Die Erinnerung ist schon manchmal trügerisch, denn zugegebenermaßen waren meine ersten Minuten mit „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ fast etwas ernüchternd, denn ich hätte schwören können, dass das Remake sich optisch kaum vom Original unterscheidet. Ein Fall von verklärter Erinnerung, wie ich mir zweifelsohne eingestehen muss, denn auch wenn das Original „Assassin’s Creed IV: Black Flag“ auf dem Jahr 2013 immer noch ein nett anzusehendes Spiel ist, so ist das Remake ein Quantensprung!

Damals entwickelte sich das Piratenabenteuer schnell zu einem der beliebtesten Ableger der gesamten Reihe. Bis heute schwärmen viele Fans von der offenen Karibik, den spektakulären Seeschlachten und dem unverwechselbaren Freiheitsgefühl, das kaum ein anderer Serienteil in dieser Form vermitteln konnte. Mit Resynced erhält dieser moderne Klassiker nun ein vollständiges und inhaltlich überarbeitetes Remake für aktuelle Plattformen. Denn anstatt sich ausschließlich auf eine technische Generalüberholung zu beschränken, haben sich die Entwickler auch zahlreiche Spielmechaniken vorgenommen und einzelne Elemente der Handlung überarbeitet. Die spannende Frage lautet daher, ob es gelingt, die Stärken des Originals zu bewahren und gleichzeitig dessen Schwächen auszubessern?

Im Mittelpunkt steht erneut der Waliser Edward Kenway, der vor Jahren auszog sein Glück in der Karibik zu finden. Durch eine Verkettung unglücklicher Ereignisse gerät er jedoch mitten in den uralten Konflikt zwischen Assassinen und Templern. Seine Entwicklung vom eigensinnigen Piraten zu einer Figur, die Verantwortung übernimmt und ihre Ideale hinterfragt, zählt noch immer zu den größten Stärken der Geschichte. Begleitet wird Edward von historischen Persönlichkeiten wie Blackbeard, Mary Read, Anne Bonny und Benjamin Hornigold, deren Schicksale gekonnt mit der fiktiven Handlung verflochten werden. Neu hinzugekommene Storyabschnitte fügen sich erstaunlich organisch in den bekannten Ablauf ein und wirken wie selbstverständlich zur ursprünglichen Geschichte gehörig. Ein zusätzlicher Epilog rundet Edwards Reise schließlich mit einem stimmigen Abschluss ab, der für viele im Original gefehlt hat.

Die größte erzählerische Veränderung betrifft allerdings einen Aspekt, der bereits beim Original kontrovers diskutiert wurde. Die komplette Gegenwartshandlung rund um Abstergo Entertainment, also im Grunde die fiktive Version von Ubisoft im Kontext der Handlung, entfällt im Remake vollständig. Dadurch bleibt der Fokus dauerhaft auf Edwards Abenteuer in der Karibik erhalten. Rückblickend erweist sich diese Entscheidung als ausgesprochen gelungen, denn die Handlung entwickelt einen deutlich besseren Spannungsbogen und wird nicht länger regelmäßig durch Ausflüge in die Gegenwart unterbrochen. Das sorgt für ein wesentlich homogeneres Erzähltempo und lässt viele emotionale Momente sogar noch stärker wirken. Jedoch bleibt dadurch die Figur des sogenannten „Sage“, aka Roberts, etwas blass, da seine Charakterentwicklung teilweise durch die Gegenwartshandlung ergänzt wurde.

Spielerisch bleibt die riesige und vollkommen offene Karibik immer noch das Herzstück des Abenteuers. Zahlreiche Inseln, kleine Ortschaften, Höhlen, Festungen und versunkene Wracks laden weiterhin dazu ein, vom eigentlichen Missionsziel abzuschweifen und auf eigene Faust Entdeckungen zu machen. Mittelpunkt jeder Reise ist selbstverständlich die Jackdaw, deren stetiger Ausbau ebenso motiviert wie die zahlreichen Seeschlachten gegen feindliche Kriegsschiffe. Noch heute gehören diese Gefechte zu den eindrucksvollsten Momenten der gesamten Reihe.

Gerade hier profitiert das Remake spürbar von der modernen Technik. Dynamische Wetterwechsel verändern nicht nur die Optik der Spielwelt, sondern beeinflussen auch die Atmosphäre auf hoher See. Ruhige Gewässer können sich innerhalb weniger Minuten in tobende Stürme verwandeln, während dichter Regen und gewaltige Wellen jede Seeschlacht noch dramatischer erscheinen lassen. Die Karibik wirkt dadurch lebendiger und glaubwürdiger als jemals zuvor.

Auch das Kampfsystem wurde grundlegend überarbeitet. Während sich die Kämpfe im Original oftmals auf einfache Konter und automatische Angriffe reduzierten, bietet das Remake deutlich mehr spielerische Freiheiten. Präziseres Timing, zusätzliche Angriffsmöglichkeiten und abwechslungsreichere Kombinationen verleihen den Gefechten mehr Tiefe, ohne dabei unnötig kompliziert zu werden. Wer moderne Actionspiele gewohnt ist, wird die zusätzlichen Möglichkeiten schnell zu schätzen wissen. Gleichzeitig bleibt das Kampfsystem angenehm zugänglich und verzichtet bewusst auf die kompromisslose Härte eines Souls-Likes.

Ebenso sinnvoll fallen die Verbesserungen beim Schleichen aus. Edward kann sich nun auf Knopfdruck dauerhaft geduckt bewegen, wodurch Infiltrationen deutlich natürlicher ablaufen. Was zunächst wie eine kleine Komfortfunktion klingt, verändert viele Missionen spürbar zum Positiven und sorgt dafür, dass lautlose Vorgehensweisen wesentlich intuitiver funktionieren als noch 2013. Hier hat man sich eindeutig von „Assassins Creed Shadows“ inspirieren lassen, dass die Stealth-Mechanik der Reihe perfektioniert hat.

Ein weiterer Kritikpunkt des Originals wurde ebenfalls konsequent überarbeitet. Die berüchtigten Verfolgungsmissionen gehören nicht länger zu den frustrierendsten Abschnitten des Spiels. Sie wurden vollständig neu gestaltet und bieten heute mehr spielerische Freiheit, nachvollziehbarere Abläufe und deutlich weniger unnötige Fehlschläge. Dadurch fügen sie sich wesentlich harmonischer in den allgemeinen Spielfluss ein und verlieren den Ruf, das Abenteuer künstlich auszubremsen. Nicht nur wurden spielerische Hürden dabei ausgemerzt, auch wenn wir entdeckt werden führt das nicht zwangsläufig zum „Game Over“, denn wir können die Mission auch auf anderen Wegen beenden.

Trotz aller Modernisierungen bleibt jederzeit erkennbar, weshalb gerade dieser Serienteil bis heute einen so guten Ruf genießt. Das Remake verändert die grundlegende Struktur nur dort, wo es sinnvoll erscheint, und bewahrt gleichzeitig den besonderen Charme der Vorlage. Wer das Original kennt, entdeckt überall kleine Verbesserungen, ohne dabei das Gefühl zu bekommen, ein völlig anderes Spiel vor sich zu haben. Neue Spieler wiederum erhalten eine Version, die sich in vielen Bereichen zeitgemäßer anfühlt als das mittlerweile über zehn Jahre alte Original.

Auch audiovisuell hinterlässt das Remake einen hervorragenden Eindruck. Die tropische Spielwelt präsentiert sich mit deutlich detaillierterer Vegetation, moderner Beleuchtung und beeindruckenden Wassereffekten. Besonders Sonnenuntergänge auf offener See oder heftige Gewitter sorgen immer wieder für eindrucksvolle Panoramen. Auf der getesteten PlayStation 5 überzeugt das Abenteuer zudem mit stabiler Performance, sehr kurzen Ladezeiten und einer insgesamt sauberen technischen Umsetzung.

Passend dazu wurde auch die Klangkulisse aufgewertet. Der orchestrale Soundtrack entfaltet noch immer dieselbe Abenteuerstimmung wie einst, während die berühmten Seemannslieder der Besatzung erneut zu den atmosphärischen Höhepunkten gehören. Neu abgemischte Umgebungsgeräusche, kräftigere Kanonenschläge und detailreichere Wettereffekte sorgen zusätzlich dafür, dass die Karibik akustisch ebenso lebendig wirkt wie optisch.

Verglichen mit dem Original zeigt sich sehr deutlich, dass dieses Remake weit über eine reine Grafiküberarbeitung hinausgeht. Der Wegfall der Gegenwartshandlung sorgt für einen deutlich flüssigeren Erzählrhythmus, während das modernisierte Kampfsystem, die verbesserten Schleichmechaniken, die neu gestalteten Verfolgungsmissionen, das dynamische Wettersystem sowie die zusätzlichen Storyinhalte das Spielerlebnis sinnvoll erweitern. Gleichzeitig bleibt die Identität des Originals vollständig erhalten – ein Balanceakt, der Remakes nur selten so überzeugend gelingt.

Hinter dem Projekt steht erneut Ubisoft, das sowohl Entwicklung als auch Veröffentlichung übernommen hat. Das französische Studio zählt seit Jahrzehnten zu den prägendsten Unternehmen der Videospielbranche und ist neben Assassin’s Creed unter anderem auch für Reihen wie Far Cry, Prince of Persia, Rayman oder Tom Clancy’s The Division verantwortlich. Mit Resynced zeigt das Studio eindrucksvoll, wie ein modernes Remake aussehen kann: respektvoll gegenüber der Vorlage, gleichzeitig aber mutig genug, überholte Designentscheidungen zu überdenken und sinnvoll zu modernisieren.

Insgesamt gelingt „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ genau das, was sich Fans von einer Neuauflage wünschen dürften. Das Spiel bewahrt die Atmosphäre, den Charme und das einzigartige Piratengefühl des Originals, beseitigt jedoch zahlreiche Schwächen, die über die Jahre immer deutlicher sichtbar wurden. Wer damals bereits mit der Jackdaw über die Karibik segelte, findet viele gute Gründe für eine Rückkehr. Neue Spieler erleben dagegen einen der stärksten Teile der Reihe in einer Form, die sich moderner, flüssiger und runder anfühlt als jemals zuvor.
Entwickler: Ubisoft
Publisher: Ubisoft
Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S
Getestet auf: PS5
NB@14.07.2026
——— Hinweise & Disclaimer: ———
Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!
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