Mit „Riven“ kehrt ein Klassiker des Adventure-Genres in einer vollständig überarbeiteten Fassung zurück. Das von Cyan Worlds entwickelte Remake des Rätselabenteuers erschien bereits 2024 für PC und Mac, sowie für verschiedene VR-Plattformen und ist nun auf auf Konsolen gelandet. Als Neuauflage des 1997 veröffentlichten „Riven: The Sequel to Myst“ knüpft das Spiel an die Geschichte des Vorgängers an und erweitert dessen geheimnisvolle Welt um neue Details. Doch wie gut funktioniert das entschleunigte Erkundungsabenteuer heute, wenn sich moderne Spiele häufig durch ein hohes Tempo und zahlreiche Hilfestellungen auszeichnen?

Die Geschichte führt uns in die geheimnisvolle Welt von Riven, einer sogenannten Zeitalterwelt, die durch die Bücher der D’ni erschaffen wurde. Hier herrscht Gehn, der sich selbst als gottgleicher Schöpfer betrachtet und die Bewohner der Inselwelt seinem Willen unterwirft. Während das fragile Gleichgewicht der Umgebung zunehmend zerfällt, regt sich Widerstand gegen seine Herrschaft. Unsere Aufgabe besteht darin, die Zusammenhänge hinter dieser Welt zu verstehen und einen Weg zu finden, die drohende Katastrophe aufzuhalten. Dabei begegnen wir unter anderem Atrus und Catherine, deren Schicksale eng mit der Geschichte von Riven verbunden sind. Die Handlung entfaltet sich bewusst zurückhaltend und verlangt Aufmerksamkeit, um die Hintergründe der Ereignisse zu verstehen.

Spielerisch bleibt das Abenteuer seinen Wurzeln treu, geht jedoch einen entscheidenden Schritt in Richtung moderner 3D-Erkundung. Statt wie im Original ausschließlich über festgelegte Bildschirme zu navigieren, bewegen wir uns nun frei durch die Umgebung. Aus der Ego-Perspektive erkunden wir die fünf Inseln, untersuchen Gegenstände und suchen nach Hinweisen, die uns bei der Lösung der zahlreichen Rätsel helfen. Die Steuerung mit dem Controller funktioniert dabei weitgehend intuitiv. Türen, Schalter, Maschinen und andere interaktive Elemente lassen sich direkt untersuchen und bedienen.

Im Mittelpunkt stehen komplexe Logikrätsel, die eng mit der Spielwelt verwoben sind. Oft müssen wir zunächst Zusammenhänge erkennen, Symbole entschlüsseln oder technische Vorrichtungen verstehen, bevor sich ein Lösungsweg eröffnet. Das Spiel erklärt dabei nur wenig und überlässt es uns, die Bedeutung einzelner Beobachtungen selbst herauszufinden. Wer aufmerksam durch die Umgebung streift und sich Notizen macht, wird mit nachvollziehbaren Aha-Momenten belohnt. Gleichzeitig kann der geringe Grad an Hilfestellung dazu führen, dass man längere Zeit an einer Aufgabe festhängt. Ein klassisches Kampfsystem oder hektische Action sucht man vergeblich. Stattdessen bestimmen Erkundung, Beobachtung und geduldiges Nachdenken den Spielfluss.

Die grafische Präsentation gehört zu den auffälligsten Veränderungen gegenüber dem Original. Cyan Worlds hat die Inselwelt mit der Unreal Engine 5 von Grund auf neu aufgebaut. Dichte Vegetation, verwitterte Bauwerke, weitläufige Höhlen und monumentale Maschinen erzeugen eine geheimnisvolle Atmosphäre, die zwischen natürlicher Schönheit und zunehmendem Verfall pendelt. Besonders die vielen kleinen Details lassen die Umgebung glaubwürdig wirken. Auf der PlayStation 5 wird die Welt in einer zeitgemäßen 3D-Darstellung präsentiert. Die musikalische Untermalung bleibt dezent und unterstützt die Stimmung, ohne die Geräusche der Umgebung zu überlagern. Wind, Wasser und mechanische Klänge tragen wesentlich dazu bei, dass sich die Inseln wie ein eigenständiger Ort anfühlen.

Als Neuauflage erweitert das Spiel die Vorlage nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich. Die vertraute Geschichte wurde an verschiedenen Stellen ausgebaut, neue Charaktere und zusätzliche Rätsel ergänzen das Abenteuer. Gleichzeitig bleibt der Kern des Originals erhalten: eine fremdartige Welt, deren Geheimnisse sich erst durch genaues Hinsehen erschließen. Cyan Worlds, 1987 von Rand Miller und Robyn Miller gegründet, bleibt damit seiner langjährigen Ausrichtung auf atmosphärische Erkundungsabenteuer treu. Zu den bekannten Arbeiten des Studios zählen neben der Myst-Reihe auch „Obduction“ und „Firmament“.

„Riven“ richtet sich vor allem an Spielerinnen und Spieler, die Freude an anspruchsvollen Rätseln, einer geheimnisvollen Geschichte und einem bewusst ruhigen Spieltempo haben. Die Neuauflage verbindet die besondere Atmosphäre des Klassikers mit einer frei begehbaren 3D-Welt und eröffnet damit auch Neueinsteigern einen Zugang zu diesem ungewöhnlichen Abenteuer. Wer sich gerne Zeit nimmt, Zusammenhänge selbst zu entdecken und eine Spielwelt ohne ständige Hinweise zu erkunden, findet hier ein Erlebnis, das zum Nachdenken und Verweilen einlädt.
Entwickler: Cyan Worlds
Publisher: Cyan Worlds
Erhältlich auf: PC, PS5, PSVR2, Meta Quest, Xbox Series X/S
Getestet auf: PS5
NB@29.09.2026
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