte, der kann das in diesem Spiel herausfinden. Ehrlicherweise muss man zwar zugeben, dass einige dieser Veränderungen lediglich den Austausch eines Charaktermodells bewirken, aber andere wirklich einen nennenswerten Unterschied und Verlauf losgelöst des bekannten Pfades bewirken.

Spielerisch ist das Spiel dabei in meist eher lineare Levels aufgeteilt, die sich an der Handlung der Serie orientieren. So erwachen wir im ersten Level als Rick Grimes im Krankenhaus und finden uns inmitten einer Zombie Apokalypse wieder. Wir haben keine Idee wie wir hier herkommen, wo unsere Familie ist und was mit unserer Welt geschehen ist. Das Gameplay wechselt darauf in einen Mix aus Schleichen und Kämpfen, wobei für den Kampf zunächst nur zweckentfremdete Werkzeuge herhalten müssen, bevor wir in den folgenden Missionen unsere ersten Schusswaffen freischalten.

Im Vergleich mit anderen Spielen ist zwar sowohl das Kampf-, wie auch das Schleichsystem eher als zweckmäßig zu bezeichnen, ist aber dennoch nicht ohne einen gewissen Unterhaltungsfaktor. So erfordern unterschiedliche Gegner unterschiedliche Herangehensweisen und es gibt in den meisten Fällen mehrere Wege um ans Ziel zu kommen und es ist an uns als Spieler, ob wir die Gegner lautlos ausschalten, mit gezogenen Colts drauf losrennen, oder die Gegner komplett umgehen. Die Missionsziele bestehen in den meisten Fällen daraus entweder ein bestimmtes Item zu finden, von einem zum anderen Ort zu kommen, oder ähnliches. Zusätzlich beinhaltet das Spiel in seltenen Fällen leichte Plattforming-Elemente, wobei die Steuerung in diesen Instanzen unser größter Feind ist.

Technisch ist das Spiel keineswegs gut, so gleicht es einem Glücksspiel wann die KI uns beim Schleichen erkennt und wann nicht und in einigen Fällen war es einfacher an den gesamten Gegnern vorbeizurennen und so das Ziel zu erreichen. Jedoch fand ich es sogar unterhaltsam zu erforschen wie man das Spiel austricksen konnte. Das Kampfsystem ist hingegen größtenteils wirklich gelungen und bringt sogar einiges an Gore und ekligen Soundeffekten mit sich. Optisch ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dass die Charaktere und Levels eher nach PS3, wenn überhaupt, aussehen und nicht wie ein Spiel, das hauptsachlich auf Nextgen veröffentlicht wurde, wobei es sich schätzungsweise um ein blendendes Kaufargument handeln soll.

Doch warum konnte ich dem Spiel trotz all der Fehler und Unzulänglichkeiten dennoch etwas abgewinnen? – Wie schon im Jahresrückblick erwähnt, macht das Spiel eben keinen Hehl daraus, dass es günstig und schnell produziert wurde. Quasi das Äquivalent von B- und C-Actionfilmen, die als Antwort auf „Stirb Langsam“ aus dem Boden gestampft wurden, doch analog zu vielen dieser Filme, hat auch das Spiel einen gewissen Charme… – So hatte ich insgesamt dennoch Spaß mit dem Spiel und das einzige, das man dem Spiel wirklich vorwerfen kann ist, dass es überaus kurz geworden ist. In etwa 6-7 Stunden ist man am Ende angelangt, was für ein Spiel, das im mittleren Preissegment vertrieben wird und über keinerlei zusätzliche Modi verfügt, schon etwas happig ist. Aus diesem Grund fällt es an sich auch schwer das Spiel wirklich zu empfehlen und diejenigen, die dennoch neugierig sind, sollten eher auf einen Sale warten!

Entwickler: Flux Games

Publisher: GameMill Entertainment

Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch

NB@04.01.2023

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