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Ich muss zugeben, dass ich einer der wenigen Menschen bin, der mit dem ersten Watch_Dogs trotz vieler Unzulänglichkeiten dennoch richtig viel Spaß hatte. Dennoch sind die meisten Kritikpunkte, wie das Grafikdowngrade, die recht dünne Story und die teilweise recht „hölzerne“ oder Hacking-Mechanik nicht wirklich von der Hand zu werfen. Und auch wenn ich dem Hauptcharakter Aiden Pierce eine gewisse Sympathie abgewinnen konnte, blieb er durch das ganze Spiel recht farblos, so wie die recht düstere Spielwelt.

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Lange war es daher nicht klar, ob Ubisoft das heiße Eisen „Watch_Dogs“, das durch etliche Vorbesteller zwar finanziell erfolgreich, aber im Nachhinein auf Grund der herben Kritik am Spiel nicht gerade zur Steigerung des Rufs von Ubisoft gesorgt hat, nochmal anfassen würde. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, denn vor einigen Tagen ist mit Watch_Dogs 2 das Spiel erschienen, welches das erste bereits hätte sein sollen. Man hat sich der aller guten und schlechten Eigenschaften des ersten Spiels angenommen, gutes beibehalten und teilweise weiterentwickelt und fast alles Negative ausgemerzt.

 

Uns verschlägt es einige Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils unter Verwendung eines neuen Hauptcharakters in eine neue Stadt. Stand im ersten Teil noch Chicago Pate für unseren virtuellen Spielplatz, so spielt sich die Story nun in San Franzisco und dessen großen Umland ab. Die Stadt präsentiert sich sehr viel offenen und freundlicher, als das doch recht düstere Chicago. War im ersten Teil noch grau die dominierende Farbe, so bekommt man in San Franzisco viele unterschiedliche Bereiche mit unterschiedlichen Architekturen und Farbpaletten präsentiert und Ubisoft hat sich besonders in Bezug auf wunderschöne Lichteffekte und belebte Spielwelt wahrscheinlich beim Platzhirsch GTA 5 in Sachen Open World inspirieren lassen.

 

Unser virtuelles San Francisco nicht nur um einiges größer, als Chicago im ersten Teil, sondern ist auch eine wirklich lebende Stadt, die von unzähligen NPCs bevölkert wird. Diese NPCs führen gehen unterschiedlichen Handlungen nach, interagieren miteinander und mit uns als Spieler und sind somit nicht nur eine „notwendige“  Dekoration der sonst zu kargen Stadt. Mit der neuen Stadt bekommen wir mit dem Sequel auch einen neuen spielbaren Charakter: Unsere Hauptfigur ist diesmal Marcus Holloway, ein sympathischer Hacker, der sich einer auf Grund persönlicher schlechter Erfahrungen gegen die Obrigkeit der Stadt in Form des CtOS2 und dessen Betreibers Blume auflehnt und sich einer Gruppe von Hackern anschließt.

 

In vielen Belangen ist Marcus gegenüber Aiden Pierce aus dem ersten Teil stark überlegen, denn er ist sowohl zu Fuß durch seinen Parkour-Fähigkeiten, als auch in Sachen Hacking eine meilenweite Steigerung. Besonders das Hacking durch eine Unzahl von unterschiedlichen Möglichkeiten und Upgrades differenzierter und vielschichtiger geworden. So hat man für jede Mission unterschiedliche Lösungswege und kann diese auf viele unterschiedliche Möglichkeiten lösen. Neben dem normalen Hacking hat Marcus auch noch neue Spielzeuge in Form von einem frei-steuerbaren Roboter und einer Flugdrohne zur Verfügung, die ebenfalls neue Lösungswege offenlegen.

 

Auch ohne die unterschiedlichen Lösungswege und unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade sollte das Hauptspiel knapp 20 Stunden beschäftigen. Wie es typisch für Open World und auch Ubisoft ist, gibt es aber natürlich wieder unzählige Nebenaufgaben in der Welt, die zum weiteren Erkunden und Verweilen einladen. Jedoch bleibt dabei zu erwähnen, dass die Nebenaufgaben nicht mehr so eintönig sind, wie im Vorgänger, bei dem man gefühlt die gleiche Nebenmission 100 Mal gespielt hat, sondern auch wenn sich natürlich einzelnen Elemente wiederholen hat man nicht das Gefühl das gleiche wieder und wieder zu erledigen.

 

Insgesamt hat Ubisoft mit Watch_Dogs 2 ein tolles Spiel abgeliefert, das fast alles besser macht, als der erste Teil. Wem der erste Teil bereits gefallen hat oder wer auf GTA-inspirierte Open World-Spiele steht, kann eigentlich nichts falsch machen und wird für sein Geld momentan wahrscheinlich keine bessere Unterhaltung finden.

NB@17.11.2016